Red Christmas

Red Christmas ist ein australischer Beitrag in das nicht enden wollende Fass an weihnachtlichen Horrorfilmen. Was für mich als Mitteleuropäer natürlich irgendwie etwas befremdlich wirkt, da die südliche Hemisphäre im Dezember Sommer hat. Die ganze saftig-grüne Pflanzenwelt und sommerlichen Kleider neben Weihnachtsdeko zu sehen, ist von der Stimmung her halt irgendwie strange, wenn man dies so nicht gewohnt ist.

Wir beginnen den Film mit einem Rückblick auf eine Abtreibungsklinik vor 20 Jahren, in der ein religiöser Fanatiker eine Kofferbombe hochgehen lässt und anschließend ein Abtreibungsbaby, welches den Vorgang überlebt hat (man sollte nicht zu lang drüber nachdenken), mit heimnimmt, um es in seinem religiösen Wahn aufzuziehen.

Mittlerweile sind wie gesagt 20 Jahre vergangen und Diane möchte Weihnachten mit ihrer erweiterten Familie verbringen. Es ist ein besonderes Fest, da es das letzte sein wird, welches im Haus, in dem sie mit ihrem verstorbenen Mann ihre Kinder großgezogen hat, gefeiert werden wird. Dass sie es verkaufen und sich die letzten Jahre ihres Lebens mit den daraus erschwinglich gemachten Reisen verbringen will, stößt allerdings gerade einer Tochter schlecht auf, da sie dann auch das Haus verlassen werden muss.

Bald schon hat die Familie allerdings ganz andere Probleme, denn sie bekommen Besuch von einem merkwürdigen Vermummten, der ihnen einen Brief vorlesen möchte. Welcher Dianes Abtreibung zum Thema hat, weswegen die ursprünglich karitativ eingestellte Frau ihn wüst schimpfend wieder rauswirft. So von seiner eigenen Familie enttäuscht, bleibt Cletus natürlich nichts Anderes übrig, als sie nach und nach umzubringen.

Für seine 80 Minuten ist Red Christmas also eigentlich sehr einfach und unkompliziert aufgebaut. Durch den Rückblick zu Beginn ist sowieso gleich klar, was die Absicht von Cletus bei der Familie ist, und warum das schnell aufs Morden hinauslaufen wird. Und da überrascht der Film auch nicht sonderlich. Höchstens interessant sein könnten einige Quirks in der Familie an sich. Beispielsweise ist eine von Dianes Töchtern absolut religiös-verklemmt, hat sich einen entsprechenden Mann angelacht. Und als der eine der anderen Töchter und deren Stecher beim Rammeln erwischt, schaut er voyeuristisch heimlich zu und masturbiert dann später im Wandschrank – scheinbar mehr wegen dem nackten Hintern des Kerls. Darauf wird jedoch nie wieder eingegangen, es ist mehr ein Randgag fürs Publikum.

Was der Film allerdings zum Thema macht ist das Down-Syndrom. Es ist der Grund, warum Diane die Abtreibung überhaupt machte, denn ihr Mann war bereits krank, und mit vier Kindern, von denen bereits eines Down-Syndrom hat, wollte sie sich es nicht aufbürden ein weiteres mit jener Diagnose großziehen zu müssen. Und auch wenn der Film seinem Killer die Behinderung gibt, so muss ihm immerhin zu Gute gehalten werden, dass er überraschend sensibel mit Jerry umgeht, dem ersten Down-Kind von Diane. Insofern als dass er ein ganz normaler Charakter des Filmes ist, auf dessen Kosten keine Witze oder sonstiges gerissen werden.

So ganz retten können die wenigen Quirks in den Charakteren oder in der Regie den Film allerdings nicht. Abgesehen davon, dass einige auch einfach nerven, wie die häufig sehr wackelige und nah rangezoomte Kameraführung, die weniger die Hektik der Situation wiedergibt, als es vielmehr einfach verdammt schwer macht mitzubekommen, was überhaupt abgeht. Wenn dann endlich mal jemand umgebracht wird, dann ist Red Christmas für einen Lacher gut, denn die sind irrsinnig over the top und gleichzeitig gar nicht mal so sonderlich gory. Dazwischen ist der Film halt nicht immer der spannenste, während sich die Familie im Haus verkriecht. Das ist vielleicht auch ein wenig das Problem, denn Red Christmas mag kein schrecklicher Film sein, aber einfach schrecklich blöd zu sein, so dass man sich herrlich drüber amüsieren kann, wäre vielleicht die bessere Alternative gewesen, als das gelieferte Produkt, welches ein Stück weit einfach Eindruckslos vorbeizieht. Von einem witzigen Kill hier und da mal abgesehen stehe ich ihm zumindest sehr ambivalent gegenüber.

Frohes alljährliches Tannenbaummassaker allerseits!

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