20 Years Later: Ocarina of Time

Ugh. Ok. Also. Pflaster schnell abreisen und sich direkt unbeliebt machen: Mir hat Ocarina of Time nicht sonderlich gelegen. Tun die Zeldas aber allgemein nicht so. Abgesehen von Link’s Awakening, der Teil ist gut. Sampling diverser anderer Teile hat historisch gesehen allerdings weniger für mich gefruchtet.

Von Ocarina of Time hatte ich damals, als ich für gefühlte 3 Sekunden vom SNES aufs N64 wechselte, bevor ich merkte, dass diese Konsole nichts für mich zu bieten hat und sie besser mit einer PlayStation ersetzt ist, bereits das Original. Mit ein paar anderen obligatorischen Käufen wie Super Mario 64, Yoshi’s Island 2 und Banjo Kazooie. Ocarina of Time habe ich damals schon nicht durchgespielt gehabt, sondern kurz ins Erwachsenen-Stadium hinein abgebrochen. Wie dies allgemein mit mir und Zelda häufig der Fall ist.

Was mich bekanntermaßen nicht davon abhält immer mal wieder meinen gesunden Menschenverstand auszuhebeln, der wohlweislich darauf besteht, dass ich und die Serie einfach nicht klicken, und man irgendwann einfach wissen muss, wann es besser ist aufzugeben. Selbst nach dem desaströsen Erlebnis, Twilight Princess Wii mein Eigen nennen zu müssen. Denn als mich The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D im super billigen Select-Release anschaute, schaute mein ewig hungriges Backlog zurück. Und wo das Spiel doch vor kurzer Zeit sein 20. Jubiläum feierte – also auf N64 nicht 3DS versteht sich –, habe ich mich dazu entschlossen es diesmal wirklich und wahrhaftig durchzuspielen, um diese extrem eklatante Lücke an Gamingkultur gestopft zu bekommen und jedem erzählen zu dürfen, dass Ocarina of Time eben nicht das beste Spiel aller Zeiten ist.

Eine Sache kann ich Ocarina of Time auf jeden Fall ganz unironisch und gutmütig bestätigen: Es hat es geschafft die Zelda-Franchise in die dritte Dimension zu versetzen, und dies wesentlich kompetenter hinbekommen, als so einige andere, gerade auf Action ausgelegte, Franchises, die in der 2D-Generation starteten. Dazu muss natürlich eingeräumt werden, dass das N64 mit 1996 und Ocarina mit 1998 jeweils auch eher spät zur 3D-Party erschienen sind, was hier sicherlich vielen Frühfehlern vorbeugen konnte. Viel mehr als das Spielprinzip funktionstüchtig in die polygonalen Ebenen zu verfrachten war damals gar nicht nötig, und ehrlich gesagt leistet das Spiel auch nicht viel mehr.

Retrospektiv ist es halt schon etwas barebones und ich möchte sagen geradezu langweilig. Was ich beispielsweise merkwürdig fand war, dass aus der Dualität zwischen dem jungen und erwachsenen Link erstaunlich wenig gemacht wird. Für ein paar Nebensachen ist es nötig, aber wenn ich mich recht erinnere muss für die Hauptaufgaben, sobald aus Link ein Ikemen geworden ist, nur für den Beginn des Spirit Temples wieder zum Kleinkind gewechselt werden, damit der für sein zukünftiges Ich ein Rätsel löst. Und auch da beweist das Spiel nicht unbedingt viel Kreativität, wäre die Öffnung nicht zu eng gewesen, hätte jedes Puzzle zu Beginn des Spirit Temples so auch 1:1 für den Erwachsenen funktioniert. Allgemein gesehen benutzt das Spiel sowieso einige davon ziemlich häufig. Kisten zu verschieben zum Beispiel oder gar dieses unsäglich Auffinden von 5 grauen Rupees, wird ohne wesentliche Änderung überall wiederverwertet, und gerade letzteres im Finale des Spieles viel zu häufig. Wobei ich schon anmerken muss, dass ich es einen netten Einfall fand, dass in Ganon’s Castle für jeden vorigen Tempel sozusagen ein kleiner Bereich existiert, der jenen thematisch reproduziert. Macht das letzte Dungeon nämlich schön kurzweilig.

