Doctor Who: Series Six

Die Ausstrahlung einer Staffel von New Who lief bisher eigentlich immer ziemlich gleich ab. Im Dezember läuft ein Weihnachts-Special, welches auf die DVD-Box der Staffel des nächsten Jahres mit drauf gepackt und deswegen dazu gezählt wird. Und die eigentliche 13-Folgen-Staffel startet dann irgendwann im März oder April und endet im Juni oder Juli. Staffel 6 ist da allerdings etwas anders, denn sie wurde in zwei Blocks gesendet – die erste Hälfte im Frühjahr, dann war knappe zwei Monate Sommerpause, und der Rest dann im Herbst.

A Christmas Carol ist eben die Who-Variante der Weihnachtsgeschickte. Der Doctor fällt mit seinem TARDIS auf einen sehr britischen Planeten, bei dem die Bevölkerung allerdings Angst vor Raubfischen, die im Nebel fliegen, haben müssen. Und während die Companions in der dicken Nebelschicht in der Atmosphäre hängen geblieben sind, darf der Doctor einen alten unfreundlichen Kerl wieder für Weihnachten erwärmen, in dem er ihn durch die Zeit führt. Wobei ich es interessant finde, dass dessen Eingreifen ihn zunächst nur noch verschlossener macht. Jedenfalls ist das Setting und die Special Effects, zumindest außerhalb des CG, ziemlich hübsch anzusehen, der Antagonist ist auch ganz launig, und insgesamt haben wir hier eines der besseren Weihnachts-Specials vorliegen.

Die eigentliche Staffel beginnt mit der Doppelepisode The Impossible Astronaut und Day of the Moon, in der die Companions inklusive River Song vom Doctor eingeladen werden, um seinen eigenen Tod zu investigieren, von dem er selbst nichts wissen darf, was interessant ist, weil er seinen Companions immer abverlangt, ihm zu vertrauen, hier aber mal wieder extreme Probleme zeigt, auch seinen Companions das gleiche Vertrauen gegenüber zu bringen. Wobei der Mord des Doctors sowie die Hints um Amys Schwangerschaft die roten Fäden der Staffel ausmachen werden, hier also noch nichts wirklich aufgelöst wird.

Apropos roter Faden, wir bekommen hier gezeigt, wer die Silence sind, die bereits in der letzten Staffel erwähnt wurden. Und zwar ziemlich gut wenn auch nicht originell designte Aliens. Humanoid-schlank in schwarzen Anzügen mit weißen Köpfen und rudimentären Gesichtszügen. Eben die Gentleman aus Buffy, der Tal Man aus dem Chzo Mythos, der Slender Man – alle basierend auf dem gleichen Design-Archetyp, weil es eben einfach ein sehr wirkungsvoller ist. Zumal die hier dennoch ihr eigenes Gimmick haben: Man vergisst sie, sobald man wegsieht. Das führt natürlich zu vielen tollen Szenen, wo sie scheinbar plötzlich im Blickfeld eines Charakters auftauchen. Der die drohende Gefahr beim Wegschauen direkt wieder vergisst. Zumal es auf menschliche Urängste anspielt, wie schrecklich wäre es denn, unwissentlich ständig von solchen Wesen umgeben zu sein, ohne es je (dauerhaft) zu wissen. Jeder fühlt sich doch manchmal beobachtet oder nicht alleine in einem Raum, in dem er doch scheinbar eindeutig alleine ist.

The Curse of the Black Spot ist nicht nur ein langweiliger Episodentitel, sondern auch eine langweilige Episode. Ein Piratenschiff wird von einer Meerjungfrau attackiert, in einer Episode, die im gleichen Jahr lief, in dem auch der vierte Pirates of the Caribbean in die Kinos kam.

The Doctor’s Wife dreht sich nicht um River Song, auch wenn man das beim Titel denken könnte. Stattdessen wird das Bewusstsein des TARDIS in einen weiblichen Körper gesteckt. Was zunächst unglaublich dämlich klingen mag, aber tatsächlich sind die Interaktionen zwischen einer der Sprache gefundenen TARDIS und dem Doctor total witzig. Während die Quote an Ernsthaftigkeit von Amy und Rory erfüllt wird, die im nun leeren TARDIS vom Antagonisten via Zeit-Raum-Manipulation gequält werden.

