1313: Wicked Stepbrother

ava-20541313: Wicked Stepbrother ist ein Titel, der mich bei homoerotischem Horror gleich an beste Nicht-wirklich-Inzest-aber-nah-genug-dran Fetische denken lassen müsste, aber es mich dennoch nicht wirklich erwarten lässt, denn das hier ist ein David DeCoteau, und der Mann weiß nicht wirklich, wie man homoerotisch inszeniert, und Horror-Filme sind die Dinger sowieso nicht.

Die ersten 5 Minuten des Fijmes sind bereits Exposition Central. Jarrod morgens vor dem Spiegel hat folgenden Dialog an seine Reflektion „endlich 18“ Pause„endlich alt genug zum Wählen“ Pause „alt genug fürs Militär“ Pause „endlich 18“. Ok, dass war a) eine ziemlich unfeine Art und Weise zu etablieren, dass Jarrod nun 18 ist, und mindestens drei Sätze davon überflüssig, da alle 4 genau die gleiche Aussage haben: „Jarrod ist 18“. Umso überflüssiger, weil sein Stiefbruder Sebastian als nächstes ins Bild kommt, und die beiden genauso unfein darüber reden, dass Heute die Pool-Party zu Jarrods 18. Geburtstag ist, dass Jarrod eigentlich die meisten eingeladenen Freunde nicht wirklich gut kennt, dass die beiden sich nicht leiden können, dass Jarrods Vater verstorben ist, dass Stiefbruder Sebastian und Stiefmutter Minerva arm waren, bevor in die reiche Familie geheiratet wurde, und das mit seinem 18. Lebensjahr Jarrod nun das ganze Vermögen erbt. Na so sehr kann dessen Vater die neue Braut und deren Sohn ja nicht gemocht haben, wenn er denen absolut nichts hinterlässt, noch nicht mal ein Wohnrecht im Haus einräumt, denn tatsächlich wird alles an Jarrod übergehen.

Genau genommen war das aber nicht die erste Szene, denn diese Filme müssen immer mit einem schnellen Kill beginnen, in diesem Fall ist einer der Gäste frühzeitig aufgetaucht, geht für fünf Minuten im Pool schwimmen, wird dann abgestochen, und Sebastian hat dann in der nächsten, besagte „hier sind alle Infos darüber was los ist und wie wir zueinander stehen“ Exposition-Szene jenes Messer in der Hand. Und lasst mich mal sagen, ein kleiner und stumpfer aussehendes Brotmesser hätte man nicht finden können. Mensch, diese Filme sind in DeCoteaus Haus gedreht, und der Mörder kommt mit seinen Messern den Opfern eh nicht nahe, sondern wir sehen immer ein Cut auf das Messer, eines auf das erstaunte Opfer, und dann beginnt die nächste Szene, von daher wäre es total ungefährlich gewesen, den Kerlen einfach ein echtes und echt scharfes Messer aus der Küch in die Hand zu drücken. Mit dem Ding hier bekäme man keine Butter zweigeteilt. Und jener Anfangskill zeigt auch mal wieder, wie wenig DeCoteau wirklich aus dem Fanservice dieser Filme macht. Er filmt einen Kerl nur in Badehose bekleidet für 5 Minuten, während Musik läuft, die indiziert, dass dies hier sexy sein soll, da er ihn aber 5 Minuten beim Schwimmen im Pool filmt, sehen wir absolut nichts vom sexy Oberkörper, weil der eben unter Wasser ist, während die Kamera über Wasser bleibt.

Jedenfalls ist eine Pool-Party natürlich einen gute Ausrede, warum beliebige Kerle nach und nach auf der Türschwelle auftauchen, und bereits nichts außer einer Badehose anhaben. Wobei, erneut etwas genauer drüber nachgedacht, hätte es nicht Sex-Appeal, wenn wenigstens einige davon voll bekleidet auftauchen, und dann einen netten Striptease hinlegen, wenn sie sich fürs Planschen bereit machen? Inklusive sich mit Lotion einreiben etc.? Es gibt sogar später eine Szene, bei der sich ein Kerl von seinem #NoHomo-Kumpel eincremen lässt, aber da der wie ein toter Fisch auf der Liege liegt, und der andere erneut nur drei Mal unbeholfen auf dessen Rücken klopft, und dann schon wieder verschwindet, kann man das kaum sexy nennen. Ich habe echt keine Ahnung, warum DeCoteau diese Ausreden ins Script schreiben lässt, um homoerotische Szenen zu drehen, und dreht sie dann im wenigst erotischen Framing, dass einem einfallen könnte. Wenn der eine Kerl nur in Boxer-Briefs die Treppe hinauf geht, filmt DeCoteau das von einem low angle, aber wir sehen nix von den sexy Pobacken, weil DeCoteau ihm nicht die Treppe hinauf folgt, sondern unten stehen bleibt. Warum?

