Dracula on TV

ava-1919Die 2013 ausgestrahlte und sofort gecancelte TV-Version von Dracula schimpft sich auch ein Reimagining, weil das klingt immer gut, wenn man frisch und neu ist, besonders wenn man so ein angestaubtes Buch von 1897 als Grundlage nimmt, welches bereits neunzigmillionen Mal verfilmt wurde.

Dracula in dieser Version ist ein netter Kerl, dem als Vlad Tepes die Frau gekillt wurde, und der nachdem er daraufhin der Kirche entsagte zum blutsaugenden Monster bestraft wurde. So viel also zu Neuinterpretation. Aber tatsächlich ist es so, dass abgesehen von der Backstory wie Dracula zu Dracula wurde, die Konstellation der Charaktere doch teilweise stark anders ist. Nicht neu, allerdings nicht Bram Stokers Dracula. Sondern eher einen noch etwas älteren Klassiker in Alexandre Dumas Der Graf von Monte Christo.

Also gut, dies ist das Setup: Es gibt den Orden des Drachens, der jetzt erst Mal nach einem Dracula-Kult klingt, aber den man sich doch mehr wie die Tempelritter vorstellen kann, als christlichen Ritterorden mit viel Macht und Einfluss. Und Vlad Tepes war ein Mitglied. Aber dann kam seine Frau auf den Scheiterhaufen und er wurde Dracula. Ebenfalls ein ehemaliges Mitglied des Ordens, bis die auch seine Familie umgebracht haben, ist Van Helsing. In dieser Version von Dracula sind nun Drac und Van Helsing Verbündete, die in London aufgetaucht sind, um den Orden zu stürzen und seine Obrigen zu strafen.

Mina ist eine Medizinstudentin unter Van Helsing, und natürlich die Wiedergeburt von Draculas Frau. Harker ist weiterhin deren Verlobter, allerdings fängt es ziemlich schnell an zwischen den beiden zu kriseln, und das nicht nur, weil der düster-sexy-mächtige Neuankömmling sich auf Mina einschießt. Lucy gibt es auch noch, als beste Freundin von Mina, die heimlich Scherereien mit ihr machen will, wenn ihr versteht, was ich da andeute, ist aber weitestgehend eher unwichtig.

Wie gesagt, der Ablauf der Serie hat mich schon stark an Der Graf von Monte Christo erinnert, nur mit den Charakteren aus Bram Stokers Dracula. Oder, wegen der ziemlich identischen Hintergrundgeschichte zu Dracula, vielleicht doch eher mit den Charakteren aus Francis Ford Coppolas Version von Bram Stokers Dracula. Denn auch hier geht es letztendlich um die persönliche Vendetta eines (bzw. zweier) Mannes gegen die Mächtigen, die ihm die Frau kosteten, und dabei selbst droht zum Monster zu werden, bzw. im Spiel der Intrigen und des Verrats zur Selbstzerstörung bereit ist, um sein Ziel zu erreichen. Vor allem wo Mina und Jonathan zunächst recht unschuldige Gutmenschen zu sein scheinen, die nur in dessen Dunstkreis geraten und korrumpiert werden.

Warum Dracula nicht die Quoten brachte, um nach der ersten Staffeln a 10 Folgen weitergeführt zu werden, ist allerdings auch ersichtlich. Gerade die ersten drei Folgen, was so ungefähr so viel ist, wie Leute maximal einer Serie bereit sind zu geben, bevor sie aufgeben und nicht mehr einschalten, sind alles andere als spannend oder interessant. Ich referiere hier noch mal zu Anno Dracula, bei dem es ja um Jack the Ripper ging, der dort ein Vampirmörder ist. Im Interview am Buchende meinte der Autor, dass er die Idee der Ripper selbst ist ein Vampir sofort verwarf, weil das viel zu einfach und langweilig ist. Nun, die erste Folge von Dracula erwähnt auch nebenbei, dass der letzte Vampir, der London unsicher machte, der Täter in den Whitechappel-Morden war, also Jack the Ripper. Eine Serie wie Dracula kommt nicht auf die Idee, dass dies kein ganz so interessanter Einfall ist, sondern hält das für clever.

Zur Mitte hin hatte sich die Serie für mich etwas gebessert. Besonders dann, wenn die Ränkeschmiede wirklich etwas ins Rollen kommen, wenn sowohl der Orden wie Dracula beim gegenseitigen Zerstörungsversuch zu Straucheln beginnen, wenn die Serie auch endlich ein ganzes Stück blutiger wird – auch wenn die Action-Einlagen die ganze Staffel über ziemlich dilettantisch inszeniert bleiben werden.

Leider hat das gegen Ende hin erneut wieder etwas nachgelassen. Wenn Charaktere irgendwie aufhören der Logik zu unterstehen, und einfach die dämlichsten Sachen zu machen beginnen, einfach damit es die Handlung voran bringt. Wenn die Serie Jonathan wie das letzte Arschloch statt den korrumpierten Netten darstellen muss, damit wir Minas Anbandeln mit Dracula auch gut finden dürfen, statt einen fiesen Beziehungsbruch. Der Grund, warum Dracula aus Lucy seine erste Vampirin macht, ist an Dummheit eh nicht zu übertreffen. Hilft nicht, dass einige Dinge die komplette Staffel über mehr als vage bleiben werden. Beispielsweise warum Vlads Frau umgebracht wurde, oder die Familie von Van Helsing, und was genau die Ziele des Ordens überhaupt sind.

Dracula als Charakter ist auch etwas schizophren behandelt. Es ist ziemlich klar, dass die Serie ihn eigentlich als Guten sehen will. Gleichzeitig will man aber auch kein so Zahnloses Weichei haben wie in Dracula Untold. Und so richtig die Mitte zwischen dem gefallenden Grafen von Monte Christo und dem blutsaugenden Monster bekommt die Serie einfach nicht. Vielleicht ist ein Teil des Problems das Dracula-Darsteller Jonathan Rhys Meyers, der dem eine schreckliche Christian-Bale-Batman-Stimme gibt, wenn er versucht sexy oder bedrohlich zu sein, Mit-Produzent an dem Ding ist. Jedenfalls ist die Serie erneut in der Mitte hin besser, wenn Dracula Charakterschwächen haben darf, statt gegen Ende, wenn er zum Superhelden mutiert.

Von daher ist das die Serie eingestellt wurde kein wirklicher Verlust, besonders nachdem der beste Charakter Renfield raus ist, denn das Ding war schon eine recht ungleiche Fahrt, mit Tiefen zu Beginn und Ende.

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