Boredom Bottled: Dead or Alive Paradise

ava-2007Gerade erst habe ich zu The Legend of Heroes: Prophecy of the Moonlight Witch geschrieben, dass es wohl das langweiligste PSP-Spiel ist, das ich je gespielt habe, und schon bietet sich ein neuer Herausforderer an: Dead or Alive Paradise.

Na ja, Dead or Alive war ja schon immer eine Fighting-Game-Serie, die sich vor allem durch die niedlichen Mädchen mit den Heliumbrüsten in vielen alternativen sexy Kostümen ausgezeichnet hat, wobei das Gameplay darunter durchaus auch sehr launig ist, ich habe zumindest viele unterhaltsame Stunden mit den ersten zwei Spielen gehabt, bevor Tecmo einen Packt mit dem Microsoft-Teufel einging. Allerdings ist dadurch sicherlich das Aufkommen des Xtreme-Spinoffs nicht so überraschend, in dem besagte sexy Chicks in Bikinis, die teilweise kaum mehr als die Nippel bedecken, auf einer Insel ausgesetzt werden und die Bälle hüpfen lassen müssen.

Auch Dead or Alive Paradise ist ein Xtreme-Spiel. Genau genommen ist es die PSP-Version von Dead or Alive Xtreme 2, bietet die gleichen Mädels (plus einen Neuankömmling), gleiches Opening/Ending, und zum Großteil die gleichen Items und Aktivitäten an. Und mit zum Großteil meine ich weniger. Aus grafischen Limitationen sind komplexere Bikinis, Nagellack und Sonnenbräune nicht mehr möglich. Außerdem fehlen bei den Minispielen das Jet-Ski-Fahren und die Wasserrutsche. Einem eh schon ziemlich limitiertem Spiel noch mehr Optionen zu klauen, und sie mit keinen Alternativen zu ersetzen, ist natürlich schon eine mutige Entscheidung. Wobei „mutig“ ein recht großzügiges Wort ist. Ebenfalls sehr „mutig“ war es, zwei weitere der Minigames, darunter die allseits beliebt-peinlichen Butt-Battles, bei denen sich die Mädels durchs Aneinanderreiben der Hintern ins feuchte Nass zu befördern versuchen, hinter dem Sammeln der Voyeurenus Clips verschlossen zu halten. Somit bleiben genau zwei Minispiele zu Beginn, die man spielen kann: Per QTE über die Plattformen zu springen, und natürlich das bekannte Volleyball.

Wobei, Volleyball funktioniert nur dann, wenn man eine Partnerin hat. Da gibt einem das Spiel ganz zu Beginn auch eine, mag man das Mädel jedoch nicht und lässt sie von Dannen ziehen, um sich eine andere total unlesbische Spielgefährtin anzulachen, kann das durchaus dauern. Denn nicht alle Mädels sind immer auffindbar, und sie mögen sich auch unterschiedlich viel oder wenig, wollen wie das mit Frauen nun mal so ist, auch erst mal das man ihre Liebe sich erkauft.

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You’re going to have fun tonight! – I’m all yours! – The game of not-so-clever innuendos

Ach wisst ihr was, am Besten gebe ich eigentlich einfach mal hier meine Spielerfahrung wieder, wie sie über mich kam. Ich bin auf einen einzigen „Urlaub“ gegangen. Denn das Mädel, welches man sich heraussucht, bleibt 14 Tage auf der Insel, danach ist die spannende Monotonie rum und man darf sich erneut aussuchen, wer als nächstes die genau gleichen drei Sachen für 14 Tage machen darf.

Ich habe mal Hitomi genommen, weil ich Mitleid mit dem langweiligen deutschen Weißbrot hatte, die zwar seit Dead or Alive 3 in jedem Spiel ist, die ich aber weder in der Hauptserie noch in den Xtremes je von jemanden gespielt sehe, bei der Beliebtheitswahl für Xtreme 3 auch beständig auf den untersten Plätzen der „gerade noch so ins Spiel geschafft“-Charaktere rumdümpelte. Als Partnerin hat mir Paradise Lisa zur Seite gestellt, die erst mal langweilige Tutorials zu den wenigen selbsterklärenden Aktionen der Insel gibt, und die ich dann direkt habe fallen lassen, weil ich Kasumi als Partnerin wollte. Neben Ein der einzige Charakter, mit dem ich wirklich je richtig gut in Dead or Alive war.

