A Princess of Mars

Edgar Rice Burroughs hatte definitiv ein interessantes Leben. Zunächst schien alles in trockenen Tüchern einer Karriere beim US-Militär zu sein, bis er auf Grund eines Herzfehlers aus dem Dienst entlassen wurde. Die anschließenden Jahre hat er sich mit mehreren Jobs rumgeschlagen, um seine Frau und zwei Kinder zu ernähren, ohne je der erfolgreiche Geschäftsmann zu werden, den er anstrebte zu sein. In seiner vielen Freizeit ließ er sich allerdings von seichten, in Magazinen Kapitelweise veröffentlichten, Groschenromanen berieseln. Was ihn motivierte selbst zu schreiben, denn wenn ein solcher Schund publiziert würde, könne er doch sicherlich genau so Geld verdienen.

Aus Burroughs wurde letztendlich nie der große Geschäftsmann, stattdessen allerdings ein erfolgreicher Autor, der zwischen seinem ersten in einem Magazin publiziertes Kapitel in 1912 bis zu seinem Tod in 1950 fast 80 Novellen schreiben sollte, darunter auch seine bekannteste Schöpfung Tarzan. Seine wohl zweitbekannteste Schöpfung hingegen ist wohl John Carter, der direkt aus dem ersten abgedruckten Roman Under the Moons of Mars entsprang, später als A Prince of Mars auch in einem Buch zusammengefasst erschienen. Und mit 10 weiteren Büchern folgend.

Ich gehe ja schon davon aus, dass ein Buch, welches vor über 100 Jahren geschrieben wurde, ein Stück weit antiquiert ist. Schon alleine durch die im Vergleich zum modernen Slang eher gestelzt klingenden Sprache, und natürlich durch den Wandel von Wortbedeutungen schlechthing – immer erneut ein Highlight, wie häufig freudig eingestellte Charaktere als „gay“ bezeichnet werden. Und auch wissenschaftliche betrachtet, wenn ein Mars bei einem Herrn Burroughs beispielsweise komplett mit Moos bedeckt ist. Ich meine klar, es gibt auch kein intelligentes Leben auf dem Mars, und schon alleine das ist die Hauptprämisse der Reihe, aber Fiktion, die in uns bekannten Gefilden angesiedelt ist, versucht sich normalerweise dennoch stärker in der Realität zu verankern. Ein 2012 geschriebenes Buch über ein Volk auf dem Mars würde sich zumindest stärker an die uns heutig bekannten Tatsachen halten, statt einen reinen Fantasy-Planeten daraus zu machen. Aber um 1900 war eben nur bekannt, dass der Mars eine weniger dichte Atmosphäre/Schwerkraft hatte, die beiden Monde ihn näher und schneller umkreisen, es Polarkappen gibt. Außerdem gab es noch immer die Theorie von Kanälen auf dem Mars, und darauf basierend eben, dass der Mars zwar eine sterbende, aber immer noch bewohnbare Welt ist. Und darauf stützt sich Burroughs hier.

Immerhin konnte man sich dadurch damals sowohl an wissenschaftliche Erkenntnisse halten, und gleichzeitig seiner Fantasie noch freien Lauf lassen, weil eben nicht genug definitiv bekannt war. Barsoom, wie der Mars hier von dein Einheimischen genannt wird, ist also tatsächlich eine Fantasywelt. Ein Planet konstant bedeckt von Moos, mit den letzten Lebenserhaltenden Kanälen und Atmosphäre konstant haltenden Einrichtungen, um das Überleben der Völker zu garantieren, nachdem die großen Seen ausgetrocknet und die antiken Städte zu Ruinen verkommen sind. Den Bulk der Einheimischen macht das nomadisch lebende Volk der grünen Marsianer aus, größer als ein Mensch, mit zwei zusätzlichen Armen und Stoßzähnen ausgestattet. Ein kriegerisches Volk, sich den rauer werdenden Gegebenheiten des Planeten angepasst, und der Tatsache dass ein individuelles Leben nicht mehr viel bedeutet, gerade wenn die Lebensressourcen der Knappheit unterliegen und die Lebenserwartung bei fast tausend Jahren liegt. Ihnen gegenüber stehen die roten Marsianer, die fast nicht von einem Erdenmenschen zu unterscheiden sind und zivilisiert in ihren ummauerten Städten leben.

