The Winds of Winter

Ab April diesen Jahres wird mit der achten Staffel Game of Thrones sein Ende finden, und ich hinke immer noch hinterher. Vor fast drei Jahren habe ich die Serie zum letzten Mal gesehen, und zwar nicht die damals aktuell laufende sechste, sondern erst die fünfte Staffel. Habe ich da überhaupt noch eine Chance mitzukommen?

Ja, absolut sogar. Von vielen Charakteren wollte mir vielleicht nicht sofort der Name mehr einfallen, sobald sie zum ersten Mal den Bildschirm betraten, aber insgesamt ist die Serie jetzt, wo es rapide gen Finale geht, eine ganze Ecke unkomplizierter geworden. Ich möchte geradezu sagen etwas gewöhnlicher sogar, oder bilde ich mir das nur ein, weil ich weiß, dass sich nicht mehr auf die Bücher gestützt werden kann, sondern die Drehbuchautoren auf eigenem Glatteis schreiben müssen?

Zugegeben beginnt die Staffel für mich nicht unbedingt an den motiviertesten Stellen, sondern bietet in den ersten drei Folgen unter anderem direkt all jene Charaktere, die ich lieber nicht mehr in der Show hätte. Wir beginnen mal wieder an diesem unsäglichen Wall, von dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Der langweilige Stark-Abkömmling, der seit gefühlt dreihundert Jahren im Visionen-Baum hockt, ist wieder mit dabei und hockt weiterhin schier ewig im Baum rum. Aus irgendwelchen Gründen gibt es immer noch Szenen mit Jon Snows fettem Freund und seiner Trulla, die ich eigentlich für erfolgreich aus der Serie herausgeschrieben erachtet hatte. Und Jon Snow ist zurück, um wie gewohnt hübsch auszusehen, permanent wie ein getretener Welpe in die Kamera zu blicken, und massiv das Publikum zu langweilen.

Was wäre es so geil gewesen, wenn der wirklich einfach weiterhin tot wäre. Nicht nur, weil ich mit ihm noch nie was anfangen konnte, sondern weil es einem als Zuschauer auch zeigen könnte, dass weiterhin jeder Charakter Fair Play ist, wenn es um ein mögliches Ableben geht. Stattdessen fühle ich mich persönlich so, als hätte ich mittlerweile ein ziemlich gutes Gefühl dafür, wer ein zu zentraler und wichtiger Charakter ist, um wirklich noch je ernsthaft in Gefahr zu sein, zumindest bis in die finale Staffel überleben wird. Wenn Arya Stark von ihrem Javert durch die Straßen der Stadt gejagt wird, oder wenn Jon Snow im Battle of the Bastards in jede einzelne Falle von Ramsey tappt, hatte ich nie auch nur für eine Sekunde in Betracht gezogen, dass dies wirklich ihr Ende bedeuten könnte. Lang her sind die Tage der Hinrichtung von Ned Stark oder einer Roten Hochzeit.

Aber irgendwann wendet Jon Snow wenigstens dem Wall den Rücken zu. Und auch aus dem Baum kommen wir raus. Wobei das Ableben von Hodor zwar eine gute Szene war, die Begründung, warum er nur dieses eine Wort sagen konnte, aber sowas von dämlich ist. Ich habe aber allgemein Game of Thrones mehr gemocht, als es noch weitestgehend in schnöder Realität verankert war, statt das an jeder Ecke scheinbar ein Seher oder eine Priesterin steht, die irgendwelchen Wortbrei über Religionen, Prophezeiungen und Schicksale von sich geben und eine gewisse magische Vorbestimmtheit eingebracht wird.

Ich konnte die sechste Staffel zumindest nicht schauen, ohne einen leichten Geruch von Scriptwriting 101 in der Nase zu haben. Die Staffel wirkte häufig nicht mehr ganz so überraschend, nicht mehr ganz so fies, einfach etwas vorhersehbarer und mit mehr Genre-Tropes versehen. Wie häufig kommen Charaktere hier in eine extrem brenzliche Lage, nur um in letzter Sekunde gerettet zu werden? Es gibt gleich mehrere Szenen, in denen Daenerys cooles Showmanship zur Machterlangung hinlegt. Und mal ganz ehrlich, wäre dies hier noch Staffel 4 oder so gewesen, wäre Jon Snow mit seinem idiotischen und unüberlegten Heroismus im Battle of the Bastards gestorben und seine genauso dämlich agierende Armee gleich mit, statt mit viel Pathos und einer weiteren Unterstützung in letzter Sekunde zu siegen. Gutmenschentum und Pathos wurden in der Serie bisher häufig bestraft, weil es keine gute Überlebensstrategien sind, während sie in Staffel 6 geradezu zelebriert werden.

Was nicht bedeutet, dass es nicht auch viel Gutes in der Staffel gibt. Genau genommen ist die Serie weiterhin die meiste Zeit über sehr spannend und geil gestaltet. Ich liebe es beispielsweise, wie einfach die Lannisters absolut von der neuen Religion überrannt werden, weil sie es schlichtweg nicht gewohnt sind, es mit jemandem zu tun zu haben, der absolut ehrlich überzeugt von seiner Sache ist, oder was für eine Macht doch selbst einfache Menschen in der Masse erreichen können, wenn sie scheinbar nichts mehr zu verlieren haben, ganz davon abgesehen, wie sehr sich Kults eben um charismatische Anführer aufbauen. Daenerys ist weiterhin eine coole Lady, egal wie aufgesetzt einige ihrer Szenen sein können, ihre großen Gesten sind cool, und auch wenn sie etwas zu einfach aus dem Konflikt mit den Mastern geschrieben wird (sie greifen von sich aus an, statt dass sie hinterher wirklich noch unkomfortablen Frieden mit Sklavenhändlern schließen müsste), so bewegt sie sich auch endlich mal wieder. Einige Tode sind immer noch überraschend, wie beispielsweise die Machtergreifung in der ersten Folge in Dorne, und zeigt sehr gut, warum man die Serie zu schauen begonnen hatte. Die Machtverteilung ist nämlich eben nicht langfristig in Stein gemeißelt.

Dass Best Boi Jorah sich endlich seiner Daenerys offenbaren darf, oder die Freundschaft zwischen Jamie und Brienne sind sowieso ganz schnuckelige Szenen, die immer gehen. Auch hier glaube ich nicht, dass ich mich in früheren Staffeln bei zwischenmenschlichen Freundschaften je so sicher gefühlt habe, dass nicht mindestens einer davon den anderen eventuell zu betrügen plant, doch so ein wenig ernste Freundlichkeit kann auch Game of Thrones nicht schaden.

Und wir bewegen uns nun definitiv stark aufs Ende zu. Spätestens in der letzten Folge scheint alles in Bewegung zu sein. Daenerys ist endlich auf der Überfahrt nach Westeros. Cersei, die zuletzt etwas zum ohnmächtigen Zuschauer verkommen war, brennt im wahrsten Sinne des Wortes alles nieder. Dorne, Tyrell und Daenerys Abgesandter verbünden sich gegen die Lannisters. Jon Snow wird der König im Norden. Der Cast an Charakteren ist stark ausgedünnt, um einiges an Ballast loszuwerden.

Wenn ich also auch während des Verlaufes der zehn Folgen hin und wieder mal eine Augenbraue hochziehen musste (und diese leichte Schwächen im Schreiben sind mehr im Direktvergleich zu den fantastischen ersten Staffeln denn sonstwas), so war ich am Ende wieder voll und ganz gehyped, wie es denn weitergehen wird, wenn die verbliebenen Charaktere aufeinanderzutreffen beginnen.

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