GitS Week – Stand Alone Complex

Sieben Jahre nach dem ikonischen Film nahm sich Production IG erneut Ghost in the Shell an, diesmal in Form einer TV-Serie. Mamoru Oshii war natürlich nicht mehr mit dabei, seine Rolle übernahm Kenji Kamiyama, der durchaus auch schon mit Production IG und an Werken von Masamune Shirow gearbeitet hatte, beispielsweise an Patlabor und Blood: The Last Vampire. Stand Alone Complex wurde letztendlich seine eigene Kontinuität, die weder im Universum des Filmes noch des Mangas angesiedelt ist, wobei Shirow allerdings weiterhin Script-Ideen beisteuerte und sein Ok unter die Storylines setzte.

Stand Alone Complex hat dabei gleich zwei Besonderheiten. Zunächst einmal wäre da das Ausstrahlungsintervall. Statt die 26 Episoden wöchentlich ins Fernsehen zu bringen, wie das üblich ist, wurde SAC stattdessen auf ein ganzes Jahr gestreckt und nur zwei Folgen pro Monat gesendet. Um etwas den üblichen Zeit- und Budget-Problemen entgegen zu wirken, die viele Anime zwischenzeitlich in der Hetzte, wöchentlich eine Folge abliefern zu müssen, schwächeln lässt. Und dann wäre da der Titel. Stand Alone Complex nennt sich nicht nur so, weil es eine eigene Kontinuität hat, sondern auch weil sich die Serie aus Stand Alone und Complex Episoden zusammensetzt.

Damit ist gemeint, dass die Serie sowohl episodisch als auch nicht ist. Es gibt einen übergeordneten Handlungsstrang in Form der Investigation um den Laughing Man, diese wird allerdings nicht durch die Serie hindurch immer mal wieder aufgeworfen, sondern gezielt in den 12 Complex-Episoden behandelt. In den restlichen 14 Stand-Alone-Episoden wird der Laughing Man nicht mal nebenbei erwähnt, sondern es sind komplett voneinander losgelöste Einzelfälle der Section 9, die jeweils alleinstehend in der gleichen Episode auch schon abgeschlossen werden.

Grundsätzlich ist die Idee sicherlich nicht ganz uninteressant, da die durchgehende Handlung somit nicht so langgezogen wird, während der Rest der Serie eben durch Fälle des Tages aufgestockt wird, sozusagen jedem was zu bieten hat. Allerdings fand ich dann 20 Minuten doch etwas arg kurz, viele der Investigationen schienen gerade erst so richtig ins Rollen zu kommen, als die jeweilige Episode schon nur noch wenige Minuten hatte, um alles auch schon wieder beendet zu sehen. Hier wäre es vielleicht doch besser gewesen, die jeweils 2 oder 3 Folgen beinhalten zu lassen. Wäre immer noch ein episodisches Format gewesen, man hätte aber jeweils etwas mehr in die Tiefe gehen können, statt so zu hetzen.

Dafür ist die Serie dann aber auch nicht ganz so verkopft, für diejenigen, die das am Film nicht so toll fanden. Sicherlich behandelt auch mal eine Folge, was geschieht, wenn ein Mensch seinen Cyborg vermenschlicht und für einen echten Partner hält; während andere Folgen Menschen sehen, deren Körper komplett mechanisch und auch gar nicht mehr vom Aufbau her humanoid sind, aber eben deren Bewusstsein eingepflanzt bekamen. Jedoch benutzt die Serie dies eher als World Building denn wirklich groß zu Philosophieren. Auch wenn die Charaktere gerne Schriftsteller, Filmemacher und auch Philosophen zitieren, um schlauer zu klingen als die ungewaschene Masse. Dahinter steckt dann aber nicht zwangsläufig viel.

Überhaupt ist die ganze Atmosphäre eines SAC bestechend anders gegenüber einem Film von Oshii. Es ist schon interessant, dass Mamoru Oshii ausgerechnet mit der quriligen Romcom Urusei Yatsura ins Business eingestiegen ist. Wenn man mal so vergleicht, was seine Filme später ausgemacht hat. Nämlich eine ziemliche Kühle, kompletter Absenz von Humor und wenig menschliche Charaktere. Da ist Stand Alone Complex durchaus auch stark kontrastierend. Die erweiterte Mannschaft der Section 9 haben alle ihre spezifischen Charakter-Quirks, ein Major Kusanagi lässt sich schon mal zu beißendem Sarkasmus herab, die Stadt ist Sonnenbestrahlt und Park-begrünt, und mit den Tachikoma-Tanks gibt es sogar schrille Sidekicks in der Serie. Alles sicherlich Änderungen, die zum Funktionieren in einer längeren Serie statt eines kurzen Filmes nötig sind, oder zumindest für nötig erachtet wurden. Und durchaus nicht schlechter, sobald man durch den ersten Schock hindurch ist.

Überrascht hatte mich dann auch, dass die Serie nicht als großen Knalleffekt mit Folgen um den Laughing Man beginnt, sondern tatsächlich ein paar von den unwichtigen Stand-Alone-Folgen vorschiebt, bevor es in Episode 4-6 zum ersten Mal um den Complex geht. Welche tatsächlich auch als guter Anheizer dienen, bis dann 20-26 den Löwenteil behandeln. Hier geht es um einen Hacker/Terroristen, der eigentlich nie geschnappt wurde, und nach 6 Jahren scheinbar erneut aufgetaucht ist. Bevor sich die Akte schließen lässt, wird das ganze Verfahren auch noch in unerwartete Richtungen gehen, letztendlich ist der Laughing Man natürlich gar nicht der Antagonist, sondern will nur politische Intrigen aufdecken, in die Section 9 nun mit hineingezogen wird.

Nicht zuletzt gibt es in Ghost in the Shell: Stand Alone Complex – The Laughing Man einen Filmzusammenschnitt dieser Storyline in 160 Minuten. Wer also nur den übergeordneten Hauptfall mitbekommen will, ist eventuell hiermit besser bedient. Ich fand die Stand-Alone-Folgen und damit die Serie im Gesamten auch nicht schlecht, aber wie gesagt etwas kurz angebunden. Und dafür, dass der Ausstrahlungsrhythmus extra gestreckt wurde, gibt es zwischen den Folgen immer noch teilweise eklatante Unterschiede in Animations- und Zeichenqualität. Von daher ist durchaus auch noch Luft nach oben für die zweite Staffel gegeben, ich die erste zwar gut fand, aber restlos begeistern noch nicht konnte.

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