Hat allerdings etwas gedauert, bis sie sich mir angeschlossen hat. Kasumi ist nicht sonderlich schwer zu finden, sondern hängt eigentlich so gut wie immer mindestens zwei der drei Zeitzonen (Morgen, Mittag, Abend) an einem der Hand voll Schauplätze rum. Nur musste ich ihr halt erst mal ein paar Geschenke kaufen, die sie mag, mit der Farbe an Geschenkpapier umwickeln, die sie mag, und sie ihr dann entweder auf der Insel übergeben oder Nachts im Hotelzimmer zuschicken, wobei sie auch nicht immer gleich ein Geschenk auch annimmt. Na ja, nach ein paar Geschenken war mein OTP zusammen, noch schnell Badeanzüge gegeben, bei denen man nicht gleich beim Einatmen einen halben Sandstrand in der Vagina hat, und schon kann es losgehen mit dem Voyeurball.

Wobei jenen Bikinis und Geschenke zu kaufen bedeutet hat, dass ich ein wenig über die Poolplattformen mit den QTEs springen musste, was man sowohl Solo als auch gegen ein anderes Mädel (wenn eine gerade am Pool abhängt) machen kann. Gegen jemanden gewonnen habe ich nie, aber Geld gibt es auch fürs mit sich selbst spielen. Nur das das Angebot an Gegenständen in den Shops zu jeder Zeitzone anders ist, also nicht unbedingt immer was dabei ist, was Kasumi gefällt bzw. nicht immer Badeanzüge, die mir gefallen, und die ich mir auch leisten kann. Irgendwie schon ganz witzig war jedoch auf jeden Fall, dass die Badesachen, die am Meisten kosten, nicht diejenigen sind, die einen wie eine 1-Euro-Nutte aussehen lassen, sondern ausgerechnet die Onepieces, die am meisten Haut bedecken.

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14 days of riveting vacation filled with not one but two(!) activities to participate in

Hitomi und Kasumi also. Jetzt immer zu einem der drei Strände gegangen, an dem gerade ein anderes Mädchenduo abhängt, sie bei ihren idyllischen Treffen stören, und somit zum Voyeurball herausgefordert werden. Das geht so lange, bis das erste Team 7 Punkte hat, wobei obwohl das Ding nur den Analognubsi und zwei Buttons nutzt, es schon mehr Aktionen gibt, als ich erwartet hatte. Ganz so einfach ist es leider nicht, da sich häufiger schlecht der Abstand und die Flugbahn des Balles abschätzen lassen, ich also schon mal eine Annahme einen halben Kilometer vom Auftreffpunkt entfernt versucht habe, und vor allem weil Kasumis KI so unglaublich hilfreich war, dass ich nur davon ausgehen kann, das arme Mädel hat sich einen mittelschweren Hitzeschlag eingefangen.

Voyeurball-Matches zu gewinnen bringt allerdings am meisten Geld mit sich, das Pool-Hopping zahlt nicht so gut aus, und das nächtliche Kasino-Treiben ist viel zu zufällig was Gewinnausschüttung angeht. Und letztendlich hat Dead or Alive Paradise… eigentlich kein Ziel, aber eben nur eine Sache, auf die sich hinarbeiten lässt: Geld. Oder besser genommen ist das Spiel ein Collect-a-Thon. Jedes Mädchen hat ein eigenständiges Inventar, in dem alle Gegenstände des Spieles katalogisiert werden. Also muss mit jedem Mädchen jedes einzelne Item gekauft werden, und das wo das Angebot ständig sich ändert. Zudem hat jedes Mädel nur eine eingegrenzte Auswahl an Bikinis – Hitomi beispielsweise zum Großteil ein paar Pallete Swaps der gleichaussehend sportlichen. Wer alle Badeklamotten auf allen Mädels haben will, muss also die Bikinis des Mädels für alle anderen mitkaufen und dann jene noch als Partner gewinnen, um sie ihnen schenken zu können. Dazu kommen dann noch ein paar Dutzend Venus Clips.

Ach ja, die Venus Clips. Wisst ihr was, ich glaube die sind der eigentliche Existenzgrund des Spieles. Wem ein hirnloses QTE-Hüpfen und monotones Volleyballspielen doch noch zu aufregend ist, der kann mit seinem Mädel auch einfach zu einem der Orte gehen, an dem gerade niemand anderes ist, und sie einfach relaxen lassen. Je nach Ort, Tageszeit, und ob man sich mit seinem Partner gut versteht, spielt nun eine leicht andere Variante eines Clips ab, in dem sie ganz unbedarft eine belanglose Tätigkeit ausübt, sich dabei verrenkt und spreizt, wie es keinem menschlichen Körper möglich sein sollte, und während derer der Spiele natürlich wild die Kamera schwenken, zoomen und Schnappschüsse machen kann – sofern man(n) die Hand dafür frei hat. Die Clips können nach Freischaltung natürlich jederzeit erneut angeschaut werden, und erst nach 50 und 100 freigeschalteten (auf meinem einen Urlaub mit Hitomi hab ich übrigens nur gut ein Dutzend gefunden) wird das dritte und vierte Minispiel auf der Insel verfügbar.

