Godzilla: Planet of the Monsters

Es ist schon etwas seltsam, wenn man bedenkt, dass es Japan ganze 63 Jahre gebraucht hat, bis eine animierte Version ihres Vorzeige-Kaiju produziert wurde. Um da aber gleich mal aufzuholen, wurde mit Godzilla: Planet of the Monsters allerdings im November letzten Jahres gleich eine Trilogie losgebrochen, deren zweiter Teil demnächst in die japanischen Kinos kommen müsste. CG-Animation lässt sich natürlich auch vergleichsweise schneller produzieren, wenn man einige Assets bereits fertig hat.

Der Film beginnt In Media Res mit unserem Protagonisten Haruo auf einer Emigrations-Raumstation, der droht Bomben zu zünden, wenn die Verwaltung den Plan ausführt, die Alten einfach auf den Planeten Tau-e zu schicken, nur um sie loszuwerden. Was die Greise selbst allerdings wollen, um niemanden mehr zu Last zu fallen, beim Anflug jedoch deren Shuttle in die Luft fliegt, und Haruo weggesperrt wird.

Dann haben wir erst die Hintergrundgeschichte, wie wir in die Situation kamen, in der sich die Menschheit in Godzilla: Planet of the Monsters befindet, und die in den wenigen Minuten Schnelldurchlauf etwas verwirren kann, weil sie genug Stoff durchrasselt, um einem das Gefühl zu geben man hätte eine komplette Vorgänger-Trilogie an Filmen oder eine erste TV-Serie verpasst, an die angesetzt wird. Ende des 20. Jahrhundert sind Monster aufgetaucht, um der Menschheit das Leben schwer zu machen. Bis der König der Zerstörung Godzilla auftauchte, und zur noch größeren Gefahr wurde, Monster und Menschen gleichermaßen bekämpfend. Nomadisierende Aliens mit Elfen-Ohren, die Exif, tauchten auf, und versprachen Godzilla mit Mechagodzilla auszuschalten, wenn sie sich dafür auf unserem Planeten Erde breitmachen dürfen. Die Aktivierung funktionierte jedoch nicht, und so sind die letzten Menschen mit den Aliens zusammen auf dem Raumschiff auf der Suche nach einem anderen bewohnbaren Planeten geflohen. Das ist 20 Jahre her und nun geht trotz enormer Rationalisierung allen langsam die Lebensgrundlage auf dem Schiff aus, zumal die Bevölkerung dank des harschen Lebens und depressiver Stimmung sowieso auf wenige Tausend zusammengeschrumpft ist.

Nach zehn Minuten zurück im Hier und Jetzt wird deswegen beschlossen, doch dem Notfallplan nachzugehen, und einfach über einen Sprung wieder zurück zur Erde zu fliegen. Während für die Besatzung 20 Jahre vergangen sind, sind es auf der Erde allerdings 20.000 Jahre geworden. Und Godzilla macht den Planeten noch immer unsicher. Netterweise hat Haruo einen Plan, wie man ihn ausschalten kann, und wird mit ein wenig plolitischer Hilfe eines angesehenen Exif-Priesters aus seiner Gefangenschaft gelassen, um Teil des 600 Köpfe zählenden Kommandos zu sein, welches auf den Planeten vorstoßen soll. Im urzeitlichen Dschungel verbirgt sich aber nicht nur Godzilla, sondern auch auf seiner DNA basierenden Drachen.

Für mich klingt die Geschichte, wie die Menschheit hierherkam, ehrlich gesagt wesentlich interessanter, als das Nichts, welches uns der Film dann anschließend auftischt. Denn den Großteil macht tatsächlich einfach aus, Menschen ewig dabei zuzusehen, wie sie darüber reden, warum alles aussichtslos ist, warum es doch noch Hoffnung gibt, und dann wird ein wenig gegen die Drachen und Godzilla gekämpft, und fertig sind die 90 Minuten. Der Beginn mit Haruo ist nicht wirklich wichtig, weil keiner wesentlichen Einspruch erhebt, wenn er aus der Zelle entlassen werden soll, noch kommt es zu Spannungen mit dem Einsatzkommando, welches er letztendlich sogar anführen wird. Der Exif-Priester verschwindet fast ganz aus dem Film, sobald er seine politische Macht für Haruo ausgespielt hat, die aber auch kaum nötig gewesen zu sein scheint. Die neue Religion oder das Zusammenleben der Rassen wird nie zum Thema. Menschen sterben beim Einsatz, die wir nie richtig kennengelernt haben.

Abgesehen davon hat der Film ein enormes tonales Problem. Zum einen sind wir hier in einer extrem nihilistischen Situation. Die Menschheit hat bereits verloren, ihren Planeten aufgeben müssen. Die Reise auf der Suche nach einem neuen ist allerdings auch erfolglos geblieben. Die Leute haben auf dem Schiff ein schlechtes Leben und die Bevölkerung ist arg zusammengeschrumpft. Die Rückkehr zur Erde ist, nachdem sich herausstellt das Godzilla immer noch existiert, ein letztes hoffnungsloses Aufbäumen. Im starken Kontrast dazu steht Haruo, der wie ein typischer heißblütiger Anime-Hauptcharakter weite Teile des Filmes über heroischen Nonsens über das Beweisen von Mut, die Rückeroberung unserer Mutter Erde, und Heldentaten reden wird, während er im Mech oder auf einem Cyberbike gegen Godzilla kämpft. Das will zum einen nicht so richtig zusammenpassen, und statt sich auf einen der beiden Töne zu versteifen, hat der Film stattdessen irgendwie lieber gar keinen. Alles läuft so ein wenig motivationslos an einem vorbei. Optisch ist dem nichts geholfen. Die Animationen sind alle passabel aber unspektakulär. Die Welt wird in ausgewaschenen Farben dargestellt. Es gibt keinerlei Kreativität in der Kameraführung.

Macht insgesamt einen eher mäßigen Start in die Anime-Trilogie, mit einem Film voller Ideen, die nie erzählt werden, und der so Standard abläuft wie er aussieht.

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