Ju-on: Part Cinq

ava-2063Ju-On ist einfach nicht tot zu kriegen. 2000 begonnen (bzw. 1998, wenn man die beiden Mini-Episoden zählt) kamen in sechs Jahren sechs Filme auf die japanischen und amerikanischen Bildschirme. Dann zum Jubiläum 2009 gleich drei weitere. Und wieder fünf Jahre später ging es erneut los: 2014 begann eine neue Duologie mit Beginning of the End, in 2015 gefolgt von Final Curse, und da bei Ju-On nichts final ist, stand 2016 mit Sadako vs Kayako ein Crossover mit der Ring-Franchise an, die genauso wenig tot zu kriegen ist. Selbst Hollywood will wieder was neues beisteuern, so war ebenfalls zum 15-jährigen in 2014 ein weiterer The Grudge geplant, der aber seither in Development Hell abgetaucht ist.

Ju-On: The Beginning of the End folgt hauptsächlich Yui, die als frisch gebackene Lehrerin ihre erste Grundschulklasse zugewiesen bekommt, jedoch feststellen muss, dass der Schüler Toshio nie aufzutauchen scheint. Der vorige Lehrer der Klasse ging dem bereits nach, und ist nun tot. Als sie das Haus der Saekis besucht, trifft sie dort nur auf Toshios merkwürdige Mutter Kayako, und flieht nach ein paar seltsamen Begebenheiten dem Haus. Ab jetzt hat sie allerdings merkwürdige Episoden, die bedrohlicher und häufiger werden, und selbst auf ihren Freund scheint sich dies langsam auszubreiten, der seltsamerweise in der zweiten Hälfte des Filmes plötzlich den Großteil der Investigationsarbeit übernimmt, während Yui kurzzeitig etwas in den Hintergrund gerät.

Dazwischen haben wir allerdings eine zweite Timeline, der wir folgen, und die in 2004 stattfindet. Vier Schülerinnen besuchen das angeblich verfluchte Haus, in dem ein Kind umgebracht wurde, und sind etwas enttäuscht, dass es wie jedes zum Verkauf leerstehende Haus aussieht. Spektakulärer ist da schon das, sobald sie wieder zu Hause sind, sie vom Geisterjungen verfolgt werden. Im Prinzip dient letztendlich dies als erweiterte Episode darum, wie Kayako Saeki mit ihrem Mann ins Haus eingezogen ist, besessen davon ein Kind zu bekommen, und letztendlich den Geist vom ermordeten Toshio zur Welt brachte, bis der Vater erneut gründlich aufräumte und alle umbrachte.

Mehr oder weniger alle zumindest, denn Ju-On: The Final Curse setzt genau dort an, wo The Begining of the End aufhörte. Die Rückblicke ins Jahr 2004 sind rum, denn wir wissen ja jetzt die Origins-Story der beiden Geister, die in 2014 Yui und Co. nachgestellt sind. Hier sind wir jetzt kurz nach dem Spurlosen verschwinden von eben Yui bei ihrer Schwester Mai und deren Freund, die anfängt die Begebenheiten um die letzten Tage und Wochen ihrer Schwester aufzudecken, während sie selbst vom Fluch heimgesucht werden. Als Nebenhandlung haben wir die Schülerin Reo, deren Mutter ihren Cousin aufnimmt, seitdem dessen Mutter umgebracht wurde und der Vater verschwunden ist. Die Tatsache, dass wir den Vater zwar Kayako und die Katze, aber theoretisch nicht Toshio on screen haben umbringen lassen, sowie das wir den bei Reo aufgenommenen Jungen zunächst immer nur per Hinterkopf sehen, sollte jedem sofort klar machen, dass dies der überlebende Toshio ist, lang bevor nach 30 Minuten der Film das als große Offenbarung hinstellt.

