Hallowiin: ObsCure II

Mit Obscure II befand sich das für Alone in the Dark (2008, SD) verantwortliche Hydravision auf eigenem Territorium. Das erste Spiel für PS2, PC und Xbox war immerhin deren erster Wurf, und so folgte wenige Jahre später der Nachfolger für PS2, PC und später auch Wii und PSP. Man kann also nicht behaupten, dass sie nicht versucht haben alle Märkte abzudecken. Leider kommt allerdings auch Obscure II in seiner Wii-Version mit erzwungenen Motion Conttrols, obwohl es ja für die anderen Konsolen ein brauchbares Steuerungsschema gibt, und ist ein ziemlich suboptimales Spielerlebnis geworden.

Die Handlung ist erneut Blödsinn, allerdings habe ich diesmal das Gefühl, dass dies so gewollt ist. Obscure II ist stark inspiriert von B-Movies, gerade dämlichen Teen-Horror. Deswegen sind beispielsweise schon mal alle Charaktere absolute Stereotypen vom dümmlich-starken Footballer, der smarten Asiatin, dem unwitzigen Sprücheklopfer, oder Kerl mit krimineller Vergangenheit. Es dauert ungefähr fünf Minuten ins Spiel, bis die Kids bereits eine komische Blume geraucht haben, in einer Silent-Hill-Traumsequenz landeten, und anschließend auf einem von Monstern überranntem Campus aufwachen. Obscure II kennt das Wort „Verschnaufpause“ nicht, sondern es startet sofort voll durch und wird keine Zeit verstreichen lassen, um irgendwas auch auf einen wirken zu lassen, sondern es kommt schon das nächste Monster durch eine Wand gebrochen oder der nächste hahnebüchere Plotpunkt wird offeriert. Das funktioniert natürlich weniger, wenn das Spiel dann anfängt einen Charakter nach dem anderen dramatisch umzubringen, weil sie einem weder nahe waren, und das Spiel auch schon direkt weiter hechtet. Die Charaktere werden auch nie ihr Maul halten können, sondern ständig dumme Sprüche klopfen und sich gegenseitig auf den Zeiger gehen, und ehrlich gesagt blendet man das irgendwann deswegen weitestgehend aus – wobei dem Spiel zugutegehalten werden muss, dass wenn man sich eine Weile in einem Areal aufhält, die Charaktere anfangen Hints dazu zu geben, was sie meinen was hier erledigt werden muss, um weiterzukommen.

Aber so als dämliche Gaudi könnte das Spiel die meiste Zeit über durchaus herhalten, gerade wenn es nicht alleine erfahren wird, sondern jemand mit einem im Raum ist. Das ist ja auch die große Besonderheit, welche die Franchise ausmacht: Obscure und Obscure II boten bereits auf der PS2 einen Multiplayer an. Man wird jederzeit mit zwei Charakteren durch die Areale streichen, und statt einen davon von der KI übernehmen zu lassen, kann eben auch jederzeit ein echter Mensch reinspringen. Vielleicht hat man sich schon alleine deswegen entschieden in Obscure II mehr auf den Putz zu hauen, statt atmosphärischen Horror zu bieten, denn es wird sowieso viel schwerer, jemanden das Gruseln zu lehren, wenn derjenige mit dem besten Kumpel zusammen auf der Couch sitzt, statt ein Spiel alleine im Dunkeln zocken zu müssen.

Ich habe gar keine Couch und musste deswegen allein spielen. Zu den dann computergesteuerten Charakteren kann ich sagen, dass sie brauchbar sind, solange man weiß, was man ihnen ins Inventar steckt. Heilgegenstände benutzen sie sowieso nicht von sich aus, da muss also keine Verschwendung erwartet werden. Munition von Schusswaffen benutzen sie halt sehr freigiebig, weswegen ich ihnen meist einen Baseballschläger in die Hand drückte, für kniffligere Situationen auch noch die normale Pistole, die besseren Waffen wie Schrotflinte etc. nur bei einem der wenigen Bosskämpfe im Spiel. Witzigerweise ist die KI ein viel besserer Schütze als ich gewesen.

Das liegt erneut am Kontrollschema, welches auf der Wii eine Bewegungssteuerung erzwingt, statt alternativ auch schlichtweg das PS2-Steuerungsschema auf den Classic Controller zu erlauben. Das hat schon beim Schießen ein paar umständilche Auswüchse. Grundsätzlich muss Z gehalten werden, um in den Kampfmodus zu wechseln – auch bei Nahkampfwaffen, um sie mit Wiimote-Fuchtelei zu schwingen. Bei Schusswaffen jetzt allerdings den Pointer der Wiimote auch noch auf das Monster richten, mit A das Ziel festlegen, und erst dann kann mit B gefeuert werden. Das setzt natürlich schon alleine voraus, dass der Gegner bereits im Sichtfeld aufgetaucht ist, denn ein wenig mag sich die Kamera (erneut umständlich durch den Wiimote-Pointer) bewegen lassen, doch essentiell hat man es mit vorbestimmten Kameraperspektiven zu tun. Der Gegner ist eventuell also schon näher, als das bei Schusswaffen der Sinn und Zweck dahinter ist. Einfach mit einem Knopfdruck automatisch aniviseren und mit einem anderen Schießen geht da definitiv schneller. Und vor allem so, dass sich besser während des Schießens auch noch bewegt werden kann, um Attacken auzuweichen. In der Wii-Version jedenfalls habe ich von so gut wie jedem Gegner ein paar Schläge einstecken müssen, bevor ich ihn besiegt hatte, wenn ich nicht statt zu kämpfen vor ihnen geflohen bin.

