Doctor Who: Series Ten

Es ist soweit. Nachdem Doctor Who das Jahr 2016 ausgesetzt hatte, lief letztes Jahr dann die zehnte Staffel. New Who ist also im zweistelligen Bereich angekommen. Was allerdings natürlich viel monumentaler war, ist das dies auch die letzte Staffel mit Peter Capaldi als Doctor Twelve ist, womit uns abgesehen von Christopher Ecclestons Nine alle Neu-Doktoren nach je drei Staffeln verlassen haben. Und noch viel wichtiger ist, dass Steven Moffat, der in 2010 mit der fünften Staffel die Nachfolge von Russell T. Davies antrat, als Show Runner abdankt.

Ganz wurde das Jahr 2016 dann allerdings doch nicht ausgelassen, sondern es lief mit The Return of Doctor Mysterio das obligatorische Weihnachts-Special übers britische TV. Als netter Touch verabschiedet sich der Doctor für 24 Jahre von der Welt, um seine River Song nach dem letzten Weihnachts-Special zu betrauern, hinterlässt aber durch ein dummes Versehen einen Superhelden. Schon kurios, dass es Moffat scheinbar bis 2016 brauchte, um auf den Superhelden-Zug aufzuspringen und seine eigene Low-Budget-Version zu erschaffen. Abgesehen davon hat das Ding mal wieder absolut keinen Bezug zu Weihnachten, spielt nur beiläufig zu Beginn an jenem Tag.

Dennoch ist es eines meiner beliebteren Weihnachts-Specials. Die kleine Romanze zwischen dem Zufalls-Superhelden respektive Nanny und seiner Auftraggeberin respektive Schwarms ist so vorhersehbar wie sie niedlich ist. Dinge wie das die Reporterin dieses Quietschspielzeug als Verhörmethode einsetzt sind süß. Little Britains Matt Lucas ist als Companion zurück und super unterhaltsam und schräg. Selbst der Plan der Aliens in dieser Storyline ist nicht total blöde! Es gibt vieles, was man am Special mögen kann. Der einzige Nachteil des Einstünders war für mich, dass die Geschichte nicht sonderlich Doctor Who war und der Doctor an sich eher deplatziert wirkte.

Mit The Pilot beginnt die 2017er-Staffel also richtig und gleich ist viel anders. Der Doctor ist jetzt beispielsweise Professor an einer Uni und hat ein Bild von River Song und der Nichte des ersten Doctors auf seinem Tisch (und die Kamera geht sicher, dass wir das auch sehen, statt als Easter Egg für Aufmerksame am Bildrand zu haben). Außerdem scheint er jemandem versprochen zu haben keine Zeitreisen mehr zu unternehmen, damit er eine verschlossene Gruft bewachen kann. So wie ich Moffat kenne würde ich direkt darauf tippen, dass beides von enormer Wichtigkeit für den roten Faden der Staffel ist, aufgelöst wie und warum allerdings erst eher auf lahme Art und Weise gegen Staffelende erfolgt.

Aber über typische Moffat-ismen will ich mich noch nicht beschweren, bevor sie zum Tragen gekommen sind. Und am Rest der Folge gibt es wieder einiges zu mögen. Die eigentliche Alien-Handlung ist nicht sonderlich berauschend und viel darin will für mich nicht so recht Sinn ergeben, aber sie dient sowieso mehr als Bühne zur Einführung der Charakter-Dynamik. Denn wir bekommen mit Bill eine neue Companion, und da die lesbisch ist müssen wir auch nicht fürchten, dass sie sich in den Doctor verguckt, obwohl die das mit dem alten Sack Capaldi genauer betrachtet eh nicht machen. Aber ihre verplante Art ist super gefällig, es ist witzig zuzusehen wie lang sie braucht, um die üblichen Tardis-Sachen zusammenzuzählen oder das sie „Doctor… What?“ statt wie übliche „…Who?“ sagt, sowie total bodenständige Parallelen zu all dem schrägen Zeit-Raum-Reisen zu finden, die den Doctor leicht anpissen. Dazu noch der mittlerweile etwas zickig gewordene Matt Lucas. Was für eine frische und quirlige Charakterdynamik zwischen den Dreien doch besteht. Das hat mir echt gefehlt.

Da der Doctor theoretisch nur versprochen hat, die Erde nicht zu verlassen, nutzt er natürlich prompt die neue Companion als Ausrede, um zumindest durch die Zeit reisen zu können. In Smile landen sie in der Zukunft, in der Roboter über Emoji mit den Kolonisten kommunizieren, deren Gefühle über eine Plakette ausgelesen wird. Und da sie dazu erschaffen wurden, die Menschheit glücklich zu machen, jedoch gerade negative Emotionen umgehen, gerät was schief und sie beginnen jeden umzubringen, der nicht lächelt.

Die Episode ist ein gutes Konzept, das leider nicht ganz so gut umgesetzt ist. Die Ausgangssituation ist echt interessant, jedoch hatte ich das Gefühl es hätte besser eine simplere Geschichte von halber Spielzeit abgegeben, denn in der zweiten Hälfte der Folge verliert sie sich so etwas. Mit den Bezügen zum Kolonie-Imperialismus mit den Robotern als neue Rasse, mit der koexistiert werden muss. Abgesehen davon ist es eh merkwürdig das die Plaketten, die ja eigentlich dazu da sind, die Emotionen zu visualisieren, durch falsches Lächeln ausgetrickst werden können. Dann braucht es derer nämlich nicht, wenn sie eh nur die äußere Fassade statt das Innenleben spiegeln.

In Thin Ice geht es dann ins London im Jahre 1814 zur dortigen Eis-Messe, da in jenem Jahr die Themse so stark zugefroren war, dass sich die Leute ein Spektakel daraus machen, darauf einen Rummel zu halten. Dummerweise gibt es Anglerfische unterm Eis, die Leute einbrechen lassen, sowie wartet ein Riesen-Monster-Fisch angekettet nur auf seinen Zug. Erneut ein ganz netter Einfall, so in seiner simplen Kürze wiedergegeben, der leider in eine Folge endet, an der ich nicht alles mögen konnte.

Mein größtes Problem ist, dass es mal wieder zum üblichen Gesang und Tanz kommt, wenn ein neuer Companion zum Doctor stößt. Und zwar lässt der einen Jungen einfach sterben, was Bill ganz scheiße findet, der Doctor aber damit rationalisiert, dass er nur so größeres Gutes in Form der Rettung von mehr anderen Menschen tun kann. Ein wenig inhuman für unseren menschlichen Companion, jedoch nachvollziehbar für ein tausende Jahre altes rationales Alien. Leider viel zu früh in den Reisen mit einer neuen Companion, und letztendlich kann sich die Serie erneut nicht verkneifen, den Doctor wenige Szenen später gleich wieder menschlicher und besser darstellen zu wollen. Wenn der Bösewicht der Episode, der die Leute an den Fisch verfüttern will, weil der dann besonders tolle Ressourcen auskackt, noch weniger Bedeutung einem Menschenleben zuordnet (und das passt in die Zeit der industriellen Revolution), der Doctor jedoch eine hehre Ansprache halten darf, dass wahrer Fortschritt nicht an wirtschaftlicher Leistung gemessen wird, sondern wie viel Wert einem einzelnen Menschenleben zukommt.

Und dann haben wir am Ende auch noch die gleiche dämliche Sache, die wir bereits mit Clara und dem Monddrachen und mit Amy und dem Weltraumwal hatten. Der Doctor überlässt nämlich Bill die schwere Entscheidung, ob der Fisch freigelassen wird, was Menschenleben riskieren könnte, weil er angeblich nur Entscheidungen ausführt. Der Heuchler, als ob er je auf die Ansagen anderer hören statt sein eigenes Ding drehen würde. Ansonsten war es eine brauchbare Episode, aber wie der Doctor hier mal wieder inkonsequent behandelt wird, war erbärmlich.

Bei Knock Knock bekomme ich so ein wenig das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Bill war eine Küchenhilfe an der Uni, die nur gerne in den Lesungen des Doctors abgehangen ist und zu seinem privaten Protegé wurde. Und hat schon mit jemandem zusammengelebt. Hier in der Folge ist sie plötzlich vollwertige Studentin und hat 5 Mitstudenten-Freunde, und alle zusammen sind auf der Suche nach einem Haus, um eine gemeinsame WG zu gründen. Ist dieser plötzliche Bruch nur da, um eine Ausrede für die Folge zu haben? Ist nicht so, dass Bill anschließend mit anderen Studenten abhängt, wir sie in Vorlesungen sehen würden, oder sie eine eigene Bude hätte.

