Doctor Who: Series One

Okay, die Sache mit Classic Who war nicht so berauschend gelaufen, aber es gibt ja mehr als nur den alten Brocken aus den 60ern. Namhaft eben New Who, die 2005 neu im britischen TV angelaufene Serie. Und nach 16 Jahren kein Doctor Who im Fernsehen und immer noch 9 Jahre seit des nicht zum Reboot geführten Spielfilmes war man wohl ausgehungert, denn die Serie lief so gut, dass sie bereits wenige Folgen in die 13 Ausstrahlungen hinein das grüne Licht für eine weitere Staffel bekam. Dann mit einem zehnten Doctor, weil Christopher Eccleston nicht mehr weitermachen wollte, aber noch sind wir bei der Nummer Neun.

Ich muss eingestehen eine Weile gebraucht zu haben, durch die Staffel zu kommen, obwohl sie gar nicht so lang ist. Das will ich ihr auch gleich zu Gute halten. Denn so 13 Folgen pro Staffel sind trotz längerer individueller Spielzeit wesentlich einfacher verdaulich als 40+ wie im Classic Who. Vor allem wenn die Angelegenheit noch relativ episodisch daher kommt, das Geschehen meist in einer maximal zwei Folgen abgeschlossen ist, statt ein halbes Dutzend Halbstünder einzunehmen. Dennoch hat es ein wenig gedauert, weil die erste Staffel… oder 27. Staffel?… ne ich glaub man rechnet von vorn. Die erste Staffel jedenfalls ist nicht gerade frontallastig was gute Folgen angeht, sondern so ein wenig meh. Und das für gut die erste Hälfte. Serien-Oberhaupt Russel T Davis zeichnet also nicht unbedingt für mir gefällige Folgen verantwortlich.

Steven Moffat dafür schon eher. Von ihm stammen nämlich meine beiden Highlight-Folgen der Staffel. Aber schön der Reihe nach. Die Folge mit dem gefangenen Dalek, betitelt schlicht Dalek, finde ich beispielsweise echt ganz interessant gemacht. Ich mein, auch ohne Who-Kenntnisse kennt man diese Lungenkrebsstimmen-Mülleimer und das sie was Besonderes sind. Sie im Time War ausgeschaltet zu haben ist da sicherlich etwas, was die Serienmacher immer bereuen werden. Was natürlich nicht bedeutet, es finden sich keine Ausreden, sie dennoch wieder auftauchen zu lassen, wie man hier auch im Finale im weniger schönen Ergebnis mitbekommt. Aber in Dalek als letzter Überlebender funktioniert das schon besser, und hilft etwas Schatten auf den launigen Doctor zu werfen. Die Folge mag Stellenweise arg dick auftragen, aber Doctor Who ist halt eine Kinderserie. Auch The Long Game, die Folge über die Lügenpresse wenn man mir den ausgelutschten Ausdruck der Einfachheit halber entschuldigen mag, war ziemlich launig, wobei ich glaube dies auch viel im Schauspiel von Simon Pegg begründet ist (es ist eine von nur zwei Russell T Davis Folgen, die ich gut fand, und von ihm stammen eigentlich acht).

Wenn kurz darauf John Barrowman als Jack hinzustößt, wird die Serie sowieso gleich aufgewertet, auch wenn die Rolle ebenfalls keinerlei Subtilität kennt. Ihm ist natürlich auch damit geholfen, dass er in der Doppel-Episode The Empty Child und The Doctor Dances auftaucht, die ziemlich nah an Horror grenzende Geschichte im Zweiten Weltkrieg ist nämlich besagter Höhepunkt der Staffel für mich. Auch Boom Town finde ich nicht schlecht, wobei dies wieder hauptsächlich daran liegt, dass die letzte überlebende Slitheen Margaret gut unterhält und erneut dem Doctor durchaus legitime moralische Vorwürfe zu machen weiß. Wenn man das stark mit der ersten Folge, in der die Slitheen vorkommen, kontrastiert, die ein ewig langer und schaler Furz-Joke ist und wenig mehr…

Alles ist natürlich nicht toll an der Staffel mit der unglaublich hässlichen Title Card. Das Budget für die Spezialeffekte ist extrem lachhaft, und wie immer schaut schlechtes CG auch viel billiger aus als schlechte Practical Effects, und New Who bevorzugt stark Ersteres . Zudem zeigt sie eine enorme Anzahl an schlechter 90s Fashion für eine Serie von 2005 auf, die sie auch nicht gerade hochwertiger wirken lässt. Wobei das vielleicht auch ein Stück weit daran begründet ist, dass Familie und Freunde von Companion Rose White Trash sind. Soll ihr wohl starke Bodenhaftung geben, aber es ist nie wirklich meine präferierte Bevölkerungsschicht, aus der Charaktere kommen, und letztendlich hat Rose kein Problem damit alle für wilde Zeitreisen hinter sich versauern zu lassen.

Das ist auch ein weiteres Problem, denn irgendwo gibt es häufiger mal extreme tonale Unstimmigkeiten. Im einen Moment ist noch alles ganz ernst, wenn Rose in der ersten Reise weit in die Zukunft plötzlich mit dem nihilistischen Gedanken konfrontiert wird, dass jeder den sie je gekannt hat und jegliche Erinnerung an sie schon lange tot sind, oder wenn sie in der Vergangenheit ihrem Vater beim Sterben zuschaut… und kurz darauf springen sie und der Doctor schon wieder wie zwei Wahnsinnige lachend durch die Gegend und Rose benimmt sich wie ein Kind im Vergnügungspark statt auf legitim gefährlichen Reisen durch Zeit und Raum.

Manchmal hab ich da auch einfach das Gefühl, dass Ideen nicht beendet oder kurzfristig umgeworfen wurden. Das ganze Mysterium um die Worte Bad Wolf ist beispielsweise echt interessant, aber die Auflösung dann so unpassend und dämlich wie das ganze Staffel-Finale, in dem es verwurstet wird, an sich. Am Ende von Dalek schließt sich ein Kerl an, der zunächst wie ein neuer Companion wirkte, aber direkt in der nächsten Folge schon wieder rausgeschrieben wird, ohne groß für was gut gewesen zu sein. In Father’s Day wird kurz Misstrauen zwischen Rose und dem Doctor gesät, nur damit sie sich am Ende der Folge wieder Dicke miteinander sind, ohne das es je wieder an- oder sich ausgesprochen wurde, als hätte man das komplett vergessen.

Aber in den guten Folgen halt, die leider in der ersten Staffel noch in der Minderzahl sind, da funktioniert eben auch viel. Da kommt Stimmung auf, da bleibt man einer Linie treu. Und da wirkt dann das Zusammenspiel von humorigen Einlagen und quirligen Charakteren zusammen mit ernsteren Momenten und einer interessanten Handlung. Mehr Jack würde da auf jeden Fall helfen, aber ich bin mir nicht sicher er kommt noch weiterhin groß vor, immerhin hat er sein eigenes Spinoff Torchwood zugeschanzt bekommen. Vielleicht macht aber auch der zehnte Doctor schon viel an der Dynamik besser, immerhin wird er vom charmanten David Tennant verkörpert.

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