Another

ava-2070Bei Another handelt es sich um ein in Japan recht populäres Buch von Horror- und Mystery-Autor Yukito Ayatsukia von 2009, welches in den darauffolgenden Jahren eine Fortsetzung, eine Manga-Adaption, eine Anime TV-Serie, und einen Live Action Film gebar. Wir schauen uns mal das Anime an, welches 12 TV-Folgen plus eine anschließend releaste OVA-Episode umspannt.

Der Protagonist von Another ist Koichi, ein Junge, der für ein Jahr lang bei seinen Verwandten in einer ländlichen Kleinstadt leben muss, und deswegen auch auf eine Schule dort transferiert. Sprich wie der Hauptcharakter von Persona 4. Was Koichi nicht weiß, wir als Zuschauer aber direkt als allererstes in der ersten Folge via Tratsch zwischen zwei anderen Schülern mitbekommen, ist, dass die Klasse, in die er wechseln will, angeblich verflucht ist. Der Schulmythos geht wie folgt: Vor 26 Jahren ist ein bei allen beliebter Schüler verstorben, und die Klasse hat einfach so getan, als wäre er weiter anwesend, sogar der Lehrer hat mitgemacht. Bis auf dem Abschlussfoto der Klasse plötzlich wirklich das Abbild des toten Mitschülers aufgetaucht ist. Seither ist es so, dass in jedem 9. Jahrgang in der 3. Klasse Schüler grundlos in Unfällen ums Leben kommen.

Koichi weiß davon wie gesagt an seinem ersten Tag nichts. Er bemerkt nur, dass sich die Mitschüler manchmal etwas merkwürdig benehmen, und keiner scheinbar Notiz vom Mädchen, das hinten rechts auf dem altersschwachen Sitzplatz am Unterricht teilnimmt, nimmt. Als er sie fragt, warum dem so ist, meint sie weil sie nicht existiert. Und als eine Klassenkameradin sie beide im Gang stehen sieht, flieht sie panisch die Treppe herunter, fällt mit dem Regenschirm zuerst die Stufen herunter, und spießt sich dessen Spitze beim Fall direkt durch den Hals.

Das geschieht übrigens erst am Ende von Episode 3, wenn die Situation, wie man so schön sagt, plötzlich eskaliert. Davor ist die Serie nämlich überraschend ruhig und gemütlich im Voranschreiten, besteht hauptsächlich aus mysteriösen Ereignissen, vagen Gesprächen, sich plötzlich seltsam benehmenden Charakteren, und einen leicht verlorenen Koichi, der das alles nicht versteht. Wie denn auch.

Denn hier ist das größte Problem mit Another: Es hapert an der Logik. Was seltsam ist, denn die Serie ist häufig recht gut geschrieben, das Mysterium gut ausgetüftelt, wenn auch gegen Ende hin etwas zu verzwirbelt komplex, ich mag den einfacheren Aufhänger zu beginn mehr, bevor Dinge aufgedeckt und verkompliziert werden, und überraschend geben Charaktere häufig zu, wenn sie Mist gebaut haben, der so als Klischee in fast jedem Mystery-Anime geschieht. Umso merkwürdiger sind die zwei oder drei Instanzen, wenn jene Unlogik geschieht.

Wir finden beispielsweise heraus, dass es eine Möglichkeit gibt, wie man den Fluch für ein Jahr abwenden kann, einfach in dem die Schüler der Klasse 3 des 9. Jahrgangs sich auf eine strikte Art und Weise verhalten. Neuling Koichi bekommt sogar von mehreren Erwachsenen gesagt, dass er sich gefälligst ganz genau an die Klassenregeln halten muss. Keiner davon sagt ihm, was diese Regeln sind. Keiner in seiner neuen Klasse erklärt ihm die Regeln. Bis es zu spät ist. Wo dann sogar die Klassensprecherin zugibt, dass es ein Fehler war, dass ihn noch keiner aufgeklärt hat, nur um ihm dann die Regeln oder die Situation weiterhin erst viel später zu erklären. Das Leben dieser Kids hängt davon ab, dass sich jeder an die Regeln hält, und ganz Mystery-Anime zieht es dennoch jeder vor, vage und mysteriös zu sein, statt ihm die zu erklären, und natürlich wird später er dafür verantwortlich gemacht, sich nicht an Regeln gehalten zu haben, die ihm keiner genannt hat. Eine ähnliche Situation gibt es zum Ende der Serie, wenn ein Großteil des blutigen Finales hätte verhindert werden können, in dem ein Charakter sein Wissen mit dem Rest der Klasse geteilt hätte.

Wer es allerdings schafft, sich nicht an jenen Instanzen aufzuhängen, der bekommt schon eine sehr spannende Serie geboten. Wie gesagt ist das Mysterium wirklich interessant, die Atmosphäre geheimnisvoll, es wird viel gecliffhangert, sobald das erste Mädel die Treppe runterfällt bleibt auch der Body Count relativ konstant, und die Final-Destination-esquen Todesfälle sind manchmal echt borderline witzig, die Serie ist auch ganz gut animiert.

Die OVA, Another: The Other, wie das mittlerweile üblich bei OVAs zu TV-Serien ist, gerade wenn sie nur als kleiner Bonus auf einer DVD oder Manga-Volumens draufgelegt werden, tut wie immer nicht viel für die Serie. Die 80er und 90er sind rum, in denen OVAs noch wirklich Inhalt hatten. Die hiesige Bonusfolge expandiert noch ein wenig ob der Freundschaft zwischen Mei und ihrer Cousine, gibt uns ein paar Szenen wie sie miteinander blödeln, bis Cousinchen dann direkt vor Serienbeginn verstirbt. Ziemlich belanglos, nix was man gesehen haben muss, aber weh tut es jetzt auch nicht unbedingt.

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2 Kommentare

  1. „Die 80er und 90er sind rum, in denen OVAs noch wirklich Inhalt hatten.“

    Ich sehe da Teilweise schon Unterschiede zwischen OVAs von früher und heute. Setze ich natürlich mein Nostalgie Monokel auf, würde ich sagen… also so schön neu hier im Gegensatz zu heute.

    Macht das nun heutige Publikationen schlechter? Ich wees nich so recht… .-.

    Antworten
    • Das ist zumindest so meine oberflächhliche Beobachtung gewesen. OVAs sind heutzutage zum Großteil kleine Bonus-Episoden, selten eine eigenständige Serie oder Film. Sachen, die man in den 80ern und 90ern, als der Videomarkt am Boomen war, aus diversen Gründen (unsicheres Budget, unsichere Popularität, zu kurz, schlicht von der Thematik nicht fürs damalige Fernsehen geeignet) als OVA-Serie rausgebracht hätte, werden heutzutage eher von kurzen 10-12 Episoden zählenden TV-Serien abgedeckt.

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