Hallowiin: Ju-on Part Six

Die Wii ist nicht unbedingt für Horror-Spiele bekannt, dabei sind durchaus nicht wenige für die Konsole erschienen. In Zeiten, wo die Entwicklungskosten auf PS3 und Xbox360 für das Genre mehr und mehr zum Problem wurden, wanderte es eben nicht nur in die Indie-Szene, sondern auch auf die wesentlich kostengünstigere Nintendo-Plattform, die zudem keine unbeachtliche Installationsbasis hatte. Nur das dummerweise viele 3rd-Party-Spiele, besonders in erwachseneren Genres, dort ziemlich unbeachtet blieben, abgesehen von den 4 Resident Evils, Silent Hill: Shattered Memories und vielleicht noch die 2 Project Zeros, wie viele weitere sind schon breit bekannt? Dabei gibt es auf der Konsole auch andere große Namen wie Dead Space, House of the Dead oder Dead Rising. Neben unbekannteren Größen wie Obscure, Night of the Sacrifice oder die vier dieses Halloween von mir besprochenen Spiele: Ju-on, Calling, Escape from Bug Island und Cursed Mountain.

Ju-On, nicht zu verwechseln mit dem Fromsoftware Survival Horror Kuon, ist eines jener Casual Horrors auf der Wii. Das sind diejenigen Spiele, die einen entweder nur vor blassen Geistern davon rennen oder per schnellem Quick Time Event automatisch entkommen lassen. So ein wenig das Gaming-Analog zum Sommer-Popcorn Horrorfilm, die mit relativen Standard-Thrills einem anspruchslosen Publikum schnelle Kurzweil geben.

Außerdem ist es natürlich ein Lizenzspiel, basierend auf den gleichnamigen Filmen. Und läuft dann auch genau wie jeder einzelne davon ab. Unterteilt ist das Spiel also in 5 kürzere Episoden, jeweils benannt nach dem darin vorkommenden Charakter, der auf die Geister vom miauenden Jungen Toshio und der Todesrasselnden Kayako trifft. Bis sie ihn oder sie eingeholt haben und der Charakter am Ende der Episode stirbt, wir zum nächsten Todgeweihten gehen. Immerhin gibt es bekanntlich keine Lösung für den Fluch, sobald er einem an den Hacken ist, wird man sterben, egal was unternommen wird. Selbst wenn man das Haus der Saekis nie betreten, es reicht wenn ein Familienangehöriger dort war und den Fluch mit ins eigene Heim geschleppt hat. Wie hier auch, denn die finale Episode offenbart, dass die Tochter im Haus war, die anderen behandeln den Rest ihrer Familie, die an komplett anderen Orten wie einem Apartment, Krankenhaus, Fabrik oder Bürogebäude von den Geistern heimgesucht werden.

Vom Spielerischen her ist alles sehr simpel gehalten, denn jede Lokalität besteht nur aus einer übersichtlichen Anzahl an Gängen und Räumen, die langsam mit einer Taschenlampe erkundet werden. Batterien, damit einem das Licht nicht erlöscht, sowie die paar wichtigen Key Items (meist tatsächlich Schlüssel, die einen verschlossenen Raum öffnen) zum Weiterkommen in der Lokalität sind alle am Blinken, so dass sie eigentlich nicht übersehen werden können. Ich würde mal sagen ein erster Durchgang einer jeden der Episoden dauert so 20 bis maximal 30 Minuten, je nachdem, wie gründlich dann doch gesucht wird. An gewissen fixen Stellen gibt es einen Jump Scare, weil Toshio plötzlich in der Ecke steht, ein Stapel Kartons umfällt, oder blutige Handabdrücke an den Wänden erscheinen. Alles sogar ganz gut darin, eine coole Horror-Atmosphäre zu erzeugen, wenn auch Ju-On nie wirklich unheimlich wird. Der eine oder andere Jump Scare funktioniert natürlich dennoch, weil die eben immer effektiv sind, aber wirklich in einem verstörten Zustand bleibt man durch jene immerhin auch nicht.

Zumal alle jene Sachen absolut ungefährlich sind. In Gefahr gerät die Spielfigur nur dann, wenn Kayako höchstpersönlich angerasselt kommt, was ich jetzt mal so auf 3-5 Punkte pro Episode schätzen würde. Davon rennen gibt es wie gesagt nicht, stattdessen wird sie mit QTEs abgeschüttelt. In der Regel bedeutet dies die Wiimote in die Richtung zu reißen, die von den Pfeilen an den Bildschirmrändern indiziert werden, selten muss mit ruhiger Hand auch mal das Steuerkreuz innerhalb eines sich bewegenden Kreises bleiben. Erwischt Kayako einen, weil man das vermasselt hat, oder auch weil der Taschenlampe die Batterien ausgegangen sind, ist das ein One-Hit-Kill. Ju-On hat zudem keine Checkpoints, die ganze Episode muss also von vorn erledigt werden. Was dankenswerterweise allerdings nicht lange dauert. Genau genommen habe ich im ganzen Spiel nur zwei der doch relativ großzügigen QTEs vermasselt. Zum einen eine ganz zu Beginn der fünften Episode, und dann mehrmals eine plötzlich doch sehr gemeine direkt am Ende von Kapitel 4, die eine gewisse Infamie unter den wenigen Spielern von Ju-On hat, da jene von vielen mehrmals verhauen wird, obwohl sie alles richtig machen, bis das Spiel sie beim xten Versuch durchwinkt, ohne dass diesmal was anderes getan worden wäre. Da realisiert man erst so richtig, dass das Ju-On-Konzept nicht so ganz zu einem interaktiven Medium passt, da die Spieler-Partizipation darauf ausgelegt ist, die Geisterangriffe zu überleben, nur damit am Ende der Vignette die Handlung übernimmt und der für die letzte halbe Stunde am Leben gehaltene Charakter doch automatisch stirbt. Trotz fehlender Checkpoints war ich dennoch nicht sonderlich genervt, allerdings hatte ich auch das Glück die QTE in Kapitel 4 beim dritten Anlauf doch irgendwie schon zu überstehen, und wenn man weiß, wo die Key Items in einem Kapitel sind, dauert so ein strackes Replay zum Ende auch nur noch ca. 10 Minuten. Ich war dennoch froh, dass die Bewegungssteuerung in den QTEs mit jener einen Ausnahme immer alles anständig registriert hat, denn beim reinen Erkunden der Location kam es schon immer mal wieder vor, dass ein normales Korrigieren in eine Richtung plötzlich den Charakter kurzzeitig unkontrolliert Pirouetten hat drehen lassen.

