Modern, Approachable Dungeon Crawling: 7th Dragon 2020

ava-1993Zwei Jahre nach der Fantranslation zu 7th Dragon und wenige Monate vor dem West-Release von 7th Dragon III Code VFD waren die Internet-Götter mir hold und haben auch dem zweiten Spiel der Franchise, 7th Dragon 2020, einen englischen Patch spendiert.

Ursprünglich als Sidegame zu den Hauptspielen gedacht, deswegen eben nicht 7th Dragon II betitelt, hat dessen größere Popularität – es gab immerhin ein direktes Sequel 7th Dragon 2020-II aber nie ein 7th Dragon II an sich, wohl dazu geführt, dass es jetzt doch eines ist, vor allem wenn man bedenkt das eben das nächste Spiel bereits die römische 3 im Titel hat, sich optisch stärker an 2020 hält, und dessen Story eine Erklärung erfindet, warum das DS-Original wie 2020 für PSP trotz Inkonsistenzen in den wiederkehrenden Charakteren in der gleichen Kontinuität stecken können.

Genau genommen ist die Story von 2020 sogar zum Original identisch, nur eben in ein futuristisches Tokyo versetzt, statt in der üblichen Mittelalterfantasy: Wir starten in einer Welt voller Monster, und plötzlich regnet es Menschenfressende Drachen vom Himmel, die wir nun im Auftrag unserer Regierung besiegen müssen. Der Grund ihres Auftauchens und Heißhunger auf Menschen ist ebenfalls gleich, und die 3 mysteriösen Charaktere Takehaya und seine zwei Mädels tauchen wieder auf. 2020 hat nur weniger Nationen-weite Zusammenarbeit (wir sind sowieso komplett auf Tokyo beschränkt) und dafür einen offensichtlichen Verräter mehr zu bieten.

So wichtig ist Story in einem Dungeon Crawler aber bekanntlich eh nicht, und ja 7th Dragon 2020 ist diesmal sogar ein richtiger Dungeon Crawler. Der Erstling auf dem DS wird gern als solcher kategorisiert, aber abgesehen von der Etrian-Odyssey-esquen Charakterbäckerei war es von der Spielstruktur ungefähr so sehr ein Dungeon Crawler wie Dragon Quest III einer ist, nämlich gar nicht. 7th Dragon 2020 hingegen hat tatsächlich nur ein Hauptquartier zu bieten, in der wir mit NPCs sprechen, ausruhen und shoppen gehen können, und ansonsten ganz ohne Oberwelt nur Kerker zum Kriechen im Spiel.

Und ist als ein solcher sogar ein perfekter Einstieg ins Subgenre. Ich weiß, ich schrieb das schon letztlich zum ersten Class of Heroes, aber das hat ja noch (teilweise ignorierbare) Komplikationen wie Insta-Death, Stat-Level-Downs, Party Affinity, viele mögliche Gruppenkonstellationen, und viel zu lange Dungeons zu bieten. 7th Dragon 2020 hingegen ist da wesentlich simpler gestrickt und ohne komplexe Systeme im Vorder- noch Hintergrund ausgestattet, sondern ein launig-einfaches Spielchen für Nebenbei geworden.

Das startet schon bei der Charaktererstellung, die ich zunächst etwas ernüchternd fand. 2020 bietet einem gerade mal 5 Jobklassen an, aus denen die drei Charaktere gewählt werden können. Und bietet dann zu jeder nur 2 Avatare, einen männlichen und einen weiblichen. Oder auch nicht ganz, denn in 2020 heißen die Styles, und werden vorm Job gewählt, sprich wenn man so wie ich einen Destroyer im Team haben will, dessen offizielles Standarddesign aber dämlich findet (ganz wie Snow in FFXIII sieht er 10 Jahre zu alt und 20 Kilo zu schwer für seine Teeny-Klamotten aus), kann stattdessen den attraktiven Trickster-Avatar für seinen Destroyer nehmen. Dafür gibt es dann plötzlich satte 15 Stimmen (pro Geschlecht, also eigentlich 30) bekannter japanischer Synchronsprecher zur Auswahl – in einem Spiel, das nicht wirklich vertont ist, sondern lediglich ein paar wenige Battle Quotes beinhaltet.

