Let’s Play Final Fantasy XV – 04. Blindsighted

Bevor wir das Mithrill zu Cid bringen gibt es noch einen Abstecher in das Kraftwerk in Lestallum, in dem Noctis mit einem „Unbekannten“, der sich als Gladiolus herausstellt, schnell fünf kleine Gegner besiegt und schon ist das Team wieder voll. Gladiolus hat jetzt eine ziemlich auffällige Narbe am Torso, aber so wirklich zu bemerken scheint das keiner im Team. Die haben wohl alle den Episode Gladiolus DLC gespielt und wissen bescheid.

Anschließend war ich zurück im Stundenlangen Sidequesten, und um ehrlich zu sein ging mir währenddessen über viele kleine Nervfaktoren auf, dass ich daran eigentlich kaum noch Laune habe. Der am Quest angebrachte Level-Vorschlag ist sowieso absoluter Mist, denn mal sind sie auf diesem pisseinfach und mal so gut wie unmöglich. Besonders schön am Sidequest zu merken, wenn wir eine Griffon-Feder bringen sollen, wofür wir die Griffon-Hunt aktivieren und auf den Random Drop hoffen müssen. Das Feder-Quest ist mit Level 50 beraumt, die Griffon-Hunt mit Level 30. Ja was denn nun? Auch geht es mir tierisch auf den Geist, dass die Hunts/Quests permanent davon unterbrochen werden, dass mir das Spiel „Watch out, Imperials above us“ Soldaten auf den Kopf schmeißt oder zur Nacht noch zusätzlich Dämonen auftauchen.

Die Quest-Marken sind ebenfalls nicht immer hilfreich, weil sie nur zeigen, wo das Ziel ist, wenn auf direkter Luftlinie allerdings ein Gebirge oder eine Kluft liegt, kann man selbst erst mal ewig suchen, wo denn endlich die richtige Passage ins Areal zu finden ist – und manchmal weist der Marker nur das generelle Umfeld aus und man darf selbst noch blöd suchen, wo im Umkreis genau das Item blinkt. Wenn dann auch noch gerade ein Gegnerkampf entbrennt, dürfen die erst besiegt werden, weil man währenddessen nich mit Dingen interagieren kann. Wenn man diese Kanonenfutter Randos möglichst schnell besiegen will, aber einer der anderen Boys muss sich erst noch einmischen und erzählen, wie er genau die besiegt haben will, oder sie hängen ganz Secret of Mana irgendwo hinter ner Kurve fest und helfen Noctis im Kampf nicht, weil die AI nicht rechtzeitig hin findet. Interaktion und Springen beide auf X zu legen ist ausch schön, wenn Noctis trotz dem aufploppen von der „Pick up“-Message erst drei Mal wie ein Idiot in die Luft springt, bevor er das Item wirklich aufzuheben registriert.

Als mir dann also bewusst wurde, das ich von meinen 45 Spielstunden rund 40 in optionalen Sachen verbrachte, aber davon nur die ersten 20 Stunden Spaß hatte, war klar das es mit der Haupstory weitergehen musste. Zurück beim Leuchtturm an der Küste darf Cor sich noch mal entschuldigen, dass er den König nicht retten konnte, Cid was über Kameradschaft loslassen, und mit der Überfahrt nach Altissia ist Kapitel 8 bereits vorüber. War ja mal wieder nicht viel los.

Willkommen also in Final Fantasy Venedig, einer wunderschönen Stadt, die wegen der Kanäle und Brücken ein absoluter Alptraum ist, wenn man irgendwo hin will. Zudem die zweite und letzte begehbare Stadt des Spieles, womit die Macher noch haarscharf ihr Versprechen einhalten, dass es „mehrere“ vollwertige Städte in Versus XIII geben wird, statt wie in Normie XIII nur Hauswallpaper an die Schläuche zu kleben.

