1313: Actor Slash Model

ava-2050Mensch, während des Schauens dieser 1313-Filme kann man echt manchmal leicht verwirrt sein, in welchem man jetzt ist. Die sind alle komplett im gleichen Haus gedreht, und haben häufig sogar gleiche Schauspieler in den Rollen. 1313: Actor Slash Model beispielsweise als Alibi-Frau Michelle Bauer, die für DeCoteau bereits in den 90ern vor der Kamera stand, und in drei weiteren 1313s zu sehen war, beispielsweise als eine der Cougar in Cougar Cult. Auch in beiden Filmen wäre Carey James, der eigentlich Model ist, und bar jeglichen schauspielerischen Talents bleibt, was ich in Cougar Cult nur nicht mitbekam, weil er dort der Anfangskill war, der nach zwei Sätzen 5 Minuten unter der Dusche stand und dann das Zeitliche segnete.

Das ist tatsächlich auch schon das Thema von 1313: Actor Slash Model, ein Titel der wie Cougar Cult doppelte Bedeutung hat, und ein etwas merkwürdiges für einen Film von David DeCoteau: Ein Schauspieler bringt seine Konkurrenz um, die nur deswegen Rollen bekommt, weil sie so heiß aussehen, eigentlich nur Models sind, die nicht schauspielern können. Womit er bei den meisten auch recht hat, aber hey, ist ja nicht so, dass er jetzt um Meilen besser wäre. Es ist einfach ein wenig schizophren, wenn ein Film von David DeCoteau, der alle 10 Minuten einen neuen Kerl aus dem Nichts mit nacktem Oberkörper die Bühne betreten lässt, einen Moralischen bekommt, weil heutzutage nur noch hübsche Körper statt schauspielerisches Talent gecastet wird.

Woher kommt überhaupt der Gedanke, dass diese beiden Dinge automatisch einander ausschließen? Die Welt ist leider nicht so fair, dass einige Leute mit Intelligenz, andere mit gutem Aussehen, andere mit Charisma, und wieder andere mit Talent ausgestattet werden, nein, ganz unfair bekommen einige Leute alles und andere nichts davon in die Wiege gelegt. Nur weil ein Kerl so heiß ist, dass man Spiegeleier auf seinem Waschbrett braten könnte, bedeutet das nicht, dass er automatisch kein schauspielerisches Talent hat. Klar, die Kerle in den 1313 schon, aber die werden ja für diese Gigs nur damit bezahlt, eine kostenlose Pool Party in DeCoteaus Haus haben zu dürfen, während er sie filmt. Ganz davon abgesehen scheint das Script auch der Meinung zu sein, dass dies ein neues Phänomen ist. Attraktiven Leuten den Vorzug in einem Casting zu geben, es sei denn die Rolle ist spezifisch dagegen ausgelegt, gibt es so lange, wie es das Filmemachen gibt – das ist kein neues Phänomen.

Gutes Aussehen garantiert einem übrigens auch keine Rolle, so wie das dieser Film hier einen Glauben machen kann, oder zumindest keine Rolle außerhalb sowas wie einem an einem Nachmittag gedrehten Billig-Film der Marke 1313. Auch gutaussehende Schauspieler können es schwer haben sich einen Namen zu machen, sonst würden diese ganzen hübschen Kerle nicht in sowas wie Actor Slash Model auftreten müssen, um überhaupt mal in was ihren Fuß zu bekommen. Dann wiederum hat der Film eh kein großes Verständnis davon, wie die Branche funktioniert, immerhin ist ein Plotpunkt, dass einer der Kerle, der die Hauptrolle in einer extrem beliebten Fernsehserie spielt, überlegt, ob er in der nächsten Season dabei sein soll. Sorry, aber Serien machen keine Season by Season Verträge mit ihren Schauspielern, schon gar nicht mit den Hauptrollen. Man wird gleich für mehrere Staffeln verpflichtet, und natürlich läuft auch der mal irgendwann aus, aber wenn die Erfolgsserie definitiv weiterlaufen wird, dann erneuert man den Vertrag sicher nicht auf den letzten Drücker zwischen zwei Staffeln. DeCoteau hat seit 1985 über 100 Filme gedreht, sollte der sich nicht etwas besser auskennen?

Wird dem Film selbst irgendwie dann auch ziemlich schnell zu doof. Nach knapp einer halben Stunde gibt er bis kurz vor Ende nämlich jegliche Handlung und Struktur auf, nachdem unser Actor-not-Model jeden benannten Actor/Model des Filmes bereits zerslashert hat. Stattdessen wird aus dem Film ein Ju-On: Es geben sich einfach komplett zufällige Neuankömmlinge die Klinke in die Hand, tauchen auf der Türschwelle des Hauses auf, netterweise bereits schon nur in Shorts oder Badehose bekleidet, so muss man keine Ausrede finden, warum sie den Oberkörper frei machen, laufen ein wenig durch das Menschenleere Haus, bis sie abgestochen werden und der nächste Namenlose die Einfahrt hoch tigert, um die Sache zu wiederholen. Wer sind diese Leute und warum kommen sie zu Besuch? Eh, ich nehm mal an es geht um ein Casting bei der Tusse, der das Haus gehört, immerhin haben wir am Anfang schnell etabliert, dass sie hübsche Kerle für ihre Serien castet, und sie anschließend als Teil ihrer Film-Familie ansieht, sprich sie unangemeldet auftauchen können, um halbnackt bei ihr abzuhängen und sich ein wenig betatschen zu lassen. Wer diesen Wegwerfsatz am Anfang überhört hat, wird allerdings jeglichen Kontext missen, warum einfach ein hübsche Gesicht nach dem anderen zur Fleischbeschau auftaucht, nur um direkt abgemurkst zu werden, bevor sie dem Film was beizutragen hatten, oder zumindest mehr als ein wenig mehr Beefcake.

Ich war doch etwas enttäuscht von 1313: Actor Slash Model. Der Film hat einfach mal so überhaupt keinen Spaß mit sich selbst, noch haben das die darin Beteiligten. Klar, er bietet immerhin wieder mehr nackte Haut als Night of the Widow das tat, und Beefcake ist sicherlich die Hauptattraktion jener Filme, aber das Framing derer ist auch total lustlos. Wo die Körper in Cougar Cult von der Kamera umschmeichelt wurden, als wäre man in einem Softcore-Porno, fühlt man sich hier echt wie beim Metzger. Erinnerte mich etwas an Showgirls, um ehrlich zu sein, welches im Stipper-Business angesiedelt uns auch die nackten Frauenkörper so nüchtern-sachlich-geschäftlich darbot, dass man dies kaum anziehend nennen konnte. Nur war es dort sicherlich mit beabsichtigt, in Actor Slash Model eher nicht. Klar ist die Handlung hirnrissig, aber das eben auch nicht auf spaßige Art, und wird sich halb durch den Film sogar selbst leid, so wenig Ambition steckt dahinter. Dabei könnte dies eine Gaudi werden, ein DeCoteau-Film, bei dem der Mörder was gegen attraktive Schauspieler hat, obwohl der Stahlgehalt der Bauchmuskeln das einzige Auswahlkriterium bei DeCoteau-Filmen ist? Das als ichbewusste Komödie oder sogar Selbst-Satire aufgezogen, und hier könnte was dran sein. Aber das würde voraussetzen, dass sich hier jemand mehr als 10 Minuten lang Gedanken drüber gemacht hätte, bevor er die Kamera auf halbnackte Kerle gerichtet und es anschließend einen Film nannte.

1313c

Vorheriger Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: