Assassin’s Creed (2016)

Es gibt mittlerweile so gut wie nichts, was halbwegs Kohle gemacht hat, was nicht die Option auf einen Film bekommt. Ob daraus dann auch wirklich was wird, ist immer so eine Sache, manches verschwindet sofort wieder in der Versenkung, anderes taucht dann eventuell doch wieder auf – der Castlevania-Film, der sofort absackte, ist ja auch kürzlich beispielsweise als Netflix-Miniserie realisiert worden.

Videospiel-Adaptionen haben allerdings einen eher mauen ruf was die Qualität angeht, genau wie deren Zugkraft an den Kinokassen, solange wir zumindest von Hollywood-Adaptionen jener sprechen. Die schon in die Jahre gekommenen zwei Tomb Raiders und die Resident Evil Franchise bestreiten weiterhin mit die Top-Ränge, wenn es um die Einspielergebnisse gibt. So ganz richtig legitim gemacht hat Hollywood Videospieladaptionen jedenfalls immer noch nicht, selbst in Zeiten von Blockbuster Comic-Adaptionen oder selbst einer Themenpark-Attraktionen wie Fluch der Karibik.

Assassin’s Creed ist jedenfalls definitiv ein weiterer Versuch nicht nur endlich die Blockbuster-Wirksamkeit von Videospiel-Adaptionen zu untermauern, sondern jene mehr zu legitimieren, als das ein Resident Evil kann. Mit einigen guten und bekannten Schauspielern, allen voran der Hauptstar Michael Fassbender (der auch einer von ganzen 7 Produzenten des Filmes darstellt, was schon ein gewisses Warnsignal ist). Mit einem Budget hinter der Angelegenheit. Und in dem sich das ganze Ding absolut bierernst nimmt. Das Resultat ist dann ähnlich dem Prince of Persia Film mit Jake Gyllenhaal ein Film der weniger wirklich als schlecht zu betiteln ist, als vielmehr einfach nur ziemlich langweilig.

Ich meine das Ausgangsmaterial hilft definitiv nicht. Ich persönlich habe den ersten Teil, alle drei um Ezio, sowie den dritten gespielt. In jenen fünf Einträgen kam die Serie nur ein einziges Mal nahe daran, eine gute Handlung zu haben, und das war in Assassin’s Creed II. Und auch da nur der historische Part um Ezio, denn der übergeordnete Präsenz-Part der Franchise war schon immer Blödsinn der nirgendwo hin geführt hat. Und selbst bei Ezio ruiniert das Spiel noch viel im finalen Kapitel. Gleichzeitig ist Ezio auch der einzige Charakter in diesen Spielen, der wirklich Charisma hat, statt sterbenslangweilig zu sein. Assassin’s Creed ist hauptsächlich dann launig, wenn man den Scheiß macht, der einen persönlich unterhält, eher weniger während man den Haupthandlungen folgt.

Das ist natürlich von vornherein keine gute Voraussetzung, weil ein Film sich auf Handlung und Charaktere stützt, kein Gameplay enthält welches bei Laune halten könnte. Außerdem trifft der Film nicht die schlaue Entscheidung, auf Ezios Geschichte aufzubauen. Genau genommen erzählt der Film nicht wirklich strickt eines der Spiele nach, denn alle Namen und Lokalitäten sind neben anderen Änderungen nicht kongruent zu ihnen. Jedoch stützt sich all das hier eindeutig wesentlich auf das erste Assassin’s Creed. Ein Spiel mit Nonsens-Handlung und einem Hauptcharakter, dessen Lahmheit nur noch von dem in Assassin’s Creed III übertroffen wird. Außerdem wird sich stark auf den Präsenz-Teil gestützt, was schon immer das schwächste Glied der Spiele war.

Dementsprechend gibt es auch viele neue Hintergründe, um den Blödsinn aus den Spielen zu hinterfüttern und eventuell zu legitimieren. Und mehr zu einem Hollywood-Film zu machen. Beispielsweise ist der Animus nicht mehr eine Maschine, in die man sich einfach hineinlegt, sondern nun ein Ganzkörper-Workout-Virtual-Reality-Gerät, weil das in einem Film cooler aussieht, besonders wenn man während der Einsätze in der Historie immer wieder zu Fassbender im Animus blenden will wie hier. Auch bekommt der nun eine ganze kleine Truppe an Neben-Assassinen, die mit ihm mit kämpfen können, inklusive ein Love Interest zu dessen keine Chemie besteht, aber Hollywood halt. Und eine tragische Geschichte natürlich. Boring McDull in den Spielen war einfach irgendein Barkeeper in einem Hoody, der von Abstergo entführt wurde, weil er vor hunderten von Jahren mal einen Assassinen-Vorfahren hatte. Boring McDull Fassbender-Variante hingegen musste als Kind miterleben, wie seine Mutter von seinem Vater umgebracht wurde, um das Assassinen-Geheimnis vor den Templern zu bewahren – ach ja, Assassine zu sein ist jetzt scheinbar genetisch, einmal einer, schon ist es jeder in deinem Familienstammbaum. So auf die schiefe Bahn geraten wurde er zum Kriminellen, der den Film im Gefängnis und gar in der Todeszelle beginnt (er hat jemanden umgebracht, aber nur einen Zuhälter, was der Film scheinbar für mildernd ansieht), aus dem Abstergo ihn heraus holt. Vielleicht auch, um besser zu erklären, wie sie Boring McDull dort festhalten können, ohne dass es irgendwann mal auffallen würde.

Es wird im Film auch wesentlich klarer gemacht, dass die Assassinen die Guten sind, ein hehres Kredo an vigilanten Außenseitern, die aus den Schatten Gerechtigkeit ausüben und im Gegensatz zu uns Sheepeln die Wahrheit sehen. Während die Templer eindeutig die Bösen sind, weil wann sind die das in einem Hollywood-Film schon mal nicht. Aber die hübsche Wissenschaftlerin macht natürlich all die Experimente nur, um die Gewalt in der Welt zu beseitigen, nicht um mit dem Apfel von Eden jene zu regieren.

Und die ganze Handlung ist wirklich ziemlicher Blödsinn, ziemlich langweilig präsentiert, mit vielen luftigem aber eigentlich stumpfsinnigem Phrasentum, und einer Horde an extrem uncharismatischen Charakteren. Selbst Fassbender kann seinen Boring McDull nie interessant oder charmant machen. Und vor allem gibt es im ganzen Film so gut wie nichts Cooles zu sehen. Kein Parkour in luftigen Höhen. Nur kurze und langweilige Brawls statt geheimes Dahinmmeucheln. Der ganze Film ist von seinen Farben her sehr gedeckt und die meisten Szenen wirken staubig oder neblig und verschmiert, als würde nie alles so richtig in den Fokus geraten. Allen voran das Rumgehampel im Animus, welches in einem schon schlecht beleuchteten Raum geschieht, plus per Hologram-CG die historischen Ereignisse so in die Realität blenden, dass man wirklich nichts Genaues ausmachen kann. Und wow was sieht Fassbender in der Assassinen-Kapuze so blöd aus.

Nein, Assassin’s Creed ist definitiv nicht der Film geworden, der endlich beweist das Videospiel-Adaptionen was her machen können. Dass sie ein gutes Mittel gegen Schlafstörungen sein können hingegen aber doch.

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