Story of the Tamamayu

ava-1992Weiter geht es im Jahr von Pokemon, und zwar mit Jade Cocoon! End der 90er war immerhin der Monstersammel-Hype in vollem Gange, und jeder wollte einen Stück des Kuchens haben. Atlus modelte in ihren Megami Tenseis die Devil Children, Enix gab Dragon Quest sein Dragon Quest Monsters, Konami versuchte sich mit Azure Dreams, Tecmo bescherte uns Monster Rancher, und Bandai modelte deren Tamagotchi-Klon Digimon zu einem Pokemon-Klon um.

Auch Genki wollte 1998 mitmischen, und brachte Jade Cocoon auf die PlayStation, welches sogar weltweit lokalisiert wurde, für uns sogar mit deutsche Synchro ausgestattet, da es in die wenige Jahre nach Final Fantasy VII fiel, als man noch dachte, sowas würde sich bei JRPGs rechnen, und bevor man eines besseren belehrt wurde. Ich mein, eine gewisse Beliebtheit hat das Spiel immerhin erreicht, die PlayStation 2 sah ja auch ein Sequel, ist aber glaub ich eher so ein Kultfavorit hier, statt wirklich super bekannt. Ich hab es übrigens kurz nach Release gespielt, und konnte mich ehrlich gesagt nicht mehr an viel erinnern, nur an das Charakterdesign a la Studio Ghibli (im Gegensatz zu Ni no Kuni war es keine offizielle Mitarbeit, sondern nur einer deren Charakterdesigner von Genki verpflichtet worden), und das man beim Fusionieren der Monster ordentliche Missgeburten herausbekommen konnte.

Ach ja und an die kurze Spielzeit. Die sich jetzt beim Replay sogar als noch kürzer herausstellte wie gedacht, man kann Jade Cocoon nämlich ordentlich in 8-10 Stunden bereits beendet haben. Fand ich eigentlich ganz gut so, denn das schnörkellose Gameplay und doch eher limitierte Setting geben nicht unbedingt viel mehr her. Und es ist einfach mal schön ein JRPG zu haben, welches weiß, wann es keine längere Spielzeit mehr unterstützen kann, statt wie viel häufiger 50 Stunden an einem Ding zu sitzen, das besser nur die halbe Spielzeit gehabt hätte.

Wenn ich es genau betrachte hat Jade Cocoon sogar eher die Struktur eines Dungeon Crawlers. Denn es gibt nur eine Stadt mit wenigen Etablissements, und von diesem zentralen HQ aus geht es in die vier verschiedenen Wälder. Die sind allerdings realtiv kurz, mit nur wenigen Bildschirmen, und netterweise sieht man die Gegner auch jederzeit herumlaufen, kann ihnen also in der Theorie auch mal ausweichen, wenn auch die Praxis der eng gesteckten Wege auf den vorgerenderten Bildschirmen dies nicht ganz so häufig zulässt. Ein Boss am Ende und ab geht es in das nächste Einsatzgebiet, nachdem man kurz in der Stadt vorbeigeschaut hat, um den neuesten Tratsch der NPCs zu hören, und seine Pokemon zu stärken.

