Toukiden 2

Es gab während meiner fast 90 Stunden in Monster Hunter World eine Phase, während er ich von Monster Hunter kaum genug bekommen konnte. Freedom 2 wurde wieder aufgegriffen und beendet. Ultimate 4 begonnen. Aber ich schielte auch in Richtung von so betitelten „Klonen“, die zwar auf den Gelddruckenden Zug von Monster Hunter aufspringen wollten, aber weil sie eben nicht Monster Hunter sind eventuell etwas frischen Wind ins Geschehen bringen. God Eater hätte es beispielsweise treffen können, wenn das Design nicht so erbärmlich generisch aussehen würde. Stattdessen war es dann also Toukiden 2 – über Toukiden Kiwami, weil billiger zu haben und angeblich ausgefeilteres Gameplay offerierend.

Erwartet hatte ich Monster Hunter, aber im feudalen Japan durch eine ordentliche Linse Anime betrachtet. Der Halbsatz nach dem Komma stimmt auch, der davor allerdings nicht so ganz, denn wirklich wesentlich wie die Monster Hunter spielte es sich für mich – gerade im Offline-Modus – eher nicht.

Da erinnert mich Toukiden 2 schon eher an eine Singleplayer-Variante eines MMORPGs. Das Kampfsystem an sich ist wesentlich simpler als Monster Hunter und – was nicht verwundern sollte bei einem Spiel, welches von den Musou-Machern Omega Force stammt – ist wesentlich stärker Hack and Slay, mit viel Pizazz drumherum, statt das langsamere und bedächtige Monster Hunter. Außerdem hat man hier jederzeit eine Truppe an vier Charakteren, von denen drei einfach von der KI übernommen werden. Und eine offene Welt. Man macht sich also tatsächlich in einer vollen Gruppe raus in eine zusammenhängende Oberwelt, um dort kleine Mobs und größere instanzierte Oni ziemlich schnell und flashy zu zerkleinern, um das aktuelle Sidequest oder Storymission zu erledigen.

Interessanterweise kennt Toukiden 2 dabei keine Items. Stattdessen kommt der Charakter mit vier Skills, die eine gewisse Häufigkeit über eingesetzt werden können, bevor man sie an festgelegten Stellen wieder aufladen muss. Das macht die Vorbereitung auf einen Oni-Kampf natürlich wesentlich einfacher, denn aufs Inventar muss nicht mehr geachtet werden. Dafür wird man über den Spielverlauf diverse Mitama finden, von denen drei ausgerüstet werden können, und die verschiedene Boost und Special offerieren.

Was nicht bedeutet, dass das Spiel nichts aus seiner Inspiration Monster Hunter entnimmt. Zuvorderst gibt es auch hier absolut keine Erfahrungspunkte, die zu Level Ups gereichen, sondern die Verbesserung des Charakters hängt – neben dem Besserwerden des Spielers versteht sich – am Schmieden von stärkeren Rüstungen und Waffen aus den von den Oni gewonnenen Materialien. Der Hauptaugenmerk des Spieles ist auch ebenfalls nicht auf dem Schnetzeln von vielen kleinen Gegnern, sondern schon hauptsächlich die großen Oni, denen zudem Körperteile abgetrennt werden können, was teilweise zu Unikat-Materialien führt. Den Boden nach einem Kampf zu reinigen ist analog zum Ausweiden. Sich für Buffs in die heißen Quellen zu setzen ähnlich dem Essen. Und das in der Welt auf die ansteigende Miasma-Vergiftung geachtet werden muss essentiell ein Zeitlimit für die Quests. Und die optionalen Missionen im Hauptquartier anzunehmen, die einen tatsächlich unter einen Timer in eine abgesteckte Kampfarena gegen einen Oni stellen, ist dann gleich eine ganze Ecke typischer Monster Hunter.

Wer sich jedoch hauptsächlich durch die sehr wortreiche und vorhersehbare Hauptstory klickt und in der übersichtlichen Open World jagen geht, dem werden zwar einige Parallelen auffallen, jedoch sich nie extrem in einem „Monster Hunter Klon“ fühlen, dafür hat das Spiel doch genug Eigenes bzw. Abänderungen zu bieten.

