GameBoy Obscurities: Resident Evil

ava-2064Wo wir mit Haunting Ground schon bei Capcom und Survival Horror waren, befassen wir uns doch mal mit dem Großväterchen des Genres. Nein, nicht Alone in the Dark oder anderen Vorreitern aus den frühen 90ern, sondern mit dem Spiel, welches das Genre popularisiert hat: Resident Evil/Biohazard.

Ein so beliebtes Spiel ist natürlich alle paar Jahre neu released worden, alleine die PlayStation sah zwei weitere Versionen, dann kam es auf den Saturn, PC, später für Unterwegs auf den DS, und natürlich der große Schritt zum kompletten Remake auf dem GameCube, welches wiederum auf Wii, PS4, Xbone und PC gelangte. Nicht ganz so bekannt ist jedoch der erste Versuch aus 1999 Resident Evil portabel zu machen, und zwar für den GameBoy Color. Hauptsächlich deswegen, weil das Spiel ganz wie Resident Evil 2 für GameBoy Advance nie erschienen ist.

Allerdings war es zu gut 90% fertig und großteils spielbar, lediglich das Endgame hätte noch fertiggestellt, sowie einige Spielmechaniken eingebaut werden müssen, doch der Großteil des Spieles ist tatsächlich auf den schwachbrüstigen GBC fertiggestellt worden. Und da vor einigen Jahren unter viel Trara der Prototype ersteigert und im Internet verbreitet wurde, auch wenn es dann nur die absoluten Hardcore-Fans wirklich bespielt haben, kann ich mich doch mal daran versuchen. Es wird sich zeigen, wie gut die Idee war, mein erstes Resident Evil (spielerisch zumindest, die Filme haben wir ja bereits in den Vorjahren alle besprochen) ausgerechnet diese Version sein zu lassen.

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Wobei 90% ein sehr hoch angesetzter Wert ist, der da gern im Internet durch die Gegend kursiert, oder eventuell ist eine Version gemeint, die es so nicht mehr gibt, gegenüber den beiden wirklich dort existenten Prototypen. Denn selbst beim kompletteren der beiden fehlt noch eine Menge. Es kann zwar sowohl das Scenario von Chris wie auch Jill gespielt werden, und im ersten Mansion-Part ist soweit auch fast alles intakt, doch sobald es in den Garden geht, werden die Lücken immer größer, und das Spiel gerät kurz darauf in eine Sackgasse. Um genau zu sein beim Rätsel mit dem weißen und roten Buch. Zwar kann das rote Buch ins Inventar aufgenommen werden, und man findet auch das Buchregal dafür, doch wenn man das weiße entnimmt, taucht jenes nicht im Inventar auf, und auch obwohl Chris munter bemerkt, dass nun eine Lücke im Regal frei ist, kann das rote Buch dort nicht eingefügt werden. Somit öffnet sich die dadurch aktivierte Türe nicht und man steckt bereits kurz in den Guard-House-Part hinein fest.

Ein Hacker hat sich die Mühe gemacht, jene Türe einfach freizumachen, so dass das Spiel weitergespielt werden kann, und es ist zu entdecken, dass tatsächlich jeder einzelne Bildschirm und jeder einzelne Kamerawinkel des Originals im Spiel drin ist. Das ist schon eine enorme Leistung, auch wenn das Sprite-Scaling gern mal dazu führt, dass Chris/Jill zu klein oder merkwürdig schief in den ambitionierten Winkeln zu der Raumdeko stehen. Für die es auch (noch) keine Hit Colission gibt, sprich man kann in den meisten Fällen einfach durch Dinge durch oder zumindest halb hinein laufen, bevor eine unsichtbare Mauer kommt. Auch führt natürlich der kleine und pixelige Screen dazu, dass es eben zu unmöglichen Pixeljagden kommt, wenn es darum geht, genau an der richtigen Stelle und im richtigen Winkel zu stehen, um eine Türe zu öffnen, oder eines der (natürlich nicht mehr auffällig blinkenden) Gegenstände ins Inventar aufzunehmen. Hier hätte es definitiv noch einiges an Finetuning bedurft, um aus Residen Evil GBC ein adäquates Produkt zu machen.

