Shadow in the Snow: Monster Hunter Freedom 2 (Part 1)

Monster Hunter mag in Japan von Beginn an ganz gut gelaufen sein, doch so richtig den Durchbruch gelang es der Franchise auf den Handhelds. Das ist schon etwas kurios, wenn man bedenkt, dass gerade dort der Steuerung nachgesagt wird, wegen der begrenzten Anzahl an Knöpfen eher weniger gut zu funktionieren. Doch während Monster Hunter und Monster Hunter Dos auf der PS2 jeweils um eine halbe Millionen abgesetzter Einheiten verzeichnen dürfen, knackte die PSP-Version des Erstlings, Monster Hunter Freedom, direkt die Millionen. Die beiden bestverkauften Spiele der Franchise, direkt nach dem aktuellen Monster Hunter World, sind tatsächlich Freedom Unite und Portable 3rd auf der PSP! Auch die Inkarnationen auf dem 3DS haben sich besser verkauft, als die vorigen Teile auf stationärer Konsole.

Da spielen bestimmt viele Gründe hinein, von denen nicht wenige in ihren Ausmaßen spezifisch für Japan sind. Natürlich bietet sich die nach Missionen strukturierte und auf Grinding von Materialen ausgerichtete Spielweise eh für das Zocken zwischendurch an. Dazu ist das Stigma in Japan, einen Handheld auch als Erwachsener rauszuholen, nicht so hoch gewesen. Gerade da dort die Wegstrecken, die fast ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden, ziemlich enorm und häufig sind. Japaner haben einfach mehr „tote“ Zeit zwischendurch totzuschlagen, als es sich abends vor dem TV gemütlich machen zu können. Ein so dicht besiedeltes Land bietet sich natürlich auch eher an, sich zu viert im Cafe um die Ecke zu treffen, und gemeinsam dem lokalen Multiplayer zu frönen.

Der Westen hinkte in den Verkaufszahlen stattdessen bisher traditionell hinterher. Aber auch wir sahen auf der PSP einen Push was die Franchise anging. Immerhin haben wir mit Freedom, Freedom 2 und Freedom Unite gleich drei der vier Releases bekommen, und Portable 3rd wahrscheinlich nur wegen des späten Releases nicht, nachdem die PSP hier schon abgesagt war. Auf die Franchise angefixt, gehen wir doch jetzt mal, nachdem wir sowohl die dritte Generation in Tri und die fünfte Generation in World erleben durften, fast an die Anfänge zurück in die zweite Generation für den nötigen Schock einer Version, die vor 11 Jahren herausgekommen ist. Freedom 2 statt dessen erweitertes Re-Release Freedom Unite übrigens schlichtweg, weil ich das schon seit Ewigkeiten hier ungespielt rumfliegen habe.

Das macht natürlich schon einen ziemlichen Rückschritt aus. Man sagt Monster Hunter immer nach, bisher absolut gleich geblieben zu sein, und tatsächlich hat Monster Hunter World so viel überarbeitet, wie bisher noch nie zuvor, aber dies bedeutet nicht, dass nicht Monster Hunter Tri bereits viele Verbesserungen gegenüber den beiden vorangeschrittenen Generationen eingeführt hatte. Viele Kleinigkeiten, die sich zu Freedom 2 gehend so noch nicht gestalten.

Beispielsweise gibt es noch nicht die tollen kleinen Icons, die zeigen das ein Monster gehäutet werden kann oder man schlichtweg bei einem Harvest Spot steht. Die sind meist so ausgearbeitet, dass sie zumindest etwas aus der Landschaft herausstechen sollen, doch auf dem kleinen Bildschirm übersieht man das dennoch gern mal. Ich habe beispielsweise Ewigkeiten gebraucht, bis ich gemerkt hatte, wo man Efeu für die Fallen herbekommt. Auch kann man keine Gegenstände in der Item-Box kombinieren, sondern muss die dafür ins eigene Inventar stecken, inklusive Comob-Bücher, damit das Craften überhaupt gelingt. Die Stacks von Items wie Potions und anderen Consumables reichen gerade Mal bis x10, selbst in der Box. Die Subquests von Monster Hunter Tri, um vorzeitig beenden zu können, gibt es auch noch nicht.

