Replaying Final Fantasy VII: A Cyberpunk Fantasy

ava-2117Reden wir doch mal über Final Fantasy VII. Der erste in Europa releaste Teil der Serie (sofern man Mystic Quest Legend ausklammert). Der Teil, der mit VI und zu geringerem Teil X konstant die Top-Listen der Favoriten sowohl Serien-intern als auch JRPG-übergreifend anführen darf. Der erste Teil mit einem International-Rerelease in Japan (sofern man Final Fantasy IV Easy Type nicht zählt). Der zu seinem 10-jährigen Jubiläum auserkoren wurde, der Beliebtheits-Top-Kandidat für eine ganze Multimedia-Compilation zu sein, die bis zum diesjährigen 20-järhigen Jubiläum anhalten sollte, aber ob minderer Qualität und Unmut bei den Fans bei weitem nicht annähernd so lange andauerte. Der Teil, der nicht nur demnächst im Episoden-Format ein Remake erhalten soll, sondern tatsächlich komplett von Grund auf in einer modernen Cutting-Edge-Engine bekommt. Der Teil, der sowohl der Serie wie den JRPGs eine bis heute nicht wieder erreichte Hochzeit bescherte. Zu sagen Final Fantasy VII ist ein besonderer Teil ist dezent untertrieben.

Es war übrigens nicht ganz mein erstes Final Fantasy. Das war tatsächlich Final Fantasy VIII. Welches mich noch auf seiner brauchbaren ersten Disc befindlich so anfixte, dass ich sofort auch den damals eh als billige Platinum-Version erhältlichen Vorgänger einkaufte. Den ich dafür aber wesentlich früher durch hatte, weil die Qualität nicht nach der ersten CD einen freien Fall hinlegt. Das Ding jetzt nach all den Jahren zum 30. Serien-Jubiläum und eigenem bereits 20. erneut zu zocken, war schon eine sehr interessante Erfahrung.

Denn Final Fantasy VII ist in seiner Gesamtheit schon sehr… speziell. Immerhin muss man dabei sagen, dass Square bis Ende 1996 noch fast exklusiv auf dem SNES unterwegs war. Das früh in 1997 erschienene Final Fantasy VII ist nicht nur deren erster Serien-Eintrag in 3D, nicht nur deren erstes PlayStation-RPG, sondern nach Tobal No.1 auch erst deren zweites Spiel auf einer 32bit-Plattform. Und das merkt man Final Fantasy VII schon stark an. Nicht nur weil es, obwohl damals natürlich der absolute Augenöffner gewesen, doch sehr primitiv anzuschauen ist. Nicht nur, weil man manchmal nicht so ganz zu wissen scheint, was man mit der dritten Dimension jetzt genau anfangen soll. Nein, sondern schlichtweg auch, weil sich Final Fantasy VII was das Pacing, Staging, den Stil und die Atmosphäre angeht, so anfühlt, als wäre es irgendwo zwischen den Generationen gefangen. Es ist bereits 3D, und versucht dies auch auszunutzen, aber es gestaltet sich doch in einigen Aspekten noch wie die vorgegangenen 2D-Spiele mit ihren Sprites, nicht wie die folgenden in der neuen Dimension komplett angekommen RPGs sich spielen werden.

Dabei ist Final Fantasy VII streng genommen, wie so einige PSX-Spiele, gar nicht komplett 3D. Immerhin besteht die Welt um die Charaktermodelle, zumindest außerhalb von Kämpfen und FMVs, noch aus vorgerenderten Hintergründen, und das ist so gesehen flache Pixelart. Ein Hoch hierbei übrigens dafür, dass sich mit Select jederzeit die Ausgänge mit roten Pfeilen, Erklimmbares mit grünen, und der eigene Charakter mit einer zeigenden Hand markieren lässt, denn so wirklich immer gut erkennbar, wo man raus oder hoch kann oder wo der Charakter ganz im Hintergrund evtl. sogar noch hinter irgendeinem Vordergrund-Objekt stehend ist, ist nicht wirklich immer leicht.

