Yo-kai Watch

ava-2094Kommen wir im Geburtstagsjahr von Pokemon zu einem dritten Konkurrenten, und zwar einem, der Pokemon tatsächlich gefährlich geworden ist. Andere Franchises, die auf den lukrativen Monstersammel-Zug aufspringen wollten, gab es ja gerade in der Anfangszeit reichlich, und einige haben sich da auch mit brauchbaren Verkaufszahlen halten können, doch so wirklich an Pokemon herangereicht haben die nie. Selbst Dragon Quest Monsters, welches ja noch den in Japan Verkaufs-garantierenden Dragon Quest Namen mitzutragen wissen.

Dann kam 2013 und das kleine Studio Level 5, durch Inazuma Eleven und Professor Layton auf Nintendos Handhelds gut Kohle machend, brachten Yo-Kai Watch raus. Und gebaren die neueste Gelddruck-Franchise des Studios. In 2014 folgte eine Doppel-Edition zu Yo-Kai Watch 2, in 2015 eine Dritte dazu, in 2016 ein Trio zu Yo-Kai Watch 3 und dann gibt es natürlich Spinoffs, Crossover, und eine Anime-Serie. Die Hauptspiele verkaufen sich in Japan regulär 3+ Millionen Mal, Yo-Kai Watch 2 hat es geschafft höhere Verkaufszahlen abzuliefern als das im gleichen Jahr rausgekommene Pokemon Rubin/Saphir Remake (auf Japan begrenzt gesehen natürlich). Drei Jahre später ist das allererste Spiel auch endlich Mal zu uns gekommen, sich auch in Ländern ohne japanische Mythologie-Figuren beweisen müssend.

Das Opening des Spieles ist ja schon irgendwo charmant, wenn der Hauptcharakter eine Kapsel aus einer Gachapon-Maschine im Wald zieht, in dem sein erster Yo-Kai Whisper ist, die doch eigentlich verdächtig nach Pokebällen aussehen, wenn man darüber nachdenkt. Und dann bekommt er seine Yo-Kai aufspürende Uhr, die zusätzlich jene für die Kämpfe herbeirufen kann, und ich bin doch etwas an die COMPs aus MegaTen erinnert. Nur um dann direkt mit seinen Freunden auf die Jagd nach Käfern zu gehen, mit denen man gegeneinander kämpfen kann, Whisper allerdings kommentiert das Yo-Kai zu fangen doch viel interessanter ist, als schnöde Käfer einzutüten. Denn genau das ist es, was der Erfinder von Pokemon immer als seine Inspirationsquelle angegeben hat, nämlich jene Käfersammelei/-kämpfe, die bei japanischen Kids in den Sommerferien so beliebt ist, nur halt im Videospiel mit interessanteren Fantasy-Monstern.

Meine Faszination konnte das Spiel dann für den Rest über aber leider nicht aufrecht erhalten, so niedlich und charmant es zu sein versucht. Die Handlung beispielsweise ist quasi so gut wie nicht existent. Das in elf Episoden unterteilte Spiel bietet in jeder davon nur eine Kleinigkeit zu lösen, die auf einen Yo-Kai zurückzuführen ist, die aber nie so richtig miteinander zusammenhängend wirken. Erst am Ende von Kapitel 10 taucht aus dem Nichts der Oberboss auf, der im nächsten Kapitel dann eben schon besiegt wird und die Credits dürfen über den Bildschirm wandern. Und sicherlich hat Pokemon jetzt auch nicht wirklich eine Story zu bieten, aber dann doch zumindest eine Reise um einen halben Kontinent, so dass es sich am Spielende wirklich anfühlt, als hätte man Strecke hinter sich gebracht und was erlebt. In Yo-Kai Watch hingegen läuft man zwischen den immer gleichen Vierteln der Nachbarschaft hin und her. Ist auch ein sehr kurzes Spiel, wer nur das Hauptzeug macht, ich würde schätzen der kann in 10-12 Stunden durch sein, ich habe nur zehn weitere gebraucht, weil ich eben Nebenzeug gemacht habe. Wobei das letzte Dungeon einen scheinbar auch nur dann weiter lässt, wenn man eine gewisse Anzahl an Quest erfüllt und Kämpfe gemeistert hat, von daher war sich Level 5 des extrem kurzen Abenteuers wohl bewusst, und hat hier künstliche Verlängerung eingebaut.