Was auch auffällt ist, dass die Überreste von Monstern total schnell verschwinden. Wenn man von dreien gleichzeitig attackiert wird, kann man davon ausgehen, dass die ersten beiden totgeschlagenen Gegner bereits verschwunden sind, bis man den dritten erlegt hat – ohne das man deren Material rausschneiden konnte. Allgemein sind die kleinen Gegner in Monster Hunter Freedom 2 unglaublich aggressiv und werden einen nicht in Ruhe lassen, solange man in deren Gebiet ist. In einigen großen Hunts nerven die einen beständig rammenden Wildschweine oder ins Genick springenden Raptoren deutlich mehr, als der eigentliche Hauptgegner, den man erlegen soll. Zumindest solange diese keine Attacke haben, dessen Hitbox einen gefühlt noch bei hundert Metern Abstand trifft wie diese erbärmlichen Hip-Checks. Das Stamina-System aus Monster Hunter Tri gibt es obendrauf natürlich auch noch nicht, Gegner müssen also nicht nach einer gewissen Anzahl an Attacken erst verschnaufen, sondern dürfen beständig und andauernd angreifen.

Die Farm funktioniert auch noch eine ganze Ecke anders. Zum einen wird sie über Punkte erweitert, statt Items. Und sie ist absolut nicht automatisiert. Wer also was aus ihr herausschlagen will, muss nach jedem Quest selbst fischen, ernten, den Pickel und das Insektennetz schwingen. Zumal das hier die einzige Stelle ist, an der überhaupt Insekten gefangen werden können, in freier Wildbahn gibt es keine Schmetterlings-Spots. Dafür braucht das Sammeln auf der Farm wenigstens keine Gegenstände auf, statt das wie in freier Wildbahn die Netze etc. nach einigen Nutzungen zerbrechen wie alter Toast.

Freie Expeditionen für das Sammeln auf Harvest-Items gibt es auch noch nicht, alles läuft über die Paw-Pass-Quests, die einem 50 Minuten in einem Areal geben, um etwas von der blauen in die drei Schritte entfernte rote Box umzulagern, damit man dazwischen alles sammeln kann, was man aus der Zone holen wollen würde. Echt merkwürdig, dass es bis Tri dauerte, bis es ein frei begehbares Areal gab, und bis World, um allen eine Expeditions-Variante zu bescheren. Natürlich sind die Areale nun auch wieder in einzelne Teilzonen inklusive Ladezeiten gebrochen, wodurch wenigstens der Trick wieder funktioniert, in ein Nachbarareal zu rennen, um Gegenstände zu benutzen, da man hier ja noch mehrere Sekunden stillsteht, während man sie nutzt, so dass man sich eine Backpfeife vom Gegner einfangen könnte.

Einen von der KI gesteuerten felinen Mistreiter gab es übrigens erst seit Freedom Unite, so dass der Hunter in Freedom 2 noch die ungeteilte Aufmerksamkeit der Gegner auf sich selbst hat.

Natürlich ist nicht alles schlecht in Freedom 2. Ich fand es beispielsweise echt gut, dass Tutorials alle in der ignorierbaren Training School untergebracht sind, statt einem im ersten Stern-Rang aufgebürdet zu werden. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen-Quests gibt es natürlich weiterhin auch dort, aber zumindest wird einem nicht mal wieder beigebracht, wie man Potions kombiniert oder ein Steak brät. Oder sich an allen Waffen mal ausprobiert werden kann, wobei es hier mit 11 sogar nur unwesentlich weniger als die 14 aus World gibt und selbst mehr als die 7 aus dem später erschienenen Tri. Ich hatte zunächst wie üblich zur Lanze gegriffen gehabt, weil ich direkt nach Tri mit Freedom 2 begonnen hatte, nach einer Pause und dem Spielen von World aber wie dort aufs Longsword umgerüstet, um mehr Beweglichkeit zu haben. Wobei man im Vergleich immer noch ziemlich behäbig agiert, nur mit Verzögerung rollt, und die Schlagkombinationen langsamer und kürzer sind.