Die Story an sich ist Horror, denn sie finden ein verdächtig weiträumiges Haus für einen verdächtig niedrigen Preis, bei dem keiner von den Sechs wirklich Verdacht schöpft. Aber nein, es gibt Menschenfressende Käfer in den Wänden und ein Familiengeheimnis des Vermieters. Viel Klopfen auf Holz, viele zuschlagende Türen, viele Lichtblitze. Wenig Inhalt. Ich mein es ist schon Ok, und der wiederholte Gag, dass der Doctor für Bills Großvater gehalten wird, obwohl er sich für viel zu jung dafür hält, ist ganz niedlich. Aber wie bei den vorigen Folgen kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, als wären 45 Minuten einfach zu lang für die simple Prämisse und das gezogene Endresultat dadurch in der Substanz geschwächt.

Oxygen ist eine weitere Horror-inspirierte Episode, in der mal wieder einem Notsignal gefolgt in einer scheinbar verlassenen Raumstation gelandet wird. Vom Haunted House also in SciFi-Äquivalent dessen. Stellt sich heraus in dieser Zukunft kostet Sauerstoff Geld, und sobald die Arbeiter von ihrer Leistung her nicht produktiver sind, als die Kosten sie mit Sauerstoff zu versorgen, wird ihnen das einfach ausgestellt und sie werden zu wandelnden Leichen. Die Zukunft, in der selbst die Luft zum Atmen einem in Rechnung gestellt wird, ist natürlich immer eine sehr dystopische Vorstellung, aber wenn man mal darüber nachdenkt, gar nicht so weit hergeholt. Wenn etwas zu einem endlichen Gut wird, kostet es auch was. Ohne Wasser oder Nahrung können wir genauso wenig überleben, aber dennoch zahlen wir im Supermarkt dafür. Interessanterweise macht die Folge, um den simplen Grundgedanken diesmal tatsächlich halbwegs gut auf Länge zu hinterfüttern, was daraus. Eben mit den Untertönen des Kapitalismus maximiert ohne dabei Rücksicht auf menschennahen Sozialismus zu geben. Ach ja, und der Doctor verliert sein Augenlicht, was ihn hier aber (noch) in keiner Weise im Weg steht.

Mit Extremis erreichen wir die Halbzeit der Staffel und die Folge ist so Moffat, wie eine Folge nur sein kann. Es gibt atmosphärische Szenerien in Bibliotheken und Schlössern, Charaktere tragen klassische Looks und Kutten, und die Geschichte ist geradezu am Überlaufen an Offenbarungen, die zu nur noch mehr Mysterien führen. Beispielsweise dürfen wir doch jetzt schon herausfinden, was in der Gruft eingeschlossen ist: Missy. Der Doctor sollte an ihrer Hinrichtung teilnehmen, hat aber alle so weit eingeschüchtert, bis er auferlegt bekam, tausend Jahre über sie in ihrem Gefängnis zu wachen. Auch wenn man sich schlecht vorstellen kann, was diese Zeit für den Doctor wirklich bedeutet, da er dies doch so einfach überbrücken oder Zwischenstopps einlegen kann, wie er lustig ist. Außerdem wäre die Szene als Ganzes stärker gewesen, statt den Rückblick in kleinen Stücken über die Folge zu verteilen, nur um das Mysterium etwas länger am Leben zu halten.

Die Folge entgleist sowieso zusehends. Alles beginnt damit, dass der Vatikan persönlich beim Doctor vorbei schaut, weil die ein super geheimes Buch in der Bibliothek gefunden haben, dass alle, die es lesen, dazu bringt sich umzubringen. Also soll der Doctor es sich ansehen, was natürlich etwas schwer ist, wo er doch gerade erblindet ist, dies aber keinem offenbaren will. Dass der Papst höchstpersönlich um seine Hilfe bittet ist natürlich etwas arg dämlich, aber insgesamt ist das Setup durchaus spannend. Doch dann stolpern die beiden Companions über einen Raum voller Portale in die wichtigsten Gebäude der Welt wie dem Weißen Haus oder Pentagon, und am Ende war alles nur eine simulierte Welt, in der Aliens die Eroberung der Welt planen wollen und der Sim-Doctor schickt von innerhalb der Matrix eine E-Mail an den echten Doctro in der richtigen Welt. Und irgendwo dazwischen schwappen mal wieder Moffats coole Ideen in nicht mehr ganz so befriedigende Resultate um.

