Chilling Adventures of Sabrina

Ein weiteres aktuelles Netflix Original, über das mehr oder weniger viel geredet wurde, ist Chilling Adventures of Sabrina. Eine fiesere Herangehensweise an die Sitcom Sabrina the Teenage Witch, welche immer wieder zwischen blödem Trash und unterhaltsam-blödem Trash schwankte, jetzt wo dessen Zielgruppe auch erwachsen ist. Damit folgt die Serien-Adaption im Prinzip seinen Ursprüngen in den Archie-Comics, wo die für Kinder und frühe Teens konzipierte Teenage Witch in 2014 ihr edgy Chilling-Reboot bekam.

Ich stehe der Serie dabei eher mit gemischten Gefühlen gegenüber. Zum einen möchte ich ihr den reinen Unterhaltungswert nämlich nicht absprechen, wodurch ich mich die überschaubaren 10 Folgen nie je gelangweilt hätte. Es ist allerdings schon auffällig, dass sie nicht so gut oder in sich schlüssig geschrieben ist. Und halt manchmal die Edgyness einfach unnötig aufdreht, um sich seinem Alleinstellungsmerkmal und dem „Woah, Sabrina ist jetzt so dark geworden“-Effekt voll auszuschöpfen.

Das große Ding der Serie ist, dass Sabrina in den nächsten Tagen ihren 16. Geburtstag feiert. Die Halb-Hexe darf dann nämlich endlich ihren Namen ins Buch der Bestie eintragen und somit ihr Hexen-Geburtsrecht als Untergebene des Dunklen Lords antreten, um an seiner Macht teilzuhaben. Das Problem, welches sich über dies Story Arc der ersten drei Folgen streckt, ist dabei, dass sie zum einen ihr Leben mit ihren menschlichen Freunden auf der normalen High School und ihren Freund Harvey nicht aufgeben will, von Hexen aber erwartet wird, dass sie keine echten Beziehungen zu Normalsterblichen haben und auch auf ihre eigene Magieschule gehen. Dann kristallisiert sich noch schnell heraus, dass wer an der Macht Lucifers teilhaben will, sich auch an ihn bindet und ihm hörig sein muss, und mit dieser Freiheitsaufgabe hat es Sabrina auch nicht so ganz, zumal nicht sicher ist, welche Tragweite dies haben soll, warum sie darüber belogen wurde, und was so einige Charaktere planen das es ihnen überhaupt so extrem wichtig ist, ausgerechnet Halb-Hexe Sabrina im Buch stehen zu haben.

Sie schreibt natürlich letztendlich zunächst nicht ihren Namen ins Buch und kommt auch aus den daraus resultierenden Konsequenzen fast ein wenig zu einfach heraus, damit der Rest der Staffel geschehen kann. Nun geht sie eben auf beide Schulen, hat sowohl mit ihrem menschlichen wie hexischen Leben zu tun, und die wirklichen Probleme jene in Einklang zu bringen mögen sich eigentlich auch nicht stellen. Stattdessen kommt es eben zu mehreren übernatürlichen Ereignissen und Mysterien, die gelöst werden müssen, wobei allerdings auch viel in die roten Fäden einspielen. Eben warum es dem Dunklen Lord so wichtig ist, dass Sabrina im Buch steht. Was wirklich mit ihren verunglückten Eltern geschehen ist. Was überhaupt das Ziel der mysteriösen Madame Satan sein soll. So wirklich gelöst wird davon allerdings hier noch nichts. Mir wäre es da teilweise manchmal fast lieber, wenn nicht immer wieder zur übergeordenten Handlung gegangen worden wäre, sondern tatsächlich mehr in sich geschlossene Einzelgeschichten erzählt würden.

Um den entsprechend düsteren Edgy-Quotient zu erfüllen sind Hexen in dieser Serie halt im Prinzip einfach Satanisten. In der Schule steht eine Statue von Baphomet (was die Serie auch in Schwierigkeiten brachte, als Randnotiz), sie gehen ein Bündnis mit dem Dunklen Lord für ihre Mächte ein, sie preisen Satan in ihren Gebeten. Manchmal stößt sich das allerdings auch. Tante Zelda scheint sich nie so richtig entscheiden zu können, ob sie nun nett und fürsorglich ist, oder ob sie doch hartgesotten und den Regeln ergeben ist, je nachdem wie der Plot der aktuellen Folge das benötigt. Viele Hexen werden als ganz nette und normale Menschen porträtiert, gerade eben die Spellmans, und dann schüttelt die Serie aber doch schnell mal aus dem Ärmel, dass es kannibalistische Rituale gibt und sie vor Mord nicht zurückschrecken. Besonders wankelmütig ist hier Sabrina auf der zweiten Hälfte der Serie, die mal der ganz liebe Gutmensch ist, und dann doch wieder scheinbar über Leichen zu gehen bereit ist. Dies aber nicht als schlüssigen langsamen Abstieg in einen aus den Schatten geleiteten dunklen Pfad erscheinend, wie das die Serie gerne hätte, sondern schlicht nach Belieben wechselnd, einfach nur für den Überraschungseffekt erscheinend.

