GameBoy Obscurities: TokiMemo Pocket

ava-2017Tokimeki Memorial, der Großvater der japanischen Dating Sims, erschien 1994 auf dem für Shmups und seichte Anime-Games bekannten PC Engine – die perfekte Plattform für ein Spiel, bei dem man zu zwei Dritteln repetitiv seine Statuswerte erhöht, und zu einem Drittel süße Anime Babes anschaut und auf Dates geht. Zumal das CD-Medium dazu führt, dass die Pappaufsteller der Mädels leicht animiert und mit Sprachausgabe versehen werden konnten.

Das Spiel war ein sofortiger Hit, und wurde in den folgenden Jahren, bis 1999 der epische 5CDs einnehmende Nachfolger Tokimeki Memorial 2 erschien, auf so ziemlich alles geportet, was auch nur ein wenig Sinn macht: Natürlich die ebenfalls CD basierten Medien PC, PlayStation und Sega Saturn, aber auch runtergeportet auf das eigentlich schwächliche aber eben weit verbreitete SNES. Jedoch so richtig kurios war die Entscheidung des letzten Ablegers in jenem frühen TokiMemo-Rundumschlag: Der GameBoy Color.

Dass eines der dutzenden an Spinoffs für den schmächtigen Handheld erschienen wäre, hätte niemanden überrascht, vielleicht eine Sammlung an Minispielen mit den TokiMemo-Mädels injiziert. Aber doch das komplette komplexe Dating Sim, bei dem viel vom Charme eben durch Sprachausgabe und teilanimierte Charakterportraits kommt, auf einen 8bit-Handheld zu bringen… das ist eine merkwürdige Entscheidung. Aber Konami haben ihr Bestes gegeben, so viel muss man schon sagen. Die Grafiken sind für GBC-Verhältnisse recht detailliert, die Charakterportraits bewegen weiterhin Mund und Blinzeln, und Tokimeki Memorial Pocket holt alles aus dem metallischen Soundchip heraus: Das Opening hat einen überraschend guten instrumental Remix das Main Themes zu bieten, und die von wenig anderen Spielen genutzte Möglichkeit kratzige Sprachausgabe unterzubringen, damit die Mädels zumindest hier und dort mal eine Phrase von sich geben, ist auch mit von der Partie.

All das frisst natürlich viel Platz auf dem kleinen Handheld-Modul, und so ist Tokimeki Memorial Pocket den Pokemon-Weg gegangen, und wurde in zwei Versionen unterteilt: Sport und Kultur. Die beiden teilen sich die über 10 Mädchen untereinander auf, wobei natürlich das Main Idol und Poster Child Shiori Fujisaki in beiden untergebracht wurde, damit Spieler der „falschen“ Version nicht das Konami-Hauptquartier abfackeln kommen.

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Shiori ist dann auch diejenige, mit deren Kopf als Trophäe ich aus dem Spiel gehen wollte, da mir klar war, dass ich es wahrscheinlich eh nur zu einem Ende bringen werde, und sie halt die größte Eroberung, da schwerst zu bekommen ist. Denn wie die Poster Children aller TokiMemo-Spiele, benötigt Shiori alle Statuswerte auf ziemlich hohen Nummern – und muss einen selbstverständlich durch genug Dates entsprechend mögen.

Das Hauptspiel ist natürlich nicht wirklich wesentlich anders, als ich es von Girl’s Side gewohnt bin, und wohl auch nicht wirklich wesentlich gegenüber dem PC Engine Original verändert. Jeden Sonntag Abend wählen wir aus, was für eine Aktivität wir die nächste Woche über machen wollen, was sich positiv auf gewisse und negativ auf andere Statuswerte auswirkt. An Sonn- und Feiertagen dürfen Dates mit den Mädels ausgemacht oder begangen werden. Erneut, ein Anruf kostet den ganzen Tag. Wird ein Date ausgemacht, ist der also schon rum. Hier zusätzlich verkomplizierend ist, dass der Anruf beim besten Freund ebenfalls den Tag kostet, auch wenn man nur nachschaut, wie sehr die verschiedenen Mädels einen mögen, ob eine Bombendrohung vorliegt, oder auch nur um die Kontaktdaten eines der Opfer zu erfragen.