In The Pyramid at the End of the World sind also jene Aliens, die in Extremis die Simulation gestartet haben, in der echten Welt aufgetaucht, um sie zu übernehmen. Nur sind sie plötzlich keine wirklichen Invasoren mehr, sondern wollen das wir die Erde freiwillig übergeben. Jedoch gebunden daran, dass es aus Liebe geschehen muss, nicht Furcht oder Strategie. Alles, während im Hintergrund die Uhr zum Weltuntergang tickt, wenn sie nicht helfend eingreifen. Und erneut ist die Idee an sich keine schlechte, eine Geschichte darüber, wie viele kleine Zufälle dazu führen können, dass irgendwann die Waagschale kippt und das Ende unwiderruflich ist.

Doch wenn das hier nicht mal ein Supergau an gekünstelten Gespinsten ist, damit es funktioniert. Die zwei Wissenschaftler müssen die dümmsten und unprofessionellsten Idioten sein, und es darf trotz der gefährlichen Experimente keinerlei Aufsicht oder Sicherheitsvorkehrungen geben, damit das hier alles geschehen kann. Und warum wird die Luft alle Stunde komplett in die Außenwelt gepumpt? In einem Labor, bei dem diese bei einem Fehlexperiment einfach kontaminiert werden kann? Und die Türsperre, die letztendlich den Plan des Doctors vereitelt, ist auch mal hirnrissig und nur so designt, damit sich dessen Blindheit endlich auszahlt und Bill dazu getrieben wird aus Liebe die Erde zu übergeben. Matt Lucas kann auch dem Doctor nicht helfen, weil der warum auch immer ihn aus dem Tardis aussteigen lässt, nur damit er kurz die giftige Luft einatmen kann, um dann ausgeknockt zu werden. Ne echt jetzt, dass Setup hier war mir zu hirnrissig und unglaubwürdig, selbst für Doctor Who.

Weiter geht die Handlung, auch wenn es offiziell kein Mehrteiler ist, in The Lie oft the Land, nachdem die Mönchskutten die Erde übernommen und die Geschichte überschrieben haben, als wären sie schon immer als leitende Hand der Menschheit vorhanden gewesen. Selbst der Doctor scheint mit ihnen zusammenzuarbeiten. Und was eine Folge der verpassen Möglichkeiten wir doch vor uns haben. Was wäre beispielsweise, wenn die Mönche tatsächlich die Erde besser und friedvoller regieren würden, als wir das können? Daraus eine Frage der Freiheit und Selbstbestimmung gegen objektiv höhere Sicherheit zu machen. Was wenn selbst wenn nicht alles besser wäre und die Mönche nicht komplett uneigennützig sind, hier dennoch die Frage abzuwägen wäre, welche Variante nun wirklich schlechter ist – eine Welt mit oder ohne sie? Was, wenn der Doctor wirklich davon überzeugt wäre, dass sie die Sache besser machen, und erst vom Gegenteil überzeugt werden müsste? Stattdessen agieren die Mönche wie die Gestapo, alle Menschen bekommen deprimierend uniforme Kleidung aufgezwungen, und das Bill scheinbar den Doc erschießt ist ein billiges Gimmick.

Immerhin ist Missy, die nun endlich als Charakter wieder so langsam dazu stoßen darf, ziemlich launig. Und da sie eigentlich ein Bösewicht, wenn auch eventuell ein läuternder, ist, darf sie auch die Pragmatikerin spielen. Diejenige, die einwürft das bei der Rechnung von Bills Leben versus der komplette Rest der Menschheit, der Tod von Bill gegebenenfalls das kleinere Übel ist. Und das der Doctor der Menschheit das wegen seinem persönlichen Bund zu seiner Compenion verweigert eigentlich pure Arroganz ist. Missy macht hier das, was die Serie dem Doctor immer wieder anhängen möchte, und dann doch wieder den Schwanz einzieht, weil sie zu viel Angst hat man könne ihn nicht mehr mögen. Siehe Thin Ice.

Bei Empress of Mars schauen der Doctor und seine Companions bei der NASA rein, die gerade unter der Eisschicht der Mars den Schriftzug „God save the queen“ entdecken. Daraus resultiert eine Reise in die Vergangenheit des roten Planeten, die sehr Jules Vernes ist, mit alten britischen Offizieren und den Ice Warriorn, die vielleicht böse sind aber dann doch nicht aber dann vielleicht doch und alles eskaliert aus hanebüchenen Gründen. Und am Ende waren der Doctor und Co. es, welche die Nachricht gelegt haben, von daher sind sie also nur bei der NASA vorbei gezoomt, um über ihren eigenen Witz zu lachen? Nicht wirklich eine Folge, mit der ich viel anfangen konnte. Weder das Setting noch der Stil liegen mir, und insgesamt ist es ziemlich konfus warum Dinge aus welchen Gründen jetzt noch mal genau geschehen.

