VirtualBoy Ventures: Jack Bros.

ava-1955Und der nächste Handheld. Mitte der 90er war eine seltsame Zeit für Videospiel-Konsolen. Die 2D/16bit-Zeiten klangen aus, 3D/32bit startete, es gab viele auf den Markt gekommene Mitbewerber, die sich nicht durchsetzen konnten, sowie Addons zur unerfolgreichen Lebensspannenerweiterung alter Konsolen. Doch wohl die bekannteste Pleite war Nintendos VirtualBoy, der unkomfortable 3D-Handheld (richtiges 3D wie in Nintendo 3DS, nicht 3D-Grafik wie in PlayStation) mit dem schwarz-roten Bildschirm, der von Game & Watch und GameBoy-Schöpfer Gunpei Yokoi selbst entwickelt und Mitte 1995 auf den Markt gebracht wurde.

Statt das erhoffte neue Wundersystem mit 3 Millionen abgesetzter Einheiten bis Jahresende, welches Nintendo erwartete, verschwand der Handheld gut ein halbes Jahr nach Release wieder von den Märkten Japans, wo 19 Spiele für ihn erschienen, und der USA mit 14 Spielen (nach Europa kam er gar nicht erst), brachte es insgesamt auf eine Bibliothek von 22 Spielen, und nicht mal einer ganzen Millionen abgesetzter Systeme.

Atlus war schon immer mit dabei mit Megami Tensei alle erdenklichen Systeme zu bedienen, sowie vor Reinfällen keine Scheu zu haben – man siehe auch Shin Megami Tensei NINE, ein Japan-exklusives RPG für die dort ungefähr drei Einheiten abgesetzte XBOX. 1995 brachten sie das niedliche Spinoff Jack Bros. auf den Augenkrebs-Handheld, lokalisierten es sogar für Nordamerika, womit es ein Jahr vor Revelations: Persona offiziell das erste MegaTen ist, welches Japan verließ.

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Das Ding hat sogar eine nette, kleine Story: Zu Halloween können die Feen aus ihrer Welt in unsere kommen, um mit den Kinder Schabernack zu treiben, nur haben sie sich zeitmäßig verplant und müssen nun einen Abkürzung durch das gefährliche Labyrinth nehmen, um rechtzeitig die Rückkehr zu schaffen. Spielbare Charaktere sind Atlus-Aushängeschild Jack Frost, Jack Lantern (Pyro Jack in späteren Lokalisationen) und Jack Ripper (Jack Skelton hier), die ja in SMT alle zur Fairy-Familie gehören. Als geheimer Charakter kann sogar Pixie gespielt werden. Alle Charaktere unterscheiden sich leicht in Stärke, Geschwindigkeit, und Spezialattacke.

Und durch was für ein Spiel gehen die? Auch hier geht es durch endlose Labyrinth-Gänge, doch anstatt in einem rundenbasierten RPG in First Person lieber aus der Vogelperspektive in einem Action-Puzzler der Marke Twin-Stick-Shooter. Der VirtualBoy hatte nämlich zwei Steuerkreuze, was Gunpei Yokoi später auch für den WonderSwan wieder einplanen sollte. Mit einem davon bewegt man in Jack Bros. seinen Charakter, mit dem anderen Steuerkreuz schießt man währenddessen automatisch in die vier Himmelsrichtungen. Einer der Buttons schießt zwar auch automatisch in die Blickrichtung, aber mit schwereren Gegnerkombinationen wird es natürliche dennoch irgendwann essentiell die simultane Nutzung beider Steuerkreuze zu beherrschen.

Auf jedem Stockwerk geht es letztendlich darum alle Schlüssel einzusammeln, die teilweise rumliegen, teilweise von besiegten Gegnern gedroppt werden, um die Ausgänge auf die nächste zu öffnen, bis es auf dem letzten Level einer Welt gilt den Endgegner zu erlegen. Nach 6 Welten und insgesamt 60 Stockwerken ist das Spiel vorüber. Der wahre Gegner ist übrigens die Zeit, denn für jede Welt bleiben einem nur X Sekunden, um alle Stockwerke zu erledigen, und jedes Nehmen von Schaden, ob nun per Bodenfallen, Gegnerberührung, oder deren Attacken, subtrahiert dort je nachdem 5 bis 30 von. Natürlich gibt es Hilfen in Form von Timer-Plus-Drops, Unbesiegbarkeit, oder eine gewisse Anzahl von Spezialattacken-Einsätzen.

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Während anfängliche Gegner wie beispielsweise die Slimes noch relativ lethargisch bleiben, werden die selbstredend immer kniffliger. Elf schießt stationär mit Pfeil und Bogen, Furin hat ein Schild und kann nicht von vorn geschadet werden, Nekomata dasht auf einen zu, Goblin kopiert Bomberman etc. Die Bossgegner häufig sind nicht nur eine Sache dessen, wie gut man ihren Attacken ausweicht, sondern auch bereits genug Grund-Restzeit dabei zu haben. Ein Time-Out führt übrigens dazu, dass die aktuelle Welt komplett von vorn gestartet werden muss. Was im anfänglichen Pixie Forest nur 4 zu wiederholende Stockwerke bedeuten würde, wäre im finalen Crystal Palace gleich satte 20. Und der finale Boss ist echt fies, selbst mit vollen x9 Special Attacks.

Überrascht war ich ja etwas, wie verdammt gut das Spiel ausschaut. Ich mein sobald man sich an die seltsame Kolorierung gewöhnt hat natürlich. Die Cutscenes zu Beginn und Ende sind detiallierter als ich erwartet hatte, und sogar mit vielen netten Animationen bestückt. Der VirtualBoy war letztendlich ja doch ein leistungsstarker Handheld, sieht somit also häufig aus wie ein schwarz-rotes SNES.

Jack Bros. ist letztendlich ein wirklich launiger und charamnter Action-Puzzler gewesen, und für jemanden wie mich natürlich mit dem Zusatzbonus viele MegaTen-Dämonen in niedlicher Form wiederzusehen (das Ending stellt sie noch mal alle vor). Könnte sich Nintendo ruhig mal drum kümmern, sowas auf die 3DS VC zu bringen, hee ho!

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2 Kommentare

  1. Oha, erst Game Gear, jetzt Virtual Boy. Welchen ungeliebten Handheld nimmst du als nächstes unter die Lupe? Die PlayStation Vita? :D

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