Eigentlich ist Altissia ja das Ziel seit Beginn des Roadtripps vor Dutzenden an Stunden gewesen. Jetzt aber nicht mehr nur, um sich mit Lunafreya zu verheiraten, sondern auch um von ihr den royalen Ring zu bekommen, mit dem der Kristall kontrolliert werden kann, sowie mit Leviathan das nächste Bündnis zu schließen. Mit Informant Weskham wird ein weiterer Kerl angetroffen, der mit Noctis Vater auf Reisen war, ähnlich wie Noctis es jetzt mit seinen Kumpels ist, aber wichtig wird er nicht, sondern erst die Sekretären des Stadtstaates, die für den Schutz von Lunafreya uns abschwatzt, dass wir doch darauf achten sollten, beim Ritual um Leviathans Gunst keine Zivilisten in Gefahr zu bringen. Ach ja, da nun der zügigere Story-Part von Final Fantasy XV angebrochen ist, man aber eventuell weiterhin Sidequesten will, kann einen Doge Umbra nun spirituell in vorige Gebiete versetzen, um dort Unerledigtes zu erledigen. Fragt mich nicht, wie das Sinn macht, aber hey eine Open World und eine straffe Naration verheiraten sich halt nicht so einfach.

Nachdem Lunafreya eine ehrlich gesagt ziemlich miserable Ansprache vor der Bevölkerung gehalten hat, die Noctis auch noch eine einzelne Pretty-Cry Träne abverlangt, können wir also mit dem Leviathan-Ritual loslegen. Die ist ziemlich bitchy, mag Orakel Luna überhaupt nicht, und während die anderen drei Jungs die Zivilisten evakuieren, da Leviathan die Stadt teilweise zerstört (ups), muss Noctis sie besiegen. Und ein wenig imperiale Truppen, die mal wieder den Summon ausschalten wollen, bevor sie uns ihre Macht verleihen kann. Der Bosskampf gegen Leviathan ist dabei ernsthaft absoluter Müll. Final Fantasy XV will für die Summons wirklich diese großen, spektakulären Stage-Set-Kämpfe machen, Dinge die God of War oder Uncharted auf der letzten Konsolengeneration nahezu perfektioniert haben, fällt aber absolut auf die Nase. Meist sind solche Dinger ja nur marginal interaktiv, aber wenn man es richtig macht, fühlt sich der Spieler während ihrer trotzdem cool, in Kontrolle, und meist sind sie deswegen auch von der Länge überschaubar. Leviathan muss hingegen nur mit ein paar Warp Strikes anvisiert werden, dann übernimmt das Spiel für eine Weile, Luna wird von Ardyn abgestochen, kann aber noch die royalen Waffen aus den Königsgräbern zu Hilfe beschwören, und dann schwebt Noctis plötzlich in der Luft und mit dem Halten von O beschießen wir für gut 5 Minuten Leviathan mit den Waffen. Kein Ausweichen nötig, kein anderer Knopf muss angerührt werden. Und dann haben wir gewonnen.

Am Ende haben wir Leviathan und den royalen Ring im Gepäck, dafür ist Lunafreya tot und Ignis hat während der Evakuierung sein Augenlicht eingebüßt, womit das Kapitel ausklingt. Auf Wiedersehen Nicht-Venedig.

Können wir mal über Ravus reden? Der Prinz von Tenebrae und Bruder von Luna? Dessen Charakterdesign eindeutig „ich bin ein wichtiger Charakter“ schreit? Was ist eigentlich mit dem? Bisher war er in zwei Cutscenes kurz ins Bild geschoben worden, durfte nichts machen, wurde von Ardyn wieder zurückgepfiffen, und das war es. In Kapitel 9 stirbt seine Schwester. Wird ihm mal eine Reaktions-Cutscene dazu spendiert? Nein. In einem kompetenteren Spiel wäre Ravus der anfängliche Antagonis gewesen, der dem Team immer mal wieder in die Quere kommt, und der nun, nachdem sein Arbeitgeber Ardyn hinterrücks seine Schwester umgebracht hat, die Seiten wechselt. Stattdessen kriegt der Kerl absolut nichts zu tun und keine Screentime.

Das nächste Kapitel startet mit der Eröffnung, dass mehrere Wochen vergangen sind, und wie immer wenn das Spiel sowas sagt, kann man sich darauf vorbereiten, dass es sich so anfühlt, als hätte man drei Cutscenes verpasst, die erklären wie die Situation des letzten Kapitels in die des aktuellen geführt hat. Die Truppe ist nun via Zug in Cartanica angekommen, weil dort ein weiteres royales Grab auf sie wartet. Und alle sind miserabel drauf.