Clubs gibt es allerdings wesentlich weniger. Anstatt selbst irgendwann bei einem aufzutauchen, wird man in TokiMemo Pocket direkt zu Beginn gefragt, für welchen man sich entscheiden will. Aufgezeigt werden Baseball, Schwimmen, Kunst und Wissenschaft, wobei in der Sports Version nur die beiden Sportklubs, in der von mir gespielten Culture Version nur die anderen beiden wirklich genommen werden können. Wechseln scheint man allerdings jederzeit zu können. So genau weiß ich es zwar nicht, wie es geschehen ist, jedoch hatte ich zu Anfang den Kunstklub gewählt, dort auch notgedrungen mit Ayako abgehangen, jedoch kurze Zeit nachdem ich Yuina getroffen war, gehörte ich plötzlich ihrem Wissenschaftsklub an.

Jedenfalls ist das erste Tokimeki Memorial doch ein Stück weit schwerer, als ich das von Girl’s Side gewohnt war. Statuswerte gibt es ein wenig mehr, wirklich nur zwei. Im Prinzip ist der Wissensstatus nun in Buchwissen und Wissenschaft unterteilt, die anderen 5 bleiben relativ gleich (Kunst, Sport, Sozial, Style und hier Zielbewusstsein statt Charme der GS-Version), aber dann gibt es neben dem Stress-Status, der nicht zu hoch werden darf, auch noch einen zusätzlichen Stamina-Stat, der nicht zu niedrig werden sollte. Allgemein kam es mir einfach so vor, als wäre es hier schwerer, diese zu balancieren. An einigen Punkten im Spiel kam es mir zumindest so vor, als würde die alle sich bei einem gewissen Schwellenwert die Waage halten, ohne wirklich weiterzukommen. Was sich allerdings nach einiger Zeit wieder geregelt hatte, und letztendlich hab ich das Spiel mit je 15-20 Punkten in allen Werten über dem beendet, die für Shiori nötig waren.

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Was natürlich das Erhöhen aller Statuswerte erneut mit sich bringt ist, dass man einen Großteil des Casts früher oder später notgedrungen treffen wird. Gegen Spielende hatte ich glaub ich die Bekanntschaft mit 7 oder 8 Mädchen gemacht, die natürlich alle angefangen haben mich zerbomben zu wollen, wenn ich ihnen keine Aufmerksamkeit schenke. So auf das letzte halbe der drei Schuljahre hatte ich in der Übersicht tatsächlich immer wieder 2-3 Bomben gleichzeitig, die ich schnell entschärfen musste, bevor ich mich wieder Shiori zuwenden konnte. Hab ich zwar immer noch hinbekommen, aber letztendlich war es tatsächlich stressiger, Shioris Konkurrentz davon abzuhalten, Gerüchte über mich zu verbreiten, als die nötigen Statuswerte zu erreichen. Dafür hab ich aber auch ein paar nette CGs von ein paar anderen Jagdtrophäen erstanden.

Das ist schon ganz nett, dass neben ein wenig blecherner Sprachausgabe eben auch die Event-Bildchen der Mädels noch dort sind, plus wenn man auf sie trifft sich eben gewohnt ihr Gesichtsausdruck ändert, je nachdem wie sehr sie einen mögen, und wie gut die gegebene Antwort ist. Natürlich ist das alles auf kleinem, pixeligen und von den Farben eingeschränkten GBC-Bildschirm, aber sie sind und bleiben wichtig, um das Verkaufsargument des Spieles zu erhalten: Charme. Was dem natürlich etwas abträglich ist, ist wenn man den dazugehörigen Text nicht versteht. Und leider sind und bleiben alle Versionen des ersten Tokimeki Memorial bisher in Japanisch, da noch keine komplette Fantranslation zu einem der Spiele vorliegt – wer TokiMemo verstehen will, muss die Girl’s Sides spielen, die sind alle drei von Fans ins Englische übersetzt, die vier Galge Tokimeki Memorials in all ihren Versionen bleiben außen vor.

Jedenfalls war es echt gut, dass ich Girl’s Side vorher gespielt habe, weil in so ein Dating Sim und wie es funktioniert friemelt man sich besser wirklich mit einer Version rein, die man auch versteht, TokiMemo Pocket hätte mich glaub ich ohne Vorwissen etwas überfordert. Und wie gesagt, ich würde es nicht noch mal spielen, bevor es nicht in eine mir verständlichen Sprache übersetzt ist, weil die drei Schuljahre vom unbekannten Looser zum Frauenheld, der das beliebteste Mädel der Schule unterm Baum antrifft, ist es ein ziemlich langes, und setzt hauptsächlich darauf, dass man die Konversationen mit den Mädchen charmant findet.

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