John Wick

ava-2089John Wick ist so ein Film, der komplett an mir vorbei ging, obwohl ich mir dessen Existenz voll bewusst war. Das Ding sah halt so ein wenig wie ein „Keanu Reeves is back“-Vehikel aus, hauptsächlich dazu da, um den Schauspieler uns wieder ins Gedächtnis zu rufen. Und ich bin mir nicht sicher, ob jemand Keanu Reeves wirklich vermisst hatte. Ich mein, ganz nett anzusehen ist er ja, und sicherlich ein echt dufter Typ und so, aber schauspielerisches Talent hat er nun nicht gerade im Repertoire. Definitiv mutig, auf dessen Publikumsanziehung zu setzen, wenn sein letzter wirklicher im Mainstream-Auge befindliche Action-Titel der zehn Jahre vorher erschienene letzte Matrix-Teil war.

Keanu ist John Wick. Und der hat gerade seine Frau verloren. Bereits auf der Beerdigung wird uns dank einen Überraschungs-Auftritts von Willem Dafoe klar, dass John Wick wahrscheinlich eine dunkle Vergangenheit hatte. Aber erst Mal bekommt John Wick den niedlichsten Hundewelpen der Welt geschenkt. In einem Päckchen von seiner toten Frau, da ihr klar war, dass er sich zur Verarbeitung ihres Todes an niemanden wenden, sondern alles gewohnt in sich rein fressen wird. Also ein süßer Hund, damit er was hat, um das er sich kümmern kann, und um ihren Tod zu überwinden. Hat fast was von einer Frauenschnulze, so das von der toten Frau geschickte Päckchen. Fehlt nur noch, dass er über den Hund eine neue Bekanntschaft macht, die ihn ins Leben zurück verhilft, und mit der er eine Beziehung zu Filmende beginnt.

John Wick macht auch tatsächlich eine neue Bekanntschaft, nämlich die vom Sohn eines russischen Mafioso, der Interesse an dessen Oldtimer-Mustang zeigt, den John Wick natürlich nicht zu verkaufen bereit ist. Aber so ein verwöhnter Sohn einer Mafia-Familie ist Zurückweisung nicht gewohnt und nicht bereit hinzunehmen. Also überfällt er in der Nacht einfach John Wick, stiehlt den Mustang, und killt den jaulenden Hund.

Als Sohnemann allerdings das Auto zum Autoschieber seine Vertrauens bringt, um die Identifikationsnummer ändern zu lassen, haut der ihm eine rein und schmeißt ihn aus dem Laden. So einen Sohn eines Mafia-Bosses verpasst man allerdings nicht einfach ungestraft eine, also ruft Papi direkt mal an, um herauszufinden, warum der langjährige Freund der Familie sich so etwas rausgenommen hat. Der antwortet nur damit, dass Sohnemann Iosef mit dem gestohlenen Auto von John Wick aufgetaucht ist. Vater Viggo, einer der der Oberen im Untergrund New Yorks, der wenig zu fürchten hat, legt unkommentiert auf, weil ihm bei der Erwähnung des Namens der Arsch ordentlich auf Grundeis geht.

Die Sache ist nämlich die, John Wick war mal ein Auftragskiller. Und zwar so ziemlich der Beste, der sobald er ein Ziel vor Augen hatte, sich wie ein Terrier daran festgebissen hat, von nichts und niemanden davon abzubringen war, bis er es erreicht hatte. Weil er ein Mädel kennengelernt hatte wollte er allerdings raus aus dem Untergrund-Business. Viggo erlaubte das nur, wenn er einen letzten großen Auftrag erfüllt, und zwar einen unmöglichen. John Wick hat in der Nacht einen Leichenberg ohnegleichen aufgetürmt, Viggo zu enormen Macht verholfen, und durfte die Szene verlassen und seine Liebste heiraten. Viggo ist also ziemlich klar das, nachdem Iosef wenige Tage nach dem Verlust seiner Frau dessen Auto klaut und Hund tötet, er seinem Sohn eigentlich Gute Nacht sagen kann. Mit John Wick kann man nicht verhandeln, John Wick kann man nicht aufhalten… aber natürlich kann er seinen Sohn nicht einfach so aufgeben, und stellt dennoch alles, was seine Bande her gibt, zwischen die beiden.

Das waren viele Worte für etwas, was wirklich nur das Setup des Filmes ausmacht, den Großteil der 100 Minuten macht John Wicks Rachefeldzug aus. Übrigens ein sehr guter Nutzen eines Keanu Reeves. Als Emotionsloser Killer, der nichts rauslässt, und nur mit gegelten Haaren und schwarzem Anzug als Todesengel mit Tunnelblick auf die Bande herabregnet. Die eine Szene, wenn er direkt nach der Beerdigung dann doch mal kurz emotional werden muss, zeigt eben schon im Kontrast zum Restfilm sehr gut, dass Keanu Reeves sich echt dafür eignet, stylisch in einem Action-Spektakel cool in der Gegend zu stehen, aber weniger dafür geeignet ist, menschliche Emotionen spielen zu müssen.

Als John Wick macht er allerdings eine echt gute Figur, und viel mehr braucht der Film auch nicht. Obwohl, damit verkaufe ich ihn glaube ich unter Wert. Die Sache ist einfach die, dass eben narrativ nicht viel an John Wick ist, und das meine ich nicht negativ. John Wicks Auto wird gestohlen/Hund umgebraucht, also holt sich John Wick sein Wissen als Superauftragsmörder wieder ins Gedächtnis, um eine ganze Mafia-Familie einen Mann nach dem anderen auszulöschen, bis er seine Rache komplettiert hat. Ein wenig mag der Film gegen Ende erwähnen wollen, ob dies nicht etwas zu selbstdestruktiv ein Verhalten ist, oder das ein Mal ein Killer immer ein Killer John Wick eigentlich nur darauf gewartet hat, wieder im kriminellen Untergrund sein Ding machen zu können, aber so richtig wichtig wird das dem Film nie. Nein, John Wick der Film ist eine sehr geradlinige Rache-Story, und wenig mehr, und das wusste ich durchaus zu schätzen, es muss eben nicht immer übertrieben komplex werden.

Vor allem bin ich voll und ganz damit zufrieden, wenn das alles so gut in Szene gesetzt ist. Genau genommen ist der Film das Regie-Debüt zweier Kerle, die vorher nur als Stunt Doubles tätig waren, und zwar beispielsweise an der Matrix-Trilogy, was wohl auch ist, warum sie auf Keanu Reeves für ihren Hauptcharakter zugegangen sind. Den beiden ist definitiv klar, was cool inszenierte Action ausmacht, und bedienen sich überraschend wenig bei einigen der Matrix-Sachen. Es gibt keine super langsamen Bullet Times, es gibt auch keine der modernen viel zu schnell ablaufenden und zu schnell geschnittenen Action-Szenen, in denen man kaum ausmachen kann, was da jetzt genau abläuft. Nein, John Wick ist überraschend und angenehm bodenständig, der Schießerei und Klopperei hier nimmt man doch einen hohen Realismus ab, egal ob das Gezeigte dies nun wirklich ist. Und durch das Spiel mit Licht und Farben und dennoch den richtigen Martial-Arts-Mooves sieht das eben dennoch echt cool aus, nur eben wesentlich echter und brachialer als in so einigen andern Action-Filmen.

Der Film hat mir also letztendlich wirklich sehr gut gefallen, ist was ich sagen will. Weil wer ein echt cooles, bodenständiges, und geradliniges Rache-Story Action-Filmchen sucht, der wird mit John Wick sehr gut bedient.

johnwick

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2 Kommentare

  1. Ich weiß, das hat nix mit dem Blogeintrag zu tun und passt hier gar nicht her, aber: Alles Gute nachträglich zum Burzeltag!

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