The journey to Journey: flow & flower

Man kann ja nicht wirklich nur AAA-Spiele zocken, die über 10 Millionen Einheiten abgesetzt haben wie Monster Hunter World, sondern muss sich auch mal ganz unmainstreamig zum Ausgleich mal den Artsy-Indies zuwenden. Wobei das natürlich alles relativ ist in der Journey: Collector’s Edition, da alle drei Spiel Indie-Darlings mit zig Auszeichnungen sind, von denen auch noch die letzte Zocker-Omi gehört hat. Den Anfang macht allerdings nicht die Hauptspeise, über die sich Entwickler thatgamecompany kurzzeitig in den Bankrott ruiniert hat, sondern die Aperitifs flow und flower, die beiden spirituellen Vorgänger, die mit ihr ins Bundle gepackt wurden.

flow ist das Upgrade eines Studentenprojektes der thatgamecompany Gründer, welches wohl mehr dazu da war, um mit adaptivem Schwierigkeitsgrad zu experimentieren, weniger um bereits wie andere Spiele der Firma eine Geschichte ohne Worte zu erzählen. Obwohl da schon irgendwas los ist mit den Farben beim sich entweder nur an Plankton oder anderen Tierchen zu vergreifen. Ist der Zell-Phase von Spore auch im Grundkonzept nicht unähnlich. Wir bewegen einen Organismus durchs Wasser, durch das Essen von anderen wird er größer, bis die unterste Ebene erreicht wird. Nur das man bei flow nicht gezwungen ist, die Ebenen bei einer gewissen Größe zu wechseln, sondern sich selbst dazu entscheidet, in dem der rote oder blaue Kreis gefressen wird, je nachdem ob man noch mal eine Ebene nach oben oder unten wechseln will.

Das ist wohl als ziemlich meditatives Zen-Gaming gedacht. Durch die minimalistische Graphik mit den hübschen, weißen Lichtorganismen, deren Verzierungen über das Wachsen langsam detaillierter und Schwänze länger werden, während chillige Musik im Hintergrund spielt. Sich im wahrsten Sinne des Wortes treiben lassen also. Nicht so viel denken, einfach machen. Dem kommen nur zwei Dinge für mich in den Weg.

Zunächst einmal gibt es auch Gegner, um das Unterfangen game-iger zu machen. Je nach Organismus, sobald man einen beendet hat darf man nämlich mit einem anderen spielen, scheint es unterschiedliche Fressfeinde zu geben, die einen von sich aus angreifen. Wieder andere wehren sich natürlich, wenn man von selbst beginnt sie zu fressen. Verliert man einige Segmente des Körpers seines Organismus, dann wirft einen das Spiel direkt eine Ebene höher. Was nervt, wenn man nur das Ziel erreichen wollte und mehrere Stufen hochgeworfen wird. Besonders bei den langsamen Organismen, die ihre Probleme haben Feinden aus dem Weg zu kommen oder rechtzeitig die rote Kugel zu erwischen, bevor sie von jenen gefressen werden.

Was auch nicht hilft und mein zweiter Kritikpunkt ist, sind die Motion Controls. PS4 flow lässt sich ausschließlich über die Sixaxis-Steuerung des Controllers bewegen. Zu den Seiten lehnen für die Kurven, nach oben oder unten halten für Richtungswechsel etc. Mir ging die Steuerung das komplette Spiel über tierisch auf die Eier, die Richtungswechsel fühlten sich nie natürlich an, ich war ständig am Ringen mit dem Controller. Das war sicher auch nicht Sinn der Sache, sondern eben durch Motion Controls stattdessen die Bewegungen zu vereinfachen, sich natürlicher involviert zu fühlen. Dafür müssen sie aber dann auch besser funktionieren. Und keine alternatives traditionelles Kontrollschema optional anzubieten, gehört eh per Gesetz verboten.

Zudem, aber wahrscheinlich maßgeblich durch diese zwei Punkte mitbeeinflusst, war mir das Spiel zu lang. Es ist nicht wirklich der Bezeichnung wert, da man wahrscheinlich nach einer Stunde bereits die Credits sehen wird (die nett interaktiv sind, um auch etwas Positives geschrieben zu haben). Doch war ich das Spielprinzip ehrlich gesagt nach drei Organismen leid, da müssen aber noch drei oder vier weitere benutzt werden.

Mit einem von Sony finanzierten 3-Spiele-Vertrag und dem dort zunächst aufgewerteten flow unter den Schwingen, ging es anschließend zum spirituellen Nachfolger flower. Wie die Blume, sicherlich, aber natürlich passend doppeldeutig funktioniert es auch als Steigerung, wäre flow ein Verb. Diesmal auch etwas mehr Spiel statt Experiment, mit einer nonverbalen Geschichte, klareren Zielen, und einer stärker präsenten Levelstruktur.

Ich meine, theoretische ist die gar nicht so anders, wir starten mit einem Blumentopf auf der Fensterbank der grauen Stadt, und sobald mit jener Blüte das Level durstanden ist, seht eine neue zur Auswahl. Wahrscheinlich ist das eher ein Placebo-Effekt dadurch, da die Blumen und eigentlichen Levels nicht auf der gleichen narrativen Ebene sind, dass dies anders strukturiert wirkt. Was die Aussage hinter allem ist, abgesehen davon das Pflanzen unserem grauen Alltag Farbe verleihen, sei auch mal dahingestellt, da bietet flower erneut nicht genug, um wirklich Interpretationen in jedweder Richtung entgegenstehen zu können. Interessant aber zumindest, auch hier enden wir damit, dass wir einen riesigen Lebensbaum aus Ruinen wachsen lassen, ganz wie später auch bei Abzû.

