InuYasha VII

Während der vier Jahre, die InuYasha im japanischen TV ausgestrahlt wurde, kam auch jährlich ein Film in die Kinos des Landes – immer im Dezember. Während diese zu langen Endlosserien häufig glorifizierte Specials von einer knappen Stunde darstellen, gehen die InuYasha-Filme allerdings tatsächlich jeweils volle 90-100 Minuten.

Den Anfang machte 2001, knapp über einem Jahr nach Serienstart, und ungefähr in den 50er-Folgen angesiedelt, InuYasha: Affections Touching Across Time. Hier hat einer der Splitter des Heiligen Juwels einen Dämon vom Festland wiederbelebt, dessen Vater von Inuashas Vater besiegt wurde, und der nun die Nachfolger als Oberhaupt des Klans antreten will, wofür er Inuyashas Tessaiga braucht.

Es ist irgendwie schon schön, InuYasha mal so richtig gut animiert zu sehen. An das etwas andere und eckigere Design muss sich erst mal gewöhnt werden, sowie das flüssige Animation manchmal zu Lasten von sauberen Zeichnungen geht, doch mir hat die allgemeine Dynamik im Film sehr gut gefallen, sowie der erhöhte Detailgrad der Szenerien. Das Mottendesign der Gegner fand ich auch sehr gut. Auch gibt es viele kleine visuelle Gags, die eingebaut werden, welche aufzuspüren immer wieder ein Genuss ist. Die Handlung ist relativ gewöhnlich und die Charaktere bleiben altbekannt, aber dafür wird genug Action und Witz geboten, und solche Filmproduktion, die neben einer TV-Serie herlaufen, dürfen sich eh nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, damit es nicht hinterher zu Diskrepanzen kommt.

Das ein Jahr darauf auf die Leinwand gebrachte The Castle Beyond the Looking Glass hingegen nimmt sich der Legende der Prinzessin Kaguya an. Beginnend mit dem Kampf gegen einen wichtigen Charakter, den der vorige Film ausgelassen hat: Naraku. Und unsere Truppe schafft es ihren Hauptantagonisten zu besiegen! Sollte natürlich jedem klar sein, dass dies nicht aufgehen kann, da die Filme nicht ihre eigene Kontinuität sind. Kagura und Kanna derweil werden von Kaguya dazu gebracht, sie wiederzubeleben, wofür jedoch auch Gegenstände im Besitz von Inuyasha und Kohaku benötigt werden, wodurch das Team auch sofort wieder involviert ist.

Wie bereits erwähnt ist es für Kinofilme zu langen Serien immer ein gewisser Drahtseilakt sowohl interessant und spannend zu sein, gleichzeitig aber absolut nicht am Status Quo rütteln zu dürfen, damit die Kontinuität noch stimmt und die Filmereignisse in der Serie ignoriert werden können. Eine Sache, die The Castle Beyond the Looking Glass nicht ganz hinbekommt. Auch wenn am Ende des Filmes sozusagen alles wieder auf Null gesetzt ist, ist es doch etwas merkwürdig, dass diese Ereignisse nie referenziert werden würden. Zumal Naraku eigentlich aktuell gar nicht präsent in der Serie war, sondern wir im Block ohne ihn herumgeirrt sind.

Ich glaube aber genau deswegen mag ich den Film ein wenig mehr als den Vorgänger. Die Dinge, die hier geschehen erscheinen halt gewichtiger, auch wenn man sich darüber im Klaren ist, dass sie keine langen Auswirkungen haben werden, so geben sie es kurzzeitig zumindest vor. Diesmal spielt auch die Romantik stärker herein statt den Fokus größer auf Action und Humor zu legen, welche natürlich dennoch ziemlich ausgewogen vorkommen. Inuyasha und Kagome dürfen sich sogar küssen – eine weitere Sache, bei der es sowohl schön ist, dass sich so weit aus dem Fenster gelehnt wird, wie es etwas befremdlich ist, dass es nie wieder einer Erwähnung finden wird. Und das obwohl hier der Film mit dem Vorfahren von Hojo ist, der ja sehr wohl in der TV-Serie wieder eingebaut wird.