Warum das alles Wälder sein müssen, das erklärt sich auch durch sein Setting. Jade Cocoon erinnert mich da etwas an Nausicaä, und das liegt nicht nur am Charakterdesign und dem coolen Anime-Opening mit den Rieseninsekten. Denn auch hier spielt die Geschichte in einem abgeschiedenen Dorf, das eben von bedrohlichen Wäldern umgeben ist. Nur gibt es hier dazu eine Legende, darüber wie Gott die Naturgeister schuf und jene dann gegen seinen Willen die Menschheit. Und dann kam der Sündenfall, als die beiden sich miteinander mischten und all der bekannte Kram, der immerhin für ein JRPG dann dennoch nicht zu ausgelutscht ist. Jedenfalls leben die Menschen nun unter konstanter Bedrohung der in den umgebenden Wäldern lebenden Monster. Jedoch gibt es die Kokonmeister, die sie mit ihren Melodien fangen und zum Kampf gegen die wilden Monster führen können. Nur da sie sich in jene verbotenen Wälder begeben und mit den Monstern hantieren, sind sie trotz ihrer Beschützerrolle alles andere als hoch angesehen, und die Frauen aus dem Minderheitenstamm, mit denen sie verheiratet werden, da nur jene unter physischen Schmerzen die Kokons reinigen können, schon mal gar nicht. Jade Cocoon ist keine wirklich fröhliche Geschichte in einem bunten Japano-Setting. Und wie gesagt, für ein Spiel von 10 Stunden reicht jene Legende als cooles Grundsetting aus, sowie wären längere und mehr Wälder durchstreifen zu müssen (auch so schon muss man im Spiel die existenten Wälder doppelt begehen) eher langweilig geworden. True Fans dürfen sich anschließend eh am Eternal Corridor versuchen, der so lang gespielt werden darf, bis einem Jade Cocoon wirklich zum Halse raushängt.

Aber natürlich besonders wichtig ist, wie im Spiel die Monster funktionieren. Die können wie gesagt durch die Melodien von Hauptcharakter Levant gezähmt und dann in den Kokons gefangen werden. Maßgeblich ist hier wie in Pokemon wie sehr sie geschwächt wurden, ganz anders als in Pokemon aber auch der Levelunterschied zwischen ihnen und Levant. Natürlich ist Levant kein Kämpfer, er kann es zwar theoretisch auch tun, was jedoch meist ein schneller Weg ins Game Over ist und deswegen lieber die Monster kämpfen sollten, doch je mehr Monster Levant einfängt, um so höher steigt sein Level und damit die Wahrscheinlichkeit höherlevelige Monster fangen zu können. Monster an sich unterliegen den üblichen 4 Naturelementen, die in einem Kreis gegeneinander super effektiv sind. Wobei jedoch nur ein Monster auf Levants Seite gleichzeitig kämpfen kann und nur 3 im aktuellen jederzeit austauschbaren Team sind. Das lässt natürlich nur Platz für 3 der 4 Elemente, und hier kommt das Kombinieren der Monster hinzu.

Zwei Monster zusammengeworfen ergibt einen Hybrid der beiden. Auch optisch wirft es die Körperformen der beiden zusammen, was häufiger eher zu einem Eldritch Horror führt oder einem Ergebnis, dem man ansehen kann, dass es so nicht weiterleben will, statt einem knuffigen oder coolen Taschenmonster. Wem die Optik egal ist, der schaut lieber auf das Wertewachstum. Denn Defensive und Schnelligkeit sowie Physische und Magische Angriffskraft stehen in einem Tauziehen miteinander, und das Ergebnismonster macht eigentlich nur Sinn, wenn es sich da in jeweils eine Richtung spezialisiert, statt den Mittelweg zu suchen und somit bei allen Statuswerten kaum zu wachsen. Allerdings ist dies auch eine gute Möglichkeit, um Elemente miteinander zu mischen, wobei das je nachdem, wie viele im Vieh stecken, natürlich die individuellen schwächt. Ich fand es zumindest recht brauchbar zwei reine Elemente mitzuhaben, und dann auf dem dritten Slot ein Digimon zu setzen, das die verbliebenen beiden abdeckt, so das ich jeden Gegner kontern konnte. Immer alles fangen und halbwegs brauchbar miteinander mutieren lassen, und das Spiel ist auch nicht sonderlich schwer, sondern recht zügig ohne Grinding zu schaffen.

Mir hat Jade Cocoon: Die Tamamayu-Legende jedenfalls erneut gut Laune bereitet. Es ist vielleicht keiner der großen Klassiker, aber schon ein etwas übersehenes Kleinod auf dem System. Mit einem ganz interessanten Setting, schneller und unkomplizierter Spielweise, und ein wenig Monsterzucht-Fieber macht es das zu einem netten Happen für Zwischendurch. Da gab es wesentlich schlimmeres im Fahrtwasser von Pokemon.

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