Dennoch sind natürlich 5 männliche und 5 weibliche Avatare und 5 Berufe zur Auswahl einer 3er-Gruppe nicht sonderlich viel, und definitiv weniger als das Original (das hatte 7 und dazu je zwei weibliche und männliche Avatare a la Etrian Odyssey, für ein Team an 4 Mitstreitern). Doch genau das macht es eigentlich sehr Einstiegsfreundlich. Es ist echt verdammt schwer, eine Gruppe zusammenzustellen, die nicht miteinander funktioniert, wenn man eh nur 5 Jobs zur Auswahl für seine Charaktere hat, und nur 3 Charaktere zu haben ist auch simpler als eine 6er-Gruppe zu handhaben wie in Class of Heroes. Zudem sind die Namen vielleicht futuristisch-sylish passend zum Setting gewählt, die Archetypen jedoch altbekannt und erprobt. Samurai ist der DPS, Destroyer der Tank, Psychic ist der Magier (Heil- wie Destruktivmagien zusammengezogen), Hacker und Trickster sind die Supports, Hacker in Form von Buffs/Debuffs, Trickster als DPS mit zusätzlichen Statusveränderungen im Repertoire.

Auch kommt man hier nie in die Situation, dass man sich denkt rare Skillpunkte an nutzlose Skills verschwendet zu haben, weil es jene nur zu Level ups geben würde. Skillpunkte in 2020 gibt es ähnlich den Jobsystemen bei Final Fantasy nämlich mit den EXP am Ende eines jeden Kampfes, man kann sie sich also auch jederzeit ergrinden. Und die Skills sind relativ übersichtlich, werden nach und nach durch HQ-Upgrades freigeschaltet. Auch hinterm Ausbauen des Tokyoter Rathauses steht besseres Equip in den Läden, es muss also nicht mehr nach raren Monstermaterialien gejagt werden, die jene freischalten würden.

Die Dungeonarbeit bleibt ebenfalls ziemlich easy, denn nicht nur gibt es hier keinen einen Megakomplex, sondern mehrere kürzere Dungeons zur Auswahl, sondern sie bieten auch mehrere Speicherpunkte (die komplett heilen), einer davon immer kurz vorm lokalen Boss angesiedelt, sowie Warppunkte, die sobald einmalig erreicht direkt aus dem Dungeon und zu ihnen zurück bringen können. Dazu noch separat von den Jobklassen im Menü auffindbare Party-Skills, die ebenfalls einen Quick-Exit aus dem Kerker bereithalten, aber auch Heilung oder Wiederbelebung offerieren, und die anfängliche Wahl aus zwei Schwierigkeitsgraden und eine Retry-Option beim Ableben in einem Kampf (es gibt übrigens nie mehr als drei Gegner auf einmal und keine verschiedenen Reihen), und 7th Dragon 2020 sollte nie zu einer wirklich unüberwindbaren Wand führen. Selbst die Drachen zu erledigen, die funktional wie die FOEs aus Etrian Odyssey sind (sichtbare Gegner, die sich von selbst im Dungeon bewegen und in normale Kämpfe preschen können) haben weder je den nervigen Puzzle-Charakter der FOEs in EO4 oder Persona Q, noch deren Power, so dass viele davon anfänglich umgangen werden müssten. Und die Flower, die mit den Drachen die Welt überziehen? Die gibt es immer noch, sind hier aber nur Deko, statt wie im Erstling nervige Giftböden darzustellen.

Die Drachen zu besiegen bringt übrigens auch Vorteile mit sich, denn sie hinterlassen Dz. Die werden eingesetzt, um die bereits erwähnten Upgrades im Hauptquartier zu bauen. Story-bedingt sind gar nicht mal so viele davon essentiell notwendig, aber einige optionale eben schon hilfreich, wie die Industrial Area, um eben den Shops neue Rüstung zu geben, oder das Laboratory, um weitere Skills bei den Jobs freizuschalten. Andere Dinge sind eher weniger notwendig, wie die Skylounge, die ein Datingspot für Partymitglieder und NPCs darstellt, oder das Diva-Studio, damit man die BGM in Vocaloid-Lieder umstellen kann.

Viele Upgrades, sowie das Retten von Zivilisten aus den Dungeons, geben einem jedoch neue Sidequests. Normalerweise bin ich ja nicht so der große Sidequest-Typ, schon gar nicht in Dungeon Crawlern, aber bei 7th Dragon 2020 haben sie mir gut gefallen. Schon alleine weil sie meist in recht schnell wieder erreichbaren Lokalitäten einen Bonus-Drachen-Kampf oder Harvest-Item benötigen, selten ein Monster-Drop gegrindet werden musste, geschweige denn 10+ der gleichen Sorte. Außerdem Linken sie sich alle ganz gut ins Setting, denn sie haben alle was damit zu tun, wie die letzten Überlebenden in einer zerstörten Welt versuchen am Leben zu bleiben und sich neu aufzubauen. Eine Sache, die 2020 durch sein beschränkteres und persönlicheres Setting (Nur Tokyo, nur ein HQ, nur wenige NPCs) wesentlich besser rüber bringt, als der Vorgänger mit seiner üblichen großen Oberwelt mit einem Dutzend Städte voller NPCs, die überraschend chill waren, dafür das es 666 Menschenfressende Superbestien vom Himmel regnete. Trotzdem findet 2020 übrigens ein paar Momente des Spaßes, es ist also nicht alles nur düster und depressiv.

Kann es bei der Optik auch gar nicht wirklich sein, denn 7th Dragon 2020 tut sein Möglichstes, um gefällig zu sein. Der Stil von Etrian Odyssey im Vorgänger hat nicht ganz gezündet? Na dann probieren wir es eben moderner mit dem Style eines Persona 3/4 oder The World Ends with You. Die Charaktere sind alle Design wie aus einem japanischen Fashion-Magazin, die Kämpfe sind alle recht flux und haben Attacken-Cut-ins und Siegerposen der Charaktere, so dass man sie in jenen auch mal sieht. Einige Dungeons mögen zwar nur überwucherte Stadtruinen sein, andere wie Ikebukuro Railcage, Yotsuya Evernight oder Tokyo Tower sind aber schon echt cool durchdesignt und bieten gute optische Abwechslung zum Rest. Hat man Sidequests für die Story-NPCs erledigt, hinterlassen sie einem Bentos oder treffen einem am Date-Spot in der Skylounge. Hatsune Miku kann gerettet werden und öffnet damit besagte Vocaloid-BGM-Option. Die diversen aus aktuellen Anime bekannte Synchronsprecher für die Battle Grunts. Man bekommt sogar a la Persona einen Navi an die Seite gestellt. Und das Ding ist sowieso „Dutch Angle: The Videogame“, denn ich kann mich nicht erinnern eine einzelne Story-Cutscene oder Skill-Animation im Spiel erlebt zu haben, die nicht in cooler Schräglage gezeigt würde.

Ok ok, kommen wir mal so langsam zum Ende. Ich habe bereits erwähnt, dass ich nicht so der Komplettzionist bin, wenn es um Spiele geht. In 7th Dragon 2020 habe ich alle 200 Drachen erledigt, alle Sidequests gemacht, das HQ komplett ausgebaut, und alle 75 Zivilisten gerettet. Hat mich übrigens ca. 35 Stunden gebraucht, wer nicht alles machen will kann also wohl da noch mal 5 abziehen, und somit ist das Spiel auch von einer überschaubaren Länge.

All das ist wohl Anzeichen genug dafür, dass ich wirklich meinen Spaß mit dem Spiel hatte. Eben auch weil es simpel, schnell und stylish war, gab es für mich immer die Motivation doch noch ein Stück spielen zu wollen. Nie hatte ich eine Blockade, weil ich nicht wusste, wie ich mein Team entwickeln sollte. Weil ein Boss oder FOE im Weg viel zu schwer für mich war. Weil mir halb durch ein überlanges Dungeon die Lust vergangen wäre. Hoffentlich dauert es nicht wieder 2 Jahre, bis sich jemand erbarmt hat 7th Dragon 2020-II für Nicht-Mondsprachler spielbar zu machen. Und bis dahin gibt es ja demnächst 7th Dragon III Code VFD für den 3DS, welches sich hoffentlich nicht nur optisch stark an 2020 richtet, aber eventuell doch ein wenig mehr Möglichkeiten in der Charaktererstellung bieten dürfte (Spoiler: tut es).

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