American Horror Story: Apocalypse

Ein neues Jahr, eine neue Staffel von American Horror Story. Eine Tradition, die so schnell nicht gebrochen werden wird, da die Serie bereits das grüne Licht bis Staffel 10 hat, uns also auf jeden Fall bis einschließlich 2020 erhalten bleiben wird.

Ich hätte dabei nicht gedacht, dass der Untertitel so direkt ist. Aber das ist er. Innerhalb der ersten Folge sorgt ein Ereignis dafür, dass die Welt untergeht, und während der nukleare Winter auf der Oberfläche sein Unwesen treibt, folgen wir nun einer kleinen Gruppe vom Collective ausgewählter (oder sich hineingekaufter, weil so ein Projekt natürlich auch finanziert werden muss) Leute in einem Bunker. Violett für den Apokalypsen-Adel mit besonders herausragenden Genen… oder viel Geld, und Grau für das ihnen dienende Fußvolk.

Im Bunker herrschen unter der schwarz gekleideten Miss Venable allerdings merkwürdig strickte Regeln. Natürlich besteht das Essen in so einer Extremsituation nicht aus besonders tollen Gaumenfreuden, aber kein Interkurs und nur ein Kuss pro Woche? Die Unterkunft ist nicht nur eingrichtet wie im viktorianischen London, sondern auch unter entsprechend puritanischer Leitung. Zumindest bis Michael Langdon auftaucht, der vom Collective stammt, und Psychospielchen mit den Bunkerbewohnern treibt, meinend er würde die Besonderen unter ihnen für eine zentrale Unterkunft auswählen, weil die einzel verstreuten bisherigen von Zombies überrannt werden.

Wie sich herausstellt ist er allerdings der Antichrist, der mit Hilfe der Iluminati die Apokalypse heraufbeschworen hat, und nun die letzten Hexen aus der dritten Staffel umbringen will, die sich ihm noch in den Weg stellen könnten. Außerdem ist er das Baby aus der ersten Staffel. Ich denke mal diesen peinlichen Satz geschrieben haben zu müssen reicht aus, um darzulegen, dass auch Apocalypse die Tradition von reichlich dämlichen Trash der Serie vortführt.

Das Problem für mich ist dabei eher wieder, dass sie häufig einige Durchhänger im Unterhaltungswert hat. Ich fand die ersten vier oder so Folgen im Bunker mit den Animositäten unter den Überlebenden und Langdons Spielchen mit ihren Egos tatsächlich recht gut und es schien in eine interessante Richtung zu gehen. Ich war echt gespannt, was geschehen würde, wenn sie in den neuen Bunker des Collectives gelangen. Das geschieht allerdings nie. Sobald wir herausgefunden haben, dass Langdon der Antichrist ist, springen wir in einen Flashback vor die Apokalypse und wie er aufwuschs, zum jetzigen sich geworden ist, und warum er die Hexen so hasst. In die Apokalypsen-Timeline geraten wir erst wieder für die finale zehnte Folge.

Das war mir ehrlich gesagt eindeutig zu viel Zeit verbracht in dem Teil der Narration, die wesentlich weniger interessant ist. Nur um herauszufinden, dass Michael eine schlechte Kindheit hatte? Dass ihn früher oder später jeder im Stich gelassen hat? Und was ist das Ziel dessen? Sympathie geht schlecht, da er als tatsächlicher Sohn Satans von Anfang an Tiere und Babysitter umgebracht hat, hat aus gutem Grund jeder ihm früher oder später den Rücken zugekehrt. Die umgedrehte Geschlechterdiskriminierung, weil die Hexen auf Grund ihrer größeren Macht auf die Warlocks hinabschauen, war sicher mal ein unterhaltsames Thema, aber auch hier wesentlich länger als erwünscht. Das ist glaube ich einfach das allgemeine Problem: Es ist nicht so, dass im Rückblick nicht interessante Themen zu finden sind, sondern das er einfach viel zu langgezogen ist. Es hätte vollkomen gereicht für drei Folgen in ihm zu verweilen und die drei letzten im Finale der Staffel wieder coolen Ereignissen in der Apokalypse zu gönnen.

Abgesehen davon, dass die Staffel sowieso rechts und links Tode wiederbelebt und sogar Zeitreisen einbringt, um Michael aufzuhalten. Da ist natürlich dann auch ein wenig das Lüftchen an Spannung raus, wann immer jemand in Gefahr ist oder etwas gehörig schief zu laufen beginnt, weil wir jetzt wissen, dass mit genug Magieschmalz alles wieder gerichtet werden könnte. Aber mittlerweile macht American Horror Story eh, was ihm gefällt. Mittendrin haben wir beispielsweise, wenn der Hexentest der 7 Wunder durchgeführt wird, einfach mal, dass die Serie in Stummfilm-Ästhetik umschaltet. Warum auch immer, fand halt jemand eine tolle Idee, egal wie merkwürdig es wirkt. Oder in einer Folge taucht aus dem Nichts Stevie Nicks auf, um einen Song zu singen, und dann nie wieder gesehen oder von geredet zu werden.

Apocalypse ist dabei auch die „Everyone is here!“ Staffel. Sie bringt die vorigen Staffeln mehr zusammen als je eine vorher. Wie gesagt sind die Ereignisse aus Murder House und die Hexen aus Coven wichtig, aber wir machen beispielsweise auch einen Abstecher nach Hotel. Und fast jeder wichtige Charakter aus einer vorigen Staffeln wird irgendwann mal durchs Bild getrieben und vom Originalschauspieler verkörpert. Ja selbst Jessica Lange haben sie zurückbekommen, der wahre Star der ersten vier Staffeln! Die Schauspieler, die nicht für diese Staffel zumindest kurz zurückgekehrt sind, kann man echt an einer Hand abzählen. Das ist natürlich der Vorteil, wenn man eine so erfolgreiche Serie mit weiterhin stabilen Einschaltquoten hat: Man kann sich mehr Cameos leisten. Abgesehen davon kann ich Bryan Murphy nur Respekt zollen, seine Erfolgsserien als Outlets zu nutzen den Traum eines jeden Schwulen zu realisieren: Jede Königin von einer Frau und jedes Sahnestück von einem Mann zu casten, für die er gerade eine Schwäche hegt.

Eigentlich hat sich bei American Horror Story also wieder gar nicht so viel verändert. Die Serie war immer dummer Trash, aber auch immer unterhaltsam, wobei einige Staffeln halt im Unterhaltungswert mehr schwächeln als andere – Apocalypse vorrangig in der zweiten Hälfte.

Werbeanzeigen
Hinterlasse einen Kommentar

2 Kommentare

  1. Sehe es ähnlich wie du. Ich mochte in diese Staffel auch die ersten paar Folgen. Obwohl ich die Hexen in der 3. Staffel genial fand, waren sie in dieser leider ein Faktor ohne den die Geschichte vermutlich besser funktioniert hätte. Sehr schade.

    Antwort
    • Ich muss eingestehen, ab einem gewissen Punkt hab ich immer auflachen müssen, wenn das Hexentrio erneut in Slow Motion zu ihrer Erkennungsmelodie durchs Bild geglitten sind, so extrem häufig geschah das :D

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: