Heal Me Maybe?: Phantasy Star Portable

ava-1999Die Phantasy Star Universes sind schon ein recht kurioser Haufen an Spielen. Kennt ihr das, wenn es euch schon recht viel Laune bereitet, durch ein Spiel zu zocken, retrospektiv würdet ihr das Ding allerdings dennoch nie wirklich als ein gutes Spiel betiteln oder anderen weiterempfehlen? Genau das traf bei mir für die beiden Phantasy Star Universe auf PS2 zu. Ich war gut unterhalten, aber wirklich jemanden in Anbetracht der Alternativen anzuraten, Geld für jene auszugeben, könnte ich nie über mein Gewissen bringen.

Aber warum rede ich denn überhaupt von Phantasy Star Universe, hier soll es doch um das PSP-Spiel Phantasy Star Portable gehen. Ganz einfach, denn genau genommen ist das Ding einfach Phantasy Star Universe Portable. Nicht nur ist das Ding eine Sidestory zu den beiden PS2-Spielen, sondern schlichtweg ein Downgrade dieser, mit all den Charaktermodellen, Equipment und Missionslokalitäten aus den großen Brüdern genommen und auf PSP-Standards gemurkst. Ich wäre nicht überrascht, wenn es nicht einen Art Asset – zwei neue Storycharaktere ausgenommen – im Spiel gäbe, das neu produziert worden wäre.

Wer also Ambition of the Illuminus gespielt hat, bekommt hier quasi genau das Spiel noch Mal für unterwegs geboten. Zu Beginn eigenen Charakter aus den gewohnten Rassen zusammenschustern, einen Job aussuchen, und dann geht es rein ins Spiel mit seinen 8 Storymissionen und ein paar Dutzend optionaler Free Missions, die jeweils in den 5 Rängen von D bis S bestanden werden können, um Level und Loot zu grinden. Immerhin ist die PSP gerade in Japan besonders beliebt gewesen was (lokalen) Multiplayer angeht, mit einer Vielzahl an Monster Hunters, deren Klonen, und MMORPG lites wie Phantasy Star Portable, die Sache eignet sich also super für Sonys Handheld.

Die Handlung hat dabei am meisten gelitten, denn die diversen Szenen werden eben (fast) nie in Cutscenes erzählt, sondern Visual Novel Style rein in Textboxen mit eingeblendeten Charakterartwork und ein paar Standbild-CGs. Das ist eigentlich ein versteckter Pluspunkt, denn so lässt sich viel schneller durch die Handlung lesen + klicken, sowie gibt es zwar immer noch mehr Text zu lesen, als einem lieb wäre, aber es ist nicht mehr ganz so obszön wortreich wie die beiden großen Konsolenbrüder. Denn als ein Universe-Spiel hat auch Portable eine saudämliche Handlung und verwurstet alle nervigen Charaktere aus den PS2-Spielen erneut darin. Je weniger Story man in einem Universe zu lesen hat, und je schneller man durch sie hindurch kann, umso besser.

Das Gameply ist jetzt auch nicht gerade etwas, was im entferntesten als herausfordernd oder komplex bezeichnet werden kann, da erneut 1:1 von Universe abgeschaut. Alles läuft natürlich in Echtzeit, von daher kann nur zwischen den Waffen getauscht und jene Items eingesetzt werden, die man sich auf die Hotbar wirft, während die Kämpfe ansonsten hauptsächlich daraus bestehen, zum Gegner zu laufen, und den Attack- oder Spezialattackenknopf zu hämmern, bis sie tot sind oder einem die PP ausgehen. Block oder Dodge gibt es nicht, höchstens vor dem Gegner wegrennen, wobei die Kameraperspektiven meist schlecht zulassen, nicht dennoch von einer Attacke aus dem Off getroffen zu werden, weswegen es meist am Einfachsten ist, einfach zu tanken und notfalls Heilgegenstände von der Hotbar zu werfen, von denen man eh schnell 60 Stück im Inventar haben wird, da das Spiel damit wie mit Süßigkeiten zu Karneval um sich wirft, und auch ansonsten meist hirnlos einfach bleibt.

