1313: Hercules Unbound!

Hercules Unbound! kommt erneut mit Satzzeichen im Titel für maximales Aufmerksamkeitsgreifen daher, wobei man natürlich auch durchaus noch ein weiteres Ausrufe- und ein Fragezeichen hätte einfügen können. Aber ich glaube die kommen bei DeCoteau nur in Verbindung mit A Talking. Und A Talking Hercules!?! ist dann wieder weniger griffig.

Ich war ja echt gespannt, wie der Film aufgezogen sein wird. Soll der etwa wirklich in der Antike spielen, ähnlich wie sich Billy the Kid für den Wilden Westen ausgegeben hat? Denn eine entsprechende Location findet sich sicherlich nicht im 1-Kilometer-Umkreis von DeCoteaus Haus mal schnell. Er beginnt dann auch mit Establishment Stock Fotos der Akropolis. So weit, so gut. Sofern man nicht anfängt zu denken jedenfalls, denn die Akropolis war in der griechischen Antike weder eine Ruine, noch war sie farblos.

Immerhin erzählen uns Zeus und Hera dann, über Stock Footage einer Wolkenformation, die ich bestimmt auch bereits zum millionsten Male in den 1313s zu sehen bekomme, so ungefähr die richtige mythologische Geschichte. Oder zumindest deren Eckpfeiler: Zeus hurt sich durch die Gegend, Herkules ist ein halb-menschlicher Bastard mit besonderer Körperkraft, und Hera ist im wahrsten Sinne des Wortes mörderisch eifersüchtig. Nichts mit liebenden Eltern und einem fiesen Hades wie in der Disney-Variante. Die dennoch ein gutes Stichwort bleibt, denn es kommt einem so vor, als wäre der Rest der Handlung schon so ein wenig daraus entnommen, nur mit viel rausgestrichen. Oder zumindest Herkules generelle Charakter-Entwicklung stammt von dort.

Mit all der Einführung aus dem Weg, können wir ja endlich zum Hauptschauplatz von Hercules Unbound! kommen: David DeCoteaus Haus. Oder besser gesagt dessen Garten und Swimming Pool, vor dem fast der komplette Film gedreht ist, da es im Haus dann doch nicht altgriechisch genug aussieht. Mein besonderes Highlight hierbei sind die Szenen, die aussehen wie aus einem FMV Adventure der mittigen 90er. Unkomfortabel nahe Aufnahmen von Charakterköpfen bis zur Schulter, mit den Hintergründen unter anderen Lichtverhältnissen als seien sie via Greenscreen davor gesetzt worden, und fast nie mehrere Charaktere zusammen im Bild, sondern nur ein Hin und Zurück dieser Closeups beim Reden miteinander.

Sobald ich dann die Spiegelung im Hintergrund gesehen habe, ging mir auch auf, warum diese so seltsam wirken. Die sind im Haus aufgenommen worden, keine Ahnung warum, vielleicht weil dort die Umgebungsgeräusche nicht die Hälfte der Worte schlucken, so wie das in den Außenaufnahmen der Fall ist. Es war halt windig an dem Nachmittag, an dem der Film komplett abgedreht wurde. Die Hintergründe sehen so anders aus, weil dazwischen eine Glasscheibe ist, durch die sie ausgewaschener wirken. Es wird so nah an die Leute rangezoomt, damit eben nicht irgendwo noch eine nicht-antike Wand oder so mit auf das Bild rutscht. Und wir sehen so gut wie nie zwei nebeneinander stehen, weil sich alle Charaktere genau in die gleiche Position vor die Balkonglastüre stellen müssen, damit eben nichts Ungewünschtes mit im Bild ist. Die Gespräche sind also tatsächlich getrennt voneinander ohne Gegenpartizipation aufgenommen worden. Was natürlich die eh schon nicht überragenden Schauspieler nur umso mehr glänzen lässt. Auch der leicht altertümlich angehauchte Wortlaut des Scriptes kommt denen selbstverständlich komplett natürlich über die Lippen.

