ABZÛ

Für die Dutzenden von Abertausenden an langjährigen Lesern ist es sicherlich nicht neu, dass ich gern virtuell planschen gehe. Gebt mir bunte Korallen und hübsche Fische um mich rum, und die halbe Miete ist schon erledigt, dann muss die elektronische Unterhaltungssoftware gar nicht mal mehr viel traditionelles Spiel bieten. Von daher sollte Abzu natürlich absolut mein Ding sein, welches von Giant Squid entwickelt wurde, gegründet von Ehemaligen der thatgamecompany, dem Studio hinter flow, Flower und Journey.

Dementsprechend wird man Text oder gesprochene Worte in Abzu vergeblich suchen. Unser Taucher erwacht im Meer, und schwimmt nun von einem Biotop ins nächste, hat dabei wiederholt Begegnungen mit einem Weißen Hai und Ruinen mit Wandbildern. Zwischendrin wird es etwas robotisch, dann sogar urzeitlich, am Ende etwas metaphysisch, und wenn nach maximal 2 Stunden die Credits über den Bildschirm flimmern, ist nichts konkret geregelt.

Was wir am Ende wissen ist, dass wir kein Lebewesen sind, sondern ein Roboter. Und in einer Fabrik für die Schwimmdronen und Minen haben wir in einem Diagramm gezeigt bekommen, dass wir wie jene das Wasser des Lebens eingepflanzt bekommen haben, wahrscheinlich um zu funktionieren. Jenes besondere Wasser ist es, welches in den Wandgemälden der untergegangenen Zivilisation zu sehen ist, und das wir aus uns selbst herauskommend den Schreinen in den abgestorbenen Gebieten des Meeres offerieren, woraufhin die Umgebung wieder zu Leben erweckt wird. Der Weiße Hai, der zunächst bedrohlich wirkt, wenn er eine unserer Dronen zerstört, hingegen scheint eine Art Meeresgott zu sein, oder ein führendes Geisterwesen, denn er taucht auch in den Wandgemälden auf und attackiert die nicht menschlichen Maschinen, die einen schlechten Einfluss auf die Meere haben.

Dass Abzu in den Religionen des Zweistromlandes und deren Schöpfungsgeschichten sowohl für ein Leben gebärendes Wasser sowie ein Gott, der von seinen Abkömmlingen zerstört wurde, steht, ist also keine rein zufällige Titelüberschneidung.

Woran mich Abzu dann aber wirklich ein wenig erinnert hat, ist Aquanaut’s Holiday 2, nur etwas strickter geradlinig im Verlauf, dafür mit etwas mehr… Narration, wenn man diese Art der Story- oder Lore-Wiedergabe denn so nennen kann. Denn auch in Abzu geht es hauptsächlich darum, durch das schöne Unterwasserpanorama zu schwimmen und einfach daran Spaß zu haben. Sowie seinen Erkundungsdrang etwas auszuleben. Der wird zum Teil belohnt, in dem man die drei Collectibles findet, aber eben auch so beispielsweise im Tiefseebereich einfach mal den einzelnen, seltenen Riesenhai trifft, der langsam aus dem Dunst des Wassers sichtbar wird. Eines jener Collectibles sind dann auch Pfützen, denen wir das lebensspendende Wasser überreichen, um noch zusätzliche Spezies ins Gebiet zu entlassen. Und ganz wie in Aquanaut’s Holiday 2 wird es in den finalen Bereichen von Abzu ebenfalls etwas abgedreht, wenn im Paradiesgarten sich prähistorische Wasserbewohner in die noch immer existierenden mischen.

Dass die Optik super ist, ist bei einem solchen Erlebnis selbstredend ziemlich essentiell. Abzu nutzt einen leicht stilisierten Stil, statt fotorealistisch zu sein, jedoch ist dieser ziemlich gefällig. Ich mein für echten Realismus müsste sowieso die Hälfte der Meeresbewohner mit Resten an Plastikmüll ersetzt werden, aber wer will sich das schon ansehen? Abzu spielt eher in einer postapokalyptischen Meereswelt, in der sie sich wieder erholen konnten. Mit einer Farbenfrohen Parade an unterschiedlichen Meerespflanzen, Korallen und Fischen. Sich von den Meeresströmen durch Fischschwärme gleiten zu lassen, sich an Delphine oder Walhaie zu hängen um mit ihnen zu treiben, oder mit Blauwalen in die Tiefen zu tauchen oder durch die Meeresoberfläche zu preschen. Abzu hat definitiv nur Mehrwert für diejenigen, die sich gern treiben lassen.

Dass das Ganze eine meditative Wirkung entfalten kann, war sicherlich auch den Machern nicht entgangen. Denn ein anderes der Collectibles sind Meditationsstatuen, die im Spiel gefunden werden können, und ab da an sogar vom Hauptmenü aus anwählbar sind, und über die sich einfach in einen der herumschwirrenden Fische begeben wird. Sozusagen ein hübscher Unterwasserbildschirmschoner.

Wer natürlich eher traditionellere Spiele mit Gameplay erwartet, statt einer vagen Nicht-Handlung für zwei Stunden durch ein paar Gebiete in einem Swiming Simulator zu folgen, wird mit Abzu eher nicht seine Freude haben. Für denjenigen ist das Spiel aber auch nicht gedacht. Ich weiß ehrlich gesagt selbst gar nicht so sehr, ob ich noch häufig zurückkehre, nachdem ich alle Trophies habe, da ich selbst ein wenig mehr „Sinn“ hinter dem Tauchen wie beispielsweise das Eintragen der Fischspezies in eine Enzyklopädie wie in Endless Ocean bevorzuge, aber das ich nicht eine angenehme wenn auch kurze Zeit mit dem Spiel verbracht habe und meinen Kauf nicht bereue, kann ich auch nicht abstreiten.

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