Stardew Valley

ava-1989Stardew Valley ist der neueste Indie-Liebling, der wie eine Kanonenkugel aus dem Nichts eingeschlagen ist. Oder wohl glaub ich schon wieder nicht ganz, sondern war der Indie-Liebling aller bis vor Kurzem, dessen 15 Sekunden Internet-Ruhm wohl mittlerweile schon wieder von Hyper Light Drifter abgelöst wurden. Im Prinzip ist es Harvest Moon, aber eines, das von der Masse geliebt wird, was bei Harvest Moon in den letzten Handheld-Jahren etwas schwerer geworden war. Die Popularität sieht man auch an den diversen Mods neben den Updates des eigentlichen Entwicklers, die das Netz unsicher machen, und von Gameplay-Änderungen wie vereinfachtes Fischen oder mehr Gemüsesorten bis hin zur Kosmetik wie Tiere mit Pokemon zu ersetzen oder den Charakterportraits mehr Sexappeal zu geben alles abdecken.

Auch ich habe mich davon gefangennehmen lassen, in Version 1.05 falls es interessiert (seither hat sich aber glaub ich zumindest von offizieller Seite weniger getan, abgesehen der besseren Hälfte nach der Heirat mehr Gesprächsoptionen zu geben), habe Anfang März begonnen und das Spiel in drei Wochen bei 55 Stunden Spielzeit durchgeprügelt. Oder zumindest so weit, wie dieses Spiel überhaupt ein Ende hat, denn es gibt weder einen echten Endpunkt noch irgendwann mal Credits, jedoch nach 2 ingame Jahren am ersten Tag des 3. Jahres ein kleines Ereignis mit einer Evaluation wie gut man war. Ganz Harvest Moon recht relaxt, ich hatte sozusagen volle Punktzahl, ohne es partout darauf anzulegen, und auch ganz Harvest Moon ist danach allerdings etwas die Luft raus.

Für mich zumindest. Denn am interessantesten an den Spielen ist ja immer auf etwas hin zu arbeiten. Genug Geld machen, um sich die Saat in der nächsten Jahreszeit zu kaufen, zu sehen was es da überhaupt alles neues gibt. Die Setzlinge für die Obstbäume unter die Erde bringen, damit sie im nächsten Jahr Früchte tragen können. Ställe für die Tiere bauen, um mit deren Zucht zu beginnen. Das eigene Haus auf Vordermann zu bringen und mit genug Stalking und Geschenken den ausgesuchten Stadt-NPC in die Heirat zu Stockholm-Syndrom-en. Sobald ich dann allerdings alle Saat mal gesehen hatte, sobald durch Sprinkler die Felder von selbst sich geregelt bekamen, sobald ich verheiratet war, das Haus ausgebaut, das Dorfgemeinschaftshaus wieder hergerichtet, im Prinzip alles mal gesehen und gemacht hatte eben, ist bei mir dann immer so ein wenig die Luft raus, wenn alles bekannt ist und nur noch zum Selbstzweck läuft. Deswegen kann ich glaub ich Stardew Valley nun ruhigen Gewissens hinter mir lassen, in den letzten 2 Wochen habe ich es zumindest, so sehr ich die 3 davor am Süchteln war, wenig vermisst. Dafür war ich für diese Wochen eben umso eingenommener vom Spiel, hatte ich wie in diesen 55 Stunden schon lange nicht mehr so viel Spaß mit einem Harvest Moon. Und ich hab erst Anfang diesen Jahre mit Hero of Leaf Valley, das mir wesentlich schneller langweilig wurde, einen Direktvergleich gehabt. Stardew Valley füllt sich nämlich erstaunlich gut mit Content. Statt es wie Harvest Moon entweder ewig lang zurückzuhalten oder nach der Hälfte der Spielzeit schon alles gezeigt zu haben, hatte ich bei Stardew Valley bis kurz vor Schluss eben immer noch was, worauf es hinzuarbeiten ging. Und theoretisch hab ich auch noch nicht wirklich OCD-alles erreicht, ein paar Fische hab ich noch nicht gefangen, nie die Gerichte gekocht, alle NPCs in der Stadt befreundet, oder jeden Gegenstand einmalig verkauft.

Dabei war mein Ersteindruck von Stardew Valley noch nicht mal ganz so geil. Die ersten ingame Spieltage schien mir das alles ironischerweise zu viel zu sein. Das Farmland zu groß, das Tal zu weitläufig, zu viele zu weit auseinander liegende NPCs. Und dabei hatte das Spiel damals die Minen, die Wüste, und kleine Nebengebiete des Tales nicht freigeschaltet gehabt. Zudem mag ich den Grafikstil nicht so ganz. Stardew Valley hat diesen typischen RPG Maker bzw. Indie 2D-Look. Ihr wisst schon, derjenige der nicht aufhört sich mit dem SNES aus Nostalgie-Zwecken zu vergleichen, aber nie so wirklich „richtig“ aussieht, die Sprites sehen irgendwie falsch aus (und sind teilweise regelrecht hässlich, gerade für einige Tiere), alles in der Welt ist irgendwie zu groß und lang, die Proportionen einzelnen Teile fassen nicht ganz, manches sieht aus als hätte jemand SNES-Sprites als Grundlage genommen und dann Details angefügt und nicht den Punkt gefunden wann es genug war. Ich weiß nicht, ich finde Stardew Valley bis jetzt nicht wirklich hübsch anzusehen (abgsehen der Void Chicken und Slimes :3), aber über die Spielzeit hab ich mich dran gewöhnt, und nach der ersten ingame Woche war ich wirklich voll in das Spiel absorbiert.