Es gibt auch so ein paar fragwürdige Entscheidungen. Mir zum Beispiel ging es echt auf den Keks, dass Link immer wieder in Kokiri respawned, wenn außerhalb eines Dungeons das Spiel beendet wird. Zumindest bis der erwachsene Link die Warp-Songs lernt, was mir etwas lang dauert. Auch wenn die Hyrule-Ebene gar nicht ganz so groß ist und man Epona bekommt, war mir die Fortbewegung fürs Backtracking etwas langsam ausgefallen. Genauso ging mir beim Kind-Teil die Eule mit ihren ständigen Tips auf den Nerv, vor allem da jemand dachte besonders fies zu sein, und den Cursor am Ende auf die Wiederholen-Antwort zu legen, so dass man nicht mal schnell durchklicken kann, da man sich sonst schnell in einer Endlosschlaufe aufhält. Herzteile komplett vom RNG abhängig zu machen, wie das beim Friedhof-Graben der Fall ist, gehört sowieso verbannt. Vernachlässigbar aber auch etwas fragwürdig fand ich zudem, dass alle Belohnungen für die Zeitaufwändige Jagd nach den 100 Skulltullas durch die Bank weg wertlos sind. Solange man auf einen letzten Herzcontainer verzichten kann. Man sollte zunächst meinen die Geldbeutel-Erweiterungen wären noch praktisch, bis man feststellt, dass es im ganzen Spiel nie nötig wird, irgendwas zu kaufen (nach dem ersten Deku-Schild).

Ich weiß zudem nicht, ob dies erst in der 3DS-Version der Fall ist, aber so wirklich geil steuert sich das Spiel eh nicht immer. Der Analognubsi ist beim Handheld zumindest dafür bekannt, nicht immer die besten Resultate zu liefern, was gerade bei den Wettrenn-Minispielen nachteilig sein kann. Viel schlimmer ist allerdings, wenn die Kamera sich dazu entschließt, gen Decke oder zu Boden zu zeigen, weil man zu nahe an einer Kante steht oder so, und die komplette Übersicht flöten geht. Ob das L-Targeting in gehetzteren Situationen funktioniert, scheint auch absolute Glücksache zu sein. Bei dem Quallenboss in Jabu Jabus Körper zumindest hat die für mich konsequent komplett versagt und so gut wie nie die Tentakel ins Visier genommen. Manuelles Anvisieren in First Person ist, über Gyroscope-Steuerung oder Analognubsi egal, zumindest bei Bossen oft zu langsam und plump, um wirklich Spaß zu bieten. Ich finde es zumindest vielsagend, dass im Kampf gegen Ganondorf, wenn das Spiel einem den Autotarget wegnimmt, jener sich im Prinzip so gut wie gar nicht bewegt, damit das manuelle Zielen nicht zu viel Frustmomente bereithält.

Aber wenigstens über die Handlung und Charaktere kann ich nicht viel meckern. Ich habe über die letzten Jahre nämlich echt Spiele zu schätzen gelernt, die so gut wie keine haben bzw. sie bestenfalls als blödsinniges und leicht ignorierbares Beiwerk bieten. Ocarina of Time bewegt sich hier auf absolut stereotypen Fantasy-Pfaden, und da ist es schön, dass nicht viel unnötig um etwas geschwafelt wird, was eh nichts hergibt. Schön aber, dass Zelda eine etwas größere Rolle als üblich hat. Was das Spiel hingegen ähnlich wie Animal Crossing oder Monster Hunter macht, ist, einzelne Momente durch schräge Charaktere und witzige Einlagen charmant zu gestalten, um das Vakuum einer skelettierten übergeordneten Haupthandlung oder Hauptcharakteren ohne eigene Persönlichkeit zu füllen. Hier muss ich allerdings anmerken, dass das Spiel tatsächlich nicht meinen Nerv trifft und ich nie wirklich einen jener Momente witzig oder charmant fand. Passt natürlich dann dazu, dass ich Hyrule eh für einen ziemlich langweiligen Schauplatz halte. Die Zeldas, die woanders spielen, wirken zumindest auf mich immer kreativer und interessanter gestaltet.