Beinahe hätte ich jetzt geschrieben gehabt, dass das Spiel dafür doch genug eigene Identität aufweist, aber so richtig dazu durchringen kann ich mich nicht. Denn genau das ist, was mir an Toukiden 2 ein wenig fehlt. Monster Hunter hat halt schon einen distinkten Vibe und Look zu sich. Seien es die vielen schrägen Animationen, die dümmlichen Katzen, und allen voran das fast jedes Monster ein hervorstechendes Design mit eigenem Verhalten hat und in einem eigenen kleinen Intro bei der ersten Sichtung eingeführt wird. Die Monster in Monster Hunter haben Charakter, sie reagieren aufs Abschneiden von Schwänzen oder wenn sie niedriges Leben haben. Man sollte meinen die von Yokai inspirierten Oni in Toukiden 2 hätten es leicht einen interessanten Look zu bieten. Aber irgendwo wirken die doch alle ziemlich ähnlich. Es gibt zu viele Pallate Swaps, die das gleiche Modell benutzen, und noch nicht mal wirklich farblich groß anders aussehen, weil jeder Oni aus irgendeinem Grund schattenhaft Schwarz ist. Die Kämpfe gestalten sich durchs Hack and Slash auch sehr ähnlich, meist reicht es ihnen am Arsch zu kleben und ordentlich zu prügeln. Hier kommt doch ein wenig das „billigere Klon“ zum Vorschein, Toukiden 2 wirkt wie B-Tier statt A-Tier was die Ausarbeitung und das Alleinstellungsmerkmal angeht. Hilft nicht das die Storyline zwar zu vielen Cutscenes verhilft, weil dies ein Vita-Remaster ist allerdings ziemlich schnöde in langen Textboxen von unexpressiven Charaktermodellen präsentiert wird. Ich war schlichtweg nicht ansatzweise ins Spiel investiert wie ich das in die Monster Hunter war.

Ein Alleinstellungsmerkmal sollte wohl auch die Dämonenhand sein, mit der man sich einige Klippen hoch oder schnell zum Oni hangeln kann. Außerdem hilft er dabei, die Körperteile der Oni abzutrennen. Was auch deswegen nötig ist, weil es sie zusätzlich schwächt. Doch hierbei kommt dem Spiel, auch wenn man es ihm nicht wirklich vorwerfen dürfte, in den Weg, dass ich es nach dem eigentlich später erschienenen Monster Hunter World gespielt habe. Denn die Dämonenhand war für mich analog nur die Schleuder.

Was nicht bedeutet, dass Toukiden 2 – zum richtigen Preis erhalten – nicht doch dumpfsinnig Laune macht. Sich in die Welt begeben und schnell und protzig auf Schneckenfrauen und Windlöwen einzuschlagen, um sich anschließend hübsche neue Ausrüstung zu holen und noch ein paar NPCs mit ihren Nebenaufgaben aushelfen. Es hält genauso unterschwellig am Ball, wie das ein MMORPG kann. Doch noch eine Kleinigkeit machen. Doch noch eine Rüstung komplettieren. Alles mit wenig Konsequenz, aber das hilft umso mehr, wenn man halt einfach mal nur blöde Spaß haben will, statt sich tief auf ein Spiel einlassen zu müssen.

Leider kommt sich Toukiden 2 hierbei auch ein wenig in die Quere. Die ersten 4 Kapitel waren absolut einfach, was ich nicht weiter nachteilig fand, denn es passt gut zum Gameplay. Wie gesagt ist es nicht so vorausplanend und bedacht wie Monster Hunter, da kann es dann auch ruhig eine einfache Schnetzelei sein. Das ändert sich allerdings in den finalen zwei Kapiteln der Handlung merklich. Plötzlich ziehen Oni, selbst wenn man sich aktuelle Rüstung geschmiedet hat, mit einem Schlag ein Drittel der Lebensleiste ab. Und dann fallen einem die Schwächen im Kampfystem auf. Gerade weil es so schnell ist, ist es nicht immer gut möglich einer telegraphierten Attacke auch rechtzeitig auszuweichen, wenn man gerade mitten in einer Kombo war. Weil das Spiel so viel Flash und Spektakel in die Kämpfe wirft, damit der Charakter cool aussieht, und weil da noch drei KI-Charaktere das Gleiche machen, ist die Übersicht auch nicht immer gewahrt, um jenes Telegraphieren überhaupt zu bemerken. Und das die KI-Streiter mit ihrer Dämonenhand die Oni gerne quer übers Kampffeld ziehen hilft auch der Präzession nicht weiter. Genau das ist es nämlich, Toukiden 2 ist nicht präzise und bedacht genug, um den Oni den Damage Output eines Monster Hunters zu geben. Ich habe mich durchs Finale zumindest nur noch durchgeflucht und hatte plötzlich keinen Funken vom stupiden Spaß mehr, den ich zu Beginn des Spieles hatte. Dass die Skills des Charakters nur eine Weile aktiv bleiben und der Heilskill mit kürzerem Cooldown vampirisch nur bei ausgeteiltem Schaden den Charakter heilt, untermauert allerdings erneut, dass man in Toukiden 2 eigentlich auf ein aggressiveres Kämpfen getrimmt wird.

Ist etwas schade, denn bis dahin hätte ich Toukiden 2 – gerade zu den Preisen, zu denen man es mittlerweile bekommt – durchaus weiterempfehlen können. Nicht als Must-Have. Aber für diejenigen, die Bock auf eine art Offline MMORPG haben, einfach sich durch Gegner schlagen und Sidequesten wollen. Alles mit ein wenig Monster Hunter Inspiration, aber wesentlich einfacher und simpler. Nach den Endkapiteln kann ich das nicht mehr.

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