Hut ab allerdings fürs Kostümdesign, welches das halbe Dutzend Kerle alle in extrem winzige Lendenschurze steckt, einem davon sowieso nur ein Taschentuch für die Hüften gegeben hat, und Athena wie Cleopatra ausstaffiert. Die ist die Alibi-Frau des Filmes und Dreh- und Angelpunkt für das wenige Geschehen, welches geschieht. Denn DeCoteaus Garten soll deren Trainingsstätte für junge Kämpfer sein. Und sie hat Herkules aufgenommen, damit er etwas aus der Reichweite von Hera raus ist. Allerdings ist er ein zu selbstüberzeugtes Arschloch in ihren Augen (generell hat sie damit nicht Unrecht), also beschließt sie, sehr wohl um die Gefahr wissend, die von Hera ausgeht, ihn über einen Trank zu schwächen.

Jedenfalls spiked der Antagonist, der seine Frisur zwischen den Außen- und Innenaufnahmen zu ändern scheint, und ganz typisch antikes Griechenland chinesische Schriftzeichen seine Seite hoch tätowiert hat, dieses Gebräu und versucht Herkules dann zu erschlagen. Nachdem er bereits einen Kerl so schwer verletzt hat, dass der sich ganze 2 Sekunden die Seite halten muss, bevor er wieder normal posen kann, der ganz plötzlich Herkules Kindheitsfreund sein soll. Damit Herk die Überzeugung gewinnt sich weniger wie ein Großkotz zu benehmen und selbst geschwächt den Ringkampf zu gewinnen. Athena übrigens bekommt nie die Retourkutsche dafür, dass all dies nur durch ihre ursprüngliche Aktion geschehen konnte.

Nicht, dass 90% des Filmes von vorig genannter Handlung eingenommen würde. Nein, der Großteil des Filmes besteht aus sich immer wiederholenden Aufnahmen der Kerle beim Training. Im weitesten Sinne. Manchmal posieren sie auch einfach nur recht unbeholfen in der Gegend, weil deren Direktion wohl höchstens „mach Bodybuilder-Bewegungen“ oder „sieh aus wie eine antike Statue“ war. Welches von beiden auch immer, so wirklich gelingen will die Umsetzung nicht. Hin und wieder dürfend die Kerle auch ein wenig joggen, oder mit Bällen und Speeren werfen wie Mädchen, oder miteinander ringen. Letzteres ist fast ein wenig erotisch, auch wenn mal wieder nicht die Extrameile gegangen wird, und keiner daran dachte, die Typen etwas einzuölen. Überhaupt ist das Framing scheinbar noch schlechter als sonst, denn regelmäßig ist das Bild zu weit rausgezoomt und von zu weit unten aufgenommen, um das Posen wirklich gut sehen zu können, und außerdem schneidet DeCoteau gern mal einen Kerl am Bildrand halb ab, obwohl auf der anderen Seite Leere klafft.

Wer übrigens denkt die Macher des Filmes wären sich bewusst gewesen, dass die sportlichen Leistungen bei den antiken Griechen gern mal nackt ausgeführt wurden, oder deren Gesellschaft wenig Probleme mit homosexuellen Liebschaften hatte, der ist auf der falschen Fährte. All das hier ist so stimulierend wie als Vegetarier an der Fleischtheke des Metzgers zu stehen. Und diesmal wird auch nicht mal der Anschein eines Horror-Filmes geweckt, da es weder einen mörderischen Stalker noch ein Monster gibt. Kein Kerl im sexy Minotauruskostüm, oder einer Tussi mal drei Gummischlangen ins Haar zu werfen und sie Medusa zu nennen.

Da ist es doch ganz passend, dass der Hercules at the  Training Camp eigentlich nach 60 Minuten rum ist, und die finale zehn wirklich absolute nichts Neues mehr zeigen, sondern nur die paar Minuten an Posier-Szenen, die bereits den Film um 40 Minuten unter Endlosschleife gestreckt haben, ein finales Mal abgespult werden.

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