Noctis ist ziemlich schlecht drauf, weil er Lunafreya (die ihm wohl wichtig ist, auch wenn das Spiel mal wieder komplett verfehlt dies überzeugend rüberzubringen) und Iggy sein Augenlicht verloren hat. Best Idiot Child Prompto kann mit der schlechten Atmo eh nicht umgehen. Und Gladiolus ist total bitchy Noctis gegenüber. Und ich kann durchaus verstehen, wie die heitere Boy Group durch die letzten Ereignisse und Wochen des Miserabelseins in diese angespannte Situation gekommen ist, in der sie sich gegenseitig anfeinden. Aber es ist doch ein ziemliche schnelle Kehrtwende in reinen Spielminuten betrachtet. Zumal ich echt nicht ganz verstehe, warum Gladiolus unserem Noctis die Zeit so schwer macht, ständig betonend er solle endlich mal klar kommen und sein Schicksal erfüllen, und später vor dem Königsgrab erneut fragend ob er wirklich meint sich so wie er ist seinen Vorfahren stellen zu können. Denn das ganze Spiel über ist Noctis immer seinem Schicksal nachgegangen, auch wenn er davon nicht begeistert war, er hat nie einen Rückzieher gemacht. Abgesehen davon hatte ich schon 10 royale Waffen und 3 Summons gesammelt, also warum sind wir uns plötzlich unsicher, dass er das schafft? Die Narration passt einfach nicht zum Spielverlauf, auch wenn die bedrückende Atmosphäre in der Gruppe eigentlich zu einem ziemlich starken Kapitel führen sollte.

Hilft nicht, dass Iggy nach einem Gimmicky Bosskampf gegen einen Malboro, welches mal wieder schlechte Direktion gibt, was vom Spieler erwartet wird, einfach eine kurze Ansage macht, dass er die ganzen Anfeindungen untereinander nicht weiter dulden wird und das er trotz seine Blindheit bis zum Ende bei der Gruppe bleiben will, und plötzlich sind wir alle ausgesöhnt und wieder gut drauf. Und das Kapitel endet nach einem Dungeon.

Wer meinte das die Handlung, seitdem sie in Kapitel 9 endlich in fahrt gekommen ist, sofort auseinander zu fallen droht, der irrt zwar absolut nicht, kann sich aber in Kapitel 11 auf ganz schön was gefasst machen. Zunächst haben wir wieder ein wenig Exposition Dumping von Sachen, die das Spiel bisher irgendwie nicht richtig rübergebracht bekam: Die Nächte werden immer länger, was bedeute das immer mehr Dämonen auftauchen, was natürlich schlecht ist, aber gut fürs Imperium scheint. Dann hat Noctis einen seltsamen Traum oder ein Omen oder eine Vision von Ardyn im Zug, die absolut keinen Sinn ergeben und zu nichts führen. Nach seinem Erwachen wird der Zug vom Imperium angegriffen und es müssen ein paar Soldaten und Maschinerie schnell ausgeschaltet werden, bevor sie den Zug zum Expodieren bringen. Am Ende ist Ardyn dann wirklich im Zug und knockt Noctis Besinnungslos, nachdem Prompto vom Dach in seine DLC-Episode fällt. Und damit ist Kapitel 11 nach wenigen Minuten und nachdem ich keinen blassen Schimmer habe, was irgendwas hiervon sollte, auch schon beendet.

Aber schon sehr ironisch, dass es eigentlich nur darum ging, dass Noctis einen Zug vorm Entgleisen bewaren musste. Denn spätestens jetzt kann man die Story von Final Fanasy XV ruhigen Gewissens als „Trainwreck“ bezeichnen.

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Ein Kommentar

  1. Ich habe die Sidequests auch aufgeben müssen, weil irgendwann alle zehn Minuten 20 imperiale Fernkämpfer gelandet sind, um meine Party umzunieten. Dabei war sinnlos durch die Gegend zu cruisen, um seine Nebenaufgaben abzuhaken, das Spaßigste am ganzen Spiel. Unglaublich, dass die Entwickler das so mutwillig kaputt gemacht haben.

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