Es gibt auch viele niedlich kleine Details im Spiel. Beispielsweise wedelt der Hund (sofern man zu Spielbeginn nicht angegeben hat eher eine Katzen-Person zu sein versteht sich) mit dem Schwanz, wenn man ihm nahe kommt. Oder sollte man später ein Pferd haben, welches die Wegstrecken im Tal wesentlich reduziert, es aber an der Bushaltestelle stehen lassen, während man jenen zur Oase nimmt, so gibt es nach der Rückkehr eine kleine „dein loyales Pferd hat pflichtbewusst auf dich gewartet“ oder „[Name] wunderte sich schon, wo du bleibst“ Textbox. Auch haben wie erwähnt die Heiratskandidaten etwas mehr Persönlichkeit. Sie sind zwar immer noch hoffnungslos eindimensionale Archetypen, aber nach der Heirat eben nicht wie in Harvest Moon bessere Deko. Stattdessen gibt es anschließend einen kleinen Schlafzimmer-Anbau, in dem sie einige ihrer „das ist mein einer Character Trait“ Sachen unterstellen, sie bewegen sich etwas mehr auf der Farm herum, und helfen auch morgens mal bei der Farmarbeit.

Und das Angel-Minispiel ist super geil. Im Internet gibt es wohl seit Beginn böse Beschwerden darüber, dass es viel zu schwer ist, aber ich hab das (fast) nicht wirklich nachvollziehen können. Ich mein, wie alles in Stardew Valley so ist auch das Angeln an einen eigenen Skill gebunden, der natürlich etwas durch tätigen jener Aktivität erst erhöht werden muss, um besser zu werden, aber so super schwer fand ich das Angeln ehrlich gesagt nie. Oder fast nie, einen der Fischlegenden oder zwei oder drei andere Arten an Land ziehen zu wollen, ist schon echt frustrierend und teilweise auch echt Glücksabhängig. Da fangen sich selbst ein paar Fischlegenden wie der Angler oder Mutant Carp wesentlich einfacher als der Normalo-Fisch Lava Eel oder Octopus. Aber abgesehen davon hatte ich noch nie in einem Videospiel ein so launiges Angel-Minispiel wie hier.

Auch sehr schön ist, wie viel Streamlining es im Spiel gibt, um einige Aktivitäten eben wesentlich weniger nervig zu gestalten. Es muss hier nicht mehr jeden Tag jeder NPCs aufgesucht, angechattet, und evtl auch noch beschenkt werden. Mehr als zwei Geschenke pro Woche können eh nicht gegeben werden, dafür geben die aber auch enorm viele Freundschaftspunkte, so dass einen davon auch mal ein oder auch drei Tage nicht zu erwischen und ansprechen zu können auch kein großes Ding ist. Die Herzevents der Heiratskandidaten sind ganz nett, aber auch nicht essentiell notwendig gesehen zu sein, um sie heiraten zu dürfen. Es gibt eine Info, wann immer ein Fest und wo es gerade gestartet ist. Die höchst ausgebauten Ställe haben eine Auto-Futter-System, sowie machen es die Sprinkler mit der Feldarbeit wesentlich einfacher, da das Gießen wirklich der größte Zeitaufwand in der ganzen Sache ist.

Alles ist natürlich nicht perfekt in Stardew Valley. Wie gesagt hätten einige Sprites definitiv noch mal ein Redesign benötigen können, gerade was die Tiere angeht. Und wo wir bei Tieren sind: Viele davon zu haben ist eh wenig praktikabel im Spiel, da sie einem das Gras vom Kopf fressen und so gute Produkte nun auch nicht abwerfen, gerade an ihrem Arbeitsaufwand gemessen. Ich bin jetzt auch nicht der größte Fan vom Dungeon Crawling gewesen, oder hätte zumindest gut gefunden, wenn Minen zum Monsterschnetzeln und welche zum Erzabbau getrennt gewesen wären, aber weitestgehend ist das Monstermorden simpel geraten und nicht zu aufdringlich im Spielgechehen. Und immerhin ist die Schleimfarm echt niedlich, wenn auch nutzlos. Nett wäre es gewesen, wenn es einfacher wäre an Haus-Deko zu kommen. Bei der Tischlerin gibt es jeden Tag random ein kleines Angebot an Möbeln, und an Tapete und Böden im Supermarkt auch nur je eines zu Auswahl. Da das Glück zu haben was brauchbares zu finden kann durchaus dauern.

Egal, unterm Strich kommt raus: Hey, interessiert an einem Harvest Moon und du weißt nicht, wo zu starten bzw. hast die Serie aus den Augen verloren oder bist sie leid geworden, würdest aber gern wieder einsteigen? Vergiss Harvest Moon. Vergiss Story of Seasons. Hol die Stardew Valley und sei glücklich.

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