Ach ja, zum OCD-Komplettionismus zurück: Blumen verwelken und Nahrung verdirbt, sollen sie also katalogisiert werden, geht das nur wenn sie unmittelbar vor dem nächtlichen Hotelzimmerbesuch gekauft werden. Dazu die müßige Tauscherei der Badeanzüge. Und das ein paar Venus Clips hinter speziellen Lokalitäten stecken, die nur zufällig und selten mal an einem Tag auftauchen können oder es eben auch den ganzen Urlaub über nicht machen, und mein herzliches Beileid geht wirklich an jeden, der dies je zu versuchen auch nur begonnen hat. Mir wa schon ein Urlaub zu lahm, geschweige denn das dutzende Male pro Mädel zu machen, bis man wirklich alles hat.

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Make your BFF happy and they might return the favor. Or not.

Anyways, irgendwann waren Hitomis zwei Wochen auf der Insel auch mal rum. Und nun klingen 14 Tage nun wirklich nicht viel, gerade wenn es je nur 3 Timeslots für Aktivitäten gibt (plus Nummer 4 wenn man das nächtliche Hotelzimmer/Kasino einberechnet), und obwohl ich viel Volleyball gespielt habe, was das langwierigste der Unterfangen ist, hat mir mein Spielstand auch angezeigt, dass ich letztendlich nur knapp 3 Stunden hiermit verbracht hatte… aber Mensch wenn sich das nicht ordentlich wie die dreifache Zeit angefühlt hat. Vielleicht hebelt Dead or Alive Paradise auch einfach nur die Naturgesetze was Raum und Zeit angeht aus, und Schwerkraft sowieso, die Titten der Mädels springen beim bloßen Atmen von deren Knien bis zur Stirn.

Die Sache ist die, es war zu erwarten das Dead or Alive Paradise bzw. die Xtreme-Serie an sich echt verdammt blöd ist. Das wissen die Macher an sich auch, sonst wäre die Framing-Story nicht so abgedrehter Scheiß, in dem Paradiesvogel Zack in seinem psychedelischen Teletubbykostümen auf unlogische Art und Weise zu einer Insel kommen würde, und sich dann entscheidet wie alle netten Schwulen mal den gestressten Mädels, die er so kennt, eine Freude zu machen, in dem er sie dort umsonst abhängen und relaxt die Möpse schaukeln lässt. Meine Erwartungen an das Spiel waren also nun wirklich nicht hoch. Ich wollte tatsächlich nur ein wenig blöden Fun an der dämlichen Brust-Physik haben, ein wenig nettes Dress-up-Barbie mit niedlichen Mädels spielen, und mit ein paar halbwegs unterhaltsamen Minispielchen einen Nachmittag vergeuden. Vieleicht ein paar spaßige VN-esque Interaktionen unter den Mädels sehen.

Denn zur Zielgruppe der Spiele, nämlich heterosexuelle, untervögelte Jungs zwischen 12 und 12 1/2 gehöre ich nicht. Das wahre Verbrechen von Dead or Alive Paradise ist dann auch schlichtweg, dass es kolossal langweilig ist. Nur zwei Minispiele zu offerieren, optional noch zwei weitere nachdem man zu viel Arbeit in deren Freischaltung steckt, ist Blödsinn. Die Minispiele machen nicht sonderlich Spaß. Die Venusclips sind nicht unfreiwillig komisch oder gewollt sexy. Das Spiel ist ein repetitiver Grind zum ziellosen Selbstzweck. Es steckt eindeutig wesentlich mehr Arbeit in den Charaktermodellen der Mädels und ihren Animationen (besonders niedlich find ich es immer, wenn eine versehentlich einen Volleyball gegen die Stirn oder in den Unterleib bekommt und echt darauf entsprechend reagiert) als in die Umgebung gesteckt wurde, und für PSP-Verhältnisse sind sie auch echt gut, jedoch war da trotzdem nicht genug Charme oder Abwechslung drin, um das Virtual Dressup Pet sonderlich lang zu mögen – oder Hitomis Badeanzüge sind einfach zu 90% Mist. Gleichzeitig steckt null Arbeit in den Interaktionen zwischen den Mädels oder sie individuell interessanter als eine Aufblaspuppe zu halten.