Die nächste Folge mag The Eaters of Light heißen, aber wenn ich mich nicht vertan habe, gibt es hier nur einen Lichtfresser. Dessen Design sogar grundsätzlich ganz gut geraten ist, jedoch dadurch unterminiert wird, dass wenn am Ende ein Haufen Fast-Kinder gegen ihn kämpfen, das Vieh doch überraschend klein ist und viel zu einfach in Schach gehalten werden kann. Abgesehen davon würde die Geschichte ums Vergeben und Zusammenarbeit zwischen den schottischen Kids und den römischen Kindersoldaten besser funktionieren, wenn es eine echte Entwicklung dahin gäbe, oder einen entscheidenden Fixpunkt, der alles ins neue Licht rückt, statt das alle einfach irgendwann plötzlich miteinander arbeiten.

Ähnlich mit Missy, die nun wirklich echt ein Companion sein darf, aber irgendwie hätte man sich auch vorgestellt, dass es hier eine langsame Entwicklung hin gegeben hätte. Eine Charakter Arc, in der sie Sühne zeigt, in der sie das Vertrauen des Doctors wiedergewinnt, statt das der sie einfach plötzlich mitreisen lässt. Dass sie wie ein Schoßhund nach seiner Zuneigung bettelt, bekommt dem Charakter auch nicht gut. Dafür ist es ganz niedlich, wie überrascht Bill ist, dass die römischen Legionäre kein Problem damit haben, dass sie lesbisch ist, weil sie sich nicht vorstellen kann, dass vorigen Zivilisationen ein Auf und Ab an progressivem Verhalten hatten, statt dass es zwangsläufig in allen Belangen archaischer wird.

World Enough and Time ist die erste Hälfte des Staffelfinales und startet direkt mal mit belanglosem Köder eines regenerierenden Doctors. Die nächsten zehn Minuten sind hingegen großartig, wenn Missy so tut als wäre sie der Doctor, voller schneller und blöder Sprüche, und mit 4th-Wall-Jokes in denen sie die Companions nach ihrer Rolle in der Geschichte benennt, oder das er sich wirklich Doctor Who nennen würde, und natürlich die fantastische Retour auf die Frage, ob sie ein Mensch wäre, mit „Now, don’t be a bitch“. Was ein Schwung und eine Freude dieser Charakter doch ist, genau was Doctor Who gefehlt hat.

Die eigentliche Hauptepisode dreht sich um ein Raumschiff, dass nahe eines schwarzen Lochs abhängt, und deswegen die Zeit an den beiden Enden unterschiedlich schnell läuft. Und Bill wird von den Bewohnern der unteren Stockwerke entführt und erwacht in einem Silent-Hill-Krankenhaus voller maskierter Patienten, die beständig nach Erlösung ihrer Pein rufen. Die ganze Welt an der unteren Seite ist durch die schneller laufende Zeit eine seit Generationen aufgebaute und schon wieder im Untergang befindliche Zivilisation, während am Kopf des Schiffes wenige Wochen vergangen sind. Und dann stellt sich raus, dass dies die Geburtsstunde der Cybermen ist und der Master hier untern crashlandete (als russischer Kerl mit bestem Unterhaltungswert maskiert) und Bill zu einem jener macht. Spannende Geheimnisse, tolle Offenbarungen. Eindeutig der Anfang einer Moffat-Geschichte, die Steilkurve nach oben vor dem Fall auf der anderen Seite.

