Metal Gear? Metal Gear!

ava-1931Ok, so ich habe jetzt meine Jungfräulichkeit gleich doppelt verloren. Metal Gear ist das erste Spiel in der Franchise, welches ich gespielt habe, sowie das erste MSX-Spiel. Hideo Kojimas erstes Projekt in leitender Position nach ein paar kleineren Arbeiten an vorigen MSX-Spielen von Konami.

Ich find es ja herrlich den frühen Pre-Karriere-Weg von Kojima nachzulesen. Es ist einfach so perfekt. Der Mann wollte Schriftsteller werden, bekam aber nichts veröffentlicht, weil seine eingesendeten „Kurzgeschichten“ 400 Seiten lang waren, und somit das Vierfache der gewünschten Zahl. Dann wollte er Filme machen, ist allerdings doch beim Game-Design gelandet, war aber nie ein sonderlich guter Programmierer. Das passt einfach so perfekt zum Ruf seiner Spiele lieber Filme sein zu wollen und sich ums Verrecken nicht kurz fassen zu können. Nicht zu vergessen, dass immer mittel bis extrem starke Einflüsse von US-amerikanischen Filmen und Serien zu sehen sind, die Kojima zur Zeit gerade toll fand.

Metal Gear ist natürlich interessant weil es eines der ersten Stealth-Spiele ist, das häufig belohnt die Gegner zu umgehen statt in direkter Auseinandersetzung zu konfrontieren. Und das scheint auch fast eher zufällig so zu sein, und mehr ein Produkt dessen, dass das MSX2 keine sonderlich gute Plattform für Action ist – bezeichnend hätte Kojima lieber am NES gearbeitet, und sein anderer früher Erfolg Snatcher ist bietet eigentlich fast gar keine – woraufhin Kojima Escape from L.A. als Inspiration hinnahm statt beispielsweise Rambo. Wäre Metal Gear eine Vogelperspektiven-Variation von Contra gewesen, hätte es sich vielleicht nie so hervorgetan.

Aber mal zum eigentlichen Spiel. Solid Snake bekommt also den Auftrag von Big Boss, den feindlichen Stützpunkt Outer Heaven zu infiltrieren, um die nukleare Superwaffe Metal Gear auszuschalten. Das war es an Handlung schon fast, die sowieso in ein paar wenigen der ikonischen Codecs erzählt wird, sowie ein oder zwei geretteten NPC-Textboxen – die meisten davon sind hingegen eher Hints fürs Spielen. Es gibt eine Wendung gegen Ende, was in bester Kojima-Manier ganz nett gedacht ist, aber vielleicht in der Exekution nicht komplett logisch durchdacht wurde. Dennoch nett, dass es nicht ganz so einfach ist, wie es zunächst ausschaut.

Wir bewegen Snake also durch die paar Gebäude der Anlage, über mehrere Stockwerke, auf die Dächer, durch die Höfe und Wüsten, die sie verbinden. Essentiell ist hierbei, dass man möglichst viele der Gefangenen befreit, da hierdurch Snakes Rang steigt, wodurch er wiederum mehr Heilgegenstände und Munition tragen kann. Natürlich kann man fast alle normalen Gegner auch umgehen oder vor ihnen selbst bei Sichtung fliehen, doch an den Bossen gibt es kein vorbei, und viele können effektiv nur mit einer gewissen Anzahl an gewisser Munition erledigt werden, besonders Metal Gear benötigt einen vollen Rang. Aufzustocken ist allerdings nicht sonderlich schwer, denn im Spiel respawnen nicht nur die Gegner, wenn man einen Raum verlässt und neu betritt, sondern auch die Gegenstände.

Gerade wenn man die Gegner möglichst umgehen will, ist Metal Gear plötzlich fast ein Bewegungs-Puzzle. Witzig vor allem, dass die Opposition nur geradeaus in einer strickten Linie sieht, sobald man ein paar Pixel seitlich von ihnen steht, bemerken sie Snake nicht, selbst wenn er direkt neben ihnen ist. So lässt sich doch mal leicht einer ausknocken, der doch zu sehr im Weg ist. Natürlich wird die Anzahl und die Bewegungsmuster der Gegner mit der Zeit schwerer, jedoch findet man auch schnell die Pappschachtel und den Silencer, durch die das wieder etwas einfacher wird. Gespeichert werden kann sowieso überall und jederzeit.

Die wahre Schwierigkeit bei Metal Gear ist viel eher seinen Weg zu finden. Besonders im späteren Spielverlauf, wenn viel Backtracking nötig ist. Wie gesagt geben einem gerettete NPCs ein paar Tipps, doch manchmal steht man echt im Regen da, und in den doch sehr ähnlichen und verschachtelten Gebäuden ist es selbst wenn man weiß, wo man nun hin zurück muss, nicht immer so einfach sich zu erinnern, wie genau dort hinzukommen wäre. Das wäre eigentlich mein Hauptkritikpunkt am Spiel, welches ansonsten für sein Alter schon ganz cool ist, nämlich das Backtracking und vielleicht der eine oder andere nervige Boss, sowie das es fast unmöglich scheint, in einigen Bildschirmen nicht sofort gesehen zu werden.

Ganz geil sind natürlich auch schon hier bereits die herrlich zu gleichen Teilen dramatischen wie dämlichen Namen. Metal Gear, Outer Heaven, Solid Snake, Big Boss, Shoot Gunner, Coward Duck und die beiden Terminator-esquen Arnolds. Herrlich käsig.

Ein bisschen archaisch ist es also schon, das 1987er Original MSX2 Metal Gear, aber doch schon ein recht interessanter Start einer etwas eigenen Franchise.

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