Winter’s Tale

ava-2107Akiva Goldsman hat mir jetzt erst mal gar nichts gesagt. Das ist der Regisseur vom auf einem Roman basierenden Winter’s Tale – ein wenig bekannter und noch weniger gemochter Film, in dem allerdings jede Menge bekannter Gesichter zu sehen sind. Da scheint der Herr Goldsman bei vielen Schauspielern die Leichen im Keller zu kennen, um sie hierfür verpflichtet zu bekommen. Ihn ge-Wikipedia-ed ist der gute Mann auch tatsächlich schon sehr lang im Business, allerdings normalerweise als Schreiber, selten auch Produzent, abgesehen von zwei kommenden Filmen ist Winter’s Tale allerdings sein einziger Posten in der Regie. Als Schreiberling war er übrigens an so unterschiedlichen Projekten beteiligt wie zum einen dem Oscar-prämierten A Beautiful Mind, aber auch dem berühmt-berüchtigten Batman & Robin.

Der Film hat auch bei den wenigen, die ihn geschaut haben, so den Ruf weg ein ziemlich verworrener und unsinniger Mist zu sein, ob er genau deswegen aber unterhält ist dann schon wieder strittig. Ich fand Winter’s Tale nun ganz ehrlich gesagt gar nicht so schwer zu folgen oder so extrem beliebig aneinandergereiht. Der Film versucht halt eben ein modernes Märchen zu sein, und geht deswegen auch davon aus, dass man einige Ding eben einfach so als solche schluckt. Das tun wir bei klassischen Märchen in einer Fantasy-Welt auch ganz gut, bei einem Winter’s Tale, welches im realistischen New York der Moderne und vor knapp 100 Jahren angesiedelt ist, ist unser so schöner Suspension of Disbelief aber gleich auch ein Stück weniger stark.

Es gibt also zwar viel luftiges Gebrabbel im Film darüber, dass die Sterne eigentlich Menschen sind, die nachdem sie in die Nachwelt eingehen, ihre Flügel bekommen. Dass wir alle über Licht miteinander verbunden sind. Viel über Schicksal und Bestimmung. Aber darunter ist eine ziemlich einfach nachvollziehbare Grundhandlung.

Die da nämlich wäre, dass Colin Farrell als Waisenkind aufgewachsen ist und sich als Dieb durchs Leben geschlagen hat, für einige Zeit beim Kriminalboss Russell Crowe arbeitete. Der wollt ihn zu seinem Nachwuchs heranzüchten, aber irgendwann haben die beiden miteinander gebrochen und nun will Crowe Rache. Warum genau gebrochen wurde, warum genau er jetzt so stinkig ist, dass er Farrell unbedingt tot sehen will, sind so Sachen, die dem Film nicht wichtig sind, und die deswegen auch nicht mal in einem Halbsatz kurz erklärt wurden. Es sei denn vielleicht von Crowe, denn ich hab ehrlich gesagt nur jedes zweite Wort verstanden, was der gute Kerl, Gott möge sein Talentfreies Herz schützen, so vor sich hin genuschelt hat.

Bei einem Einbruchsversuch jedenfalls stößt Farrell auf eine hübsche Rothaarige, und die beiden Seelenverwandten verfallen augenblicklich der Liebe auf den ersten Blick. Sie ist allerdings nicht nur aus gutem und reichen Hause, sondern auch tödlich erkrankt. Doch die beiden verbringen ein wenig Zeit miteinander, bis sie dann stirbt. Wobei ohne das dies jemand herausfinden würde, Crowe da ein wenig nachgeholfen hat.

Sobald wir für das Finale ins aktuelle Jahr kommen, wird es dann ein wenig wirrer, weil die übernatürlichen Ereignisse stärker an Bedeutung gewinnen. Auf jeden Fall lebt Farrell unter Amnesie noch, weil jedem Menschen ein Wunder zusteht, und das seiner Rothaarigen lies ihm am Leben. Damit er hier und jetzt sein Wunder dafür nutzen kann, um die Krebskranke Tochter von Jennifer Connelly zu retten.

Die übernatürlichen Ereignisse, die in dieses Fabel eingebunden werden, sind wahrscheinlich, was so viele Leute etwas sauer aufstoßen lässt, und das nichts von jenen erklärt wird, warum sie den Film schwer zu folgen finden. Denn wie gesagt, wenn man die einfach so schluckt, sofern man das kann, und sich auf die Hauptstory fokussiert, ist das gar nicht so komplex. Aus irgendwelchen Gründen ist Crowe halt ein Dämon, und der Film kann nie so ganz klar machen, wer davon überhaupt weis und wer nicht. Als Spirit Guide taucht ein weißes Pferd mit Flügeln auf, um Farrell, der es nur „Pferd“ nennt, zu helfen. Amnesie ist jetzt auch kein sonderlich guter Erklärungsgrund, warum Farrell so mal dezent nicht auffällt, dass er 100 Jahre über weder stirbt noch auch nur altert. Will Smith, der alte Charmeur, ist als gelangweilt-trockener Lucifer komplett fehlgecastet. Und während die Liebesgeschichte in der Vergangenheit durchaus ihre Momente hat, ist die Jetzt-Timeline mit ner knappen halben Stunde viel zu kurz, als das man sich was darum scheren würde, was mit dem Kind geschieht. Und dabei cheatet der Film schon, in dem er die immer hinreißende Jennifer Connelly als die alleinerziehende Mutter castet, und dem Kind Krebs gibt. Als für mich unbekannte Charaktere, die erst kurz vor Schluss im Film auftauchen, wirkt das halt dennoch nicht.

Von daher macht Winter’s Tale auch wenn man es als modernes Märchen, welches seine Übernatürlichkeiten gar nicht erklären will und für einen vielleicht auch nicht muss, und vielleicht auch eine Botschaft ist sich nicht vor dem Tod fürchten zu müssen, durchaus nicht alles richtig. Ein paar Erklärungen wären mir auch lieb gewesen, wie gesagt, Suspension of Disbelief trägt einen in einem 90% realistischen Setting nur so weit. Auch Harry Potter muss erst mal gewisse Dinge seiner Magie-Welt etablieren, bevor wir schlucken, was diese Zauberlehrlinge alles veranstalten können, und die Reihe geht extra von realer Realität auf Hogwarts über. Wobei es halt hauptsächlich am zweiten Part in der Moderne für mich hapert, rausgelassen und verlängert könnte der Film wesentlich besser wirken. Traditionell jede Weihnachten anschauen, weil er so schön ist, werde ich ihn definitiv nicht, aber ganz so mies und unverständlich fand ich ihn nun auch wieder nicht. Ist vielleicht gerade das Problem, wenn er für mich genauso lächerlich und lachhaft wäre, wie für so einige andere, könnte ihn das zum entsprechend wiedergeschauten Kultfilm machen, statt in der Vergessenheit zu verschwinden.

winterstale

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