Was fast ganz gut so ist, denn hirnlos sind auch die bis zu 3 KI-gesteuerten Mitstreiter, die gern mal einfach so mitten in einer Gegnergruppe rumstehen, ohne anzugreifen, und auch nur dann heilen, wenn ihnen danach ist. Ich hatte es teilweise das gleich zwei Mitstreiter beim kleinsten Kratzer, den ich hatte, mit dem Heilspam begannen, und ich dann wieder eine halbe Mission lang halb tot durch die Gegend gekrochen bin, ohne das es sie interessiert hätte. Aber dafür hat man ja wie gesagt notfalls seine 60 eigenen Heilitems und 3 Insta-Res-Gegenstände. Knifflig, oder ich mag gar sagen bei dem ansonsten so einfachen Spiel gar etwas unfair und schlecht ausbalanciert, sind höchsten ein paar wenige Gegner auf den A und S Missionen, bei denen, sollte man noch zwischen ihnen stehen, wenn beide ihre Attacke beginnen, und von beiden gleichzeitig getroffen wird, der Charakter schon tot am Boden liegt, bevor man auch nur denken kann „na zum Glück kann ich 60 Heilgegenstände spammen“. Die erste von drei Formen des letzten Bosses ist genau deswegen eigentlich die schwerste: Bössin ist super agil, rennt also ständig schnell rein, zieht einen mit einer Kombo viel HP ab, und ist schon wieder weggerannt, wenn man kontern will, während ihre zwei Helfer einen einkesseln und ihre Attacken oben drauf spammen. Da muss man manchmal etwas Glück haben, beim ersten Versuch lag ich ernsthaft innerhalb von 2 Sekunden schon tot am Boden, bevor ich genau wusste, wer mich da genau überfahren hatte.

Ganz nett anzusehen ist das Spiel übrigens. Wobei die Innenareale besser ausschauen als die Außengebiete, aber dennoch ist zu kommentieren, dass man doch ganz gut die Lokalitäten auf die PSP gebracht hat, zumal es nur bei wirklich großen Gegnergruppen oder weitläufigen Gebieten zu Slowdown und Popin kommt. Aber hey, dafür ganz coole Animationen für die Spezialattacken plus viele verschiedene Looks und Outfits, um sich auszustatten. Geholfen ist dem natürlich durch den kleineren Screen, welcher die einfacheren Modelle besser kaschiert. Zumal gewohnt viel Repetition in den Gegnern und Gebieten ist, versteht sich. Auch hat das Spiel überraschend viel Voice Acting zu bieten, dessen Qualität jedoch erneut gewohnt etwas fragwürdig bleibt.

Klingt jetzt erneut ziemlich hart dem Spiel gegenüber, gell? Eine Budget-Version von Phantasy Star Universe, mit gleich dämlichen Charakteren, gleich dämlicher Handlung, und genauso hirnlosem und repetitivem Gameplay inklusive unzuverlässiger KI. Und dennoch kann ich nur sagen, dass ich gut Laune beim Spielen von Phantasy Star Portable hatte.

Nicht in den Storymissionen, die waren erneut nur Hürden im Freischalten der Free Missions, in denen ich ohne Charakterinteraktionen und Dünschisshandlung mich durch die Gebiete schnetzeln konnte, nicht zum xten Mal lesen musste, wie KOS-MOS mir was von ihrem Herzen erzählte, oder alle überrascht sind, dass es immer noch SEED gibt. Wobei erneut sind hier die Missionen durch den Handheld immerhin wesentlich kleiner, bestehen aus je 3 einzelnen Parts, statt einem langwierig-langweiligem Einsatzmarathon wie auf der PS2. Aber eben außerhalb der Handlugsmissionen, da hatte ich meinen Spaß. Einfach damit, mit meinem Charakter Barbie-Dressup zu spielen, und die vielen verschiedenen Outfits durchzuprobieren. Einfach darin hirnlos und repetitiv mich durch Monsterhorden in den diversen Free Missions zu schnetzeln, durch Level Ups meine Stats sich erhöhen und neues Loot droppen zu sehen. Eben all die blöden Dinge, die auf eine primitive Art und Weise das Echsenhirn in uns allen stimulieren. Letztendlich hatte ich tatsächlich jede Nicht-Post-Game Mission im Spiel komplett von Rang D bis A gemacht, nur Rang S auslassend, bevor ich die finale Storymission angegangen bin und das Spiel zu Seite gelegt hatte. Geradezu perfekt war es eben auch, um an Tagen, an denen nicht so viel Zocking-Zeit zur Verfügung stand, mal hier und dort für eine Stunde das Ding anzugehen und ein paar der Free Missions zu absolvieren. Nicht nachdenken müssen, sich nicht anstrengen müssen, einfach auf Autopilot durchboxen und einfache Siegeserlebnisse einkassieren.

Sicherlich ein fragwürdiges Lob, aber eben ein Lob dennoch.

Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: