Fate is laughing at us, or Watching Penguindrum #1-14

ava-2087Mawaru Penguindrum ist eine 24 Episoden umfassende Anime-Serie von 2011, und das zweite geistige Kind von Kunihiko Ikuhara. Um den Namen noch mal in Erinnerung zu rufen: Das ist der Kerl, der von Staffel 2-4 der Series Director von Sailor Moon war, sowie an den Anime-Adaptionen von Aoi Hana und Nadame Contabile mitgewirkt hat. Und dessen erstes Kind nach Sailor Moon nichts anderes als Revolutionary Girl Utena darstellte, die Serie, die auf den ersten Blick wie kitschiges Magical Girl aussieht, und dann irgendwo unter den ganzen kunterbunten Rosen und Gewäsch über die Ewigkeit zusehends der Apokalypse nähert, während sie jede Facette von Wachstumsschmerz beim Erwachsenwerden und der Selbsterkenntnis zu adressieren versucht. Inklusive jede Menge Inzest und lesbischer Liebe.

Die erste Episode von Penguindrum beginnt dann auch mit einer männlichen Stimme aus dem Off, die lamentiert, dass er das Konzept des Schicksals hasst. Denn wenn wirklich alles vorbestimmt ist, warum dann überhaupt noch versuchen was zu ändern? Und wenn ein Gott alles vorherbestimmt hat, all die Ungerechtigkeit die es im Leben gibt, ist das einfach zu gemein.

Und dann treffen wir erst Mal unsere drei Hauptcharaktere, die beiden Brüder Kanba und Shouma und deren Schwester Himari. Heute ist Himari-Tag, da all das gemacht werden muss, was sie will. Zumindest so sehr das die engen Finanzen des Elternlosen Geschwister-Trios zulassen. Himari möchte mal wieder in den Zoo und die Pinguine beobachten, kauft sich sogar eine hässlich-süße Pinguin-Mütze. Und bricht dann zusammen. Denn Heute ist Himari-Tag, weil sie unrettbar krank ist und jederzeit sterben kann. Beispielsweise am Himari-Tag mitten im Zoo. Kaum hat Kanba nebebei fallen lassen, dass dies eventuell ihre Bestrafung ist – ein mysteriöser Nebensatz, der sicher noch sehr wichtig wird –, wacht Himari komplett geheilt wieder auf. Denn die Mütze hat Besitz von ihr ergriffen, und dafür das sie Himari vom Reich der Toten zurückgeholt hat, will sie nun, dass für sie die Pinguintrommel gesucht wird.

Nebenbei bemerkt laufen irgendwann während der Episode zwei Grundschulkinder am runtergekommenen Haus der drei vorbei, und reden darüber, dass ein Apfel das Universum selbst ist, ein Universum in der eigenen Hand sozusagen; dass so ein Apfel die Belohnung derer ist, die Liebe über alles andere gewählt haben, und das der Tod erst den Anfang darstellt. Und schon erinnert mich das an die Schattenrissmädels in Utena. Ach ja, und nachdem Himari wiederbelebt ist, wird den dreien ein Packet mit einem Trio an Pinguinen geschickt, die nur sie sehen können, und die wie Comic Relief Maskottchen erscheinen, aber sicherlich auch noch Subtext bilden werden, sicherlich ist es kein Zufall das zwei Jungs und ihre Schwester einen weiblichen und zwei männliche Pinguine zugeschickt bekommen. Nicht in einer Ikuhara-Serie. Ach ja, und die Episode endet damit, dass Himari im Schlaf von Kanba geküsst wird.

Ohhh-kay, damit hast du definitiv mein Interesse ganz auf dir, Mawaru Penguindrum.

Ein weiterer sehr wichtiger Charakter wird dann direkt in der nächsten Folge eingeführt, denn was auch immer von Himari Besitz ergriffen hat und ihren zwei Brüdern erzählt, die Pinguintrommel zu suchen, eröffnet ihnen, dass die höchstwahrscheinlich bei Ringo zu holen ist. Was die Pinguintrommel an sich ist, scheint aber keiner zu wissen, und dementsprechend beschatten Kanba und Shouma das Mädchen erst Mal. Und da in Penguindrum mal wieder alle Charaktere irgendeine Beziehung zueinander haben, befreundet sich sowohl Himari mit Ringo, als das die beiden Jungs auch herausfinden, dass sie die Stalkerin ihres Lehrers Tabuki ist.

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Und zwar eine mit jeder voranschreitenden Folge unheimlichere, die sich komplett in ihren Traum mit ihm anzubandeln verloren hat, sogar unter seinem Haus übernachtet. Und ein interessantes Zukunfts-Tagebuch hat, in das sie ihre Pläne hineinschreibt, was sie den kommenden Tag versuchen wird, um ihn für sich zu gewinnen. Interessant hierbei ist, dass all die Dinge, die sie dort rein schreibt, theoretisch auch geschehen, wenn auch nicht auf die Art und Weise, wie sie das geplant hatte. Kanba, Shouma und ich als Zuschauer sind also sofort auf dem Trip, dass nur das von ihr so gehütete Tagebuch die Penguindrum sein kann.

Nur finden wir langsam auch heraus, dass die Obsession von Ringo ganz andere Beweggründe hat. Ihre Schester Momoka ist an dem Tag ums Leben gekommen, an dem Ringo geboren wurde. Und über den Tod des ersten Kindes hinweg haben sich ihre Eltern langsam auseinander gelebt, sind nun geschieden. Tabuki war ein Klassenkamerad von Momoka. Und als Kind hat sich Ringo in den Kopf gesetzt, dass sie die Wiedergeburt von Momoka ist, und sobald sie es schafft, komplett in deren Charakter aufzugehen, wird ihre Familie schon wieder gekittet. Und da Momoka und Tabuki für sie eindeutig füreinander bestimmt waren, muss sie um Momoka zu werden, Tabuki für sich gewinnen, mit Projekt M. Der ihr für das Tagbuch helfende Shouma denkt M steht für Marriage, nichts ahnend das es für Maternity steht, bis Ringo, dadurch in die Enge getrieben, dass Tabuki eine Verlobung mit der perfekten Schauspielerin Yuri bekanntgegeben hat, eines Abends Tabuki unter Drogen setzt und zu vergewaltigen versucht, um von ihm schwanger zu werden. Holla die Waldfee, das Mädel ist durchgedreht. Das ist sozusagen die große Eskalation in Folge 8, allerdings geht der Plan schief, die Hälfte des Tagebuchs wird geklaut, und Shouma von einem Auto angefahren.

Bisher war die Serie ziemlich geradlinig voranschreitend und überraschend auf den Charakter von Ringo fixiert, was sich nun allerdings erst Mal ändern wird, und jede Folge sozusagen eine neue Offenbarung zu einem der anderen Charaktere oder der Hintergrundgeschichte auffährt.

Episode 9 zeigt beispielsweise, was Himari in der ersten Folge getrieben hat, zwischen dem Kauf des Souvenirs und ihrem tödlichen Zusammenbruch im Zoo. Und zwar ist sie einem der Comic-Relief-Pinguine in eine surreale Bibliothek gefolgt, wo der mysteriöse Sanetoshi tiefer und tiefer gehend ihre Erinnerungen durchforscht hat. Die beiden Idols, die wir immer mal wieder auf Plakaten und in Werbespots sehen, und die verdächtig die gleiche Uniform tragen, wie die verwandelte Himari? Das waren ihre beiden besten Freundinnen in der Grundschule, und sie ursprünglich mal Teil des Teams, bis das Schicksal es anders mit ihr meinte. Sanetoshi ist derjenige, der ihr die mysteriöse Mütze aufgezogen hat, sie als „Braut des Schicksals“ deklarierte. Und dann gibt es noch einen kleinen Flashback in etwas, was wie ein Bunker aussieht, und wo sie mit einem Jungen einen der allgegenwärtigen Äpfel teilte.

In Episode 10 und 11 darf sich Kanba der bisher in den Schatten gewesenen Natsume stellen, die Ex-Freundinnen vom Playboy mit Bällen beschoss, die deren Erinnerungen an ihn ausgelöscht haben. Denn sie selbst ist von Kanba besessen und will ihn für sich gewinnen. Gleichzeitig braucht Natsume allerdings auch das Tagebuch von Ringo, denn mit Mario hat sie ebenfalls jemanden, der von einer der Pinguinmützen kontrolliert wird.

