Die Erben des Mithras

Weiter geht es mit den Büchern, die es vor ewigen Jahren mal auf mein Kindle geschafft haben, weil sie gleichzeitig für umsonst angeboten wurden. Die Erben des Mithras ist dabei von Alison Almony, zu der es erneut im Internet nicht viel zu holen gibt. Es ist ihr einziges Buch, und ihr Blog hauptsächlich zu dessen Release in 2013 aktiv gewesen und hat seit 2015 keinen Eintrag mehr gesehen, wird also wahrscheinlich auch ihr einziges bleiben. So wie sich das anhört war das sowieso eher ein Nebenprojekt, weil sie sich selbst für die Thematik des Mithras-Kults interessierte und dann ihre Dan-Brown-schen Verschwörungstheorien teilen musste.

Cameron hat beim Ausmisten des Familiendachbodens ein altes Dokument gefunden, welches der schon lang tote Onkel, der eine Zeitlang als Priester an den Ausgrabungen in Qumran teilnahm, dort versteckt hat. Diese Schriftrollen vom Toten Meer sollten ein Begriff sein, nicht zuletzt stützt sich auch Neon Genesis Evangelion auf sie: Die religiösen Texte sind teils umstritten, beleuchten die Zeit des Alten Testaments, wiedersprechen aber auch Dingen aus der Bibel. Cameron ist allerdings hauptsächlich daran interessiert, wie viel er mit dem Verkauf des Dokumentes verdienen kann.

Da ist auch durchaus bereits ein Mönch interessiert, mit dem er sich in der Ruine eines Mithras-Tempels in Rom treffen will. Als Cameron dort ankommt, ist der aber bereits tot, und einer seiner Brüder mit unterschwelligen Drohungen vor Ort, dass Cameron den Text doch dem Orden überlassen soll, der sie ursprünglich ausgegraben hat. Ob der brisante Text dann auch veröffentlicht, oder studiert, oder in den Vatikan-Archiven versteckt wird, sei mal dahingestellt. Aber Cameron hat das Dokument eh nicht dabei, sondern einer Freundin in Israel überlassen, deren Professor es auf seine Echtheit überprüfen will.

Zurück zu Hause in Schottland ist in Camerons Wohnung eingebrochen und alles durchsucht worden. Also kommt er bei Freunden unter, denen er auch brühwarm über alle Ereignisse aufklärt. Sein Kollege Bruce will sich direkt nach weiteren Interessen umhören, und wird kurz darauf tot aufgefunden.

Was sich entfaltet ist ein recht üblicher Thriller um die religiösen Fanatiker und Geheimkultisten, die an das prekäre Dokument wollen, welches eventuell die Anfänge des Christentums in ein ganz anderes Licht rückt, da Paulus darin weniger gut wegkommt, als in der Bibel, und es nahelegt, dass hier gewollt betrogen wurde und das Christentum vom Mithras-Kult unterwandert und mitgeprägt wurde. Allerdings geht das Buch, so sehr sich die Autorin angeblich in die Thematik eingelesen hat, gar nicht so sehr auf diese Verschwörungstheorie ein. Das Erforschen des Geheimnisses fällt genau genommen sogar komplett flach. Stattdessen geht es mehr um eine Riege Normalo-Leute, die durch den zufälligen Besitz eines solchen brisanten Stücks Geschichte plötzlich in Situationen geraten, die ihnen geschwind über den Kopf wachsen und in tödliche Bedrängnis bringen.

Ein wenig befremdlich ist es allerdings schon, dass sich jeder hier so naiv und dämlich anstellt. Einfach mal die Klappe halten ist sowieso keinem Charakter gegönnt. Jeder plaudert feuchtfröhlich über das Dokument und die merkwürdigen Ereignisse, welches es umgibt. Schurken monologieren über ihren Kult vor sich hin, mit der lapidaren Ausrede, dass die Wahrheit einem eh keiner glauben wird. Es wird gehandelt und gesprochen, ohne vorher nachzudenken, oder Leute und ihre Beweggründe wirklich zu hinterfragen. Die Ereignisse lange als Zufälle abgetan oder ihre Tragweite schlichtweg unterschätz.

So einen Thriller über Geheimkults und Verschwörungstheorien zu schreiben ist eigentlich eine einfache Sache, sollte man meinen. Aber wenn das Konstrukt dann doch nicht gut genug durchdacht ist, nicht stimmig genug aufgelöst wird, dann ist man schon irgendwo schnell ein wenig gelangweilt, einfach weil es solche Bücher wie Sand am Meer gibt, und es deswegen viele bessere Alternativen gibt.

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