Die Batterien sind übrigens ebenfalls relativ großzügig bemessen. Keinen Saft hat man eher nur dann, wenn das komplette Areal gründlich nach den Zeitungsschnipseln durchsucht wird. Das sind die einzigen versteckten Gegenstände, die nicht blinken, und schon mal in Schubladen oder Wandschränken verborgen sind. Jedes Kapitel hat mehrere davon und sie sind zunächst optional, da das reine Beenden des Kapitels das nächste freischaltet. Um in die fünfte und finale Episode zu gelangen, sind jedoch alle Schnipsel nötig. Aber auch hier ist das Spiel so nett sie automatisch zu speichern, sobald man sie gefunden hat. Selbst wenn man also im Verlauf des aktuellen Kapitel-Begehens stirbt, sind alle bis dahin gefundenen Teile gespeichert.

Übrigens bewertet Ju-On den Spieler am Ende einer jeden Episode. Nicht im Sinne eines Ranges wie gut gespielt wurde, sondern auf einer Furchtskala was für ein Angsthase man war. Bei mir waren allerdings beide Werte immer ziemlich niedrig, abgesehen von zwei Ausnahmen. Das Spiel dachte ich wäre sehr ängstlich gewesen, als ich für einige Minuten am Stück den Bildschirm für was anderes verlassen musste. Lange Pausen = zu ängstlich weiterzuspielen, scheint hier die Interpretation zu sein. Außerdem dachte Ju-On ich hätte mich sehr gefürchtet, als ich meinen dritten Durchgang durchs vierte Kapitel machte. Wahrscheinlich weil ich die Wiimote mit sehr zittriger Hand gehalten habe… aus blanker Aufregung dies eventuell wieder zu vermasseln und von vorn beginnen zu dürfen.

Ich meine, natürlich ist auch Ju-On ziemlich gimmicky. Es ist ein sehr kurzes Spiel von 2 bis maximal 3 Stunden Spielzeit, welches wenig offeriert außer ein paar wenige moderat-atmosphärische Räume zu durchwandern, von einem halben Dutzend Jump Scares angesprungen zu werden, Kayako mit leichten QTEs zu verjagen, bis sie einen nach 20 Minuten Episode doch umbringt. Die Sache ist allerdings die, irgendwie mochte ich das Spiel dennoch. Liegt wahrscheinlich auch an einer Verbindung daraus, dass ich durch dessen Reputation viel Schlimmeres erwartet hatte, ich auf die Kürze und Simplizität vorbereitet war, und vor allem das Ding billig erstanden habe. Doch für so um die 10€ ist Ju-On eigentlich ein ganz launiges, kurzweilige Unterfangen (als recht rares Release wird es jedoch häufig wesentlich höher gehandelt, und zu nahe bis über Vollpreis sollte man nicht für anbeißen). Vielleicht sogar was, was man den ängstlichen Partner spielen lässt, weil das Spiel nun wirklich nicht überfordert, einen Zuschauer mit einer zweiten Wiimote allerdings per Knopfdruck auch einige nicht-fixierte Jump Scares hervorrufen darf.

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4 Kommentare

  1. Die Wii ist eine wunderbare Konsole für Horrorspiele. Ju-On wollte ich mir irgendwann auch noch mal anschauen. Von Night of the Sacrifice hörte ich gerade zum ersten Mal.

    Ich bin schon gespannt auf deine Artikel zu Escape from Bug Island und Cursed Mountain. Letzteres hat es absolut nicht verdient, so schnell in Vergessenheit geraten zu sein, und Bug Island ist IMO nicht annäherend so schlecht wie sein Ruf. Eigentlich wollte ich zu beiden Spielen auch schon länger mal was schreiben. Wenn’s kälter wird draußen, nehme ich mir Cursed Mountain sicherlich mal wieder vor.

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    • Night of the Sacrifice ist leider Japan only. Ju-on nicht unähnlich, da es auch in kurze Stages unterteilt ist, bei denen man Geister umgehen muss. Nur nicht als QTE, sondern in dem man muss tatsächlich selbst rennt – mit dem Gimmick, dass das Spiel das Balance Board unterstützt, man statt B zu hämmern also tatsächlich alternativ selbst physisch trampeln kann :D

      Antwort
  2. Gib doch einfach zu, dass du Angst hattest :P

    Klingt gar nicht so uninteressant. Wenn die PAL-Version bloß nicht so ein dämliches Boxart hätte.

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