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Was es auch bedurft hätte wären mehr Gegner, denn im Prototype gibt es nur Zombies und sonst nichts. In der Galerie wird man nicht mehr von Krähen angegriffen, die ikonischen Zombiehunde springen einen nicht mehr durchs Fenster an, der Sprite der Schlange in deren ersten Bossraum ist statisch. Das Guard House ist ohne Minischlangen, Bienen oder dem Hai im Keller fast komplett von Gegnern befreit dadurch. Außerdem gibt es zwar Farbbänder und Munition zu finden, jedoch sind jene noch absolute Inventars-Platzverschwendung, da die beiden Knarren endlos Schuss haben, und die Schreibmaschinen ebenfalls unbegrenzt zum Speichern genutzt werden können. Das macht quasi auch die Heilgegenstände unnötig, denn eigentlich sollte man so gut wie nie getroffen werden, da man ja wild um sich schießen kann und nur normale Zombies als Gegner hat, die häufig sogar nur einen gewissen Radius gehen können, und dann einfach unbeweglich stehenbleiben und sich abknallen lassen.

Von daher ist und bleibt Resident Evil GBC ein Kuriosum. Es ist eine beachtliche Leistung, wie weit man tatsächlich gekommen war, das PSX-Original auf ein so kleines Modul eines so schwachen Handhelds zu bringen, doch im Prototypen fehlt es doch noch an viel. Und da Capcom irgendwann den Stecker gezogen hat, werden wir halt nie wissen, ob das noch anstehend gewesene Arbeitsvolumen je wirklich auf dem GBC zu bewältigen gewesen wäre.

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5 Kommentare

  1. Der Artikel ist sehr faszinierend, weil ich garnicht wusste das es Resident Evil auf ein Handheld gab. Kann es mir garnicht so vorstellen das sowas funktionieren soll.

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    • Spielt sich tatsächlich auch eher schlecht denn recht. Kann man halt nie sagen, wie viel dem Protoype verschuldet ist, und wie viel das Endprodukt immer noch nicht hinbekommen hätte. Schon alleine die Zombies unter Beschuss zu nehmen läuft nicht so rund, ganz zu schweigen wenn kleinere/niedrigere Ziele oder agilere Gegner eingefügt hätten werden müssen. Und wer nicht weiß, wo die Gegenstände zu finden sind, ist bei einigen auch aufgeschmissen, da auf dem kleinen verpixelten Screen einige sich gar nicht optisch herausheben und dann noch Pixelgenau gestanden werden muss, um sie aufzunehmen. Resident Evil GBC ist halt für den Mut dies überhaupt zu probieren interessant, aber nicht unbedingt wirklich spielerisch wertvoll :D

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  2. Falls du es nicht schon getan hast, solltest du dir in dem Zusammenhang vielleicht auch mal die GameBoy Color Version von Alone in the Dark anschauen. Die verfolgt ganz ähnliche Ambitionen und ist grafisch eine echte Ausnahmeerscheinung.

    Was mich an gecancelten GBC Titeln einmal interessieren würde – ich weiß nicht, ob da Versionen im Umlauf sind – ist dieser eine Ego Shooter. Ich habe leider den Namen vergessen, aber bevor das Genre dann auf dem GBA eine Zeitlang so richtig in die Gänge kam, hatte sich schon irgendein Entwickler an einem GBC FPS versucht, irgendwas mit Dinosauriern, denke ich…

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    • Alone in the Dark ist glaub ich sogar auf Egine der gecancelten GBC-Version von Resident Evil gebaut oder so ähnlich, wenn ich mich recht erinnere. Ich hatte es mir zumindest mal vorgemerkt, steht also auf der Liste.

      Tyrannosaurus Tex sagt mir Google wäre das Spiel. Gibt’s wohl sogar einen Prototype von, mal schauen ob ich den auftreibe, steht jetzt jedenfalls auch schon Mal auf der Liste. Danke.

      Antwort
  1. Lesenswert: GameBoy Kuriositäten, Offene Welten, Crafting, 3D Castlevanias, Bioshock Infinite | SPIELKRITIK.wordpress.com

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