GitS Week – Arise

Weitere 7 Jahre lag die Franchise zunächst brach, bevor es mit Arise in den nächsten Reboot von Ghost in the Shell ging. Dessen Veröffentlichungspolitik schon recht interessant ist. Über 2013 und 2014 hinweg erschienen 4 OVA-Folgen von jeweils einer Stunde. In 2015 wurde dann Ghost in the Shell: Arise Alternative Architecture im japanischen Fernsehen ausgestrahlt, welches allerdings nur die 4 Episoden in 8 gekürzte aufteilte, und außerdem den vierten Film an den Anfang stellte. Allerdings dann doch noch 2 neue Folgen oben drauf gab, die anschließend als 5. OVA nachgereicht wurden.

Diesmal starten wir übrigens da, wo noch kein Ghost in the Shell gestartet ist: Noch bevor sich das Team um Major Kusanagi gebildet und seine Arbeit für Section 9 angefangen hat. Stattdessen ist deren Zusammenwachsen sozusagen der rote Faden der Serie. Border 1 erzählt, wie Kusanagi aus ihrer Einheit 501 aussteigt, bereits auf alle anderen Charaktere trifft, und von Aramaki offeriert wird, ihr eigenes unabhängiges Team zu bilden. In Border 2 schafft sie sich dann fast alle davon heran, in Border 3 trifft auch das letzte Mitglied (erneut Tugosa) dazu, und in Border 4 erhalten sie endlich ihre volle Unabhängigkeit. Das auch mit einem schönen runden Ende, sozusagen ab jetzt können sie so richtig losgehen, während Border 5 dann ein paar übriggebliebene Fäden erneut aufnimmt, um eine Brücke zum kommenden Film zu schlagen.

Die Haupthandlung der einzelnen OVAs ist dabei hingegen eher episodisch geraten. Wie gesagt das Bilden des Teams ist ein roter Faden, dazu gibt es kein direktes Payoff hier zur mysteriösen Leiterin der Einheit 501, und das Virus Fire Starter. Es ist also nicht so, dass es nicht doch ein paar Zusammenhänge gibt, die immer so ein wenig im Hintergrund mitlaufen. Doch der Hauptauftrag der Folgen ist eher ein jeweils neuer Einsatz.

Im ersten wird das Hirn von Kusanagi gehackt, und sie muss herausfinden, was wirklich mit ihrem ermordeten Vorgesetzten geschehen ist. Auch in der zweiten Folge geht es um manipulierte Erinnerungen, durch die ein Ex-Militär als Rache und um das zu offenbaren, was er als Wahrheit ansieht, eine großangelegte Terroraktion plant. Die dritte Folge sieht Cyborg-Prothesen, die ihre Träger unwissentlich zu Bombenträgern machen. Folge Vier führt dann das Virus Fire Starter ein, welches sich erneut in die aufgerüsteten Cyber-Hirne einschleust, um die Wahrnehmung zu verändern. Und wie gesagt, Folge Fünf führt jenen Strang fort und öffnet die Serie erneut zu einem Sequel, statt das rundere Ende der vierten Episode zu bieten.

Was bei Arise ziemlich schnell auffallen sollte ist, dass es die bisher wohl gewöhnlichste Inkarnation der Franchise ist. Die Charaktere haben ein simpleres Design, um frischer zu wirken. Wobei jeder noch stark wie das Original aussieht, abgesehen von Kusanagi, die mit ihrer Figur wie eine 14-Jährige und dem Tragen von roten Lederoutfits sowie kessen Art mehr wie eine weniger nuttige Variante von Armitage III daher kommt. Es gibt eine Menge Action, Explosionen, Verfolgungsjagden, Schießereien etc. in den Folgen. Dafür wenig lange Szenen, in denen die Charaktere hochtrabend philosophische Gespräche führen. Ja die Denkanstöße sind im Prinzip hier gar nicht vorhanden. Selbst die exotische Musikrichtung ist gegen einen Standard-Soundtrack ausgetauscht worden. Die Charaktere an sich sind auch so menschlich und emotional wie noch nie portraitiert. Die Antagonisten sind immer schon von Folgenbeginn an ziemlich offensichtlich, alleine dadurch, dass sie vorher nie gesehene Charaktere darstellen, die plötzlich total wichtig sind.

Aus Ghost in the Shell ist also in der Arise-Inkarnation überraschend konventionelle SciFi-Action geworden. Weitestgehend allerdings nicht unbedingt schlechte. Die Action stimmt, die Charaktere sind sympathisch, und die Animationen sind sehr flüssig und schnell. Das Ding sieht gut aus und unterhält schon. Nur ein bisschen mehr Anspruch gehört bei Ghost in the Shell eigentlich ja schon dazu, und der ist in Arise gar nicht mehr wirklich gegeben.

Herausstechend aus der durchaus qualitativ guten Serie ist dabei allerdings Border 3: Ghost Tears. Denn aus dem Nichts hat Major Kusanagi plötzlich einen Freund. Kusanagi, die in den vorigen Inkarnationen nicht sonderlich viel zwischenmenschliche Zuneigung gezeigt hat und wenn überhaupt Sexualität ausstrahlte, dann nur impliziert und nur anderen Frauen gegenüber. Sie mit einem Mann zusammen zu sehen, ist an sich schon irgendwie total merkwürdig. Dass sie sich dem Prettyboy gegenüber aber auch wie ein frisch verliebtes Schulmädchen gibt, mag so gar nicht zu ihr passen, selbst zu dem neu definierten Charakter, der sie in Arise ist.

Arise ist also sozusagen das Ghost in the Shell für diejenigen, denen das Setting an sich zwar gefällig war, die aber mit den unterkühlten Charakteren nicht warm wurden, und welche die hochtrabende Philosphiererei als störend ansahen. Geradliniger eben, abgespeckter, und leichter zu verdauen.

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