GitS Week – The New Movie

Im Juni 2015, nur wenige Tage nachdem mit Pyrophoric Cult Part 2 die zehnte und letzte Folge der TV-Version von Ghost in the Shell: Arise ausgestrahlt wurde, sahen japanische Kinos den ersten dortig releasten Film seit Innocence in 2004. Das neueste und bisher letzte Werk zur Franchise von Production IG, Ghost in the Shell: The New Movie, ist dabei natürlich im aktuellen Arise-Universum angesiedelt, statt ein drittes Oshii-Werk zu sein.

Diesmal haben wir es auch mit einer direkten Nachfolge zu tun, nicht einfach einer weiteren Handlung in der gleichen Timeline. Immerhin hat Pyrophoric Cult extra alles weit offen gelassen, um die Story hier weiterspinnen zu können. Und so wirkt The New Movie fast etwas wie ein Zusammenschluss aus zwei oder drei weiteren Folgen. Was an sich ja nicht zu bemängeln ist, man aber auf jeden Fall Arise gesehen haben sollte, um sich hieraus was ziehen zu wollen, weil doch viel aus der Serie referenziert aber nicht weiter groß erklärt wird.

Komplett auf weiter Flur würde man zwar glaube ich auch nicht stehen, wobei ich natürlich nicht vergleichen kann, da ich das Vorwissen mitbringe und schlecht ausblenden kann, aber insgesamt ist das Arise-Universum ja jetzt auch wieder kein hochgradig komplexes oder eines, was die Genre-Standards bewusst umgehen würde. Von daher kann ich mir schon vorstellen, dass man sich viel selbst zusammenreimen könnte, aber die genaue Signifikanz einiger Charaktere wäre halt dennoch nicht gegeben.

Kusanagis ehemaliger Boss in 501 mit dem Hang ihr Shirt nie zuzuknöpfen, Kurusu, ist beispielsweise jemand, der eindeutig wichtig ist, was sie hier allerdings genau tut ohne Arise etwas vage bleiben würde. Dort war es allerdings auch etwas luftig, warum genau sie wichtig ist, da sie eigentlich nicht viel gemacht hatte, bis sie in Pyrophoric Cult an Fire Starter gelangte. The New Movie zeigt uns nun beispielsweise, dass die beiden so eine gute Bindung hatten, weil sie im gleichen Waisenhaus aufgewachsen sind. Hier versucht sie einen Deal mit dem Prime Minister Japans zu organisieren, kommt aber bei einem Bombenattentat auf jenen selbst ums Leben. Sie ist dann auch genau das gegenteilige Pendant zu Kusanagi. Kurusu gliedert sich immer der Politik und dem Militär unter, sucht nach Deals, um das Weiterleben von 501 zu garantieren, während Kusanagi gezielt ihre Einheit unabhängig zu halten versucht. Immerhin gehören sie in der Arise-Inkarnation nicht mal richtig zu Section 9.

Letztendlich entbrennt ein Verwirrspiel darum, wer sich genau weswegen einmischt oder welche Agenda hat, und wem der Tod des PM dabei weitergeholfen hat. Inklusive natürlich Kurusus wirklicher Plan mit Fire Starter umzugehen. Denn ein wichtiger Punkt hier ist, dass die Cybernisation im Arise-Universum scheinbar nicht zwangsläufig positiv ist. Denn je nachdem, welche menschlichen Teile man sich ersetzen lässt, ist man eben auch davon abhängig jene warten zu lassen. Und es kommt zu ziemlichen Problemen damit weiterhin Upgrades und Reparaturen für das eigene Modell zu bekommen, statt das es obsolet wird und sich keiner mehr drum kümmern kann. Kurusus „Dritte Welt“, die sie erschaffen wollte, ist dann auch eine im Netz des Cyberspaces, in dem der individuelle Körper nicht mehr wichtig ist, egal ob menschlich oder robotisiert, egal welches Modell, alle sind gleich, weil nur noch ihr „Ghost“ zählt. Das Militär derweil hat das Problem, dass nicht mit der rapiden Cybernisierung gerechnet wurde, und durch sie immer mehr Macht an die Großkonzerne fällt, die nicht zwangsläufig das Wohl der Nation im Sinne haben.

The New Movie ist also schon etwas komplizierter und politischer als Arise davor gewesen ist, wobei man eigentlich immer noch ziemlich gut mitkommen kann, auch wenn erneut ein paar Charaktere etwas kurz oder vage gehalten werden, so dass man sich um deren Motivationen und Ziele nicht komplett sicher sein kann. Irgendwie wirkt halt doch jede weitere Addition von Arise so, als würde sie Grundlagen für eine Weiterführung legen, die vielleicht oder auch nicht bereits geplant ist. So wie Arise eigentlich mehr wie das Finden der Truppe um Kusanagi wirkte, auf das aufbauend eine längere Serie hätte starten können, so setzt The New Movie zwar einen guten Schluss zur OVA, ich konnte mich des Gefühls allerdings nicht erwehren, dass es ebenfalls die Option auf eine Nachfolgeserie oder weitere Filme weit offen gelassen hat.

Von daher zieht hier mehr oder weniger, wie ich auch schon nach Arise verblieben bin. Nur dass durch das Fehlen einer Folgenaufteilung eben die qualitativen Unterschiede schwanken. Etwas tiefer geht es schon, aber so wirklich die Komplexität, die man von vorigen Ghost in the Shells gewohnt ist, wird hier auch nicht erreicht, erneut mit anderen Charakteren käme man eventuell gar nicht darauf, dass dies hier GitS sein soll. Aber als reine SciFi-Action unterhält das Ding schon sehr gut.

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