Und Nebengedöns gibt es jede Menge, mit denen man seine Lebenszeit verschwenden kann. Neben den normalen Nebenaufgaben, die einen die Bevölkerung aufs Auge drücken kann, gibt es dann noch spezielle Jagd- und Fangquests. Rede mit dem Charakter über Jenes, Fang mir den und den Yo-Kai, Hol mit so viel von dem Item, Fang mir Fische, Fang mir Insekten, Besiege den nahen Yo-Kai, oder so viele Yo-Kai von der Art. Man kann in der Stadt keine drei Schritte machen, ohne vor etwas zu stehen, welches ein Lupensymbol offeriert, um es genauer anzusehen. Entweder weil dort ein Yo-Kai haust, oder ein Item herumliegt, oder eben ein Fisch oder Insekt gefangen werden kann. Ich hab ja die meisten dieser Untersuchungen schnell gelernt zu ignorieren, in meinen 22 Stunden und 40 Minuten aber immerhin 57 von den Sidequests erledigt und 66 Yo-Kai gefangen gehabt, bevor mein Team das Ende einläutete:

yokaiwatch

Die Kämpfe erinnern mich übrigens fast etwas an Dragon Quest Monsters, weil sie doch RPG-iger sind als in Pokemon. Und man weniger Kontrolle darüber hat. Grundsätzlich kämpfen schon mal drei Yo-Kai auf einmal für einen, wobei man auf dem Rad an sich sechs unterbringen und immer schön hin und her drehen kann, je nachdem wer jetzt aktiv kämpfen soll. Und das tun die grundsätzlich automatisch von sich aus, man kann nur per Pin beeinflussen, welcher der Gegner Priorität hat, und sobald sich der Balken aufgeladen hat wann sie ihre Spezialattacke ausführen sollen. Welches genau wie das Entfernen von Debuffs mit wilden Grubbel auf dem Touchscreen von statten geht. Welcher auch benutzt wird, um wie gesagt die aktiven Kämpfer auszutauschen, sowie beim Aufspüren von wilden Yo-Kai die Lupe auf denen zu lassen, bis es endlich zum Kampf kommt. Zusammen mit der vielen Sammelei macht das Yo-Kai Watch zu einem der am offensichtlichsten an Kinder gerichteten Spiele, die ich je gespielt habe. Kindischer wirkend als selbst Pokemon. Was grundsätzlich nicht negativ sein muss, aber ich persönlich bin eh kein großer Fan von dieser übertriebenen Touchscreen-Minispielerei, gerade in Spielen, die das nun echt nicht benötigen, sondern es wie hier wirkt, damit Kleinkinder mit der Aufmerksamkeitsspanne eines Hamsters nicht ihr Interesse verlieren.

Grundsätzlich auch kein Fan bin ich davon, wie Yo-Kai gefangen werden, was mich nämlich erneut an die frühen Dragon Quest Monsters erinnert. Man wirft ihnen das Essen hin, welches sie hoffentlich auch mögen, beendet den Kampf, und mit Glück kommen sie dann mit. Hat man einen Yo-Kai mit dem Passivskill Publikumsliebling dabei, so kann man die Chancen noch etwas erhöhen, aber grundsätzlich wirkt mir das zu random und fehlt mir hier einfach das Direktfeedback eines Pokeball-werfens oder Konversationen mit Dämonen zu führen. Selbst Fische und Insekten zu fangen ist irgendwo random, obwohl man meinen sollte hier einfach nur die Taste dann zu drücken, wenn der sich drehende Zeiger auf den Hit-Marken des Rades ist, nur bleibt der dann doch mal deutlich vor oder nach dem Bereich stehen, statt immer genau dort, wo wirklich gedrückt ist. Wenns hier länger dauert, was zu fangen, kann Yo-Kai Watch echt demotivieren.

Das klingt jetzt alles furchtbar negativ, aber eigentlich sind das alles nur viele kleine Gründe, die einfach dazu geführt haben, dass Yo-Kai Watch mit mir nicht wirklich klicken wollte, weil so in keinem Bereich irgendwas richtig spannend war. Ich mein, klar, die vielen aus japanischer Mythologie stammenden Yo-Kai an sich sind schön verquer und charmant designt. Aber jener Charme und Witz fehlt mir beispielsweise in der eigentlichen Handlung und Charakterinteraktionen plötzlich schon fast wieder komplett. Die auch sonst kaum existent zu sein scheint, genau wie das Setting an sich etwas langweilig ist. Und das Fangen und Kämpfen mit den Yo-Kai an sich ist halt auch nicht herausragend. Es ist kein katastrophal schlechtes Spiel, sondern lässt sich schon recht einfach und simpel mal so nebenbei runterspielen, aber wirkliche Begeisterung wollte bei mir echt kaum aufkommen. Was schade ist, denn Yo-Kai in einem modernen japanischen Setting zu fangen klingt interessanter, als es dann letztendlich ist. Von daher würde ich dem Konzept an sich in einem verbesserten Sequel durchaus noch mal eine Chance geben, vorausgesetzt ich muss keinen Vollpreis zahlen.

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