Event Horizon

Event Horizon ist ein Film mit einer sehr geplagten Entstehungsgeschichte. Was ursprünglich als The Shining, aber im Weltall und mit viel Gore geplant war, sollte sowohl während der Produktion als auch davor und danach unter Zeitdruck kommen. Ein unfertiger 130-Minuten-Cut hatte miserable Ergebnisse während eines Text-Screenings, weswegen das Ding auf 95 Minuten zurechtgestutzt wurde. Irgendwann wurde sogar ein Versuch unternommen, Event Horizon auf PG13 zu bringen, um mehr Publikum anzuziehen, was dann jedoch wieder rückgängig gemacht wurde.

Natürlich ist es sowieso etwas fraglich, wie viel der Film von Paul Anderson hätte werden können. Das ist der Paul Anderson, der mit Milla Jovovich verheiratet ist, und uns so filmische Perlen wie Mortal Kombat, die Resident Evils oder Dead or Alive beschert hat, und scheinbar momentan an einem zu Monster Hunter arbeitet. Dann wiederum ist ein Regisseur auch nicht alleinig an der Entstehung eines Filmes beteiligt, und aus Event Horizon hätte sicherlich zumindest mehr werden können, wenn mehr Zeit eingeräumt worden wäre, sowohl für die Produktion als auch für die Gesamtspielzeit.

Dass der Film stark runtergekürzt ist, merkt man eigentlich auch schon direkt zu Beginn. In schnellen Texttafeln wird uns davon erzählt, dass Menschen in der Zukunft, die jetzt 20 Jahre nach Filmrelease schon Vergangenheit ist, angefangen haben bemannt das All zu erforschen, und 2040 das besondere Exkursionsschifft Event Horizon mit einem speziellen Antrieb in unbekannte Weiten vorstoßen sollte, jedoch direkt zu dessen Aktivierung im Orbit des Neptuns spurlos verschwunden ging. Das kann man natürlich auch hübscher aufbereiten, auch wenn Backstory in schnöden Texttafeln jetzt auch nicht komplett ungewohnt zu Filmstarts sind.

Dann sehen wir Weir in einer Raumstation im Orbit der Erde, in der er Bilder seiner Frau betrachtet. Harter Cut und plötzlich ist er auf einem anderen Raumschiff, Mitglied einer Crew, und die sind auf der Mission einem Rettungssignal zu folgen, welches scheinbar von der wieder aufgetauchten Event Horizion (es sind 7 Jahre seit deren Verschwinden) ausgeht. Dass hier definitiv mindestens zwei Szenen flöten gegangen sind, in denen Weir sich der Truppe anschließt und die Mission genauer erklärt wird, ist hierbei ziemlich klar. So wäre es fast besser gewesen, die erste Szene mit Weir auch zu opfern und es so aussehen zu lassen, als wäre er von Beginn an ein Crewmitglied gewesen.

Viel mehr als das beginnende Setup, welches nicht wirklich über sehr viel mehr Spielzeit erklärt wird, als die letzten zwei Absätze zu lesen eingenommen haben kann, ist dann auch nicht mehr an Handlung. Geschehen tun schon noch diverse Dinge, aber viel mehr Story gibt es dazu nicht. Die Event Horizon war also statt durch den Raum zu springen in einer Höllendimension, in der alle wahnsinnig wurden und sich Cenobiten-mäßig gesexzerstückelt haben. Und jetzt haben die darauf neu gestrandeten Retter auch langsam merkwürdige Visionen und Weir wird ganz vom Schiff eingenommen und will alle umbringen.

Alles sehr vorhersehbar. Weil halt typisch besessenes Horror-Haus, welches seine Bewohner in den Ruin treibt, nur eben auf einem Raumschiff und mit dem Setdesign von Hellraiser. Alles ist dunkel und kantig, mit unnötigen Spitzen und Stacheln versehen und in einer der Höllenversionen wird die Crew aufgespießt und mit Stacheldraht durchzogen gezeigt.

Das Problem dabei ist einfach, dass der Film absolut leer wirkt. Als würde all dies so ein wenig ohne richtigen Gravitas im luftleeren Raum geschehen. Es ist ziemlich klar, dass hier mehr Story dahintergesteckt hat, die rausgeschnitten wurde. Vor allem auch was die Charaktere angeht, von denen nur bei dreien mal kurz die Ängste angesprochen werden, die sich die Event Horizon zu Nutze macht, während drei andere absolut eindimensionale Pappaufsteller bleiben. Der Suizid von Weirs Frau bekommt mit am meisten Zeit, und ist dennoch irgendwie zu kurz, um richtig Charaktermotivation reinzubringen. Zudem gibt es da ganz eindeutig spezielle Beziehungen zwischen einigen der Crewmitgliedern, die aber alle verlorengegangen sind, wann immer jemand also für jemand anderen wichtig erscheint, kommt das aus dem Nichts. Das Ende ist dann auch irgendwie ziemlich konfus und sprunghaft.

Selbst an Gore ist letztendlich gar nicht so viel geblieben. Ein wenig eklig wird es nur in der Aufzeichnung der Orgie der ursprünglichen Crew, nachdem die aus der Höllendimension zurückgekehrt sind, und die Höllenvision der neuen Crew gegen Ende. Beide Szenen sind aber extrem kurz und so schnell geschnitten, dass man eigentlich schon wieder kaum etwas zu erkennen vermag.

All das macht die beschnittene Version von Event Horizon wirklich mehr langweilig denn sonstwas. Das Konzept dahinter ist zu kompetent, um einen richtig schlechten Film auszumachen, oder gar einen schlecht-guten Unterhaltungswert einzubringen, aber es fehlt zu viel, um dann doch einen guten und interessanten Film zu bieten.

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2 Kommentare

  1. Kann mich erinnern, dass der Film damals mit der Zahlung „Something’s coming“ beworben wurde. Am Ende der Filmvorführung sagte meine Begleitung zu mir: „Und, wo isses?“

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