GameGearing: Phantasy Star Gaiden

ava-2101Hah, da wollte ich doch den Post mit der rhetorischen Frage beginnen, ob sich noch jemand an die Phantasy-Star-Franchise erinnert. Dabei lebt die doch unlängst noch. Stattdessen ist wohl eher die Frage angebracht, ob sich noch jemand an die Zeit erinnert, als Phantasy Star keine Online-Franchise war. Die Serie war ja damals, Ende 80er bis Anfang 90er, das Vorzeige-RPG-Pferdchen von Sega, falls es einen nach Dragon Quest oder Final Fantasy juckt, allerdings kein NES/SNES im Hause steht. Und im Gegensatz zu Nintendo/Square/Enix haben die sogar die komplette Reihe dem Westen – inklusive Europa, nicht nur Nordamerika – zukommen lassen. Die ganze Reihe? Nein, da gibt es ein paar kleine Spinoffs, die den Japanern vorbehalten blieben. Phantasy Star Gaiden von 1992 wäre so eines, welches exklusiv das RPG-Feeling auf den damals schon 2 Jahre alten Game Gear bringen sollte.

Obwohl das Spiel also zwischen Phantasy Star III und IV released wurde, entscheidet es sich dazu, ein Sequel zum ersten Teil zu sein. Eines, welches in seiner wenigen Story wenig Sinn in der Kontinuität der Hauptserie macht, aber hey ich bin kein Franchise-Experte und theoretisch finden wir glaub ich nicht wirklich raus, was genau mit Alis nach den Credits des ersten Teiles geschehen ist.

Phantasy Star Gaiden sagt sie hat sich aufgemacht, um auf einem dem Algol-System fremden Planeten eine Kolonie zu gründen. Welches Alisland genannt wird… ok, was Kreativität angeht ist sie scheinbar weniger gut mit bestückt im Gegensatz zum Durchhaltevermögen ganze Planetensysteme zu retten. Und dann hat sie sich in Cryostasis begeben, damit sie nun, hunderte Jahre später, erneut in die Gruppe genommen werden kann. Zu ihrer Tochter, die entweder ein ewig junger Vampir ist, oder um die sie zu gebären Alis scheinbar mal kurz ihren Winterschlaf unterbrochen hat. Keine Ahnung warum wir überhaupt Alis brauchen, um den Fiesling zu besiegen, das Big Bad von Little Phantasy Star Gaiden ist nicht Dark Force und eigentlich bekommen wir ja ein Plot-Item, um ihn zu schwächen, und das eben nicht von Alis. Aber gut, mütterliches Cheerleading kann auch nicht schaden.

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Was beim Spielen übrigens direkt auffällig ist, ist das Phantasy Star Gaiden ein echt winziges Spiel ist. Also nicht nur auf dem winzigen Screen des Hosentaschen-Handhelds, sondern die Oberwelt Alisland hat ungefähr die Größe von Startestadt Tantegel im ersten Dragon Quest, mit einer Hand voll Dörfern und kurzen Dungeons darauf verstreut. Die wenigen Reisepunkte zu besuchen und das Endgame zu erreichen dürfte was den Content an sich angeht nicht mehr als 2 oder 3 Stunden Spiel hergeben. Dennoch rollen die Credits von Phantasy Star Gaiden doch eher bei den für so frühe Handheld-RPGs üblichen 10 Stunden über den Bildschirm. Wie bekommt PSGaiden das geregelt? Wie sich uralte RPGs nun mal so zu strecken gedenken: Alle zwei Schritte kommt es zu einer Zufallsbegegnung, und dennoch hinkt man an Leveln ständig hinterher, so dass beständige Grinding-Sessions eingelegt werden müssen. Das war selbst in 1992 in diesem Umfang bereits überholt.

Gaiden hat auch nur ein sehr eng gestecktes Level-Fenster, was die Ausgewogenheit der sich gegenüberstehenden Gruppen angeht. Direkt ins nächste Gebiet gegangen und man ist unterlevelt, was sehr eindeutig dadurch angezeigt wird, dass die Charaktere nur einen HP Schaden machen oder gleich immer daneben schlagen. Im vorigen Gebiet so lange gegrindet, bis die Gegner aufhören gut EXP zu geben (die sich variable am Levelunterschied zwischen Party und Monster anpassen), und man macht gut Schaden. Kurz im besagten neuen Gebiet an den konstanten Random Encountern dann aber zwangsläufig noch zwei Level zugelegt, und schon zeigt sich das Gegenteil der Anfangssituation, die Gegner machen plötzlich kaum bis gar keinen Schaden bei der eigenen Truppe mehr. Was aber nicht bedeutet, dass man das richtige Level fürs nächste Gebiet schon drauf hat.

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Zusätzlich verwirren die Shops der einzelnen Städte noch etwas, die zwar nicht das exakt gleiche Inventar aufweisen, aber sowohl an kaufbarer Ausrüstung wie Zaubersprüchen eine ganze Latte an Optionen bieten, darunter einige maßlos überteuerte Waren, die in diesem Gebiet weder überlebensnotwendig sind, noch die Gruppe eventuell das richtige Level aufweist, um sie überhaupt ausrüsten zu dürfen. Die Zauber sind sowieso zum Großteil unnütz, Buffs/Debuffs/Heilung auf alle Charaktere gegeben, und dabei zugesehen, wie sie sich mit dem richtig gegrindeten Level durch alles schnetzeln. In den wenigen Dungeons mit Bossen vielleicht die Option nutzen, dass man zu 99% vor allen normalen Kämpfen fliehen kann, um die MP-Ressourcen über zu haben, jenen mit eben diesen Zaubern einzudecken.

Ich meine, Phantasy Star Gaiden ist für was es ist – schnell mal irgendein RPG während der Autofahrt spielen zu können – durchaus brauchbar. Die Gegner und ein paar Story-Cutins sehen gut aus, es bietet unspektakuläres aber funktionales Gameplay, die dämliche Story kommt kaum in den Weg, und man kann seinem Grinding-Wahn freien Lauf lassen. In 1992 war das sicherlich grundsätzlich erst Mal genug, um die Zeit mit dem Ding totgeschlagen zu bekommen, auch wenn es damals schon bessere und interessanter RPGs auch auf Handhelds gab. Es gibt aber freilich wenig Grund in 2016 ein Spiel rauszuholen, was im Grunde absolut unspektakulär ist, und jeglichen Goodwill damit untergräbt, dass 3/4 davon einfach aus stupidem Grind besteht. Selbst als jemand, der sich echt für die Phantasy-Star-Reihe interessiert, so wirklich was dem Canon der Hauptserie gut tut Phantasy Star Gaiden nämlich auch nicht gerade.

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