Hat man sich daran gewöhnt, steuert sich Monster Hunter Freedom 2 allerdings weitestgehend ordentlich. Die einzige Ausnahme ist die Kamera, die in Ermanglung anderer Knöpfe ausschließlich auf dem Steuerkreuz zu finden ist. Angeblich haben Spieler damals, die heutzutage bestimmt mit Karpaltunnel zu kämpfen haben, eine Klauenposition für ihre Hand gefunden, um sowohl den L-Knopf für das Inventar, Steuerkreuz für die Kamera, und Analog-Nubsi für die Charakterbewegung gleichzeitig bedienen zu können. Ich gehöre nicht zu jenen Mutationen. Ganz brauchbar war es allerdings auch, sie einfach mit einen kurzen L-Antippen hinter dem Charakter zu zentrieren oder in Kampfpausen mit dem Steuerkreuz zu drehen. Dennoch lernt man beim Spielen eines solchen Action-Games auf der PSP erst mal so richtig zu würdigen, dass Konsolen im Gegensatz zu Handhelds mit zwei Analog-Sticks daherkommen.

Die Welt an sich sieht erneut wieder, zumindest wenn man die Plattform betrachtet, gut aus. Manchmal wird es etwas mit der Bepflanzung übertrieben, was auf die Übersicht geht, und es gibt erstaunlich wenig im Hügel-Gebiet, welches aus dem ersten Freedom stammt, zu tun. Aber grundsätzlich ist die Welt wieder schön anzusehen, was sicherlich ein wichtiger Aspekt ist, um sie erkunden bzw. Quests in ihr erfüllen zu wollen. Die Wüste bei Nacht zu erleben, den Vulkan oder Wasserfall im Hintergrund zu haben, oder im Schneegebiet auf eine abgelegte Kushala-Daora-Haut zu stoßen, hat schon was. Die Ladezeiten, sowohl zwischen den Teilgebieten als auch zum Quest-Beginn, sind dafür nicht mal allzu lang, wenn auch eindeutig merklich.

Und immerhin muss man sagen, dass es durchaus noch primitiver gehen könnte. Immerhin sind wir hier in Generation 2 und nicht Generation 1, die noch kein Eis-Element kannte, wo die Rüstungen nicht mit Armor Spheres aufgebessert oder mit Dekorationen die Skills draufgezogen werden konnten, und die wesentlich weniger Waffen zur Verfügung hatte (Longsword beispielsweise nämlich noch nicht).

Dennoch kann ich nicht wirklich ans Herz legen, den Rückschritt auf sich zu nehmen. Trotz aller Verbesserungen, die Monster Hunter World mit sich brachte, würde ich durchaus sagen, dass man sich mit etwas Umstellung auch an Generation 3 oder 4 vagen und seinen Spaß haben kann. Obwohl ich genauso gut keinem einen Vorwurf mache, der mit World eingestiegen ist, und mit keinem Vorgänger warm wird. Doch auf Generation 2 oder gar 1 zu gehen ist doch extrem. Die schlechte Kamera-Steuerung, der langsame Hunter, die Kamikaze-Gegner, die unpräzisen Attack-Hitboxes, es gibt mehr als nur ein paar Quality of Life Sachen, die hier noch im Argen liegen. Es gibt definitiv einen Grund, warum ich nach dem Tigrex und Beenden der Story mit Freedom 2 aufgehört habe, statt noch ins umfangreiche Post Game zu gehen, denn im Nachhinein konnte ich nicht sagen, ob ich wirklich überhaupt Spaß mit dem Spiel hatte.

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