1313: Wicked Stepbrother verkommt sowieso zwischen Minute 10 und 60 zu einem weiteren Ju-On, wie das die Slasher-Filme von DeCoteau so an sich zu haben scheinen. Ein halbnackter Kerl taucht an der Türschwelle auf, geht für 5 Minuten durchs leere Haus, ruft dabei gefühlt hundert Mal „Hallo?“ und wird dann erstochen. Und schon taucht der nächste Schönling auf, über den wir nichts herausfinden werden, abgesehen von seinem Namen, und auch nur das vielleicht, um erneut fünf Minuten Hallo-rufend durch die gleichen Räume zu streichen und ermordet zu werden. IMDB sagt mir, dass der Cast neben den beiden Stiefgeschwistern 8 weitere Typen enthält, aber gegen Ende des Filmes fühlt es sich an, als hätten wir doppelt so viele Randos unmotivert dahinscheiden sehen. Und noch nicht mal wirklich das, weil Kills in diesen Filmen sind ja immer Off Screen und unblutige Reaktions-Shots.

Aber hey, gut für Michelle Bauer mit DeCoteau befreundet zu sein. So hat sie erneut eine Rolle bekommen, nämlich die der Stiefmutter, und diesmal darf sie sich sogar von zwei der knackigen Kerle betatschen und ein wenig knutschen lassen. Und für ihr Alter hat die gute Frau auch noch ein recht gutes Fahrgestell. Und ist bisher in jedem dieser Filme eine der bessern Schauspieler gewesen, bei der man zumindest das Gefühl bekommt, dass sie sich was anstrengt und Spaß an der Sache hat.

Natürlich ist von Anfang an klar, dass dieser Film wieder eine Wendung bereithalten wird, die wahrscheinlich erneut so viel Sinn ergibt, wie dass der Killer in 1313: Night of the Widow einen Komplizen hat, obwohl er seinen Tod vorgetäuscht hatte, und somit keiner ihn verdächtig hätte, nur weil er nie dann, wenn jemand umgebracht wurde, zu sehen war. Jedenfalls ist ziemlich von der ersten Szene ab klar, dass der Film uns glauben machen will, dass Sebastian der Böse ist. Immerhin ist er der Stiefbruder. Und er heißt auch noch Sebastian. Also hab ich natürlich direkt darauf getippt, dass herauskommen wird, dass Jarrod der Wicked Stepbrother ist, nicht Sebastian. War auch so, aber nicht ganz so wie gedacht. Stattdessen lässt zur Hälfte des Filmes ein Kindheitsfreund von Jarrod fallen, dass er gar nicht wusste, dass jener einen Stiefbruder hat. Was ich in der ersten Sekunde nur für eine weitere Unglaubwürdigkeit im schlechten Script hielt, bis ein paar Sekunden später dann der Groschen viel und mit klar war, dass 1313: Wicked Stepbrother einen auf Fight Club machen wird. Genau so war es dann 40 Minuten später auch. Nur macht das natürlich erneut wenig Sinn, weil die Stiefmutter mit Sebastian interagiert, selbst wenn Jarrod woanders im Raum ist. So was wie Fight Club oder The Sixth Sense ist aber eben nur dann clever, wenn man die vorigen Szenen Revue passieren lassen kann, und einem auffällt, dass tatsächlich keiner außer Jarrod je mit Sebastian interagiert hat, bzw. Sebastian in einigen Szenen schlichtweg Jarrod selbst war.

Clever ist allerdings absolut nicht das Wort, dass irgendjemandem beim Schauen eines 1313 einfallen würde. Leider im Falle von Wicked Stepbrother schon eher das Wort langweilig. Irgendwie sind die Slasher immer die weniger unfreiwillig komischen Filme, sondern die einfach halbherzig dahin geschluderten. Wie gesagt hilft es natürlich nicht, dass der Plot nur in den ersten und letzten 10 Minuten untergebracht ist, und der komplette Rest des Filmes einfach Mordopfer durch die Drehtür geschleust werden.

1313e

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