Class of Heroes

ava-1979Class of Heroes von ZeroDiv war eine kurze Weile lang extrem gebärfreudig. Zwischen dem ersten Spiel von 2008 und dem letzten, New Class of Heroes: Chrono Academy, in 2012 vergingen gerade mal vier Jahre und ein Monat, doch in jener Zeit schaffte es die Franchise auf satte 5 Einträge plus 3 Ports. Dann hat sich ZeroDiv dem ab und lieber Visual Novel Hakuoki und dem Kerkerkriecher Mind=Zero zugewandt… und sich in letzter Zeit glaub ich nicht mehr gerührt. Oder zumindest nicht nennenswert, deren Homepage weist für die letzten Jahre nur News über iOS/Android-Releases auf.

Außerdem gibt es wohl ein paar Unklarheiten zwecks Class of Heroes sei ein Reskin der Wizardry Xth Spiele, die eigentlich von Team Muramasa sind, die wiederum darauf bei sich selbst geklaut die Generation Xth Trilogie machten. Wizardry Xth ist so ziemlich „Wizardry goes super anime“, womit Class of Heroes eigentlich auch ganz gut beschrieben wäre. Oder sogar noch etwas besser „Elminage goes super anime“, doch dann ist Elminage wiederum nur ein Selbstklau von Starfish ihres vorigen Wizardry Empire IIIs und der Kreis schließt sich.

Gleicheiten zu Wizardry wären. Die Rassen und Jobklassen mögen teils andere Namen haben, sind letztendlich aber alle recht kongruent mit dem laufend, was einem Wizardry VI zur Verfügung gestellt hat. Monster werfen haufenweise unidentifiziertes Loot um sich. In Dungeons getroffene Gegner sind nicht immer sofort bekannt. Und natürlich können Statuswerte beim Level up sich sogar verringern. Deren Auswürfeln von Bonuspunkten am Anfang ist natürlich auch bekannt. Wiederbelebung kann fehl gehen und in Asche verwandeln, und wenn die ganze Gruppe stirbt, liegt sie im Dungeon rum und muss gerettet werden, statt das sie tot in die Stadt gewarpt wird.

Sachen, die sich eher Elminage ausgedacht hat: Es gibt nicht nur ein Dungeon, sondern gleich ein ganzes Dutzend mit mehreren „Städten“ dazwischen. Außerdem ist das Geschehen stark Quest-basierend. Alchemy ist ein nicht zu unterschätzender Punkt. Wiederum eher an Wizardry: Tale of the Forsaken Land erinnert das Affinity-System. Nicht jeder ist gern mit jedem im Team. Good und Evil beispielsweise mögen sich nicht. Elfen und Zwerge kommen nicht miteinander aus. Keiner mag Diablos. Und ein Team mit guter Affinity kämpft nicht nur besser, sondern hat auch gute Gambit-Gruppenattacken drauf, die schon mal so einen Boss tatsächlich innerhalb einer oder zwei Runden ins Nirvana befördern können.

Was mal gar nicht Elminage oder Wizardry ist, ist jedoch die Tatsache, dass Class of Heroes sich ziemlich easy spielt. Nach der üblichen Hürde jedes Dungeon Crawlers der ersten paar Charakterlevel bewegt es sich schon relativ einfach durch das Spiel. Zumal mit Alchemie hergestellte/aufgebesserte Waffen ziemlich pwnen können, und speichern darf man sowieso überall, falls doch mal was schief läuft. Insta-Kill hab ich selten erlebt, Level gedrained hab ich gar nicht bekommen. Erst der finale Boss ist wieder eine richtige Hürde, denn ihre Kraft und Selbstheilung bedeuten quasi, dass man sie in knapp 2 Runden umnieten muss, weil man sonst auf keinen grünen Zweig mehr kommt. Wer nicht powerleveln/alchemisieren betrieben hat, dessen einzig vernünftige „Strategie“ für sie ist tatsächlich zu hoffen, dass ein starkes Gambit trifft, statt daneben haut, und zu Kampfbeginn die Bössin wenig genug HP rollt, um dann eben auch schnell zu Fall gebracht zu sein. Das ist schon ein recht schlecht designter Boss.

Was wäre sonst noch von Interesse? Joa, die Dungeons an sich wohl. Zum einen ist interessant, dass es keine BGM beim Erkunden in ihnen gibt, sondern nur für die Kämpfe, währenddessen nur Ambiente läuft, sprich man hört Zeug knarzen und knacken oder ein Monster brüllen. Dafür ist das eigene Team um so quietschiger, nicht nur bei jeder Attacke, sondern auch einfach durch ihre Porno-Geräusche, wenn man versehentlich in eine Wand rennt oder auf eine Bodenfalle tritt. Zudem gibt es nicht nur satte 12 Dungeons von je 3 bis 7 Stockwerken, sondern bei jedem Betreten wird auch eines von 3 möglichen Layouts gewählt. Was führt dazu, dass man selbst bei einem schon bekannten Dungeon beim erneuten Besuch plötzlich eine noch leere, unerkundete Karte vor sich haben kann. Genau wie sich einige Dungeons ein paar Stockwerk-Layouts teilen können, und man bei einem neuen Dungeon somit schon mal ein komplett kartographiertes vor sich hat. Letztendlich führt das für mich hauptsächlich zu einem Problem, welches auch Elminage schon hatte: In Class of Heroes steckt zu viel drin. Zwölf Dungeons mit mehreren Stockwerken ist echt einfach viel, wenn die vage Randomisierung dann auch noch mehrere Erkundungsrunden voraussetzt und dazu führt, dass die Dungeons austauschbar und wenig designt wirken, ja da geht einem halb durch eines der längeren auch schon mal die Puste aus.

Das größte Problem an Class of Heroes hingegen ist schlichtweg, dass es „nur nett“ ist, und in nichts sich auszeichnet. Elminage, aber ohne so gemein zu sein oder das nette Gegnerartwork aufzuweisen. So Anime wie Etrian Odyssey, dabei aber ein generischerer Look und nicht so modern (und mit nur einem männlichen/weiblichen Avatar pro Rasse!). Wie Wizardry, aber eben nicht so cool, launig und geil inszeniert wie Tale of the Forsaken Land. Nicht mit dem Dungeon-Design oder der genialen Optik von The Dark Spire. Ein gutes „Baby’s first dungeon crawler“, aber dennoch nicht ganz so simpel und einstiegsfreundlich wie Shining in the Darkness. Trotz des leicht humorigen Einschlags in Gegnerdesign und Texten nie charmant oder witzig genug, um wirklich aus den ernsteren Genrevertretern herauszustechen.

Japan hat in der letzten Dekade sicherlich keinen Mangel in der Produktion von Dungeon Crawlern aufgeboten, und da fällt Class of Heroes nicht unter die schlechteren, weswegen ich es locker vor einem Elminage oder Wizardry das nicht Tale of the Forsaken Land heißt spielen würde, aber eben gibt es auch eine ganze Reihe besserer und coolerer Spiele, die wahrscheinlich vorher bespielt werden sollten. Ich war nie wirklich genervt von Class of Heroes und es ließ sich wirklich angenehm nebenher runterspielen, doch geflasht hat mich das generische Ding halt eben auch nie. Es ist eben einfach da. Ich wäre weder abgeneigt bei akuter Langeweile die Sequels zu spielen, noch hätte es mir wehgetan, wären jene nie lokalisiert worden.

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