Shouma erläutert uns dann in Episode 12 einiges an der Symbolik der Serie. Penguindrum ist sehr von Tokyos U-Bahn-Netzwerk besessen, viele Szenen spielen in ihr, die Flashbacks werden alle mit Abfahrtstafeln eingeläutet, und unwichtige Passanten als undefinierte Icons vorbeigeschoben. Außerdem ist das Opening und diese Folge mit der Zahl 95 gepflastert. Und die Charaktere haben in dieser in 2011 entstandenen und spielenden Serie ein paar Mal darauf hingedeutet, dass sie für etwas in der Vergangenheit bestraft werden, wenige Male auch den „Fluch von vor 16 Jahren“ genannt. Hat mich selbst bis hierher gebraucht, um das alles zusammen zu puzzeln: 1995 gab es den Sarin-Giftanschlag in der Tokyoter U-Bahn.

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Allerdings packt Shouma das lieber in eine Fabel um Mary und ihre drei kleinen Lämmer, die von schwarzen Hasen dazu überredet wurde, Asche der verbotenen Flamme Gottes zu nutzen, um das Licht des allerersten Apfelbaumes wieder zum Leuchten zu bringen. Wofür die Göttin das kleinste und unschuldigste Lamm zum Tode verurteilte, weil die Strafe so ungerecht wie möglich ausfallen muss. Wozu ist das eine Parabel? Die Eltern der drei Geschwister waren Teil des Terrorattentats in 1995, und die Krankheit von Himari wird von den Jungs als Strafe dafür gesehen. Übrigens ist Ringos Schwester Momoka eines der Opfer des Anschlags gewesen, und sowohl Ringo wie auch Kanba und Shouma wurden an jenem Tag geboren.

Ab jetzt taucht der ganz wie die besessene Himari rosa Augen habende Sanetoshi auch in der realen Welt auf, und zwar als Arzt mit zwei schwarzen Hasen. Denn der Hut kann Himari nicht mehr am Leben halten, da die in der ersten Episode mit Kanba geteilte Lebensenergie ausläuft. Also muss Kanba noch mehr Geld von uminösen schwarzen Männern holen, um die Medizin von Sanetoshi kaufen zu können, die nun Himaris Lebensquelle bedeutet. Sanetoshi fragt, ob sie das wirklich wert ist.

Die letzte Episode mit dem ersten Opening, Nummer 14, erinnert uns dann daran, dass Yuri ja auch ein Charakter ist. Die mittlerweile Ehefrau von Tabuki, die merkwürdig immer genau zur richtigen Zeit auftaucht, und die Ringo davon überzeugt hat, dass sie gar nicht wirklich Tabuki liebt, sich das nur Momokas wegen vorgemacht hat. Denn auch Yuri ist eine ehemalige Mitschülerin von Momoka, und von der ihr ähnelnden Ringo besessen.

In Penguindrum geht es also mal wieder viel um Charakterbeziehungen, und zwar zum Großteil sehr destruktive. Aber auch Familie, darum was es alles wert ist, sie zu erhalten, darum wie eine frühere Schuld auf die späteren Generationen zurückfallen kann. Und natürlich viel Philosophieren über das Schicksal, ob es jenes überhaupt gibt, und ob dessen mögliche Existenz nur grausam oder erleichternd ist, je nachdem ob es zu einem Kampf gegen nicht änderbare Situationen führt, oder man sich darin retten kann, nichts gegen all das Elend selbst hat machen zu können. Dazu noch ein wenig Symbolik von Äpfeln, Lämmern, Hasen und dem Sündenfall. Und Bezug zu Vögeln, vor allem davonfliegende Vögel, welche Freiheit symbolisieren, im Kontrast zu den allgegenwärtigen Pinguinen, besonders derjenigen, die die drei Geschwister darstellen – und Vögel sind, die nicht fliegen können.

Ein wenig, manchmal sogar etwas viel, Slapstick und Humor gibt es dazwischen natürlich auch, aber erneut hat Kunihiki Ikuhara hier eine Show erschaffen, die ordentlich Schichten beinhaltet, mal surreal und dann wieder direkt ansprechend diverse Themen abzuhandeln zu versuchen scheint. Viel Symbolik und in Magical-Girl-Wortschatz gefügte weltliche Konzepte. Mal sehen wo die Reise hingehen wird. Ob es die Pinguintrommel wirklich gibt, und was sie tatsächlich repräsentiert. Ob alles vorgeschriebenes Schicksal war, oder der eigene Wille etwas reißen kann. Und in welche Kapazität Terrorismus in all dies hineinspielt.

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