juon9

Nachdem Black Ghost/White Ghost also ihre eigenes Ding gedreht haben, sind wir in der neuesten Ju-On Duologie zurück beim miauenden Toshio und seiner rasselnden Mutter Kayako, die jedem nachzustellen beginnen, der das Haus betritt, in dem sie umgebracht wurden. Die Sache läuft also nicht wirklich wesentlich anders ab, als in den alten Filmen von Anfang-Mitte 2000, nur das die erneut erzählte Origins-Story etwas anders und erweitert ist, weil sie im Prinzip diesmal einen kompletten Film von 90 Minuten durchhalten muss, bis es im zweiten Teil weitere 90 Minuten darum geht, zu sehen, ob man dagegen vielleicht was machen kann. Und wie immer in diesen Filmen gibt es keine Antworten eben darauf, sondern nur die Erkenntnis, dass der Fluch, wo er nun schon Mal auf die Welt losgelassen ist, nicht abwendbar ist. Selbst wenn man das verfluchte Haus an sich zerstört, denn Toshio und Kayako hängen sich schlichtweg an jeden ran, der es betreten hat, und ziehen eben bei denen ein, wodurch sich der Fluch erweitert. Im Prinzip wäre die beste Vorgehensweise das Saeki-Haus einfach abzuschotten, so dass die beiden Geister darinnen versauern können, ohne je in menschlichen Kontakt zu kommen.

Die Handlung ist also mal wieder gewohnt etwas dünn und gewohnt wiederholt, wie man das von der Franchise mittlerweile wohl gewohnt ist. Dennoch haben es The Beginning of the End und The Final Curse geschafft, mich nicht wirklich zu langweilen. Es mag etwas daran liegen, dass meine Erwartungen bei etwas mit Ju-On im Titel sowieso gezügelt beginnen. Es mag auch teilweise damit zusammenhängen, dass ich nach all den 1313s einfach schon froh über Filme bin, die halbwegs kompetent gefilmt, inszeniert, geschauspielert sind, und sogar mal wieder Horror bieten. Was auch immer eventuell unterbewusst mitgeholfen hat, aber ich würde die neuen Filme, die prinzipiell eigentlich eh nur einer von 3 Stunden zweigeteilt ist, durchaus als einige der besseren Einträge in die Franchise nennen.

Auch schlichtweg, weil sie einem mehr zeigen. Die früheren Filme hatten meist außer Suspens wenig zu bieten, in dem jeder Charakter zuerst langsam und dann häufiger einen weißen Schatten im Augenwinkel sah, bis sie dann plötzlich einem der Geister direkt gegenüberstanden, und Cut zum nächsten todgeweihten Charakter. Die beiden neuen Filme wirken sowieso von vornherein besser zusammenhängend und weniger episodisch. In Serien-Tradition sind sie immer nach in Vignetten unterteilt, die nach dem Charakter benannt sind, dem wir folgen. Doch diesmal hängen die eben besser zusammen. In The Beginning of the End sind das beispielsweise die vier Mädels in 2004 und Yui und ihr Freund in 2014, die zusammengenommen eben eine durchgehende Timeline erzählen.

Außerdem sind die Todesarten und Scares wesentlich vielfältiger, scheinen sich aus den vorigen Filmen genau wie aus anderen Horror-Ikonen zu bedienen. Der abgerissene Unterkiefer kommt beispielsweise aus einem der amerikanischen The Grudge, wenn ich mich recht erinnere. Und ganz grundlos ist ein Symptom des Fluches eine Besessenheit mit Spiralen, als wäre man kurzzeitig in einem Uzumaki gelandet. Einige Todesarten sind echt fies, andere sogar wieder unfreiwillig komisch, wie der merkwürdige Effekt, wenn sich der Mund des einen Mädels wie bei einer schmelzenden Aufblaspuppe langzieht, bevor der Kiefer reißt. Oder wenn einem Kerl das Genick gebrochen wird und er mit verdrehtem Kopf auf seine Freundin zuläuft. Dass Papa Saeki so gründlich ist selbst die Familienkatze in die Mikrowelle zu werfen, wird mich glaub ich auch nie nicht schmunzeln lassen.

Ganz sehenswert sind die beiden Einträge, wenn man ein Faible für J-Horror mitbringt, also auf jeden Fall. Aufgelöst wird erneut nicht viel, dafür aber ein Potpourri an Klischees des Genres in einen soliden 3-Stündiger gebündelt. Ein wenig Trägheit lässt sich natürlich in Film 10 und 11 einer relativ ähnlich gestrickten Franchise nicht abschütteln, wer allerdings noch kein einziges Ju-On gesehen hat, sollte vielleicht auch einfach hier starten, bei den beiden Teilen mit dem meisten Unterhaltungswert, und bevor einem das Konzept etwas müde wird.

juon10

Vorheriger Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: