Superhero Sunday – Birdman

ava-1943Das (vorläufige?) Ende meines Superhero Sunday Reboots läutet ein Film ein, der gar kein Superhelden-Film ist. Sollte aber auch nicht weiter verwundern, denn Birdman (or The Unexpected Virtue of Ignorance) war mit 9 Nominierungen und 4 Gewinnen der Sieger der Oscars (zusammen mit Grand Budapest Hotel), und wann würde schon je ein Superhelden-Film bei den Academy Awards auftauchen?

Michael Keaton Riggan Thomson war mal ein ganz großer Star in den 90ern, denn immerhin war er Batman Birdman. Als er allerdings von jenem Mainstream abspringen und als seriöser Akteur Achtung gewinnen wollte, verschwand er ziemlich schnell aus dem Auge der Öffentlichkeit, kann jetzt nur noch neidisch zusehen, wie durch den Superhelden-Boom des neuen Jahrtausends die Downey Jr.s, Hemsworths und Evans dieser Welt Millionen verdienen.

Doch Thomson ergreift seine sozusagen letzte Chance. Er ist beim Broadway, hat ein eigenes Stück geschrieben, in dem er selbst spielen wird. Große Kunst, nicht sinnfreies Hollywood. Nur muss das Stück überhaupt noch Erfolg haben, denn es stehen gerade mal die Proben an.

Die 2 Stunden Birdman decken dabei so ziemlich genau den Zeitraum von den ersten Proben vor richtigem Publikum bis zur Eröffnungsnacht ab. Zeigen Thomsons langsamen Absturz, als sein letzter Versuch doch wieder relevant zu werden zu scheitern droht. Die Streitereien der anderen Akteure hinter den Kulissen. Das schizophrene hin und her das Theater als höhere Kunst über Hollywood-Schund zu sehen, jedoch gleichzeitig der Neid da dort das wahre Geld gemacht wird. Alternde Schauspieler in einer immer schnelllebigeren Welt, die neue Auswüchse um sich im Auge der Öffentlichkeit zu halten, nicht nachvollziehen können. Der Verlust von Würde und Achtung des Filmindustrie, jetzt wo Social Media einen für nichts berühmt machen kann, das Ende der erhabenen Stars aus dem goldenen Zeitalter.

Es ist also ziemlich klar, warum Birdman (or The Unexpected Virtue of Ingorance) ziemlich beliebt bei der Academy ist. Denn es ist ein Film übers Schauspiel, mit ein wenig Anklage ans Mainstream-Hollywood, welches bei den Awards niemals Chancen haben würde. Und eben eine Charakterstudio, gleichzeitig Drama wie unterschwellig humorig. Zusammen mit dem Aufhänger alles wie einen durchgängigen Shot wirken zu lassen, in dem es (fast) keine harten Cuts gibt, sondern immer jemandem in die nächste Szene gefolgt wird.

Droht also fast zu prätentiös zu werden? Überraschenderweise nicht. Birdman ist gefällig, denn der universelle Drang dem eigenen Leben eine Bedeutung zu geben, funktioniert. Die verqueren Charaktere und der trockene Humor helfen das Ding lebendig zu halten (denn wenn man es genau betrachtet, besteht der Großteil des Filmes daraus, dass Charaktere sich anschreien oder indifferent sind). Und wir mögen unsere Underdogs wie Thomson sowieso, denen das Leben scheinbar nur Steine entgegen wirft. Das Birdman zusätzlich super geschauspielert ist und echt coole Mucke aufweist, ist da noch Bonus obendrauf.

birdman

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