Aber ja, natürlich will Final Fantasy VII das Möglichste aus der neuen Dimension, in der es sich bewegt, herausholen. Und damit ist nicht nur Tifas Charakterdesign gemeint. In den Kämpfen hat der Bildschirm beispielsweise eine extreme Aversion dagegen, mehr als 2 Sekunden am Stück still zu stehen, sondern fährt mit mehr Kamerafahrten und –winkeln auf, als manchmal der Übersichtlichkeit wirklich gut wäre. Auch in der Außenwelt gibt es diverse kreative und cineastische Kamerawinkel, um den Blick auf besonders beeindruckende Szenerien zu lenken, die es so selbst in den reinen Sprite-Teilen nicht gab, weil sich 3D-Modelle so viel einfacher drehen, in der Größe verändern, und aus diversen Perspektiven zeigen lassen.

Nur dann sieht auch irgendwie wieder alles aus, als wäre es aus Legos gebaut. In den Kämpfen realistisch proportionierte größere Charaktermodelle zu nehmen, allerdings außerhalb von ihnen die super deformten Popeye-Figuren zu wählen, erinnert doch stark an die 2D-Generation, wo die Kampfsprites größer und detaillierter als ihre Oberwelt-Pendanten waren. Nur sieht das in einem 3D-Teil irgendwie gleich viel merkwürdiger aus. Auch weil selbst die krude Version der 3D-Modelle immer noch zu so viel mehr und subtileren Animationen fähig sind – sich dann aber auch wieder mal so übertrieben chargierend wie die vorangegangenen Sprites verhalten. Besonders merkwürdig wird das in dem FMVs, die mal Render der Charaktere in realistischem Design nutzen, dann wieder die Lego-Figuren verwenden, als hätte man mit einem Stil angefangen, wäre auf den anderen gewechselt, und hätte keine Zeit mehr gehabt die schon erschaffenen zu ändern. Aber eben nicht nur die Nicht-Kampf-Modelle der Charaktere sehen aus wie Lego-Figuren, auch die vorgerenderten Hintergründe sind vom Detailgrad und den Proportionen häufig zu sehr wie Lego-Dioramen aussehend.

Aber Mensch der Prolog und im Prinzip verlängertes Tutorial in Midgard, eh? Das Spiel könnte nicht mehr sagen wollen, dass man jetzt in einer ganz anderen Generation an Final Fantasy angelangt ist, als in seinen ersten 4 Stunden, bevor plötzlich die Weltkarte eröffnet und man richtig auf das Spiel losgelassen wird. In einer futuristisch-heruntergekommenen Stadt a la Blade Runner, ein Unterton von vergangener Glorie und heruntergewirtschafteter Welt, die so auch in den anderen Gebieten des Planeten zu finden sein wird. Aber eben nirgendwo so zentriert ist wie in der von dem Megagebäude der ShinRa dominierten Stadt, mit ihren Slums unter den Plattformen der normalen Bevölkerung, angetrieben durch die bedrohlich leuchtenden Reaktoren der Mako-Energie. Es gibt keine bösen Imperien mehr, sondern böse Megakonzerne. Es geht nicht mehr um einen Schurken, der die Welt mit Supermächten zerstören will, sondern wir tun das mit unsrem umweltzerstörenden Fortschritt selbst. Die Wiederstandbewegung AVALANCHE, in der begonnen wird, ist eine Terrorgruppe. Statt Fantasy gibt es Metall, Graffiti, Hubschrauber, Genexperimente und desweiteren. Ein Midgard und eine Eröffnung wie in Final Fantasy VII gibt es so in keinem anderen Teil der Serie.

Es gibt auch kaum so ein einfaches Final Fantasy. Sicherlich lassen sich die Systeme vieler Einträge in der Reihe leicht brechen, und ab VI ist sowieso keiner mehr wirklich schwer (und streitbar war Final Fantasy sowieso immer schon einen Tacken leichter als so manche Konkurrenz), doch beim Materia-System braucht man nicht mal sonderlich viel Durchblick, um brechende Kombinationen zu finden. Im Prinzip sind die Charaktere in VII so austauschbar wie in kaum einem anderen Teil. Selbst in VI hatten sie ein Stück weit ihre eigenen Skills zu bieten. Hier in VII sind alle Skills an die Materia gebunden, die beliebig zwischen Charakteren hin und her getauscht werden kann und unabhängig vom Charakterlevel aufsteigt, um bessere Skills freizuschalten, sie zu verstärken, oder sich beim Max-Rank sogar zu duplizieren. Kontrastierend beispielsweise mit den Espern aus VI, bei denen die Skills auf die Charaktere übergingen.

