Poltergeist

ava-2067Ah, ein Klassiker unter den Horror-Filmen, und einer von niemand anderem als Steven Spielberg. Nicht als Regisseur, den Posten musste Tobe Hooper einnehmen, da Spielberg vertraglich bis zur Fertigstellung von E.T. bei keinem anderen Film Regie führen durfte, allerdings taucht sein Name so ziemlich unter allen anderen wichtigen Posten auf. Genau genommen ist bis Heute umstritten, ob Spielberg wirklich Alles-außer-Regie bewerkstelligte, oder im Geheimen doch auf dem Regiestuhl platz nahm und Hooper als Alibi herhalten musste. So oder so ist Poltergeist definitiv eher ein Film von demjenigen, der Jaws und Jurassic Park verantwortet, eher nicht von demjenigen, dem wir The Texas Chainsaw Massacre zu verdanken haben.

Ich kenne übrigens die Poltergeist-Filme bisher noch nicht, jedoch zumindest den ersten Stückchenweise hier und dort mal eine Szene, aber nie den Film im Ganzen. Umso überraschter war ich, wie früh er in seinen fast 2 Stunden doch schon mit dem Spuk beginnt. Genau genommen ist das schon die erste Szene, die sehr ikonisch geworden ist, wenn Carol Anne vor dem Statik anzeigenden Fernseher sitzt und beginnt mit „den Leuten im TV“ zu reden. Witzig auch, dass es bis zur zweiten Nacht dauerte, in dem die Nationalhymne automatisch vom Bildrauschen gefolgt wurde, bis mir wieder einfiel, dass 1982 TV-Sender noch gar nicht rund um die Uhr ausstrahlten, sondern mitten in der Nacht irgendwann eben auf Testbild bzw. schlicht nichts wechselten, daher ständig die Fernseher ohne Bild im Film.

Jedenfalls wird dieser Eröffnungshaken erst Mal von einem Spielberg-schen Kennenlernen der Familie gefolgt, die alle normal und identifizierend wirken sollen. Der Junge ist etwas ängstlich, wenn es ums Gewitter geht, die Kleine äfft ihre Geschwister gern nach, die Ältere hat es faustdick hinter den Ohren, die Eltern genehmigen sich gern mal einen Joint. Ganz normale nicht ganz perfekte aber liebenswerte Familie, die sich gut miteinander verstehen eben. Ach ja, und nen Hund, der alles sofort vom Tisch frisst, haben sie natürlich auch. Jedoch sind wir gerade mal ungefähr bei einer halben Stunde angelangt, als die Poltergeister vom Fernsehen ins Haus wechseln, sich langsam Spannung bildet, und überraschend schnell mit dem Spuk im Kinderzimmer den ersten Höhepunkt bietet. Immerhin geht der Film danach noch 90 Minuten, da hätte ich eine so frühe Eskalation noch nicht erwartet. Auch nicht, dass Poster Child Carol Anne ab jetzt quasi für den Rest des Filmes nicht mehr dabei ist, da von den Geistern entführt. Ganz gut so, wie das mit kleinen Kindern nun mal so ist, hat die ganz schön genervt.

Und dann ebbt der Film wieder ab, gibt uns paranormale Forscher und später ein Medium, die das Haus und den Spuk in ihm untersuchen, erst bei 90 Minuten haben wir einen Klimax, in dem Carol Anne gerettet wird. Dass dies ein Fake Out ist, sollte klar sein, wenn der Film noch 25 Minuten gehen wird, und diese blöde Clownspuppe ständig ins Bild gehalten wurde, bisher aber noch nichts tun dufte. Und in den letzten 10 oder so Minuten geht es dann auch tatsächlich so wirklich Rund, der bisher eigentlich ziemlich bodenständige Film dreht so richtig am Rad für sein Finale.

Das Pacing ist also ein wenig seltsam, mit einer frühen Spitze, um dann wieder ordentlich an Fahrt zu verlieren, dafür aber zwei klimatische Endszenen zu bieten. Fand ich an sich allerdings nicht weiter schlimm, da auch in den ruhigeren Momenten der Film nicht wirklich langweilig wird. Er geht dann halt etwas mehr auf die Familie ein, wie sie mit dem Verschwinden von Carol Anne zurecht kommen, und sich an jeden Strohhalm klammern. Entsprechend passend zum ruhiger verlaufenden Film sind auch die Geistererscheinungen und Special Effects. Wenn ich eines vom Film gelernt habe, dann das Poltergeister hauptsächlich Arschlöcher sind, die einem einen Streich spielen. Viele übernatürliche Begebenheiten wirken tatsächlich erstaunlich ungefährlich. Wie im Bildrauschen zu wispern, den Hund belästigen, oder die Stühle zu verrücken. Wären da nicht die einzelnen Momente der Eskalation und das total verrückte Finale, man sollte fast meinen, dass man mit Poltergeistern fast leben könnte. Sieht auch die Mutter zunächst so, die erstaunlich begeistert von den ersten Vorfällen ist.

Begleitet wird der sowieso nicht super groteske Film – mit der ekligsten Szene kommt er wohl davon, weil es ein Traum statt echt ist – zudem von einem schwarzen Humor, der ihm zusätzlich etwas die Schärfe nimmt, und wohl die recht humanen Alterseinstufungen rund um den Globus erklärt. Herrlich wenn der Kanarienvogel stirbt, die Mutter beim Versuch ihn herunter zu spülen von der kleinen Carol Anne erwischt wird, total ertappt ein echtes Begräbnis inszeniert, nur damit die Kleine direkt darüber hinweg ist, und nach einem Goldfisch zum Ersatz verlangt. Um in der nächsten Szene am Abend bereits einen zu haben, den sie sofort anfängt via Überfütterung umzubringen. Und wenn der Pool im Garten ausgehoben wird, ist die Schachtel mit dem toten Vogel direkt wieder hervor befördert. Das ist nicht nur trockener Humor, sondern sogar noch Forshadowing fürs Finale. Wenn die Familie am Ende in einem Motel unterkommen will, und die ältere Tochter meint, dort wäre es ganz schön, sofort merken, dass sie sich da verplappert hat was ihre sexuellen Eskapaden angeht. Solche wenig auf sich aufmachenden, humorigen Stellen im Script helfen dem Film wirklich weiter.

Also ja, war ein guter Film der Original Poltergeist aus 1982. Ganz Steven Spielberg weiß er, dass er sowohl Charaktere braucht, um die man sich was schert, sowie ein wenig Witz noch niemanden geschadet hat. Was insgesamt super zum Ton eines eher ruhigen und bodenständigen Spukhaus-Filmes passt. Und ein wenig Effekt-Hascherei und Extrem-Spuk bekommt man dann im zweiten Klimax auch noch geboten. Dient vielleicht sogar als recht brauchbare Einstiegsdroge, da Poltergeist ziemlich human für einen Horror-Film bleibt, aber nicht so langweilig wie so manch anderer der harmlosen Vertretet ist.

poltergeist1

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