Oculus

ava-1917Mike Flanagan ist noch relativ frisch im Business. Nach 3 Studentenfilmen gab es den Kurzfilm Oculus Chapter 3, dann mit Absentia seine ersten richtigen Abendfüller, und schon kam die Option einen solchen auch aus seinem Oculus zu machen. Das ist bisher sein neuester Film, jedoch hat er bereits 4 weitere in der Pipeline. Alles Horrorfilme, er ist dem Genre also schon sehr zugetan.

Großen Respekt verdient Flanagan von mir schon mal, weil er Oculus nur drehen wollte, wenn es kein erbärmlicher Found Footage Scheiß werden durfte. Wofür sich das Konzept um die grauslige Vergangenheit des verfluchten Spiegels durchaus anbietet, aber glücklicherweise hat er sich da ja stur gestellt. Stattdessen haben wir eine Rahmenhandlung in der Gegenwart zu der Haupthandlung in der Vergangenheit.

Genau genommen starten wir mit Tim, der an seinem 21. Geburtstag aus der Heilanstalt entlassen wird, in der er ist, um das Trauma zu verarbeiten, als kleiner Junge seinen Vater erschossen zu haben. Seine Schwester Kaylie derweil hat einen festen Job und Verlobten, und bietet Tim an bei ihr wohnen zu können, hat ihm aber schon Anzeigen herausgesucht, um Job und eigene Bude und somit ein ordentliches Leben auf die Beine gestellt zu bekommen. Perfekt für die Rehabilitation in die Gesellschaft, oder?

Nicht ganz, denn Kaylie ist weiterhin davon überzeugt, dass dies damals keine Familientragödie war, in der ihr fremdgehender Vater die Mutter ermordete und dann von Tim aus Selbstschutz erschossen wurde, sondern das ein Spiegel im neuen Haus alle in den Wahnsinn trieb, bis es zum großen Knall kam. Also genau das, was Tim gut zehn Jahre lang verbracht hat als Hirngespinst zu entlarven, welches sein Kinderverstand vorgeschoben hat, um seine Schuld zu bewältigen.

Kaylie ist tatsächlich wie besessen vom Spiegel. Sie hat dessen Vergangenheit nachverfolgt, wie er über die Jahrzehnte von einem Haushalt in den anderen wechselte, und welches immer wieder ein brutales Ende fand. Sie hat ihn sogar in die Hände bekommen und will nun im alten Elternhaus ein Experiment starten. Unter den Augen von drei Kameras filmt sie das Ding über mehrere Tage. Hat Pflanzen verteilt, um dessen Energie-Entzug gegenüber Lebewesen zu vermitteln. Wecker aufgestellt, um dem Verlust des Zeitgefühls zu entgegnen, usw. usf. Tim lässt sich nur darauf ein, um sie von ihren eigenen Wahnvorstellungen zu überzeugen.

Oculus war etwas anders als ich erwartet hatte. Beispielsweise dachte ich, dass die Geschichte in der Vergangenheit relativ schnell in ein paar Flashbacks abgehandelt ist, und tatsächlich das Hier und Jetzt viel wichtiger wird. Dem ist allerdings nicht so, in der Gegenwart haben wir essentiell wirklich nur zwei Charaktere, nämlich die Geschwister mit dem Spiegel im Haus, und dies dient wirklich nur als Rahmenhandlung, um nach und nach die Ereignisse in der Vergangenheit zu zeigen, welches definitiv die Haupthandlung des Filmes ausmacht. Die Gegenwart ist nur dazu da, um ein wenig damit zu spielen, ob dies hier denn wirklich tatsächlich ein verfluchter Spiegel ist, oder ob es nicht doch so ist, dass die Kids sich falsch erinnern, um sich nicht der Realität stellen zu müssen.

Entsprechend ist der Film auch sehr bedächtig in seinem Voranschreiten, und wirkliche Horror-Spitzen sind rar gesät. Es ist eher so, dass der Film durchgängig eine sehr dichte und bedrückende Atmosphäre auffährt, statt wirklich einen zu erschrecken. Selbst wenn dann die Post abgeht, ist das unter den Familienmitgliedern, dämonische Einflüsse werden selten wirklich bildlich manifestiert dargestellt. Ganz überraschend eigentlich bei einem Verfluchter-Spiegel-Film, so ganz auf die üblichen Klischees zu verzichten, wie das plötzlich was im Spiegel auftaucht, was gar nicht da ist, oder herausgreift oder Ähnliches.

Fand ich eigentlich ganz gut, man muss sich halt darauf einstellen einen Film zu sehen, der wenig Spektakel und Action bietet, sondern mehr auf Atmosphäre und eine schleichende Gangart setzt. Dieses Understatement hat, gerade im Horror-Genre, aber sicherlich eben auch mal was.

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