Tja, The Doctor Falls endet also die Staffel, und ist nicht so sehr schlecht als weitestgehend für mich einfach etwas langweilig. Erneut erbärmlicher Bait zu Folgenbeginn, mit einer Cyber-Bill, die mit einem scheinbar toten Doctor auf Stockwerk 507 des Schiffes auftaucht. Und die überlangen 60 Minuten sind zum Großteil wirklich nur langgezogene Vorbereitung der dort lebenden Menschen, um sich gegen den baldigen Angriff durch die Cybermen des untersten Stockwerks zu rüsten. Und eine weitere Episode, in der der Doctor menschliches Leben über alles stellt, obwohl sie selbst nach ihrer Flucht auf höhere Stockwerke früher oder später den Cybermen zum Opfer fallen werden. Alles wirklich nur, damit der Doctor sich dramatisch wie dämlich opfern darf, nur dass er dann doch weiterleben darf. Bill und ihr Kampf damit, ein Cyberman zu sein, ist der Lichtpunkt der Folge, und selbst sie darf dramatisch sterben, nur damit sie es dann doch nicht ist, sondern mit dem Mädel aus Pilot in lesbischer Liebe durchs All geistern darf. Selbst Missy und der Master haben hier mit ihrem ständig vagen Verhalten auf welcher Seite sie nun stehen, wenig Unterhaltungswert.

Mit dem Ende der Staffel sind wir aber noch nicht am Ende von Doctor Who in 2017, denn Capaldi durfte die Titelrolle auch noch im kurz darauf ausgestrahlten Weihnachts-Special Twice Upon a Time verkörpern. Das Bild der Nichte zu Beginn der Staffel auf dem Tisch des Doctors? Handlungs-technisch komplett irrelevant, aber ein Hint, den Moffat bestimmt für clever angesehen hat, denn Doctor Twelve trifft in der Antarktis auf Doctor One. Verkörpert durch einen Schauspieler, der dem gar nicht mal so ähnlich sieht, wenn man die Frisur ändern würde. Dass beide Doctoren nicht regenerieren wollen bringt aus irgendwelchen Gründen die Zeit aus den Fugen, spuckt beide hier aus, genauso wie einen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Bis sich ein Computer einmischt, der eine Datenbank aus den Erinnerungen aller Toten ansammelt, allerdings nicht wegen eines fiesen Planes wie in einem früheren Staffelfinale, als Missy ein Kollektiv an Toten erstellt hat.

Ganz ehrlich gesagt hab ich die ganze Handlung nicht so ganz gecheckt. Warum all dies jetzt genau geschieht. Warum der Soldat aus dem Ersten Weltkrieg so wichtig ist. Vor allem warum er genau an seinen Todeszeitpunkt zurück muss, nur damit der Doctor das dann doch nicht tut, sondern ein paar Stunden später, damit er überleben kann, weil er Teil des Weihnachtswunders von 1914 wird. Bill und Nardole sind als Erinnerungen zurück, damit der Doctor sich dramatisch von den Companions verabschieden kann, was aber seltsam hohl wirkt, wenn er ständig behauptet sie wären nicht real. Selbst Clara, ein Charakter den keiner mehr leiden konnte, darf sich verabschieden. Keine River Song, keine Amy, keine Missy.

Dafür ist Doctor Twelve hier immerhin so unterhaltsam und schneidig, wie fast in keiner anderen Folge seiner Ära. Wahrscheinlich, weil er der witzig-überdrehte Charakter sein muss, der zum altbackenen One kontrastiert. Der übrigens sehr schlecht hier gehandhabt wird. Doctor One war schon ein wenig ein Arschloch, aber er war nie solch ein Relikt. Er bekommt eigentlich nichts die ganze Folge zu tun, sondern darf nur für „Ohoho, die 60er waren doch andere Zeiten“-Witze herhalten. Wenn er meint, dass Frauen keine Doktoren sondern nur Krankenschwestern sein können, oder das Bill doch mal den Tardis aufräumen sollte. One war nie ein altbackener Sexist, sondern reiste mit einer Lehrerin und seiner Nichte, die beide starke Persönlichkeiten waren. Das Ganze ist nur ein großer fehlgeleiteter Witz, wie weit wir doch gekommen sind, und natürlich weil der nächste Doctor tatsächlich mit Jodie Whittaker eine Frau sein wird. Abgesehen davon, dass es nicht passt, ist es auch schlichtweg nicht witzig.

So klingt sie also aus, die Ära von Peter Capaldi, die Zeit mit Doctor Twelve, und die Schirmherrschaft von Steven Moffat. Und immerhin ist Series Ten schon mal insgesamt besser gewesen, als die Staffel davor. Doch während ich einige Dinge in den Episoden durchaus mag, so kann ich mich dennoch nicht des Gefühls erwehren, dass sie im Endresultat häufig dennoch etwas lahm sind. Nicht so sehr, weil es an guten Ideen gemangelt hätte, sondern weil sie oftmals einfach unter Wert umgesetzt wurden.

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