Dazu kommen dann noch Plotpunkte, die irgendwie komplett verschwinden, als hätte man sich ursprünglich was bei ihnen gedacht, sie dann aber doch wieder herausgeschrieben. Relativ früh in der Serie entdeckt beispielsweise Sabrinas Cousin Ambrose an einer Leiche (die Spellmans haben ein Bestattungsunternehmen), dass dies ein Warlock ist, der eventuell von einem Hexenjäger umgebracht wurde. Er bekommt dessen Familiar in die Hände und versucht über diesen eventuell hinter das Geheimnis zu kommen. Prompt taucht zur Beerdigung des Warlocks ein heißer Kerl auf, der sich als dessen Ex Lucas ausgibt, mit Ambrose flirtet, und nach einer gemeinsamen Nacht verschwunden aber der Familiar des Warlocks tot ist. Schon sehr eindeutiges Forshadowing meiner Meinung nach. Nur wird der ganze Subplot über einen möglichen Hexenjäger dann komplett aus der Serie gestrichen und auch Lucas taucht erst wieder ganz am Ende auf, und ist plötzlich mit Ambrose zusammen, nur weil der Plot jemanden brauchte, der Ambrose im Finale zurückhält, nicht weil Lucas wirklich ein Charakter in dieser Staffel gewesen wäre.

Oder die Folge, in dem die Spellmans dem Vorstand der Dunklen Kirche und seiner Frau ein Wahrheitsserum einflößen, und dadurch dessen heimliche Vaterschaft zu einem anderen Charakter aufzudecken. Wird nie wieder wichtig, und es hat auch keine Auswirkung auf die Beziehung zwischen ihm und den Spellmans, obwohl man davon ausgehen würde, dass jene jetzt sicherlich wesentlich angespannter ist.

Die finale Viertelstunde ist eh ein Clusterfuck an „Oh edgy! Oh überraschend“ Aha-Effekten und unnötigem Sequel-Bait hoch Zehn, so dass sich für mich die eh schon wackelige Serie da fast komplett an den Nähten aufgelöst hat, und ich fast weniger bereit bin die zweite Staffel zu schauen, statt mehr. Da wird einfach viel kaputt gemacht, und es wirkt einfach mal wieder nicht sonderlich von den Schreibern vorausgeschaut, dass nämlich jene jetzt massiv Probleme haben wird, wie sie dort ansetzen will. Wenn die nicht einfach fast alles davon wegignoriert wie es das anschließende Weihnachtsspecial getan hat.

Natürlich hat die Serie auch ein paar gute Ideen. Beispielsweise den Misogynie-Aspekt. Der gehört bei Geschichten um Hexen ja fast obligatorisch dazu, weil eben die Hexenverbrennungen hauptsächlich dazu da waren, eigenständige und sozial nicht konforme Frauen loszuwerden. Weil es meist so dargestellt wird, dass das Erlangen jener Kräfte nun dazu da ist, aus sozialen Konventionen eher ausbrechen und Unterdrücker bestrafen zu wollen. Da finde ich es beispielsweise ganz interessant, das es in der Serie angesprochen wird, dass sich wirklich die vollen Kräfte über das Buch des Biests zu holen, über den eingegangenen Packt doch wieder nur einem „Mann“ im Dunklen Lord unterstellt wird, der frei über einen verfügen kann. Natürlich ist die Serie prompt wieder nicht ganz gut genug geschrieben, dies immer so interessant zu behandeln. Wenn uns beispielsweise mehrmals gesagt wird, dass auch der Direktor der High School ein unterdrückender Despot sein soll, dies aber nie wirklich durch sein Verhalten untermauert wird. Und das es ja auch Warlocks, also männliche Hexen, gibt, macht es natürlich auch etwas weniger ein starkes Bild.

Von daher kann man sagen, dass Chilling Adventures of Sabrina eigentlich fast aus dem gleichen Grund einen Unterhaltungswert darbietet, wie das thematisch und stilistisch doch eigentlich so sehr gegensätzliche Sabrina the Teenage Witch: Der Trash-Faktor ist da. Ganz so blöd ist Chilling zwar nicht, aber halt doch oft unglaublich schlecht durchdacht und im Verlauf umgeschrieben erscheinend. Es versucht sein „Oh so düster“ etwas zu angestrengt. Die Charaktere sind je nach Notwendigkeit sehr wankelmütig. Aber ja, einer etwas gemeineren Sabrina im Kampf gegen Monster und Magie zu folgen, bei dem eben auch der Horror-Einschlag wirklich zum Tragen kommt, hat selbst wenn man sich der Unzulänglichkeiten der Serie bewusst ist, einen nicht unerheblichen Attraktionsfaktor. Der weitestgehend negative Beitrag von mir soll hier auch eher dazu dienen, nicht zu viel, und schon gar nicht sonderliche Intelligenz, von der Serie zu erwarten, und weniger sie wirklich als unschaubar darzustellen. In dieser Hinsicht nämlich die Erwartungen zu zügeln, hebt letztendlich einfach das Sehvergnügen.

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Ein Kommentar

  1. Ich kenne ja von der Sabrina nur die Cartoon-Serie und gar nicht das trashige Original. Dank des Dosenlachens und der stupiden Handlung bin ich aber auch gar nicht so wirklich an letzterer interessiert.

    Dank deines Beitrages, bei dem ich irgendwie häufig an Alice im Wunderland (Reboot von Disney und die edgy Videospiele) denken musste, weiß ich nun, dass ich nicht die neueste Adaption, an der ich bereits vorher nur mäßiges Interesse hatte, nicht schauen muss.^^

    Antwort

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