Mit The Rebel Flesh und The Almost People sind wir bei der zweiten und auch schon letzten Doppelepisode angekommen. Und zwar werden hier aus irgendeinem Schleim Klone von Arbeitern gemacht, die durch jene Gedankengesteuert dann besonders waghalsige Arbeiten verrichten können, ohne dass sich die eigentlichen Menschen dahinter in Lebensgefahr begeben. Nur geschieht natürlich genau das, was man sich denken kann, und die Klone erwachen zu seinem eigenen Selbst.

Oder sogar noch besser, zum Selbst ihrer Originale, denn nicht nur haben sie plötzlich eine eigene Wahrnehmung, sondern weiterhin alle Erinnerungen derer, von denen sie geklont wurden. Das wirft natürlich schon einige interessante Fragen auf, denn essentiell sind sie dieselbe Person, die so agiert und sich so fühlt, als hätte sie dies alles selbst erlebt, auch wenn sie es theoretisch nicht waren. Etwas einfach macht es sich die Folge mit der möglichen oder unmöglichen Koexistenz dann allerdings doch, in dem von jeden Duo nur einer überlebt, so dass sie sich nicht entsprechend in die Quere kommen, aber bis dahin war es kein schlechtes Gedankenexperiment.

In A Good Man Goes to War zahlt sich für das Halbfinale vor der Sommerpause dann die Schwangerschaft von Amy aus. Denn gerade wenn man mitbekommt, dass sie ihre Tochter Melody Pond getauft hat und dies doch verdächtig nahe am Namen River Song ist, wird das auch noch gleich in dieser Folge auch aufgelöst. Und wir bekommen mit, dass die Silence doch nicht nur jene Aliens sind, sondern eine ganze Organisation, die dem Doctor Einhalt gebieten möchte, weil sie ihn für zu mächtig halten. Womit sie ja nicht unrecht haben, denn mit welchem Recht nimmt es sich der Doctor heraus, durch Raum und Zeit zu reisen, und alles so zu ändern, wie er es für richtig hält? Ja während er seine Truppe an Alien-Companions zusammenstellt, um Amy zu befreien, zerstört er kurz mal in einer Nebenszene eine ganze Flotte Cybermen, die ihm die erfragten Infos bis dahin noch nicht mal verweigert hatten, nur damit die Antwort schneller kommt.

Vor jener Sommerpause wurde allerdings mit der Anküdigung des nächsten Episodentitels am Ende von A Good Man Goes to War ordentlich reißerlisch auf die nächste Staffelhälfte angeheizt: Let’s Kill Hitler. Wobei die Reise nach Nazi-Deutschland und das Treffen auf das Schnäuzer-Monster schon eher nebensächlich werden gegenüber dem in ihrer Kontinuität ersten Treffen von River Song auf den Doctor, die ihn gleichzeitig ermordet und rettet. Ich nehm mal an die besondere Affinität des Doctors zu Amy ist etwas passender, wenn man bedenkt, dass sie seine Schwiegermutter sein wird. Jedenfalls startet die Folge unglaublich witzig, wird dann ernster während sie weiterhin witzig bleibt, und endet sehr emotional.

Night Terrrors ist eine brauchbare Folge über die Ängste eines Kindes, die im Wandschrank weggeschlossen und dort zur Realität werden. Wobei die Folge irgendwie an dieser Stelle der Staffel fehl am Platz wirkt, sondern eher zu Beginn der Staffel, bevor man das alles über die Familienverhältnisse der Ponds herausbekommt, gepasst hätte. Vor oder nach der Piratenfolge zum Beispiel, als die Staffel noch episodischer war.