Der dritte Film, Swords on an Honorable Ruler, spart sich ein Auftreten von Naraku und Kikyo, zentriert dafür allerdings einen Charakter, der in den beiden vorigen Filmen nur mal kurz durchs Bild laufen durfte: Inuyashas volldämonischer Halbbruder Sesshomaru mit seiner Entourage. Wie sich herausstellt gibt es neben dem Inuyasha vermachten Tessaiga und dem Sesshomaru vermachten Tenseiga noch ein drittes Schwert, welches der mächtige Vater der beiden benutzte. Und das in Kagomes Zeit versiegelte Sounga, welches ein eigenes Bewusstsein hat, entkommt in die feudale Ära, um dort mit einem starken Dämonen verschmelzen zu können.

Schön ist zumindest schon mal zu sagen, dass der Film die Familienverhältnisse mal wieder zur Sprache bringt, die häufig in der Serie leicht kurz kommen. Wir bekommen einen besseren Einblick darin, wer der mysteriöse Vater der beiden war, mit Szenen wie er Inuyashas Mutter davor rettet, wegen ihrem Anbandeln mit einem Dämon getötet zu werden, dabei aber selbst sein Leben lässt. Die beiden Brüder dürfen fürs Finale auch mal zusammenarbeiten und Sesshomaru durchblicken lassen, dass er sich sehr wohl auch um andere kümmert.

Dennoch fand ich den dritten Film bisher am Schwächsten, um ehrlich zu sein. Abgesehen vom Rückblick zu Beginn hat er dann doch nicht viel Neues zu sagen, er scheint von Struktur und Geschehen her zu sehr auf Autopilot zu schalten. Der Antagonist ist nicht sonderlich interessant. Und irgendwie sieht der Film auch schlechter an Zeichenstil und Animationen aus als die Vorgänger. Mich hat er im Groben, trotz seiner in der Theorie interessanten Thematik, in der Praxis leicht kalt gelassen.

2004, zum vierten Jahr in Folge, und als Abschluss wenige Monate nach dem Auslaufen der TV-Serie in Folge 167, kam im Dezember also der vierte und auch letzte Kinofilm, Fire on the Mystic Island, auf die Leinwände Japans.

Diesmal geht es auf eine Insel, auf der Menschen und Dämonen friedlich abgeschieden zusammenlebten, ordentlich Halbdämonen großgezogen haben, bis vier dämonische Kriegsgötter aufgetaucht sind, um ihnen das ordentlich zu verderben. Ihre Macht ist mittlerweile zum Teil versiegelt, doch gleichzeitig benutzen sie die letzten Halbdämonen-Kinder als zukünftige Opfergaben, um sie zurückerhalten zu wollen. Finden Inuyasha und seine Truppe natürlich nicht so geil, die genau wie Sesshomaru und Kikyo schon alleine deswegen hierhergezogen wurden, weil sie von den Kriegsgöttern gezeichnet wurden, was sie an die Insel bindet.

Das Design der Kriegsgötter basiert übrigens auf den vier Himmelsbestien, was an sich immer gut kommt, aber schon deswegen etwas merkwürdig ist, weil die TV-Serie ähnliche Bösewichte erst kürzlich davor in dem 4-Teiler um Hojos Vorfahren hatte. Ist man auf nichts Neues gekommen? Auch ein wenig an den Haaren herbeigezogen mag wirken, dass den Charakteren plötzlich wieder einfällt, von den Kriegsgöttern gebrandmarkt zu sein und damit zur Insel zurückkehren zu müssen. Dadurch erklärt, dass die eh nur alle 50 Jahre auftaucht, aber irgendwie dennoch fragwürdig.

Abgesehen davon bietet sich aber ein weiterer Grundsolider Film, in denen alle wichtigen Charaktere der Serie abgesehen von Naraku mit seinem Anhang (und der komplett die Filme aussetzende Kouga) vorkommen und sich mit mindestens einem des Schurkenquartetts ein wenig Kloppen dürfen. Mit Witz, Charme und Action. Und vor allem mit einer wieder erstarkten Optik und einem gefälligen nebligen bis tropischen Insel-Setting.

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