Und auf jene Bühne verschlägt es eben John Carter, einen jungen Mann aus Virgina USA. Genau genommen ist das Buch in Form einer fiktiven Biographie geschrieben, Carters Niederschrift über seine merkwürdige Reise nach Barsoom, gefunden von einem dies nun publizierenden Neffen. John Carter ist allerdings ein unerträglicher Mary Stue. Bereits im Einstiegsprolog erzählt uns der Neffe davon, was für ein perfekter Mensch er war. Gut gebaut, selbst in die Vierziger noch wie Mitte-Ende Zwanzig ausschauend, ein ehrenvoller Gentleman, ein mutiger Kämpfer im Militär, ein guter Freund, wegen seines Charisma sogar von den bei der Familie beschäftigen Sklaven geliebt (ein Moment, in dem die Antiquiertheit des Buches eher einen unangenehmen Moment hat).

Und auf Barsoom ist er der schiere Superheld. Da er ja höhere Schwerkraft seines Heimatplaneten Erde gewohnt ist, sind seine Muskeln einfach gewohnt so viel mehr leisten zu müssen. Er kann also dutzende Meter weit und hoch springen. Er kann sich selbst mit den doppelt so großen und als Krieger ausgebildeten grünen Marsianern im Kampf messen, ja sogar mehrere gleichzeitig mit Leichtigkeit niederstrecken. Er lernt die Sprache innerhalb von wenigen Tagen. Sein taktisches Denken führt zu fast unfehlbaren Plänen. Die Prinzessin von Helium, und schönste Blume der roten Marsianer, verliebt sich sofort Hals über Kopf in ihn. Während alledem versichert uns Carter natürlich beständig, dass er sich für absolut nicht besonders hält, dass all dies einfach in seinem Naturell liegt, oder an seiner Besonderheit als Erdenmensch auf dem Mars. Bescheidenheit hat er also auch noch zu bieten.

Ein perfekter und unfehlbarer Charakter ist allerdings auch ein sehr langweiliger Charakter. Und ein ziemlich nervtötender in einer von ihm selbst geschriebenen Biographie, in der er selbst es somit ist, der uns alle 3 Seiten von seinem Übermenschentum berichtet, und dabei auch noch ständig bescheiden zu klingen versucht. Und manchmal ist John Carter schlichtweg ein Psychopath, der ohne mit der Wimper zu zucken mordet, und ganze Völker auslöschen würde, um an seine geliebte Prinzessin zu kommen. Das Buch über bekommt man schon das Gefühl, dass einem John Carter ein Leben absolut nichts wert ist, wenn es sich nicht um einen seiner Freunde handelt.

Ein weiteres Problem ist der imperialistische Touch der Geschichte. Nach heutiger Sicht ist es immer ein wenig unglücklich eine Geschichte zu schreiben, in welcher ein weißer Mann in einer anderen Kultur auftaucht, und als Supermensch sofort allen überlegen ist und alle ihre Probleme zu schlichten weiß. Selbst wenn es sich auf dem Mars nicht um andere menschliche Völker handelt, sondern fiktive. Gerade wo die zwei oder drei Halbsätze über das Leben auf der Erde, die Sklaven oder amerikanische Ureinwohner erwähnen, auch eher unglücklich ausfallen. Die Stämme des Mars sind für Burroughs sicherlich Analogien zu in seinen Augen weniger zivilisierten Völkern auf unserer Erde gewesen. Durchaus auch Naturvölker, denn ein weiteres Kuriosum des Lebens auf dem Mars ist, dass im Prinzip jeder permanent nackt ist, abgesehen von Rang oder Kriegsehren bestimmenden, schmückenden Ornamenten, die aber nicht zwangsläufig viel bedecken müssen.

Um ehrlich zu sein hat mich A Princess of Mars weniger für sich selbst interessiert bekommen, als vielmehr dafür mir Disneys gefloppten Versuch anzusehen, dies hier in 2012 in eine Blockbuster-Fantasy-Franchise zu wandeln. Einfach um zu sehen, wie stark die den langweiligen Über-Hauptcharakter, die rassistischen Untertöne, die inakkurate Darstellung des Mars und der nonchalante Nudismus umgesetzt haben, um dies in einen familienfreundlichen Film nach modernen Gepflogenheiten zu wandeln.

Denn das Buch an sich, pulpig und kurz wie es ist, ist schon eine ziemliche Zeitkapsel aus vor 100 Jahren. Mehr als ein Wizard of Oz oder ein Alice in Wonderland, weil so viel mehr Weltanschauung mit durchsickert und der Hauptcharakter das damalige Idealbild einer männlichen Heldenfigur sein soll. Mittlerweile gelesen ist das Ding ehrlich gesagt ein wenig dämlich bis infantil. Und maßlos überholt.

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