In The Girl Who Waited ist Amy in einem anderen Zeitstrom als Rory und der Doctor gefangen und bis die beiden sie retten können, sind für Amy bereits 40 Jahre vergangen, in denen sie im Stich und sich selbst überlassen wurde. Und dann muss sich entschieden werden, welche Amy sie retten, die die gerade erst verloren gegangen ist, oder die mittlerweile angetroffene 40 Jahre ältere, deren Existenz ohne das Verlorengehen ausgelöscht würde, weil Amy ohne diese Ereignisse durchzumachen nicht zu ihr heranwachsen wird. Besonders schön ist hierbei das ungebrochene Band in der Beziehung zwischen Amy und Rory, wobei der Doctor am Ende, wenn er jene schwer Entscheidung auf Rorys Schultern legt, schon etwas arschig ist.

Bei The God Complex macht Doctor Who eines auf The Shining, in dem sie von einem Minotaurus durch die Gänge eines alten Hotels gejagd werden und in den einzelnen Räumen diverse Merkwürdigkeiten zu sehen bekommen. Zudem trifft der Doctor auf eine clevere und witzige junge Frau, die sogar direkt erkennt, dass er einen Gottkomplex hat, weil er meint immer alles nach seinen Standards hinbiegen zu müssen. Allerdings stirbt sie, bevor der Doctor auf die Idee kommen kann Amy und Rory aus dem TARDIS zu werfen, um seine neue Flamme zur Companion zu machen. Obwohl er sie dann ja letztendlich doch rauswirft, weil er plötzlich zu erkennen glaubt, mit ihm zu reisen sei zu gefährlich. Da gab es ja eigentlich mehr und größere Gefahren in ganz anderen Folgen, aber gut.

Nur geht er dann in Closing Time direkt zu einer anderen menschlichen Bekanntschaft zurück, nämlich seinem Mitbewohner aus The Lodger, um ihn und sein Baby in Gefahr zu bringen. Irgendwann in der Folge werden nämlich ein paar Cybermen besiegt, aber die sind wie immer eher uninteressant, sondern die Folge dreht sich eher um die charmanten Interaktionen zwischen den beiden Kerlen. Und das Matt Smith eine sichtliche Freude daran hat, seinen Doctor Elf so quirky wie noch nie zu spielen, in dem er Roboterhunde kraulen und Menschen mit Pfeffer würzen darf.

Kommen wir zum diesmal nur eine Episode einnehmenden Staffel-Finale mit The Wedding of River Song. Weil ein fixer Punkt der Zeit verändert wurde, nämlich der Tod des Doctors zu Staffelbeginn, bricht das Raum-Zeit-Gefüge langsam zusammen und alles geschieht zur gleichen Zeit. Keine Nazis auf Dinsosauriern, aber möglich wäre es theoretisch. Eine coole und spannende Folge, allerdings findet mir der Doctor hier etwas zu einfach einen offensichtlichen Weg aus der Misere die Zeit dennoch wieder auf Reihe und Glied zu bringen, und dennoch nicht sterben zu müssen. Aber die Staffel-Finale sind eher immer mehr durch das Spektakel unterhaltsam denn das es sich lohnen würde über das Geschehen zu viel nachzudenken.

Auch Staffel 6 war eine gute und unterhaltsame Staffel, mit nur einer Folge die mir gar nicht gefallen hätte. Ganz so gut wie Staffel 5 ist sie für mich allerdings nicht, da waren die Highlights etwas höher und vor allem wirkte alles etwas schlüssiger auf mich. Jedenfalls war das Mysterium um die Zeitrisse simpel und ein gute roter Faden, während die Schwangerschaft von Amy hier dies für mich nicht war. Zumal sie mir viel zu einfach darüber hinweg kommen, dass ihr Baby entführt wurde und plötzlich als 40-jährige River Song wieder auftaucht, ihnen also die ganze Kindheit mit ihr geraubt wurde. Auch der Tod des Doctors wäre sicherlich besser als Handlung für das Finale des elften Doctors gewesen – etwas umgeschrieben, in dem er sich nicht komplett aus dem Tod herauscheated wie hier, sondern einen Weg findet, doch noch in den nächsten zu regenerieren. Außerdem muss Moffat etwas darauf achten, dass sein Doctor nicht langsam zu sehr zu seinem Sherlock mutiert. Aber weniger gut als Staffel 5 ist immer noch gut.

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