Dazu hat Obscure II sich auch von Resident Evil 4 die Distribution der Gegenstände abgeschaut, und gibt sie einem nur dann, wenn es sie für notwendig hält. RE4 ist natürlich schon ein ziemliches Action-Spektakel gewesen, was entsprechend viel Munition benötigte, so dass regelmäßig neue gefunden werden musste. Und vor allem hat RE4 nicht nur Sachen nicht gespawned, wenn man sie nicht brauchte, sondern teilweise auch mehr als den Standard, wenn man zu viel verbrauchte. Obscure II ist vom Design her ein traditionelleres Survival Horror, es gibt also wesentlich weniger Gegnerauseinandersetzungen und kleinere Gruppen zu bekämpfen. Was bedeutet, dass es natürlich von sich aus schon weniger Gegenstände aufzufinden gibt, weil einfach nicht so viele benötigt werden. Ist dann auch so, dass sobald man mehr als einen Extra-Clip an Munition für eine Waffe hat, keine weitere mehr spawned (abgesehen von kurz von einem Boss vielleicht). Ich jedenfalls fühlte mich die ganze Zeit über unterequipped, was dazu führte, dass ich die Waffen weniger nutzte, was erneut dazu führte, dass weiterhin nichts für sie gefunden wurde. Außerdem scheint Obscure II generell nie mehr als Standard zu geben, wenn man wirklich total auf Null rumläuft, sondern nur Item-Spawns wegzunehmen, wenn es meint man hätte schon zu viel.

Obwohl es im Spiel übrigens viele Charaktere gibt, und manchmal davon auch mehrere Gruppen zusammenkommen, ist es immer vorbestimmt, welche 2er-Truppe ins nächste Gebiet genommen werden muss. Denn jeder Charakter hat eine besondere Fähigkeit. Footballer Sven kann schwere Objekte bewegen, Akrobat Corry Kletteraktionen vollführen, Nerd Mei sich in Sicherheitssysteme hacken, Bombshell Amy Zeitung lesen (ernsthat, es nennt sich Decrypting, aber letztendlich fügt sie nur Schnipsel zusammen, und liest sie dann vor). Es wäre sicher interessant gewesen, wenn es verschiedene Wege durchs Spiel gäbe, je nachdem wen man im Team hat, oder ob einem schon Charaktere davon gestorben sind. Stattdessen hat man das Problem alle für den Notfall ihres Einsatzes geheilt zu lassen, und sich zu ärgern, wenn man einem davon gerade ein Medkit gab, nur damit derjenige in der nächsten FMV stirbt und aus dem Spiel ausscheidet.

Immerhin sind die Speicherpunkte sehr kulant gesetzt. Das liegt wohl daran, dass in der ursprünglichen Version für PS2/PC jeder davon nur einmalig genutzt werden konnte. Entsprechend ist das Spiel darum designt und es wird in der Regel nur ein paar Räume mit ein oder zwei Gegnervorkommen und einem Puzzle geben, und hat nach spätestens 15 Minuten Spielzeit den nächsten Speicherpunkt vor sich. In der ein Jahr später erschienenen Wii-Version ist das sowieso hinfällig, denn nun können Speicherpunkte wiederverwendet werden. Obwohl die Spielanleitung immer noch behauptet, dies wäre nicht der Fall.

Während die Ingame Grafik übrigens (für ein PS2-Spiel) gut aussieht, wenn auch das Design an sich ziemlich spröde ist, so sehen die FMVs absolut scheußlich aus. Das sind Plastikfiguren mit unnatürlichen Bewegungsabläufen, wie ich sie auf der ersten PlayStation erwarten würde. Nach den Ending Credits übrigens schön brav sitzen bleiben, denn in all seinem merkwürdigen Irrsinn geht Obscure II anschließend schlichtweg noch Mal für fast eine Stunde und einem weiteren Endboss weiter, bevor es erneut und diesmal entgültig die Credits rollt.

Vom Design her wäre Obscure II eigentlich ein absolut mittelmäßiger Standard-Survival-Horror, der gnadenlos im Genrepool auf der PS2 untergehen würde, wäre da nicht der Coop und die absolute irrsinnige B-Horror-Fahrt, den die Story abliefert. Leider ist es so, dass dies weniger amüsiert und unterhält, als häufig einfach nervt. Die Charaktere gehen einem auf den Zeiger, die Gegner wirken oft unfair platziert, das Spiel hält einen ständig an Munition an der super kurzen Leine, die Bewegungssteuerung hakt immer mal wieder. Es ist kein absolut kaputtes Durcheinander wie Alone in the Dark auf der Wii war, aber Begeisterung meinerseits sieht ehrlich gesagt auch anders aus.

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