Ich war echt etwas überrascht, dass das 3DS-Remake optisch wohl doch so viel ändert. Man merkt es halt hauptsächlich in den Charaktermodellen der Hauptfiguren. Aber auch Nebenfiguren und Umgebungstexturen wurden aufgebessert. Das fiel mir nicht so auf, weil ich das Ergebnis ehrlich gesagt etwas inkonsistent finde. Die Hauptfiguren stechen so stark aus dem Rest heraus, dass man schnell fehlgeleitet denken könnte, der Rest wäre wirklich 1:1 die N64-Grafik nur weniger schwammig. Ich bin aber wie gesagt auch nicht wirklich mit der Konsole aufgewachsen, weswegen die strickten großflächig geometrischen Figuren der Umgebung seiner Spiele auf mich immer etwas befremdlicher wirken, als die von mir gewohnte PlayStation mit ihrem Textur-Warping beispielsweise.

Unter Strich kann ich zwar wirklich nicht so weit gehen zu behaupten, dass The Legend of Zelda: Ocarina of Time ein schlechtes Spiel ist, aber etwas langweilig fand ich es schon. Wenn man 20 Jahre später nämlich nicht mehr den Wow-Effekt hat, dass Zelda jetzt in 3D ist und immer noch alles funktioniert, bleibt nur ein ziemliches Standard-Abenteuer übrig. Ein paar Sachen haben mich wie erwähnt sogar genervt, aber die waren gar nicht mal ganz so häufig, und meist ist es ja so, dass wenn in einer Spielesession einem erst mal eine Sache auf den Keks ging, jede darauffolgende Kleinigkeit plötzlich viel schlimmer erscheint. Begeisterung klingt aber definitiv auch anders.

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7 Kommentare

  1. Ocarina of Time halt. Nicht schlecht, aber längst nicht so gut wie sein Ruf. Falls du dich an meinen Beitrag erinnerst, weißt du vielleicht noch, dass ich ebenfalls meine Probleme mit der Kamera hatte und wenn ich von Kennern beider Versionen höre, dass diese im Remake sich verbessert hat, möchte ich nicht wissen, wie schlimm die Kamera im Original gewesen ist.

    Ich frage mich nur gerade, wieso du dich noch unnötig mit dem Franchise quälst.^^ Ist das Masochismus oder wolltest du wirklich nur diese angebliche Lücke füllen?

    Antwort
    • Wenn ich doch nur wüsste, woran es liegt :D Zum Teil ist es natürlich wahrscheinlich wirklich die Faszination, warum die Serie so beliebt ist, aber nicht mit mir klickt. Ist ja jetzt auch nicht so, dass ich ständig ein Zelda spielen würde, sondern halt alle paar Jahre versuche ich mich wieder dran. Link’s Awakening gefällt mir beispielsweise auch, da hege ich vielleicht auch einfach die Hoffnung, dass sich das irgendwann mal wiederholt und ich sagen kann das, ja, ich mag Zelda auch hin und wieder. Aber klar, rein logisch hätte ich schon längst aufgeben sollen.

      Antwort
      • Im Grunde genommen gleicht deine Neugierde ein wenig meiner gegenüber der Tales of-Reihe, die ja für Orgasmen bei vielen sorgt, mich aber eher kalt lässt. Inzwischen habe ich aber darauf gelernt und versuche, nicht mehr mein Geld für etwas rauszuwerfen, was häufig genug einfach nur ein müdes Gähnen bei mir hinterlässt. Aber ich habe im Gegensatz zu dir auch kein einziges Exemplar so richtig gemocht.

      • Tales ist eine Serie, die ich hochgradig kurios finde, weil bis vor dem Release von Symphonia die allgemeine Spielerstimmung mehr „Eh, ganz brauchbar, aber zu vorhersehbar und etwas zu button-mashy im Kampfsystem“ war, während sie dann anschließend plötzlich stärker gegen „OMG, so geil, Weeb-Out“ ging – wobei glaube ich seit der PS3-Zeit auch wieder eine Übersättigung eingesetzt hat. So richtig mit beschäftigt habe ich mich selbst mit der Reihe allerdings nicht, vielleicht mal abgesehen von drei Kurzversuchen an Phantasia, von dem mir aber auch jede sagt, es wäre nicht Reihen-Repräsentativ.

  2. Ich kann nicht darauf antworten, daher einfach so: Phantasia wird wohl meines Wissens nach deshalb als nicht repräsentativ angesehen, da die Präsentation längst nicht so in die Anime-Klischee-Scheiße reingreift und es wie viele andere Spiele der Ära eine simplere, konventionelle Geschichte erzählt. Durch diese Gründe finde ich es zwar nicht berauschend, es gefällt mir jedoch von meinen Erfahrungen bisher am besten. Harmlos, kaum der Rede wert eigentlich. Wie weit bist du denn damals gekommen?

    Mir hat man schon aber mal gesagt, dass ich Spielen zu kritisch gegenüber stehe und auch wenn mir meine gewachsene Härte aufgefallen ist, war ich einfach schon immer skeptisch wenn es um meine Hobbys geht. Mir liegen sie einfach zu sehr am Herzen, als dass ich nur laue Lobpreisungen aussprechen möchte. Wie ist es bei dir? Bist du härter in deinen Urteilen geworden, also auch unabhängig vom Erwachsenwerden?

    Antwort
    • Ich glaube unabhängig vom Erwachsenwerden und mehr kritische Standards entwickeln fällt auch mit hinein, dass man mit der Zeit einfach auch mehr und mehr gespielt hat, und sich dadurch eventuell auch nicht mehr so einfach begeistern lässt. Es fällt einem schnelle auf, dass Spiel A doch nicht so besonders ist, weils schon dutzend Spiele vorher gemacht haben, oder dass andere Spiele eine interessante Sache schlicht besser machten, oder es ist einfach absoluter Standard, der eigentlich durchaus kompetent und brauchbar ist, man ist aber genau das gerade leid, weil kurz vorher schon eine Reihe ähnlicher Standard-Spiele gezockt worden sind. Mir fällt allerdings auf, dass ich von Natur aus ein eher kritischer Mensch bin, häufig besser erklären kann, was ich woran nicht gut fand als das, was ich gut fand, und dadurch auch gern mal negativer klinge, als ich das eigentlich meinte.

      Tales of Phantasia auf dem SNES hab ich direkt zu Beginn nach dem Boss im Kanalisations(?)-Dungeon aufgegeben, weil mir das Kampfsystem viel zu clunky war. Später beim sich flüssiger spielenden PSX-Remake war ich glaub ich so bei 6 oder 7 Stunden, als ich es kurzzeitig pausiert und dann schlicht nicht wieder aufgegriffen haben. Ich glaube mir ging da aber auch ein wenig auf den Keks, dass man sozusagen nur einen Tank-Charakter hat, und des schwer ist damit größere Gegnergruppen oder von beiden Seiten kommende von den anderen Gruppenmitgliedern fernzuhalten, damit die einem nicht wegsterben.

      Antwort
  3. Das ist ein guter Punkt, der wohl auch erklärt, wieso ich die Golden Sun-Spiele im Gegensatz zu dir mag, während ich hingegen mit den von dir gemochten Breath of Fire so meine Schwierigkeiten habe. Beides mit Sicherheit keine schlechten Reihen, doch letztendlich hängt es eventuell auch vom Zeitpunkt des Kennenlernens ab, ob man mehr mit diesen Spielen anfangen kann, oder eben nicht.

    Worin ich mich auch bei dir sehe, ist die Tatsache, kaum etwas zu positiven Aspekten sagen zu können, während ich bei den negativen schwerlich aufhören kann. Das mag aber eventuell auch einfach in der Natur des Menschen liegen, dem negative Erfahrungen eher im Gedächtnis bleiben. Ganz sicher sagen lässt es sich jedenfalls nicht.

    Dann war das relativ am Anfang des Spiels. Wenn ich mich recht entsinne, hatte ich gelegentlich auch meine Schwierigkeiten mit dem Kampfsystem, bis ich merkte, dass man die Techniken des Hauptprotagonisten ausschließlich für die Störung der Aktionen der Bosse nutzen muss. Quasi ein Hau-den-Lukas, bei dem der gewinnt, der als erstes zuschlägt und am meisten nervt. Naja, das war jedenfalls meine Erfahrung.

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