Ich hab die letzten 3 Bosse alle umgenietet, bevor sie wirklich was machen konnten. Wenn man durch noch nicht mal maximierte HP-/MP-Plus Materia jeden Charakter bei 8.000 HP und 900 MP hat. Wenn Restore mit All gekoppelt dazu führt, dass selbst ein einfaches Standard-Cure auf die ganze Gruppe geht und jedem 1.000 HP wieder heilt. Wenn die beiden Angriffscharaktere mit Slash-All und 2x-Cut ihre 5.000+ Schaden auf ganze Gruppe respektive doppelt pro Runde machen. Wenn Haste+All dazu führt, dass sich der ATB-Balken sofort wieder füllt. Wenn Bahamuth Zero+Quadripple Magic dazu führt, dass der Summon 20.000 Schaden verursacht. Und wenn man Knights of the Roud hat, welches selbst 60.000+ Schaden hinlangt. Wenn Gegner dank gutem Equip nur wenige hundert Punkte Schaden bei der Gruppe verursachen – zumindest solange sie keine fiesen Zauber wirken, da der MDef-Wert im PSX-Original verbugged und damit unwirksam ist. Final Fantasy VII wird sehr schnell ziemlich einfach, ohne das System dabei so exzessiv studieren zu müssen wie beispielsweise in Final Fantasy VIII.

Dafür lässt sich natürlich viel geschmeidiger und flux der Story folgen, ohne dazwischen große Hänger zu haben. Vielleicht mal abgesehen davon 5 Stunden an der launigen Chocobo-Zucht zu verlieren. Und eben weil Final Fantasy VII so modern ist, braucht es hier auch mehr, um glaubhaft zu sein. In einem reinen Fantasy-Setting, wo ein Rebellen-Trupp auszieht, um das böse Imperium zu besiegen, damit die Welt vor ominösem Bösen gerettet wird, schluckt man das auch einfach mal so. Ein Megakonzern wie ShinRa böse um des Bösen willen sein zu lassen wäre da eine andere Sache. Oder AVALANCHE unreflektiert als die Guten darzustellen, weil sie wollen die Welt retten, obwohl in ihren Bombenanschlägen Menschen sterben. Aber so unreflektiert bleibt Final Fantasy VII eben nicht. Gegen Ende des Spieles kann Barrett zugeben, dass das Ziel nicht alle Mittel heiligt. Cid darf einwerfen, dass Wissenschaft und Fortschritt auch ihre positiven Seiten haben. Und ja, letztendlich werden wir die Welt vor einem Schurken retten müssen, aber das ist fast mehr Nebensache, dem Spiel geht es wirklich mehr um die darin involvierten Charaktere. Und das, obwohl die Ending-Sequenz überraschend kurz und offen gehalten ist, und mit ihrem Epilog zeigt, dass der Planet auch ganz gut ohne die unwichtige Dreingabe mit Namen Menschheit weiter existieren kann.

Aber gerade deswegen finde ich es sehr spannend, wie sich Final Fantasy VII im kommenden Remake bewähren wird. Natürlich können so einige Szenen wesentlich besser und dramatischer inszeniert werden. Nicht nur Aeris Tod, sondern die eigentlich noch viel wichtigere Szenen-Abfolge wenn Cloud im Lifestream steckt, wo so ziemlich alle Plotpunkte und sein ganzes Dasein zusammenlaufen. Die Szenen mit Sephiroth und dessen Existenzkrise in Nibelheim. Wenn beim Endkampf nach einem bisher orchestralen Soundtrack plötzlich One Winged Angel mit Chor zu plärren beginnt. Eben auch weil es schön wäre, das doch sehr seriöse Final Fantasy VII in entsprechend besserer und realistischerer Grafik zu sehen – wobei mir hier die Engine aus Crisis Core auch voll gereicht hätte.