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Discover your favorite tough fighter’s „softer sides“

Aber mal Halt, Stopp, Rückwärtsgang eingelegt – kommen wir noch mal zum Punkt der Zielgruppe zurück. Ich habe nämlich das Gefühl das die im Westen und Japan doch recht unterschiedlich ist, was auch erklären würde, warum hier die Verkaufszahlen nie so sonderlich gut waren (Xtreme 3 hat beispielsweise keinerlei Releasepläne in Europa/Amerika, und das obwohl die Asia-Version schon komplett ins Englische übersetzt ist). Virtuelle Anime-Chicks mit großen Hupen aus Helium und knappen Kostümen, die beim kleinsten Verrutschen X-Rated sein könnten… aber alles eben doch komplett rein ohne je einen Nippel oder gar Schlimmeres zu sehen? Da ist doch für uns ganz klar, hier wird auf pubertäre Jungs abgezielt. Aber ich kann mir vorstellen, dass in Japan ein Großteil der Zielgruppe wesentlich älter ist, erwachsene Männer in ihren 20ern bis 40ern abdecken könnte. Denn Japan hat ja seinen leicht creepygen Waifu-Kult, in dem ausgewachsene Otakus mit „ihren“ Pop Idols und fiktiven Charaktere aus Anime/Manga/Videospielen so weit ihrer eigenen Traumwelt erliegen, dass sie jene tatsächlich fast als sowas wie ihr Eigentum und ihre ideale Partnerin ansehen.

Woher sonst kommt es, dass ein Mitglied einer Girl Group sich traditionell aus Scham und Entschuldigung, weil sie sich erdreistet mit ihrem Freund erwischt zu werden, statt das falsche Bild des puren, jungfräulichen Singles, die nur auf DICH gewartet hat, aufrechtzuerhalten, den Schädel rasieren muss (bzw. zumindest zur Kurzhaarfrisur abschneidet, um weiterhin vermarktbar niedlich genug zu bleiben)? Wo sich Kerle bei den Meet & Greets mit diesen Mädels vorher in die Hand wichsen, um sich anschließend ihnen näher zu fühlen. Wo auf die Barrikaden gegangen wird, wenn in einem Manga nebenbei erwähnt wird, dass der weibliche Hauptcharakter, den alle so niedlich finden, eventuell eine Vorgeschichte mit einem anderen Kerl hatte. Wo sich ein Spiel wie Love Plus, eine Weiterentwicklung des Tamagotchis, welches nichts anderes als eine virtuelle Freundin ist, mit Dates und Vorlieben und allem außer Sex wiedergibt, so populär sein kann.

Und ich glaube einfach da schlagen für die japanische Zielgruppe die Dead or Alive Xtremes auch ein Stück weit rein. Sich seine sexy aber jungfräuliche Waifu aussuchen, dabei zuschauen wie sie einen Urlaub verbringt, bei der sie sich am Strand räkelt, auf einem aufblasbaren Orca im Pool die Beine spreizt, mit hoch in die Luft gestrecktem Arsch ein Loch im Sand schaufelt, oder mit drei anderen Mädels eben beim Volleyball die Bälle hüpfen lässt. Alles aus allen Richtungen und Winkeln beschaubar, alles spannend wie dem Klarlack beim Trocknen zuzuschauen, wenn man nicht genau jene Nischen-Zielgruppe ist, und dennoch irgendwo alles irgendwie schiziphren züchtig und nicht-porny. Nicht umsonst hat Xtreme 3 anscheinend auch etwas, was sich schlichtweg „Owner Mode“ nennt. Der schnaufende Otaku am Controller als der Besitzer seines favorisierten Dead or Alive Mädels.

Alle anderen bleiben glaub ich doch lieber bei den Dead or Alive Fighting Games. Die haben auch viel Fanservice. Auch Zero-Gravity-Brüste. Aber darunter auch launiges Gameplay. Und sind in ihren Schwachsinnshandlungen sogar witziger. Ich glaub mindestens eines davon (Dimensions auf 3DS?) kommt sogar mit der Option, sich die Figuren in einer Galerie von allen Seiten anzuschauen, falls jemand wirklich die Voyeur Clips vermisst.

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