Statt im Wasser zu treiben und vor sich hin zu omnivoren übernehmen wir in flower stattdessen die Rolle des Windes, der ein Blütenblatt über die Felder und Wiesen treibt, und dabei mit jeder neu erblühenden Blume ein weiteres aufnimmt, bis daraus ein Taumel an Farben geworden ist, der kaum noch zielen muss, um ganze Gärten erblühen zu lassen.

Zielvorgaben sind visuell ziemlich klar: Alle mit einem leuchtenden Schein umgebenen Blumen erblühen lassen, und der Weg zum nächsten der drei Abschnitte des Levels öffnet sich. Wobei es zusätzlich noch einige optionale Blumen auf den Wiesen gibt, für Trophies, für versteckte Collectible-Blumen, oder einfach nur um mehr Spaß zu haben, im Prinzip ausschließlich Okamis Natur-Erwachen-Cutscenes dauerhaft zu erspielen. Wobei es allerdings für die finalen zwei Level einen ordentlichen thematischen Bruch gibt, wenn statt sich über Wiesen treiben zu lassen plötzlich ein gefährliches Labyrinth aus Strommasten auftaucht oder eine graue Stadt eingefärbt wird. Doch weiterhin alles, in dem man sich von Blume zu Blume hangelt sozusagen.

Mir hat flower definitiv besser gefallen als flow. Hier wurde mir das Spielprinzip, das weiterhin mit 2 bis 4 Stunden definitiv nicht lange anhält, beispielsweise nicht vorzeitig ermüdend. Außer die erneut nett interaktiven Credits, die diesmal wesentlich länger sind. Die Motion Controls sind weiterhin eine Last, aber ganz so häufig nerven konnten sie mich nicht, was vielleicht auch daran liegt, dass außerhalb des fünften Levels keine wirklichen Gefahrenquellen im Spiel sind. Es macht also nicht ganz so viel, sich mal zu verhaken, auch wenn es ein wenig stört, drei Kreise um die letzte Blüte der Feldes zu ziehen, und sie irgendwie immer noch verpassen zu können. Die Optik und Musik und das Treibenlassen des Gameplays machen hier einfach häufiger Klick, solange man sich eben nicht vom Sixaxis-Nonsens rausbringen lässt. Denn so richtig geiles Feeling kommt halt dann auf, wenn sich mit Geschwindigkeit über die Hügel und durch die Täler geweht wird, und dabei massenweise Blumen erblühen – dies funktioniert leider nicht immer, wenn man als Komplettionist auch keine auslassen will.

Das Zen-Gaming-Feeling und die volle Immersion, welche sicherlich intendiert sind, kommt also weder bei flow noch bei flower so ganz auf, und zum Großteil liegt dies an der Entscheidung, hier Motion Controls only zu bleiben. Dennoch, als Erlebnis statt traditionelles Spiel funktioniert flower von den beiden definitiv besser, ist ironischerweise eventuell nur dann leicht zurückgehalten, wenn es versucht mehr traditionelles Spiel mit Hürden in Stage 5 zu sein. Die Collector’s Edition kauft man sich sicherlich sowieso nicht für diese beiden Zugaben, sondern nimmt sie halt als reine Boni zur Hauptattraktion Journey mit. Und liegt mit dieser Assertion nicht weit daneben.

Advertisements
Vorheriger Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

4 Kommentare

  1. Seltsamerweise würde mich flower von dieser Collection am meisten interessieren, aber das liegt auch an meiner Passion als Blumenkind und der Tatsache, dass ich mir flower seit Erscheinen gewünscht habe, mir mangels PS3 aber nie erfüllen konnte. Umso größer war natürlich dann die Freude, als ich diese Collection für die PS4 gesehen und sie mir gleich auf die Wunschliste für die Konsole hätte. Inzwischen sind ja genügend Spiele für die PS4 erschienen, um einen etwaigen Kauf in Zukunft zu rechtfertigen.

    Also ja, für mich wäre Journey eher der nette Zusatz und flow würde mich so ziemlich gar nicht interessieren. Was ich bis zu deinem Eintrag noch nicht wusste, ist, dass flower wie flow ausschließlich Bewegungssteuerung benutzen. War das damals bei der PS3 genauso?

    Antwort
    • Soweit ich weiß versuchen alle Versionen von flow und fower einem die Motion Controls Sonys schmackhaft zu machen. PS3/4 also ausschließlich via Sixaxis-Tilt des Controllers, und auf PSVita ausschließlich via Touchscreen. Ist echt etwas schade, weils der Intention des Relax-Gamings echt stellenweise in den Weg kommt.

      Antwort
      • Darüber hinaus schließt man ja auch theoretisch körperlich eingeschränkte Spieler mit aus. Es ist schon irgendwie empfehlenswert, verschiedene Steuerungsarten anzubieten oder es zuzulassen, diese abändern zu können, aber das ist ja bei Konsolenspielen nicht selten nicht der Fall; speziell Nintendo kommt mir da in den Sinn.

      • Körperlich eingeschränkte Spieler werden zugegeben sowieso selten bis gar nicht von Spielen beachtet. Ich find’s halt nur grundsätzlich immer schade, wenn Spiele mit Motion Controls, solange jene nicht absolut integral oder nicht replizierbar sind (was seltenst der Fall sein sollte), nicht auch ein traditionelles Kontrollschema offerieren. Umso unlogischer, wenn es einen Port des Spieles mit solchem gibt – wie bei vielen frühen Wii-Spiele, die auch GC/PS2-Releases haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: