Shark Week VI – Cruel Jaws

Sommerzeit ist Haisaison, dieses Jahr Mal erneut mit einer Woche an (meist) dämlichen Killerfisch-Filmen, die alle die Realität der Spezies nicht wiederspiegeln, aber seit wann sind Filme denn auch schon Realitätsnah, gell? Den Anfang darf traditionell ein Jaws-Film machen, die mir eigentlich bereits nach der vierten Woche offiziell ausgegangen sind. Auf deren Namen aufspringen ist allerdings auch nie schlecht, so beispielsweise geschehen 1995 mit Cruel Jaws, der manchmal sogar noch dreister als Jaws 5 vermarktet wurde.

Die Handlung geht generell gesehen auch über ähnliche Eckpunkte vonstatten. Beispielsweise haben wir auch hier einen Bürgermeister, der die Haigefahr möglichst kleinreden will, und keine Evakuierung anberaumt, weil gerade Hochsaison für den Tourismus ist. Und auch hier wird frühzeitig ein kleinerer Hai gefangen, weswegen die Obrigkeit die Sache für abgeschlossen betrachtet.

Nur kommen dort gefühlt noch tausend andere Subplots hinzu. Wo der erste Jaws vielleicht etwas schwachbrüstig war, wird Cruel Jaws stattdessen nämlich etwas arg überladen. So hat unsere zentrale Familie eine Delphinshow, die aber abgesagt werden soll, damit der Fiesling des Filmes dort ein Hotel bauen kann. Außerdem haben sie die Mutter bei einer Haiattacke verloren und die Tochter mit der nervigen Heliumstimme sitzt nun im Rollstuhl. Der Sohn hingegen ist in einer Beziehung a la Romeo und Julia mit der Tochter des Fieslings. Der Sohn des Fieslings hat hingegen eine Gang an Arschlöchern, die allgemein allen das Leben schwer zu machen scheinen wollen, einfach weil das so viel Spaß macht. Ein weiterer Hauptcharakter, diesmal ohne Verwandtschaftsverhältnis zu einer der verfeindeten Familien, hat Probleme damit, dass seine Freundin sich wegen seiner Meeresforschung vernachlässigt fühlt, woraufhin die auch auf einer Party einfach mal mit dem Sohn des Fieslings rum macht. Gerade letzteres ist schon geradezu perfide ausgeklügelt. Dadurch, dass sie einem der „guten“ Hauptcharaktere viel bedeutet, dürfen wir uns schlecht für ihn fühlen, wenn die Alte vom Hai gefressen wird, aber netterweise nicht allzu schlecht, weil sie ja fremd geknutscht hat und damit moralisch verwerflich aus dem engen Kreis der „guten“ Charaktere fällt.

Der Film ist übrigens anscheinend, wenn auch unter Pseudonym entstanden, von Bruno Mattei, der einen Ruf für low budget Gore-Feste hat. Dies kann man bei Cruel Jaws so aber nicht unterschreiben. Also den Titel „Low Budget“ auf jeden Fall schon. Denn die Leute können nicht nur alle nicht schauspielern, sondern das Script ergibt auch Stellenweise keinen Sinn, was den Zusammenhang zwischen ursprünglicher Aussage von Charakter A und darauf folgende Antwort von Charakter B angeht. Auch sind alle Haiaufnahmen die ewig gleich wiederholten Shots aus entweder Styropor-Fisch oder Stock Footage, die teilweise auch noch eindeutig unterschiedliche Haie verwenden, von denen ich mir nicht mal sicher bin, dass die immer die gleiche Spezies sind. Sieht halt aus wie ein billiger Fernsehfilm, der direkt nach Jaws gedreht wurde.

Was aber nicht unterschrieben werden kann, ist das mit dem Gore-Fest. Denn Cruel Jaws bleibt absolut handzahm, wir werden nie irgendwelche brutalen Haiattacken zu Gesicht bekommen, sondern zum Großteil nur Akteure, die schlecht auf Stock Footage reagieren. Mit einem falschen Hai zu interagieren würde ja auch voraussetzen, dass man einen falschen Hai hat bzw. jener nicht aus drei Styropor-Dreiecken zusammengeklebt wurde und kurz vorm Auseinanderfallen ist bzw. der Styropor-Hai nicht Stock Footage eines anderen Filmes ist. Die einzelnen Haie passen nämlich eventuell auch deswegen nicht zusammen, weil Cruel Jaws anscheinend die Szenen mit dem Apex-Fisch aus anderen Filmen geklaut hat.

Manchmal kann man sich ein Auflachen echt nicht verkneifen, weil Cruel Jaws einfach zu schlecht gemacht ist. Wirklich was über diese insulare Erheiterung hinaus wird man in den 90 Minuten aber nicht finden.

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