Final Fantasy VII ist eben nicht immer nur super ernst und seriöses business, auch wenn das die Verzerrung der Charaktere in den letzten 20 Jahren, gerade eben auch durch die Compilation, einen eventuell glauben machen will. Final Fantasy VII kann manchmal auch etwas merkwürdig und blöd sein, irgendwie quirky und durcheinander, und genau das kommt eben dadurch, dass Final Fantasy VII in einer Design-Mentalität zwischen 2D und 3D Final Fantasy steckt. Final Fantasy VII mag an Stellen echt beeindruckend, wirklich Story-technisch Tiefgang bieten, doch einen Teil des Charmes macht eben aus, dass nicht alles perfekt ist, es seine schrägen Eigenheiten hat.

Und ich war richtiggehend überrascht, was für ein launiges Team man doch im Spiel hat, mit dem man gern Zeit verbringt. Eben weil alles in den letzten zwei Dekaden sie so spröde wiedergegeben hat. Eine Tifa in Final Fantasy VII ist ein Mädchen mit Träumen und Hoffnungen, nicht nur zwei Titten und Fisticuffs. Ein Cloud ist kein immer attraktiv-traurig dreinschauender Superheld. Nein, ein Cloud in Final Fantasy VII kann auch mal einen Witz machen. Ein Cloud in Final Fantasy VII macht beim Crossdressing mit. Ein Cloud in Final Fantasy VII tut nur so als wäre er so toll, weil er beim Erreichen seiner Träume versagt, und sich die Identität eines cooleren Kerles geklaut hat. Selbst der optionale Nebencharakter Vincent, der kaum zusätzlichen Text bekommt, ist nicht konstant der Emo-Angst-Vampire, der er später werden sollte, sondern hat hier und dort ernstgemeint unterstützende Worte fürs Team. Sephiroth hat einen Mutterkomplex und leidet unter eigenen Minderwertigkeitskomplexen, statt der starke schöne Antagonist und wenig mehr zu sein. Eine Aeris in Final Fantasy VII kann ganz schön scharfzüngig sein und weiß sich durchzusetzen, statt sie nur als ruhig-leise sprechenden Engel zu präsentieren.

Genau hier wird sich zeigen müssen, wie viel von Final Fantasy VII wirklich noch im Remake stecken wird. Einige Dinge sind sicherlich eben nicht replizierbar. Einige Verbesserungen eventuell sogar wünschenswert. Aber ob man die Handlung und noch viel mehr die Charaktere wirklich unangetastet lassen wird, ob man den Mut hat ihre Fehler und Eigenheiten zu belassen, statt sie konform zu ihrer degradierten Compilation-Version einzubinden… das wird so richtig interessant werden.

Aber jene Version steht eben noch in den Sternen. Hier und Heute gespielt war das 20 Jahre alte Original. Und das ist tatsächlich immer noch ein ziemlich fantastisches Erlebnis. Vielleicht nicht ganz so gut wie Final Fantasy VI für mich insgesamt, da es eben nicht ganz so rund und feingeschliffen ausgearbeitet ist wie so manch anderer Teil. Aber genau das macht eben auch zu guten Teilen den besonderen Charme und die Besonderheit des siebten Teiles aus.

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3 Kommentare

  1. Bis heute habe ich diesen Teil nicht gespielt, was einige Gründe hat. Einerseits war FFVIII ein sehr lange anhaltendes Verhütungsmittel gegenüber dem Franchise und selbst als es wieder auf fruchtbarem Boden fiel, macht mir meine PSP, für das dich das Spiel gekauft habe, Probleme.

    Dazu kommt noch die Compilation, die mir einiges schon im Vornherein zerstört hat. Damit meine ich natürlich auch die in diesen Pre- und Sequels absolut unsympathischen Hauptcharaktere, aber auch die absolute Dauerpräsenz, die einem auf die Nerven geht.
    Von daher verhält es sich vemutlich wie bei den Minions: Im Ursprungsmaterial ganz nett, bis ihre Pupolarität ihnen zum Verhängnis wurde.

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    • Kannst ja beim nächsten Sale mal in die Steam-Version reinschauen. FF7 ist doch ganz launig, wenn man irgendwo den Rest ausblenden kann. Und wenn nicht ist man vielleicht sogar überrascht, dass das Ausgangsmaterial gar nicht so übel ist :D

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  1. Lesenswert: Final Fantasy VII, Spielzeit, simuliertes Glück, Games Journalism Award, Need for Speed | SPIELKRITIK.com

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